Saure Bohnen

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Salz-Schneide­bohnen als Handels­ware (die aus der Packung ent­nommenen Bohnen sind hier noch un­gewässert)
Bohnenschneider

Saure Bohnen, auch Salzbohnen, Salz-Schneidebohnen, rheinische Schneidebohnen oder im Volksmund Fitzebohnen genannt, sind grüne Gartenbohnen, die ähnlich wie Sauerkraut und Salzgurken durch Milchsäuregärung konserviert wurden. Sie gehören zu den Sauergemüsen.

Zur Herstellung werden größere grüne Bohnen geputzt, abgefädelt und in mundgerechte Stücke geschnitten. Nach kurzem Blanchieren werden die erkalteten Bohnen mit Salz vermischt, um den Gärprozess einzuleiten. Früher wurden bei haushaltsüblicher Herstellung, vor allem in ländlichen Regionen, die vorbereiteten und geschnittenen (ugs. „gefitzelten“, „gefitschten“) Bohnen abwechselnd mit Salz in einen Steinguttopf geschichtet und festgestampft, bis sie mit dem eigenen Saft bedeckt waren. Anschließend wurden die Bohnen mit einem sauberen Tuch bedeckt und mit einem Brettchen und einem Stein beschwert, bis nach einigen Wochen (in denen Brettchen und Stein mehrmals gründlich gereinigt werden sollten bzw. mussten) der Gärprozess abgeschlossen war.

In einigen Regionen Deutschlands sind saure Bohnen, meist in Beuteln verpackt, auch als Handelsware erhältlich. Wegen des relativ hohen Salzgehalts müssen die Schneidebohnen vor der weiteren Zubereitung intensiv gewässert werden.

Traditionell werden saure Bohnen mit Zutaten wie Speck, Zwiebeln und Kasseler oder Mettwurst als Eintopf zubereitet. In der Norddeutschen Küche werden sie auch zusammen mit separat gekochtem Rindfleisch zubereitet sowie für Salate verwendet, wobei sie zuvor gedünstet und teils warm weiterverarbeitet werden. „Saure Bohnen nach rheinischer Art“ („Suur Bonne“) sind weniger flüssig und enthalten zusätzlich Stampfkartoffeln.

Im Schwäbischen werden saure Bohnen meist nicht aus den milchsauer vergorenen Bohnen, sondern aus frischen Bohnen in einer mit Essig angesäuerten Mehlschwitze gekocht und ähnlich wie Linsen mit Spätzle serviert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gertrud Herrig: Ländliche Nahrung im Strukturwandel des 20. Jahrhunderts (= Kultureller Wandel, Band 1). Anton Hain Verlag, Meisenheim am Glan 1974, ISBN 3-445-01206-7, S. 53, 208 (zugleich Dissertation, Universität Mainz 1972).
  • Josef Fröhlingsdorf: Eine ungewöhnliche Frau des 20. Jahrhunderts. Das Leben der Katharina Fröhlingsdorf (1885–1957). BoD, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-8482-3250-5, S. 42–43 (ausführliche Beschreibung der Herstellung und Verwendung von Sauren Bohnen im Privathaushalt; Auszug bei Google Books).