Sauerbruch-Arm

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Der Sauerbruch-Arm war eine von dem Chirurgen Ferdinand Sauerbruch konstruierte Prothese, die hauptsächlich für versehrte Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs gedacht war. Die hohen Kosten für die Prothese konnten jedoch nur wenige Betroffene aufbringen, so dass ihre Anwendung von vornherein nur begrenzt war. Dazu wurde bei dem verbliebenen Armstumpf durch das Muskelfleisch ein von Haut ausgekleideter Kanal gelegt, durch den ein Bolzen eingeführt wurde. Damit konnte die Bewegung der verbliebenen Muskulatur im Armstumpf auf die Prothesenteile, insbesondere der Hand (die Hüfnerhand), übertragen werden.

Sauerbrucharm mit Hüfnerhand des Hutmachers Gottfried Schätz aus Tegernsee

Jakob Hüfner entwickelte am Ende des Ersten Weltkrieges für armamputierte Kriegsteilnehmer einen Mechanismus, der Muskelbewegungen auf Daumen und Zeigefinger übertrug, und konstruierte eine mechanische Ersatzhand. Sie konnte aktiv geöffnet und geschlossen werden. 1920 meldete er seine Erfindung beim Reichspatentamt an. Sauerbruch verwendete die Hüfnersche Zweizughand. Diese Erfindung half nach 1945 rund 50.000 armamputierten Männern, sich wieder in das Berufsleben einzugliedern.

Durchgesetzt hat die Sauerbruch-Prothese sich auch deshalb nicht, weil in diesem Kanal oft Entzündungen und Infektionen auftraten. Der Gedanke, die motorische Steuerung auf die Prothese zu übertragen, wurde indes nicht verworfen, sondern kam bei der myoelektrischen Prothese wieder auf. Dennoch ist auch ihre Verbreitung wegen des hohen Preises begrenzt.

Einen literarischen Nachklang fand der Sauerbruch-Arm in Bertolt Brechts Abhandlung Me-ti. Buch der Wendungen. In dieser Schrift taucht eine an Ferdinand Sauerbruch angelehnte fiktive Figur auf: der Arzt Schin-fu, der in Lazaretten arbeitete und durch die Konstruktion einer künstlichen Hand für Soldaten bekannt wurde.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Friedrich Karpa: Die Geschichte der Armprothese unter besonderer Berücksichtigung der Leistung von Ferdinand Sauerbruch (1875–1951). Dissertation. Bochum 2005 (online, PDF; 4,65 MB).
  • Marion Maria Ruisinger (Hrsg.). Die Hand des Hutmachers. Deutsches Medizinhistorisches Museum, Heft Nr. 40, Ingolstadt 2014.
  • Marion Maria Ruisinger: Medizingeschichte 3 D. In: Bayrisches Ärzteblatt. 3/2014, S. 115.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bertolt Brecht: Me-ti / Buch der Wendungen. Werkausgabe Band 12 (Prosa 2), Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967, S. 501.