Schöckingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Gutsherrn, Politiker, Genealogen und Heraldiker mit diesem Namen siehe Friedrich von Gaisberg-Schöckingen (1857–1932).
Schöckingen
Stadt Ditzingen
Wappen von Schöckingen
Koordinaten: 48° 50′ 40″ N, 9° 1′ 50″ O
Höhe: 349 m
Fläche: 5,9 km²
Einwohner: 1797 (30. Jun. 2006)
Bevölkerungsdichte: 305 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 71240–71254
Vorwahl: 07156
Luftbild von Schöckingen, im Vordergrund die Greuthöfe

Schöckingen ist der kleinste Ortsteil der Großen Kreisstadt Ditzingen im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Schöckingen grenzen die Markungen Hemmingen im Norden, Münchingen im Osten, Hirschlanden im Südosten, Höfingen im Süden und Heimerdingen im Westen an.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Schöckingen gehören die Schöckinger Talmühle sowie die im Zuge der Flurbereinigung gebildeten Aussiedlerhöfe (Wohnplätze) Greuthöfe und Keltenhöfe, deren Namen durch Beschluss des Ortschaftsrats vom 22. Februar 1974 festgesetzt wurden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schöckingen 1682, Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Das Dorf Schöckingen wird 814 als villa Skekinga in pago Glemisgowe im Codex des Klosters Lorsch[2], das hier eine Hube und 26 Leibeigene erhielt, erstmals urkundlich erwähnt.[3]

Seit 1806 war Schöckingen Teil des Oberamts Leonberg. Am 1. Juli 1971 wurde die ehemals selbständige Gemeinde nach Ditzingen eingemeindet.[4]

Wappen und Farben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter goldenem Schildhaupt, darin eine liegende schwarze Hirschstange, in Rot ein durchgehendes silbernes Kreuz, bewinkelt von vier goldenen Hufeisen. Die Hirschstange zeugt von der Zugehörigkeit des Ortes zu Württemberg. Das silberne Kreuz steht für den Ortsheiligen Mauritius, während die vier Hufeisen in Anlehnung an das frühere Ortssiegel in das 1927 geschaffene Wappen aufgenommen wurden. Die Hufeisen gehen vermutlich auf ein altes Fleckenzeichen zurück.

Zu Ortsfarben bestimmte der Gemeinderat am 2. März 1956 Weiß-Rot (Silber-Rot).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Schöckingen befindet sich das gleichnamige Schloss Schöckingen, das sich in Privatbesitz der Familie von Gaisberg-Schöckingen befindet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schöckinger Schloss

Von Schöckingen erreicht man über Hirschlanden die S-Bahn-Haltestelle in Ditzingen mit der Buslinie 623. Die Buslinie 651 sorgt für die Verbindung über Höfingen zur S-Bahn-Haltestelle in Leonberg bzw. über Hemmingen zur Haltestelle der Strohgäubahn.

Über den Zubringer der Bundesstraße 10 in Münchingen erreicht man die Bundesautobahn 81 Ausfahrt Stuttgart-Zuffenhausen nach rund 9 Kilometer oder über die Umgehungsstraße in Hirschlanden und Ditzingen nach rund 6 km die Bundesautobahn 81 Ausfahrt Stuttgart-Feuerbach. Bis 12. November 2009 verlief der überörtliche Verkehr durch die engste Straße im Landkreis Ludwigsburg. Mit der Eröffnung der Umgehungsstraße wird der Verkehr östlich der bestehenden Ortslage umgeleitet.

Zum Einkaufen gibt es in Schöckingen neben einer Bäckerei noch eine Gärtnerei und diverse Bauernhöfe, die ihre Ware vor Ort verkaufen. Weiterhin gibt es eine Filiale der Volksbank Ludwigsburg und der Kreissparkasse Ludwigsburg. Beide sind mit Geldautomaten ausgestattet. Der nächste Einkaufsmarkt befindet sich im Nachbarort Hirschlanden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlossstraße mit der ehemaligen Nippenburgischen Hofanlage und dem ev. Pfarrhaus

Schöckingen besitzt ein Bürgeramt, eine Bibliothek und einen Kindergarten. Die Freiwillige Feuerwehr Schöckingen sorgt seit 1808 für den Brandschutz und allgemeine Hilfeleistungen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge des Schulwesens in Schöckingen gehen auf die Einführung der Reformation in Württemberg (1534) zurück. Aus der Schule gegenüber dem Pfarrhaus wurde später das neue Rathaus. Seither besuchen die Grund- und Hauptschüler eine gemeinsame Schule zusammen mit dem Nachbarort Hirschlanden (Theodor-Heuglin-Grund- und Hauptschule). Realschule und Gymnasium befinden sich im Schulzentrum Glemsaue in Ditzingen.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mauritiuskirche

Erst 1599 wurde Schöckingen protestantisch, nachdem es 1555 zum Augsburger Religionsfrieden gekommen war und jeder Fürst das Recht hatte, in seinem Land die von ihm bevorzugte Religion einzuführen. Da die Ortsherren die Konfession für ihre Untertanen festlegten, kam es erst nach einem Jagdfrevel in den herzöglichen Wäldern des Martin von Nippenburg zur Reformation. Als Strafe wurde am 25. August 1598 dem Ortsherrn das Lehen entzogen und dies nochmals am 18. Oktober bestätigt. Schließlich lenkte der Herzog im Dezember 1598 ein und gab das Lehen an die vier Söhne des Martin von Nippenburg. Herzog Friedrich I. machte allerdings die Auflage, den Messpriester innerhalb eines Monats abzuschaffen und den lutherischen Pfarrer Johann Vischer aus Reichenbach als ersten evangelischen Pfarrer in Schöckingen einzusetzen.

Am 25. März 1599 zog der erste evangelische Pfarrer in das bereits 1594 für den katholischen Pfarrer erbaute Pfarrhaus ein. Der lutherische Pfarrer Johann Vischer begann nun mit der Reformation in dem damals 110 Einwohner zählenden Ort.

Die im Jahre 1267 geweihte Mauritiuskirche wurde erst 1629 in ein evangelisches Gotteshaus umgebaut, eine Kanzel aufgestellt und zwei Emporen angebaut. Sie untersteht seitdem der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Für die katholischen Einwohner des Ortes steht eine moderne Kirche in Hirschlanden als Gotteshaus zur Verfügung.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sport- und Freizeitgelände Waldstraße
  • Waldspielplatz an der Kuhstelle
  • Trimm-dich-Pfad an der Betteleiche
  • Skateranlage auf dem Sport- und Freizeitgelände Waldstraße

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schöckingen finden jährlich ein Feuerwehr- und ein Dorffest statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Freiherr von Gaisberg-Schöckingen: Schöckingen, Selbstverlag des Verfassers, Ditzingen-Schöckingen 1983, 2. Auflage 2011
  • Herbert Hoffmann: Schöckingen 814 - 2014, Das Buch zur 1.200-Jahr-Feier, Fischer Lautner-Verlag, Ditzingen 2014, ISBN 978-3-9814106-8-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ditzinger Anzeiger, 10. Mai 1974.
  2. Karl Josef Mint: Lorscher Codex. Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch. Band V: Schenkungsurkunden. Lorsch 1971, Nr. 3554.
  3. Beschreibung des Oberamts Leonberg, J. B. Müller's Verlagshandlung, Stuttgart 1852, Kapitel B 23.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 452.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schöckingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien