Sascha Krolzig

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Sascha Marcel Krolzig (* 8. Juni 1987 in Hamm) ist ein rechtsextremer Politiker (Die Rechte) und Aktivist der Freien Kameradschaftsszene in Nordrhein-Westfalen, der bundesweit als Anmelder und Redner bei rechtsextremen Kundgebungen auftritt.

Sascha Krolzig als Redner auf einer Neonazi-Kundgebung am 19. November 2005 in Köln

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sascha Krolzig war führendes Mitglied der „Kameradschaft Hamm“ (KS Hamm), einer der bis zu ihrem Verbot im August 2012[1] aktivsten neonazistischen „Freien Kameradschaften“ in Nordrhein-Westfalen. Für Flugblätter der KS Hamm zeichnete er als presserechtlich Verantwortlicher.

Seit 2004 tritt Krolzig häufig als Anmelder und Redner bei rechtsextremen Kundgebungen auf, erstmals am 21. Januar 2004 in Hamm. Bei den zahlreichen folgenden Demonstrationen erschien er unter anderem mit Siegfried Borchardt, Ursula Haverbeck, Axel Reitz, Christian Worch und Thomas Wulff.

Dem Kampfbund Deutscher Sozialisten ist er im Januar 2007 beigetreten und war bis zu dessen Selbstauflösung im Juli 2008 „Regionalbeauftragter West“.

Im September 2012 wurde er in den Vorstand des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der Partei Die Rechte gewählt,[1] in deren Bundesvorstand er auch als Beisitzer fungiert. Zudem ist er Vorsitzender des Kreisverbandes Hamm von Die Rechte.

Strafprozesse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krolzig musste sich vor Gericht verantworten, da er sich in einer am 14. März 2005 in Dortmund gehaltenen Rede u. a. mit dem Ausdruck „Alles für Deutschland“ an eine Losung der SA anlehnte. Am 29. Juni 2005 wurde er vom Amtsgericht in Hamm wegen Verstoßes gegen § 86a StGB, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt. Gegen das Urteil wurde Revision beim Oberlandesgericht in Hamm eingelegt, diese jedoch im Februar 2006 verworfen. Gegen die Entscheidungen des Amtsgerichtes und des Oberlandesgerichtes hatten er und sein Anwalt Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Am 24. Mai 2006 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung zugelassen wird. Das Urteil und die danach anlaufende „mediale Verwertung“ durch Krolzig in der rechtsextremen Szene bescherte ihm bundesweite Beachtung. Sein Stellenwert innerhalb der rechtsextremen Gruppierungen zeigte sich anhand einer Neonazi-Demonstration am 22. Juli 2006 in Hamm, die seine Inhaftierung Mitte Juni 2006 zum Anlass einer Kundgebung mit dem Thema „Freiheit für alle politischen Gefangenen“ nahm.

Am 28. Oktober 2013 wurde Krolzig in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Bückeburg wegen Beleidigung zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Hintergrund ist ein Vorfall im Umfeld des am 4. August 2012 in Bad Nenndorf stattgefundenen rechtsextremen „Trauermarsches“, in dessen Verlauf es zu einer Auseinandersetzung zwischen Krolzig und einem dunkelhäutigen Polizeibeamten gekommen sein soll. Dabei sei der Beamte von Krolzig rassistisch beleidigt worden. Krolzig war hierfür bereits in erster Instanz vor dem Amtsgericht Stadthagen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.[2] Das Urteil ist rechtskräftig.

Am 9. Dezember 2016 wurde Krolzig erneut vorläufig festgenommen, da er gemeinsam mit einem Bekannten in der Dortmunder Innenstadt eine Person fremdenfeindlich beleidigt und ein Glas ins Gesicht geschlagen haben soll.[3] Gegen Krolzig wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamten und Beleidigung eingeleitet.[4] Der Vorfall birgt eine besondere Brisanz für Krolzig, da seine Bewährungszeit aus dem Urteil vom 28. Oktober 2016 ca. drei Wochen vor dem Vorfall abgelaufen ist und Krolzig im Falle seiner Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen hat.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krolzig studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld (2009 bis 2014). Vom 4. Februar bis 15. März 2013 absolvierte Krolzig ein juristisches Praktikum in der Stadtverwaltung der Stadt Werther (Westf.), offenbar ohne dass der Stadt Krolzigs politischer Hintergrund bekannt war.[5] Im August 2015 entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass Krolzig das Rechtsreferendariat nicht antreten darf und somit das 2. Staatsexamen versperrt bleibt. Dies wurde u. a. mit seinen zahlreichen Vorstrafen begründet.[6][7] Das Urteil wurde im Februar 2016 erneut bestätigt, da Krolzig für einen Ausbildungsgang, der zum Richteramt befähige, „unwürdig und charakterlich nicht geeignet“ sei.[8] Als alternative berufliche Betätigung tritt Krolzig seit September 2016 als "Freier Redner und Zeremonienleiter" auf. Dabei firmiert er unter seinem zweiten Vornamen "Marcel" Krolzig.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hammer Sascha Krolzig jetzt bei der "Rechten" In: Westfälischer Anzeiger, 18. September 2012.
  2. Bewährungsstrafe für Neonazi Sascha Krolzig, Bericht vom 31. Oktober 2013
  3. Frank Lahme: Rechte-Landesvorsitzender Sascha Krolzig in Dortmund in Prügelei verwickelt. In: Westfälischer Anzeiger, 9. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  4. Polizei Dortmund: Gefährliche Körperverletzung und fremdenfeindliche Beleidigungen- rechte Aktivisten aus Hamm festgenommen. In: Presseportal der Polizei, 9. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  5. Anja Hanneforth: Praktikant schlägt hohe Wellen. In: Haller Kreisblatt, 26. März 2013.
  6. http://www.lippewelle.de/start/single/article/sascha-krolzig-darf-kein-anwalt-werden/
  7. http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2015/6_B_733_15_Beschluss_20150812.html
  8. Vorbestrafter Nazi will Strafverteidiger werden. Welt online, 22. Februar 2016
  9. Ihr Trauerredner und Hochzeitsredner für Bielefeld und OWL - Marcel Krolzig - Trauerredner und Hochzeitsredner in OWL. In: www.freie-zeremonie.net. Abgerufen am 24. Oktober 2016.