Saudi-arabische Nationalgarde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kämpfer der Nationalgarde im Zweiten Golfkrieg

Die saudi-arabische Nationalgarde (arabisch الحرس الوطني, DMG al-Ḥaras al-Waṭanī oder SANG - Saudi Arabian National Guard), auch „Weiße Armee“ (White Army) genannt, ist eine der Teilstreitkräfte des Königreichs Saudi-Arabien. Zu diesen zählen die Landstreitkräfte, die Luftwaffe, Marine und die Nationalgarde. Der Ursprung der Nationalgarde lässt sich auf die radikalen Ichwān-Kämpfer zurückführen, die zur Festigung der Macht von König Abd al-Aziz auf der Arabischen Halbinsel beitrugen. Die Stärke der Nationalgarde betrug 2015 ca. 200.000 Mann.[1]

Zu den Aufgabenbereichen der Nationalgarde zählen der Schutz der königlichen Familie, der Schutz der heiligen Stätten[2] (Mekka und Medina) sowie militärische Einsätze im Inneren, wobei sie die Polizei unterstützt, z. B. bei der Durchsetzung des in Saudi-Arabien geltenden Versammlungsverbots. Die saudische Regierung setzt die Nationalgarde ein, um innere Unruhen zu unterdrücken und Staatsstreiche zu verhindern, auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus.

US-General Martin E. Dempsey (Programm-Manager des Modernisierungsprogramms der Saudi-arabischen Nationalgarde 2001–2003)

Dank umfangreicher Unterstützung durch die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich[3][4] hat sie sich zu einer gut ausgestatteten und mobilen Einheit entwickelt. Die saudischen Offiziellen haben ihre Aufgaben weit über die einer typischen Reservistengruppe hinaus ausgedehnt und die Nationalgarde eingesetzt, um die Ordnung im In- und Ausland aufrechtzuerhalten, wie ihre interventionistische Rolle[5] bei der Eindämmung der bahrainischen Demokratiebewegung im Jahr 2011 gezeigt hat.[6]

Am 27. Mai 2013 fand eine Reorganisation statt, wobei die Nationalgarde in ein Ministerium umgewandelt wurde.[7] Prinz Mutaib bin Abdullah (متعب بن عبد الله), der frühere Kommandant der SANG, wurde am gleichen Tag Minister der Nationalgarde.[7]

Am 4. November 2017 wurde Prinz Mutaib bin Abdullah als Minister der saudischen Nationalgarde durch Chaled bin Ajjaf al-Muqrin (خالد بن عياف آل مقرن) ersetzt, einen niederrangigeren Prinzen, der bisher einen Posten in der Garde besetzte.[8][9]

Die Nationalgarde verfügt über eine aus verschiedenen Ländern stammende Bewaffnung. Militärhubschrauber verschiedener Typen (Kampfhubschrauber u.a.) stammen aus den USA (auf dem Logo der Nationalgarde abgebildet sind augenscheinlich ein Schweizer Mowag Piranha[10], dazu ein Kalaschnikow-Sturmgewehr gekreuzt mit einem Scimitar (Säbel), und im Mittelpunkt des Logos befindet sich das Wappen Saudi-Arabiens), andere Waffen auch aus Deutschland.

Der US-amerikanische General Martin E. Dempsey war von September 2001 bis Juni 2003 Programm-Manager des Modernisierungsprogramms der Saudi-arabischen Nationalgarde.[11]

Dem Whistleblower Ian Foxley zufolge versorgte das Unternehmen GPT in Riad, eine Tochter des europäischen Luft-, Raumfahrts- und Rüstungskonzerns Airbus, die königlich-saudische Nationalgarde mit moderner Kommunikationstechnik.[12][13]

Regionale Hauptquartiere der saudischen Nationalgarde liegen in Riad, Dschidda und in der Ostprovinz in der Stadt Dammam.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. aljazeera.com: Saudi King Salman cements hold on power – abgerufen am 6. November 2017
  2. Der Hüter der heiligen Stätten ist seit 1932 der König von Saudi-Arabien.
  3. siehe auch Programme for the Foreign Secretary’s Gulf Tour, 27 October–2 November 2015 (abgerufen am 6. November 2017)
  4. alaraby.co.uk: Prince Charles unhappy promoting arms industry in Middle East (3. Februar 2015), Zitat: "For Saudi Arabia alone, the UK Ministry of Defence is understood to have 240 civil servants and military personnel working to support the contracts through the Ministry of Defence Saudi Armed Forces Programme (MODSAP) and the Saudi Arabia National Guard Communication Project (SANGCOM)." (abgerufen am 6. November 2017)
  5. vgl. Saudische Truppen in Bahrain : Ministerium verharmlost Einmarsch - taz.de, 10. 7. 2011 (abgerufen am 6. November 2017)
  6. Mapping the Saudi State Chapter 5: The National Guard - adhrb.org (abgerufen am 6. November 2017)
  7. a b King Abdullah transforms National Guard into ministry. In: Asharq Alawsat (Archivversion), 28. Mai 2013. 
  8. Minister of National Guard, Prince Mutaib bin Abdullah removed from his position. In: Alarabiya. 4. November 2017; abgerufen am 6. November 2017.
  9. 11 Saudi Princes Among Dozens Arrested In Apparent Move To Boost King's Son - npr.org (abgerufen am 6. November 2017)
  10. vgl. tanks-encyclopedia.com (suche: "Saudi LAV-M (National Guard)" usw.) - (abgerufen am 6. November 2017)
  11. defense.gov: General Martin E. Dempsey (abgerufen am 6. November 2017)
  12. derpatriot.de: Whistleblower hält Vortrag in der Uni (abgerufen am 6. November 2017)
  13. businessinsider.de: 'Give me 10 minutes. That was enough time for me to get out of the compound and lose the tail': How a whistleblower escaped Saudi Arabia after uncovering an alleged bribery scheme at Airbus (abgerufen am 6. November 2017)
  14. Dammam, Saudi Arabia, globalsecurity.org (abgerufen am 6. November 2017)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]