Sardische Sprache

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sardisch

Gesprochen in

Italien (Sardinien)
Sprecher 1-1,3 Millionen
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Anerkannte Minderheitensprache in: Sardinien
Sprachcodes
ISO 639-1:

sc

ISO 639-2:

srd

ISO 639-3:

srd

Die sardische Sprache (sardisch: limba sarda), das Sardische, ist eine romanische Sprache, die auf der Mittelmeerinsel Sardinien von ca. 1–1,3 Millionen Menschen, den Sarden, gesprochen wird.

Im Vergleich zum Italienischen und den anderen romanischen Sprachen hat das Sardische verhältnismäßig viele phonetische und grammatikalische Elemente des Lateinischen bewahrt. Auch viele katalanische und spanische Einflüsse sind im Sardischen wiederzufinden.

Der Language Code ist sc beziehungsweise srd (nach ISO 639).

Soziolinguistischer Status[Bearbeiten]

Das Sardische wird ausschließlich auf der zu Italien gehörenden Mittelmeerinsel Sardinien von ca. 1-1,3 Mio. Menschen gesprochen (das sind etwa 80 % der Inselbevölkerung). Diese sind fast alle zweisprachig (italienisch/sardisch).

Durch ein Regionalgesetz von 1997 und ein Gesetz der italienischen Republik von 1999 wurde das Sardische als Minderheitensprache anerkannt. Eine Gleichstellung mit dem Italienischen, wie des Deutschen oder des Französischen in Südtirol bzw. im Aostatal, konnte aber noch nicht erreicht werden.[1]

Auf Sardinien gibt es weitere sprachliche Minderheiten: Auf den beiden Inseln im Südwesten Sardiniens (v. a. Carloforte und Calasetta) wird ein ligurischer Dialekt, das sogenannte „Tabarchino“, und in Alghero im Nordwesten (katalanisch L’Alguer, sardisch S'Alighera, spanisch Alguer) ein katalanischer Dialekt gesprochen.

Schriftsprache[Bearbeiten]

Die gemeinsame Schriftsprache der Sarden: limba sarda Comuna wurde 2006 experimentell eingeführt, der erste Text in limba sarda comuna ist das Statut der autonomen Region Sardinien, das am 7. März 2007 ratifiziert wurde.[2]

Dialekte[Bearbeiten]

Verbreitung der Dialekte

Die Hauptdialekte des Sardischen sind

Grammatik[Bearbeiten]

Besonders auffällig ist im Sardischen der bestimmte Artikel: Im Unterschied zu den anderen romanischen Sprachen geht dieser (wie im Mallorquinischen) nicht auf das lateinische Demonstrativpronomen ille, illa, illud (z. B. italienisch il/lo, la, französisch le, la, spanisch el, la) und die jeweiligen Pluralformen zurück, sondern leitet sich von lat. ipse, ipsv(m), ipsa(m) etc. her: Im Singular lauten die sardischen bestimmten Artikel su (mask. sing.), sa (fem. sing), im Plural sos (mask. pl.) und sas (fem. pl.) im Logudoresischen, im Campidanesischen is für beide Genera. Die Verwendung von ipse, ipsv(m), ipsa(m) als Artikel findet sich innerhalb der romanischen Sprachen sonst nur im katalanischen Dialekt von Mallorca. Wie im Spanischen und Rumänischen wird das direkte Objekt mit einer Präposition markiert (sogenannter präpositionaler Akkusativ): deo bido a Maria („ich sehe Maria“ (wörtlich: ich sehe zu Maria)).

Das Sardische bildet den Plural auf -s (wie in den westromanischen Sprachen): sa domo > sas domos, su cane > sos canes.[3]

Phonetik und Phonologie[Bearbeiten]

Charakteristisch ist zudem der weitestgehende Erhalt des vulgärlateinischen Vokalsystems, v. a. im Logudoresischen und Nuoresischen (im Campidanesischen nur in betonter Stellung, in unbetonter Position ist eine Reduktion auf -a, -i, -u zu beobachten, ähnlich wie im Sizilianischen).

In den logudoresischen und nuoresischen Dialekten bleiben die lateinischen intervokalischen Plosive (p, t, k) weitestgehend intakt, vor allem der Erhalt der lateinischen velaren Aussprache von -C- (/k/) fällt auf: z. B. lat. centu(m) (sprich: /kentu/) '100' > logudoresisch kentu (vgl. italienisch cento, französisch cent). Dieser Archaismus findet sich sonst nur im ausgestorbenen Dalmatischen.

Besonderheiten des Sardischen sind außerdem die Metaphonie (Umlaut), die Epithese („Nachklappvokal“: Falls ein Wort bzw. Satz auf Konsonant endet, wird der vorherige Vokal wiederholt: z. B. sas domos – sprich: /sar oder sal domoso/) sowie die Existenz des Retroflex-Konsonanten [ɖ], der graphisch meist mit -dd- oder -ddh- wiedergegeben wird.

Sprachprobe[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Leopold Wagner: Dizionario etimologico sardo. Heidelberg 1960–1964.
  • Maria Teresa Atzori: Sardegna (= Profilo dei dialetti italiani. 20). Pisa 1982.
  • Eduardo Blasco Ferrer, Michel Contini: Sardisch: Interne Sprachgeschichte I. Grammatik (Evoluzione della grammatica). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. Band IV.: Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 836–853.
  • Eduardo Blasco Ferrer: Sardisch: Externe Sprachgeschichte (Storia del sardo). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. Band IV.: Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 884–897.
  • Ines Loi Corvetto: Sardisch: Interne Sprachgeschichte II. Lexik (Evoluzione del lessico). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik.Band IV.: Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 854–867.
  • Giulio Paulis: I nomi di luogo in Sardegna. Sassari 1987.
  • Giuseppe Mercurio: S'allega baroniesa, fonetica, morfologia, sintassi, Milano, 1997.
  • Guido Mensching: Einführung in die sardische Sprache. Bonn 1992.
  • Maurizio Virdis: Sardisch: Areallinguistik (Aree linguistiche). In: Günter Holtus, Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. Band IV.: Italienisch, Korsisch, Sardisch. Tübingen 1988, S. 897–913.
  • Max Leopold Wagner: Geschichte der sardischen Sprache. Hrsg. Giovanni Masala. Francke, Tübingen / Basel 2002.
  • Alberto Areddu: Le origini albanesi della civiltà di Sardegna. Napoli 2007.
  • Eduardo Blasco Ferrer: Storia della lingua sarda. Cagliari 2009.
  • Eduardo Blasco Ferrer: Paleosardo. Le radici linguistiche della Sardegna neolitica. Berlin / New York 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikipedia auf Sardisch
  • www2.rz.hu-berlin.de – Pilotprojekt für einen Sprachatlas mit Hörbeispielen.
  • sardegna.net – Auszug aus Mensching 1992 (siehe Literatur), Sprachkarte und Beispiele.
  • sardu.net – Umfangreiche Portalseite zur sardischen Sprache - komplett auf Sardisch
  • lingrom.fu-berlin.de – Internet-Projekt aus Deutschland; Sammlung sardischer Texte, Artikel über die sardische Sprache und Mailing-Liste „sa-limba“
  • uoc.edu – Daten und Informationen zur soziolinguistischen Situation des Sardischen
  • ditzionariu.org – Wörterbuch Sardisch–Italienisch–Französisch–Englisch–Deutsch–Spanisch
  • sardinnia.de – Die Buchreihe Sardìnnia setzt sich zum Ziel, auf Werke deutscher und nichtdeutscher zeitgenössischer Forscher und Intellektueller aus allen wissenschaftlichen Disziplinen aufmerksam zu machen, die sich mit Sardinien befassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die gemeinsame sardische Sprache muss noch entwickelt werden Autonome Region Sardinien
  2. Limba sarda comuna Sardische Kulturagentur
  3. Grammatik der limba sarda comuna (PDF; 427 kB)