Sardonismus

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Sardonismus (in Verbindung mit Gelächter) bezeichnet im Unterschied zum Sarkasmus keinen beißenden, bitteren Spott, sondern einen grimmigen, schmerzvollen.[1]

Ursprung[Bearbeiten]

Sardonisches Lachen einer Maske

In deutschsprachigen Werken tritt der Ausdruck seit dem 16. Jahrhundert auf:

„Ain Sardonisch glächter würt inn aim sprichwort für ain erdichtets gespöttiges vnd vast bitters gelächter gebraucht.“

Juan Luis Vives[2]

„Sie lachten ein Sardonisch Gelächter.“

Plutarch[3]

Bereits im antiken Griechenland kannte man den Ausdruck.[4] Man unterschied zwischen kynisch (kynikós: ‚zur Weltsicht der Kyniker gehörig‘), sardonisch (sardánios: ‚das grimmige Hohngelächter eines Zornigen, bei eigenem Schaden oder eigenem Schmerz‘) und sarkastisch (sarkastikós: ‚höhnender Spott, verletzende Rede‘). So lacht Odysseus als Bettler verkleidet bei Homer sardonisch in sich hinein, als er, endlich zurückgekehrt, einem Kuhfuß ausweicht, mit dem ihn ein Freier seiner Frau bewirft.[5]

Bei der Urbevölkerung Sardiniens (lat. Sardoni) soll die Sitte bestanden haben, die alten Leute zu töten; dabei sollte gelacht werden. Das war der berüchtigte risus Sardonicus, ein krampfartiges Lachen, an dem die Seele unbeteiligt ist.[6]

Gelegentlich wird das krampfhafte Lächeln auf die Wirkung einer bitteren Pflanze sardánion (deutsch: Röhriger Wasserfenchel, je nach Quelle auch Lachkraut, Apium risus oder Sardoa herba) aus Sardinien zurückgeführt, die das Gift Oenanthotoxin enthalten soll und somit die Überlieferung von der Tötung der Alten erklären würde.[7] So schreibt Meyers Enzyklopädie von 1888 dazu, Sardoniasis sei ein „krampfhaftes, mit heftig wechselnden Gesichtsverzerrungen verbundenes Lachen ohne äußeren Anlass“. Der Ausdruck findet sich schon bei Homer (Odyssee, 20, 302) und soll von einem auf Sardinien wachsenden Kraut (bei Vergil Sardoa herba) hergenommen sein, dessen Genuss den Mund wie zum Lachen verzieht… Wer davon isst, dessen Gesicht verzieht sich zu einem ‚unwillkürlichen grinsenden Lachen‘.[8] Auch neuere Werke beziehen den Ursprung des krampfhaften Lachens auf das Gewächs Sardonia.[9] In einer Meldung von National Geographic Daily News behauptet Studienleiter Giovanni Appendino von der Università del Piemonte Orientale, die nur in Sardinien vorkommende Safranrebendolde (engl. hemlock water-dropwort, eine ungewöhnlich wohlschmeckende Giftpflanze) als Ursprung identifiziert zu haben.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus
  2. Juan Luis Vives: De officio mariti, dt. Übersetzung von Christophorus Bruno: Von Gebührlichem Thun und lassen eines Christlichen Ehemanns, Augsburg 1544, fol. 12b am Rand. Online. Frankfurt am Main 1566, fol. 10b am Rand. Online
  3. Plutarch, dt. Übersetzung von Wilhelm Xylander und Jonas Löchinger: Von der herrlichsten, löblichsten, namhafftsten Historien, Leben ... der herrlichsten Männer, so under den Römern und Griechen gegrünet haben, Frankfurt am Main 1580, fol. 211b. Online; W. de Porta: Illustr. dt. Monatshefte. 3. Folge. Band 5, 1875, S. 593 f; Büchmann, Geflügelte Worte 1912, S. 328; Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. Berlin 1963, S. 625.
  4. Wilhelm Pape: Griechisch-Deutsches Wörterbuch. Braunschweig 1849. Belegstellen u. a. bei Plato, Polybius, Meleager und Sophokles
  5. Wortschatz blueprints
  6. Karl Friedrich Wilhelm Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Brockhaus, Leipzig 1867, s. v. Gelächter
  7. Das Geheimnis des sardonischen Lachens. in: epoc. Heft 5. Spektrum, Heidelberg 2009, S. 9. ISSN 1865-5718
  8. Sardonisches Lachen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/ Wien 1885–1892, S. 328.
  9. dtv-Lexikon. Band 16, München 1977, ISBN 3-423-03066-6.
  10. James Owen: Ancient Death-Smile Potion Decoded?, 2. Juni 2009