Sarfannguit

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Sarfannguit (kleine Strömung(en))
Sarfánguit
Kommune Qeqqata Kommunia
Distrikt Sisimiut
Geographische Lage 66° 53′ 0″ N, 52° 51′ 0″ WKoordinaten: 66° 53′ 0″ N, 52° 51′ 0″ W
Sarfannguit (Grönland)
Sarfannguit
Einwohner 118
(1. Januar 2017)
Gründung 1843
Zeitzone UTC-3

Sarfannguit [ˌsɑˈfːaŋːuitˢʰ] (auch Sarfannguaq [ˌsɑˈfːaŋːuɑq], nach alter Rechtschreibung Sarfánguit bzw. Sarfánguaĸ) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Sisimiut in der Qeqqata Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarfannguit liegt an der Ostspitze der etwa 30 km langen Insel Sarfannguit Nunaat. Die schmale Meerenge Sarfannguit Ikerasaat trennt Sarfannguit vom Festland und verbindet damit zugleich die beiden Fjorde Amerloq und Ikertooq. Die nur etwa 2800 m² kleine Insel Qeqertannguaq liegt inmitten der Meerenge und reduziert damit die Verbindung zwischen den beiden Fjorden auf die etwa 21 m schmale Strömung Sarfannguaq und die 7 m schmale Sarfaa Kangilleq. Der nächstgelegene Ort von Sarfannguit aus ist der 35 km westlich gelegene Distrikt- und Kommunehauptort Sisimiut.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarfannguit wurde 1843 als Udsted gegründet. 1918 lebten 122 Menschen im Ort. Die Wohnung des Udstedsverwalters wurde im Gründungsjahr gebaut und war ein Stockwerkbau. Sie war allerdings 1918 nicht bewohnt, da der Udstedsverwalter ein eigenes Haus besaß. Das Proviantlager hatte auch einen Laden. Es wurde 1854 gebaut und war ebenfalls ein 54 m² großes Stockwerkgebäude. Das Speckhaus wurde 1845 aus Holz gebaut, hatte auch einen Fischschuppen und war 60 m² groß. Das Pulverhaus war aus Stein. Die Kapelle war ein Fachwerkgebäude mit Bretterverkleidung. Sie maß 45 m², hatte drei Fenster pro Seite und einen Altar, eine Kniefallbank und ein Taufbecken. Im Ort gab es zudem eine Schule aus Stein, die knapp 18 m² groß war. Neben dem Udstedsverwalter und dem ausgebildeten Katecheten waren auch eine Hebamme und ein Böttcher in Sarfannguit beschäftigt. Die Bewohner lebten von der Jagd auf Robben, Füchse, Rentiere, Wale und von der Fischerei.

Zwischen 1922 und 1944 wurden ein Laden, eine Schulkapelle, ein Packhaus, eine neue Wohnung für den Udstedsverwalter und mehrere Fischhäuser gebaut. 1948 erhielt der Ort eine neue Schule, sodass die Schulkapelle von 1927 folglich nur noch als Kirche genutzt wurde. Bis 1960 lebten maximal 169 Menschen in Sarfannguit.[2]

Seit 2018 liegt Sarfannguit als einziger Ort innerhalb des UNESCO-Weltkulturerbes Aasivissuit – Nipisat.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarfannguit lebt vor allem vom Fang von Kabeljau und Gestreiftem Seewolf[4] und der Jagd nach Rentieren und Moschusochsen sowie vom Tourismus, da der Ort nahe der Route des Arctic Circle Trail liegt. Sarfannguit ist außerdem eine Versuchsgebiet für Windenergieproduktion in Grönland.[5]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarfannguit wird alle zwei Wochen von der Royal Arctic Line angefahren. Im Winter erfolgt der Verkehr per Hundeschlitten oder Schneemobil nach Sisimiut und Kangerlussuaq. Ein Heliport existiert nicht in Sarfannguit. Der Ort liegt zwischen Sisimiut und Kangerlussuaq, sodass die Möglichkeit besteht, Sarfannguit an den geplanten Weg zwischen beiden Orten anzuschließen.

Die Stromversorgung wird von Nukissiorfiit über ein Dieselkraftwerk sowie testweise über Windenergie gesichert. Die Wasserversorgung erfolgt über den Tasersuaq auf der anderen Fjordseite. Müll und Abwasser werden auf der Deponie entsorgt.[5]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Sarfannguit gibt es eine Kindertagesstätte, eine Volksschule, einen Spielplatz, einen Fußballplatz, ein Servicegebäude, ein Versammlungsgebäude und eine Kirche.[5]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Olsen (1870–1944), Handelsverwalter und Landesrat

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerungszahl von Sarfannguit ist in den letzten 40 Jahren sehr konstant geblieben.[6]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarfannguit (2017)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sarfannguit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 97 f.
  3. Aasivissuit – Nipisat bei whc.unesco.org (.pdf)
  4. Sarfannguaq in Den Store Danske
  5. a b c Sarfannguit bei qeqqata.odeum.com
  6. Einwohnerzahl Sarfannguit 1977–2019 bei bank.stat.gl