Schängelbrunnen

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Der Schängelbrunnen im Hof des Koblenzer Rathauses
Der speiende Schängel

Der Schängelbrunnen, ursprünglich auch Schängelchen-Brunnen genannt, ist ein Brunnen in der Altstadt von Koblenz. Er steht seit 1941 im Rathaushof (heute Willi-Hörter-Platz), umringt von Renaissance- und Barockbauten. Mit diesem Brunnen hat man dem Koblenzer Schängel und seinen Streichen ein Denkmal gesetzt, ebenso der Lebensfreude der Koblenzer Bürger. Der Schängelbrunnen ist ein Wahrzeichen der Stadt Koblenz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Schängelbrunnens geht entweder auf eine Initiative des Stadtoberinspektors Wilhelm Smits, der in den Jahren 1925 bis 1945 dem städtischen Kulturamt vorstand,[1] oder auf eine Initiative von Koblenzer Bürgern (u. a. des Koblenzer Karnevalisten Jupp Flohr) zurück.[2] Der Brunnen wurde 1939 vom Mayener Bildhauer Carl Burger entworfen und bis zum November des Jahres fertig gestellt. Die bronzene Schängelfigur wurde Ende 1939/Anfang 1940 in München gegossen. Im Sommer 1940 saß der Koblenzer Mundartdichter Josef Cornelius, der Verfasser des Schängelliedes, Professor Burger in dessen Mayener Atelier für eines der Reliefs an der Brunnensäule Modell.

Die Vorbereitungen für den Aufbau begannen Ende September 1940, am 29. Oktober konnte der Grundstein gelegt werden. Spätestens am 6. Juni 1941 waren alle Arbeiten am Brunnendenkmal abgeschlossen. Da der Oberbürgermeister Otto Wittgen, der sich sehr für die Errichtung des Denkmals eingesetzt hatte, vor der feierlichen Übergabe verstarb, übernahm sein Nachfolger Nikolaus Simmer die Einweihung. Diese fand am 15. Juni 1941 am Koblenzer Rathaus statt. Der damals 92-jährige Josef Cornelius, dem der Brunnen gewidmet ist, nahm auch an dieser Feier teil.

Die Schängelfigur auf dem Brunnen blieb von den Metallsammlungen im Zweiten Weltkrieg wie auch von größeren Kriegsschäden verschont. Heute ist der Brunnen, insbesondere die Bronzefigur, nicht nur ein Denkmal für die Koblenzer Lausbuben, sondern auch ein Wahrzeichen der Stadt Koblenz. Dazu ist er ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen in der Koblenzer Altstadt.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relief von Josef Cornelius, dem Schöpfer des Schängelliedes, am Schängelbrunnen

Der achteckige Brunnentrog des Schängelbrunnens ist aus Eifeler Basaltlava gefertigt. Er ist mit Reliefs versehen, die Jungenstreiche der kleinen Schängel zeigen. In der Mitte erhebt sich eine Brunnensäule, die mit Reliefs des Heimatdichters Josef Cornelius, des Komponisten Karl Kraehmer und des Stadtwappens versehen ist. Auf ihr steht eine Figur aus Bronze, die einem Jungen nachgebildet ist. Für die Bronzefigur stand der damals 11-jährige Rudolf Dany aus Mayen Modell und erhielt von Burger für jede Sitzung ein Honorar von 50 Pfennig. Die Bronzefigur speit etwa alle drei Minuten einen sprühenden Wasserstrahl mehrere Meter weit über das Brunnenbecken hinaus, sodass Passanten vom Wasser getroffen werden können.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schängelbrunnen ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Er steht in Koblenz-Altstadt auf dem Willi-Hörter-Platz.[3]

Seit 2002 ist der Schängelbrunnen Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0876-X.
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1036-5.
  • Fritz Michel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte. München Berlin 1954, (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz Erster Band).
  • Herbert Dellwing (Bearbeiter): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.2: Stadt Koblenz. Innenstadt. Werner, Worms 2004. S. 146. ISBN 3-88462-198-X
  • Heinrich Denzer: Augenroller und Schängelbrunnen. Zwei Wahrzeichen der Stadt Koblenz, Koblenz 1990, S. 39–49 (Mittelrheinische Hefte Band 17).
  • Wolfgang Schütz: Koblenzer Köpfe. Personen der Stadtgeschichte – Namensgeber für Straßen und Plätze. Verlag für Anzeigenblätter GmbH, Hrsg.: Bernd Weber, Mülheim-Kärlich 2005 (2. überarb. u. erw. Aufl.), S. 104f. und S. 462f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schängelbrunnen in Koblenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Denzer, Augenroller und Schängelbrunnen, S. 39ff.
  2. Vgl. Bellinghausen, 2000 Jahre Koblenz, S. 412.
  3. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Koblenz (PDF; 1,5 MB), Koblenz 2013

Koordinaten: 50° 21′ 36,9″ N, 7° 35′ 53,3″ O