Scaphusia Schaffhausen

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Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschule/n: Kantonsschule Schaffhausen
Gründung: 24. September 1858
Gründungsort: Schaffhausen
Farben: blau-weiss-blau, Percussion:silber
Mütze: blau
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: litteris et amicitiae

Die Scaphusia ist eine Mittelschulverbindung an der Kantonsschule Schaffhausen, die 1858 gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Kantonsschule Schaffhausen

Im Umfeld der entstehenden Gymnasialvereine, die sich immer mehr zu Verbindungen entwickelten, wurde die Scaphusia als vierter Verein dieser Art in der Schweiz am 24. September 1858 von Hermann Freuler sowie zusammen mit vier weiteren Kommilitonen gegründet.

Lautete die Devise in den frühen Jahren noch «litteris et amicitiae et patriae», so strich man Ende des vorletzten Jahrhunderts die vaterländische Komponente und verkürzte die Devise zur heutigen Form «litteris et amicitiae».

Farben und Zirkel der Scaphusia

Als Zeichen der vaterländischen Gesinnung waren die Farben oder Couleur der Scaphusia anfänglich Rot und Weiss. Unter den Farben versteht man sowohl die charakteristische Kombination von zumeist drei Farben wie auch die in den Verbindungsfarben gehaltenen Abzeichen Mütze, Band und Bierzipfel. 1861 wurden dann nach dem Vorbild der Gymnasia Turicensis und anderer Gymnasialvereine die blau-weiss-blauen Farben eingeführt, welche die Scaphusianer noch heute tragen.

Die Biernamen, auch Vulgo oder Cerevis genannt, sind in der Scaphusia nach Zürcher Vorbild seit 1861 üblich. Sie sind Symbol dafür, dass für den Fuxe ein neuer Lebensabschnitt beginnt. In Deutschland, in den Jahren vor 1848, als die Studentenverbindungen behördlich verboten waren, dienten die Biernamen auch der Tarnung.

In der Scaphusia wurden die Kneipen anfänglich formlos durchgeführt, und es gab weder Comment noch Burschen- und Fuxentum.

Den Fuxmajor und den ihm unterstellten Fuxenstall führte man 1865 ein. Fortan existierte in der Aktivitas die Unterscheidung zwischen den vollberechtigten Burschen und den untergebenen Neulingen, den Fuxen.

1866 wurde der wöchentliche Stamm oder Abendschoppen eingeführt, der jeden Dienstag in der «Burg» beim Schwabentor abgehalten wurde. Seitdem wechselte man das Lokal einige Male, und heute treffen sich die Scaphusianer jeden Mittwoch im Restaurant Falken.

Das Regularium der studentischen Sitten und Gebräuche, der Comment, wurde 1872 eingeführt, welchen man von der Paedagogia Basiliensis übernahm.

1890 in Basel und kurze Zeit später auch in Zürich bildeten ehemalige aktive Mitglieder der Scaphusia Alt-Scaphusianer-Kränzchen mit dem Zweck, die Erinnerungen an die schöne Scaphusianerzeit wach zu halten. 1894 schlossen sich diese Gruppierungen zusammen und gründeten 1894 in Schaffhausen die Alt-Scaphusia. Diese bezweckt «die Pflege der Geselligkeit und Freundschaft unter früheren Scaphusianern und die Förderung der Aktivitas».

Im Jahre 1919 tat sich die Scaphusia mit den wenige Jahre jüngeren Verbindungen Thurgovia Frauenfeld, Vitodurania Winterthur und Rhetorika St. Gallen zusammen, und es entstand das Ostschweizer Kartell. Mehrmals jährlich treffen sich die Mitglieder der Kartellverbindungen und knüpfen so Kontakte zu anderen Mittelschulen.

Organisation[Bearbeiten]

Die Scaphusia besteht aus zwei Verbänden. Die beigetretenen Kantonsschüler bilden die Aktivitas, und die ehemaligen Aktiven, die Altherren, bilden den Altherren-Verband.

Aktivitas[Bearbeiten]

Die Aktivitas besteht aus allen aktiven Mitgliedern. Dazu gehören die Burschen, Konkneipanten, Hospes perpetuus und die Fuxen. Sie gestalten das Verbindungsleben und organisieren die Anlässe der Verbindung.

  • Konkneipanten sind Mitglieder der Scaphusia, die nicht die Kantonsschule besuchen, jedoch durch ihr Interesse an der Verbindung und ihr Engagement trotzdem aufgenommen werden.
  • Hospites perpetui sind Mitglieder die aus Zeitmangel nicht jeden Anlass besuchen können. Oft sind es Sportler, Musiker oder anders vielbeschäftigte Schüler, die trotz ihrem Interesse an der Verbindung ihre erfolgreiche Freizeitbeschäftigung nicht aufgeben wollen. Welchen Beitrag sie leisten müssen, wird in der Regel mit den Bursch vor dem Beitritt abgemacht


Jeder, der der Scaphusia! beitritt, wird auf Grund des hierarchischen Aufbaus einen Lebensweg innerhalb der Verbindung durchlaufen, wie es in den meisten Verbindungen üblich ist. Das erste Stadium ist derjenige des Spefuxen, der als Gast die Verbindung besucht. Als Gast lernt er das Verbindungsleben grob kennen und kann sich später zum Beitritt entschliessen. Nach den Aufnahmen wird er Fux und ist somit ein offizielles Mitglied der Verbindung. Von da an muss er bestimmte Aufgaben der Verbindung erfüllen, jedoch hat er kein offizielles Amt. Die Fuxenzeit dient dazu, die Verbindung besser kennenzulernen und sich an das Verbindungsleben zu gewöhnen. Der Fux hat deshalb weniger Pflichten, was wiederum seine Rechte einschränkt. Nur die Narrenfreiheit erlaubt ihm Fehltritte, über die man gerne hinwegsieht. Während dieser Zeit ist am Kommers dem Fuxmajor unterstellt, welcher die Verantwortung für die Fuxen übernimmt, sie betreut und diese auch in das Verbindungsleben einführt.

Um Bursche zu werden, muss der Fux am Ende seiner Fuxenzeit eine Burschenprüfung ablegen, die den Sinn und Zweck hat, das Wissen des Fuxen über die Verbindung zu prüfen. Nach bestandener Burschenprüfung wird er burschifiziert und muss nun eines der Ämter der Verbindung übernehmen. Damit wird ihm eine wichtige Aufgabe übergeben, die er nach bestem Können auszuführen hat. Nach einem Jahr gibt der Bursche sein Amt weiter und wird kurz vor der Maturvorbereitung Knasterbursche, der immer noch zur Aktivitas gehört. Gegen Ende des Jahres kann er in den Altherrenverband übertreten, wenn er weiterhin Mitglied der Verbindung sein will.

Altherren-Verband[Bearbeiten]

Der Verband der Altherren wurde 1894 von ehemaligen Aktiven gegründet. Es ist das letzte und somit das längste Stadium eines Verbindungsmitgliedes. Die Altherren unterstützen die Aktivitas nicht nur finanziell, sondern helfen auch bei schulischen Fragen. Sie sind von den Pflichten der Verbindung befreit und können die Verbindung ihr ganzes Leben lang besuchen. Ein reges Eigenleben führen die Mitglieder an diversen Anlässen des AH-Verbandes (AH-Wanderungen, AH-Stämme in den Universitätsstädten Zürich, Bern und Basel...) Der Altherren-Verband hat mehr als 300 Mitglieder und wird von einem Vorstand geleitet

Ämter[Bearbeiten]

Die Scaphusia! hat verschiedene Ämter, die von den Burschen übernommen werden.

  • Präsident (x): Der Präsident verteilt die Aufgaben und kontrolliert deren Erledigung. Er führt die Verbindung und übernimmt die Verantwortung für die Aktivitas.
  • Aktuar (xx): Der Aktuar verfasst von allen Anlässen Protokolle und vertritt den Präsidenten.
  • Quästor (xxx): Der Quästor führt die Finanzen der Aktivitas.
  • Der Fuxmajor (FM): Er führt die neuen Fuxen in das Verbindungsleben ein und ist ein wichtiger Wegbegleiter für die Füxe während ihrer Fuxenzeit

Die Kumulation von Ämtern auf eine Person ist möglich, wenn zu wenig Burschen zur Verfügung stehen.

Lokalität[Bearbeiten]

Die Scaphusia bezog 1912 die Bude im ersten Stock des Stammlokals der Brauerei Falken. Anfangs bestand die „Bude“ aus zwei Räumen, deren Trennung beim grossen Umbau 1930 aufgehoben wurde. Fortlaufend wurde die Bude umgebaut und den Zeiten angepasst. Im Jahre 2002 wurde die Bude einer nachhaltigen Renovation unterzogen, welche durch Spenden von Mitgliedern der Alt-Scaphusia finanziert wurde. 2012 feierte die Scaphusia in der Bude das hundertjährige Budejubiläum.

Platzverbindungen[Bearbeiten]

Die Scaphusia! ist nicht die einzige Verbindung in Schaffhausen. Doch heute sind vier von sechs Verbindungen nicht mehr aktiv. Die 1918 gegründete Commerica, eine Verbindung für angehende Kaufleute, ist die einzige Verbindung neben der Scaphusia!, welche noch aktiv ist. 1908 wurde die Abstinentenverbindung Munot gegründet, die seit Anfangs des 21. Jahrhunderts keine neuen Mitglieder mehr finden konnte. 1923 wurde der KTV Schaffhausen gegründet, der heute nicht mehr als Verbindung aber als Sportverein existiert. Die Verbindung Fortuna der Schaffhauser Studenten des Technikum Winterthur besteht heute noch in der Form des Altherrenverbandes wie die Verbindungen Munot und KTV. 2005 wurde die gemischte Verbindung Fidelitas als Abspaltung der Verbindung Munot gegründet, die jedoch nur kurze Zeit existierte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Historischer Verein des Kantons Schaffhausen (Hrsg.): Schaffhauser Kantonsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 3. Meier, Schaffhausen 2003. S. 1612–1613.

Weblinks[Bearbeiten]