Sboriw

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Sboriw
Зборів
Wappen von Sboriw
Sboriw (Ukraine)
Sboriw
Sboriw
Basisdaten
Oblast: Oblast Ternopil
Rajon: Rajon Sboriw
Höhe: keine Angabe
Fläche: 7,8132 km²
Einwohner: 8.700 (2004)
Bevölkerungsdichte: 1.114 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 47200 – 47204
Vorwahl: +380 3540
Geographische Lage: 49° 40′ N, 25° 9′ OKoordinaten: 49° 39′ 42″ N, 25° 8′ 43″ O
KOATUU: 6122610100
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt, 37 Dorf
Bürgermeister: Wassyl Martjuk
Adresse: вул. Б. Хмельницького 13
47201 м. Зборів
Statistische Informationen
Sboriw (Oblast Ternopil)
Sboriw
Sboriw
i1

Sboriw (ukrainisch Зборів; polnisch Zborów, russisch Зборов/Sborow) ist eine ukrainische Stadt im Westen der Oblast Ternopil und Zentrum des gleichnamigen Rajons. Sboriw liegt im ehemaligen Galizien, wo es ab 1904 Sitz einer Bezirkshauptmannschaft war.

Rathaus im Ort

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt 35 Kilometer nordwestlich der Oblasthauptstadt Ternopil und 85 Kilometer südöstlich von Lwiw (Lemberg) am Ufer des Strypa (Стрипа) auf der Wolhynisch-Podolischen Platte. Die Stadt wird erschlossen durch die Fernstraße Lwiw – Winnyzja (N 02) und die Eisenbahnstrecke Lwiw–Ternopil.

Am 29. Oktober 2017 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Sboriw (Зборівська міська громада/Sboriwska miska hromada), zu dieser zählen auch noch die 37 Dörfer Awhustiwka (Августівка), Chorobriw (Хоробрів), Chorostez (Хоростець), Chrabusna (Храбузна), Futory (Футори), Harbusiw (Гарбузів), Hodiw (Годів), Iwatschiw (Івачів), Jaroslawytschi (Ярославичі), Jartschiwzi (Ярчівці), Jossypiwka (Йосипівка), Kabariwzi (Кабарівці), Kalne (Кальне), Kalyniwka (Калинівка), Kortschunok (Корчунок), Krasna (Красна), Manajiw (Манаїв), Meteniw (Метенів), Monyliwka (Монилівка), Mschana (Мшана), Nyschtsche (Нище), Olijiw (Оліїв), Perepelnyky (Перепельники), Pidhajtschyky (Підгайчики), Plisnjany (Плісняни), Pohribzi (Погрібці), Roshadiw (Розгадів), Schabynja (Жабиня), Schukiwzi (Жуківці), Slawna (Славна), Welyka Plawutscha (Велика Плавуча), Wilschanka (Вільшанка), Wirliw (Вірлів), Wolossiwka (Волосівка), Wowtschkiwzi Вовчківці, Zezeniwka (Цеценівка) und Zyzory (Цицори)[1]. Bis dahin bildete sie zusammen mit dem südöstlich gelegenen Dorf Futory die gleichnamige Stadtratsgemeinde.

Ethnien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt leben Ukrainer, Polen, Juden und andere Nationalitäten, wobei die Ukrainer die Mehrheit bilden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umgebung von Sboriw wurden steinzeitliche Funde gemacht.

Erstmals erwähnt wurde die Stadt in einem Dokument aus dem Jahr 1166. 1241, während des Einfalls der Mongolen wurde es gebrandschatzt und zerstört. 1639 wurde Zborów die Stadtrechte verliehen. Der heutige Name soll mit dem Namen der polnischen Adelsfamilie Zborowski verwandt sein. Während des Chmelnyzkyj-Aufstands wurde in der Nähe der Stadt die polnische Armee von einer kosakisch-krimtatarischen Armee geschlagen, wonach zwischen den beiden Seiten der Vertrag von Sboriw unterzeichnet wurde.

1772 kam der Ort unter österreichische Herrschaft und wurde ein Teil Galiziens. Nach einer Verwaltungsreform war der Ort von 1854 bis 1867[2] und erneut ab 1904 Sitz der Bezirkshauptmannschaft Zborów[3] und blieb dies bis 1918, parallel dazu wurde 1876 ein Bezirksgericht des Bezirks Złoczów (bis 1904, danach Bezirk Zborów) errichtet. Während dieser Zeit, am 22. Dezember 1870 wurde bei der Stadt ein Bahnhof der Strecke nach Tarnopol eröffnet.

1913 hatte Zborów etwa 6000 Einwohner, davon 1300 Polen, 2400 Ukrainer and 2300 Juden. Während des Ersten Weltkriegs war die Umgebung der Stadt Schauplatz einer Schlacht der tschechoslowakischen Legionäre gegen die k.u.k. Armee (Schlacht bei Zborów, 2. Juli 1917).

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie während des Ersten Weltkriegs im November 1918 wurde die Stadt Teil der Westukrainischen Volksrepublik (WUVR). Im Juli 1919 besetzte Polen auch die letzten Teile dieser Republik. Am 21. November 1919 sprach der Hohe Rat der Pariser Friedenskonferenz Ostgalizien für eine Zeitdauer von 25 Jahren Polen zu.

Nach dem Krieg kam Zborow zu Polen und war Sitz eines Powiat innerhalb der Woiwodschaft Tarnopol.

Zborów am Strypa, Franziszeische Landesaufnahme, um 1869

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Juli 1941 von der Wehrmacht erobert. Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ermordeten kurz darauf die jüdische Bevölkerung der Stadt. Im Sommer 1944 wurde die Stadt während einer Offensive der Roten Armee völlig zerstört.

In der Ära der Sowjetunion (1944–1991) wurde Zborów, nunmehr ukrainisch Sboriw genannt, wieder aufgebaut. Kleinere Industriebetriebe (Bauindustrie, Lebensmittelindustrie) wurden in den 1960er Jahren angesiedelt. Der staatseigene Landwirtschaftsbetrieb (Sowchos) in Sboriw galt als einer der besten der Region.

In den 1980er Jahren wurde die Stadt durch staatliche Investitionen weiter entwickelt. Es entstand ein Kino, ein agrarischer Handelsbetrieb, eine neue weiterführende Schule, ein Bootsverleih, ein Fußballstadion, ein Rathaus und ein Kulturhaus.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Planwirtschaft erlitt auch die lokale Wirtschaft einen erheblichen Niedergang. Seit den 1990er Jahren verließen daher viele arbeitsfähige Einwohner die Stadt, um als günstige Arbeitskräfte in Westeuropa oder Russland zu arbeiten. Heutzutage gibt es aber viele Einwohner, die täglich nach Ternopil und Lwiw pendeln, um dort zu arbeiten.

Politische Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum von 1550 bis heute (2008), gehörte Ternopil zu folgenden Staaten:

  • 15691772 in der Wojewodschaft Ruthenia, einer administrativen Einheit von Polen-Litauen;
  • 17721918 Kaiserreich Österreich, ab 1867 Österreich-Ungarn;
  • 19181939 Teil der Wojewodschaft Tarnopol, einer administrativen Einheit der Zweiten Republik Polen;
  • 19391991 Teil der Sowjetunion;
  • ab 1991 Teil der Ukraine

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mikolaj Skorodynski (1751/1757–1805), griechisch-katholischer Bischof von Lemberg
  • Milena Rudnyzka (1892–1976), politische Aktivistin, Pädagogin, Journalistin und Schriftstellerin, polnische Parlamentsabgeordnete und Feministin


Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sboriw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Про перші вибори депутатів сільських, селищних, міських рад об’єднаних територіальних громад і відповідних сільських, селищних, міських голів 29 жовтня 2017 року
  2. Reichsgesetzblatt vom 24. April 1854, Nr. 111, Seite 401
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1904, XLVI. Stück, Nr. 88: „Kundmachung des Ministeriums des Innern vom 17. August 1904“