Sarotti

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Sarotti ist die Marke einer Schokolade. Sie ist seit 1998 im Besitz der Stollwerck GmbH in Köln. Stollwerck wurde 2002 von der Barry Callebaut GmbH übernommen und 2011 an die belgische Unternehmensgruppe Baronie[1] verkauft.

Altes Markenlogo mit dem Sarotti-Mohren

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1868 begann der Konditor Hugo Hoffmann (1844–1911) zusammen mit einer Hilfskraft in einem Hinterhaus der Mohrenstraße (Berlin) mit der Herstellung „feiner Pralinen, Fondants und Fruchtpasteten“. Bereits am Schluss des ersten Jahres konnten 10 Arbeitskräfte beschäftigt werden. Nach vier Jahren und Umzug in die Dorotheenstraße (Berlin) konnte die Produktion fabrikmäßig auf Dampfmaschinenantrieb umgestellt werden.

Der selbst ernannte „Dampf-Chocoladenfabrikant“ Hoffmann erwarb 1872 die an der Friedrichstraße/Ecke Mohrenstraße gelegene „Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti“, die er zuvor auch beliefert hatte. Diese war 1852 von Heinrich Ludwig Neumann eröffnet worden und verkaufte größtenteils importierte Konditorwaren aus Paris. Nach der Übernahme führte Hoffmann die Produktionsstätte und den Laden in der Mohrenstraße zusammen und verkaufte die Produkte von nun an unter dem Namen „Sarotti“.

Über die Herkunft des Namens „Sarotti“ gibt es nur noch Spekulationen. So könnte ein von Neumann eingestellter italienischer Zuckerbäcker gleichen Namens Pate gestanden haben. Andererseits wird auch von einem Ausflug nach Potsdam berichtet, bei dem ihm der Name untergekommen sein soll. Aber auch Graf Algarotti, über dessen klangvollen Namen er in der Zeitung stolperte, könnte als Anregung gedient haben. Die Wortmarke Sarotti wurde 1894 angemeldet.

Die Sarotti-Höfe (2012)

Das Unternehmen führte ab 1881 den Namen „Deutsches Chocoladenhaus Hugo Hoffmann“ und lief so gut, dass die Produktion 1883 in größere Räumlichkeiten in der Belle-Alliance-Straße (heute Mehringdamm) ziehen musste, die sogenannten Sarotti-Höfe. Paul Tiede stieg als Teilhaber in die beiden immer noch getrennt firmierenden Unternehmen ein. Der Produktionsbetrieb hieß jetzt „Hoffmann & Tiede“, das Geschäft „Felix und Sarotti“.

In den Folgejahren expandierte das Unternehmen weiter. Die Zahl der Angestellten stieg im Jahr 1889 auf 90 und im Jahr 1893 auf 162. Die Produktionsstätten wurden auf den Nachbargrundstücken erweitert. 1903 entstand die „Sarotti Chocoladen und Cacao Aktiengesellschaft“ mit mehr als 1.000 Angestellten im Jahr 1906.

Historische Sarotti-Werbung im U-Bahnhof Wittenbergplatz, Berlin

Die beiden Unternehmer starben in den Jahren 1911 und 1912. Hugo Hoffmanns Sohn Max übernahm die Leitung. 1913 wurde die neue Produktionsstätte in Tempelhof mit etwa 2.000 Angestellten eröffnet. Im Ersten Weltkrieg ging die Produktion zurück, die Zahl der Mitarbeiter sank auf die Hälfte.

Das Produktsortiment reichte von feinen Schokoladenwaren, Pralinen, Kakao, Marzipanerzeugnissen und Fondants bis zu Likören. 1929 übernahm die Schweizer Aktiengesellschaft Nestlé die Mehrheit an der Sarotti AG. Im gleichen Jahr fasste das Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet Fuß, indem es eine in Hattersheim am Main gelegene Schokoladenfabrik kaufte. Nach den Krisenjahren bis 1935 entwickelte sich das Gesamtunternehmen bis zum Zweiten Weltkrieg sehr günstig

Aktie über 100 Goldmark der Sarotti AG (1924).

Während des Zweiten Weltkriegs musste das Unternehmen auf andere Erzeugnisse ausweichen, da die bei Kriegsbeginn vorhandenen Vorräte an Rohkakao nur für kurze Zeit ausreichten. Nach dem Krieg wurde das Berliner Werk zu 85 % als Reparation demontiert.

Erst vier Jahre nach Kriegsende konnte sich die Firma mit den ersten Lieferungen von Rohkakao wieder dem eigentlichen Zweck zuwenden. 1949 wurde der Sitz der Sarotti AG nach Hattersheim verlegt. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde mit der Erneuerung und Ergänzung der Fabrikationsanlagen in Berlin und Hattersheim begonnen. 1962 wurde im Produktionsstandort Hattersheim mit dem Bau einer der modernsten Schokoladenherstellungsanlagen Europas begonnen, die 1964 in Betrieb ging. 1969 kämpfte die Firma aufgrund eines wenig innovativen Produktsortiments mit sinkenden Erlösen.[2]

Nach 1945 wurde Wilhelm Koppe (1896–1975) unter dem Falschnamen „Wilhelm Lohmann“ als Direktor der Sarotti Schokoladenfabrik in Bonn Geschäftsführer. Er war während des Zweiten Weltkriegs als SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und der Polizei für den Holocaust im westlichen Teil Polens mitverantwortlich.[3]

1998 übernahm die Stollwerck GmbH die nur auf dem deutschen Markt bekannte Traditionsmarke. Im Juli 2011 wurde Stollwerck (mit der Marke Sarotti) an den belgischen Süßwarenhersteller Sweet Products/Baronie verkauft.[4]

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Der Sarotti-Mohr, ausgestellt im Imhoff-Schokoladenmuseum

In Erinnerung an die Gründungsstätte in der Berliner Mohrenstraße, entstand im Jahr des 50. Firmenjubiläums 1918 der Sarotti-Mohr als Markenfigur. Er tauchte zum ersten Mal auf Verpackungen in Gestalt von drei Mohren mit Tablett auf. Die Darstellung des Sarotti-Mohren zählt zu der bekanntesten Werbestrategie der ausgehenden Kolonialzeit, in der die bildliche Werbung im Entstehen war. Dabei erfreute sich bei vielen deutschen Firmen die Abbildungen von Afrikanern, die oftmals zwar für ihre Exotik bewundert wurden, aber auch immer als „Minderwertige“ und „Wilde“ gezeichnet wurden. Die Exotik sollte die deutsche Bevölkerung im Kaiserreich an ihre Kolonien erinnern, aber auch als Blickfang dienen, um die Kauflust zu steigern.[5] Zwei Jahre später wurde der Grafiker Julius Gipkens damit beauftragt, ein neues Firmenlogo zu entwickeln; der Eintrag im Markenregister erfolgte 1922.

Der Sarotti-Mohr wurde in den 1960er Jahren durch Fernsehspots zu einer populären Werbefigur, mit der die Marke bis heute verbunden wird. Er wurde oft kritisiert, da manche in der Figur des Dieners rassistische Stereotype sahen.[6] 2004 wurden daher alle Produkte umfangreich neugestaltet, der Sarotti-Mohr wich dem „Sarotti-Magier der Sinne“. Statt eines Tabletts oder einer rot-blauen Fahne in der Hand wirft die Figur auf einer goldenen Mondsichel Sterne in die Luft, außerdem hat der Magier eine goldene Hautfarbe.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Köstliche Schokoladen von SAROTTI in Hattersheim. In: Landrat Dr. Valentin Jost (Hrsg.): Main-Taunus-Almanach 1967+1968. S. 205–208.
  • Rita Gudermann, Bernhard Wulff: Der Sarotti-Mohr : Die bewegte Geschichte einer Werbefigur. Ch. Links Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-86153-341-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sarotti-Mohr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baronie (Süßwarenhersteller) im Marjorie-Wiki
  2. Am Markt vorbei. In: Der Spiegel. 5. Mai 1969 (spiegel.de).
  3. Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem : Ein Bericht über die Banalität des Bösen [1964]. 12. Auflage. München, Berlin 2015, S. 85.
  4. Ein neues Zuhause für den Sarotti-Mohr. Nürnberger Zeitung. 11. Juli 2011. Abgerufen am 7. August 2011.
  5. Joachim Zeller: Bilderschule der Herrenmenschen. Ch. Links Verlag, Berlin 2008, S. 221 ff.
  6. Rita Gudermann: Leseprobe aus „Der Sarotti-Mohr. Die bewegte Geschichte einer Werbefigur“ (PDF; 165 kB) Ch. Links Verlag. Abgerufen am 7. August 2011.