Schäfflertanz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schäfflertanz in München, 1863

Der Schäfflertanz ist ein Zunfttanz der Schäffler (Fassküfer, Fasshersteller), die zu Musik festgelegte Figuren tanzen. Er entstand ursprünglich in München. Ab 1830 verbreitete sich der Brauch durch wandernde Schäfflergesellen auch außerhalb Münchens und ist heute in vielen Orten im altbayerischen Raum üblich.

Entstehungslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende nach wurde der Tanz in München erstmals 1517 während einer Pestepidemie aufgeführt, um die Bevölkerung, die sich aufgrund der Pest kaum mehr auf die Straße traute, zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen.

Tänzer und Tanzfiguren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schäfflertanz im Januar 2012 in Neuhausen

Neben den Tänzern gibt es Vortänzer, Fassschlager (die mit Hämmern auf Fässer schlagen), Spaßmacher („Kasperl“, die zum Beispiel die Lokalprominenz „derblecken“) und Reifenschwinger. Die Reifenschwinger schwingen Holzreifen, in denen auf einer kleinen Verdickung ein volles Weinglas steht (manchmal gar zwei oder drei), ohne etwas daraus zu verschütten. Die Tanzgruppen geben teilweise über 20 Vorstellungen am Tag. Bei der letzten Vorstellung der Saison wird nachts mit Fackeln getanzt, einer oder mehrere der Tanzreifen werden zerbrochen und ins Publikum geworfen. Alle sind in das Schäfflerkostüm mit schwarzen Schuhen, weißen Kniestrümpfen, schwarzer Kniebundhose, Schurzleder, roter Jacke und grüner Kappe mit weißem Federbusch gekleidet. Teilnehmen durften ursprünglich nur unverheiratete Schäfflergesellen mit einwandfreiem Leumund, nicht jedoch Schäfflermeister oder deren Söhne. Erst ab den 1960er-Jahren mussten verheiratete und berufsfremde Tänzer zugelassen werden, um die Tradition aufrechterhalten zu können.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals nachgewiesen ist der Münchner Schäfflertanz für das Jahr 1702.[1] Die Legende, die ihn mit der Pest in Verbindung bringt, dürfte erst im 19. Jahrhundert entstanden sein. So wird bezweifelt, dass es 1517 in München überhaupt eine Pestepidemie gab, da die Sterberegister für dieses Jahr keine auffälligen Todesraten aufweisen.[1]

Schäfflertanz 2019, Tanz mit den Reifen

Der ursprüngliche Aufführungsturnus ist unklar. Seit 1760 wird das Schauspiel alle sieben Jahre – aktuell 2019, das nächste Mal wieder 2026 – zur Faschingszeit aufgeführt. Warum alle sieben Jahre, ist nicht sicher geklärt; Vermutungen zielen auf ein verstärktes Auftreten der Pest alle sieben Jahre hin, die man durch den Tanz eindämmen wollte, auf die Sieben als Glückszahl oder auf Herzog Wilhelm IV., der den Schäfflern das Recht gab, alle sieben Jahre ihren Tanz aufzuführen. Demnach hätte die herzogliche Anordnung ein Überhandnehmen der Feste verhindern sollen,[1] zumal auch viele andere Zünfte ihre traditionellen Feste hatten.

Die Tanzmelodie des sogenannten Zweiten Münchner Schäffler-Tanzes von 1886 komponierte Johann Wilhelm Siebenkäs (* 29. August 1826 in Fürth; † 7. März 1888 in Nürnberg), der von 1856 bis 1875 Musikmeister beim Musikkorps des Königlich Bayerischen 1. Infanterie-Regiment „König“ in München war. Der Erste Münchner Schäffler-Tanz, der heute nicht mehr erklingt, ist eine Komposition von Obermusikmeister der Garnison München Peter Streck (* 23. April 1797 in Gersfeld; † 23. August 1864 in München).

Ausbreitung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch wandernde Schäfflergesellen gelangte der Schäfflertanz ab etwa 1830 auch in andere Orte im altbayerischen Raum. Vielerorts nahmen die zu dieser Zeit aufgekommenen Turnvereine die Münchner Tradition auf und führen den Schäfflertanz seitdem in einem siebenjährlichen Turnus auf. Zu diesen Orten zählen Arbing, Arnstorf, Aschheim, Asenham, Bad Griesbach im Rottal (um fünf Jahre versetzt), Berchtesgaden, Dinkelscherben, Eggenfelden, Eichstätt (um drei Jahre versetzt), Ergoldsbach,[2] Eschelbach/Ilm, Frontenhausen, Geiselhöring, Geisenfeld, Großmehring, Ingolstadt, Ismaning,[3] Kelheim, Kirchheim bei München, Kraiburg am Inn, Kolbermoor, Landau an der Isar, Landshut, Mainburg, Moosburg an der Isar, Mühldorf am Inn, Murnau am Staffelsee, Nonnenhorn am Bodensee, Osseltshausen, Partenkirchen, Peißenberg, Pfaffenhofen an der Ilm, Pleinting, Rottenburg an der Laaber, Schierling, Schwarzach, Stadtprozelten, Taufkirchen (Vils), Traunstein, Velden, Haag in Oberbayern, Wasserburg am Inn und Wemding.

Figürliche Darstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der unteren Etage des Glockenspiels am Münchner Neuen Rathaus wird der Schäfflertanz dargestellt.

Der Schäfflertanz ist sowohl im Glockenspiel am Münchner Neuen Rathaus als auch in einem der Reliefs am sogenannten Wurmeck dargestellt. Ferner befinden sich am Schäfflereck (der Kreuzung von Schäffler-, Wein- und Theatinerstraße) zwei einzelne Schäfflerfiguren in traditioneller Tänzertracht als Hauszeichen.

Der Schäfflertanz auf dem Schäfflerbrunnen in Augsburg

Auch der bronzene Schäfflerbrunnen in Augsburg stellt als Hauptmotiv den Schäfflertanz dar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schäfflertanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sabine Reithmaier: Schäfflertanz & Perchtenlauf, Lebendige Traditionen und Bräuche in Altbayern. Süddeutsche Zeitung, München 2009, ISBN 978-3-86615-729-3, S. 23.
  2. Bianca Marklstorfer: Bei den Schäfflern mittanzen, ist eine Ehre. In: Landshuter Zeitung. 7. November 2011 (idowa.de [abgerufen am 20. August 2012]).
  3. Schäfflertanz. In: Web-Seite des Bauerntheaters Ismaning. Bauerntheater Ismaning e. V., abgerufen am 28. Januar 2012.