Schöne Minka

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Schöne Minka ist der Anfang eines Gedichts von Christoph August Tiedge und der Name, unter dem ein ukrainisches Volkslied in Deutschland populär wurde.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das ukrainische Lied Es ritt ein Kosak über die Donau (Їхав козак за Дунай) in Deutschland bekannt. Meist wurde die Melodie als air russe, als aus Ruthenien oder kleinrussisch bezeichnet.

Christoph August Tiedge schrieb dazu 1808 unter dem Titel Der Kosak und sein Mädchen eine relativ freie Übertragung in der Form eines Dialogs zwischen Olis (dem Kosaken) und seinem Mädchen.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kosak und sein Mädchen
im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch

1. Schöne Minka, ich muß scheiden, ach du fühlest nicht das Leiden,
fern auf freudelosen Heiden, fern zu sein von dir!
Finster wird der Tag mir scheinen, einsam werd ich gehn und weinen;
auf den Bergen, in den Hainen ruf ich, Minka, dir.

2. Nie werd ich von dir mich wenden; mit den Lippen, mit den Händen
werd ich Grüße zu dir senden von entfernten Höhn.
Mancher Mond wird noch vergehen, ehe wir uns wiedersehen;
ach, vernimm mein letztes Flehen: bleib mir treu und schön!

3. Du, mein Olis, mich verlassen? Meine Wange wird erblassen;
alle Freuden werd ich hassen, die sich freundlich nahn.
Ach, den Nächten und den Tagen werd ich meinen Kummer klagen;
alle Lüfte werd ich fragen, ob sie Olis sahn!

4. Tief verstummen meine Lieder, meine Augen schlag ich nieder;
aber seh ich dich einst wieder, dann wird’s anders sein.
Ob auch all die frischen Farben deiner Jugendblüte starben:
ja, mit Wunden und mit Narben bist du, Süßer mein!

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer etwas veränderten Melodie fand die Tiedge-Fassung, die schnell sehr populär wurde, Eingang in die meisten deutschen Volksliedsammlungen und in das Kommersbuch.

Johann Nepomuk Hummel benutzte die ursprüngliche Weise für sein Adagio, Variationen und Rondo über ein russisches Thema (op. 78); Ludwig van Beethoven verwendete Schöne Minka, ich muß scheiden in den 23 Liedern verschiedener Völker (1816) und in den Variationen über Schöne Minka op. 107.7. Carl Maria von Weber schrieb Variationen über dieses Lied (Air Russe varié pour le Pianoforte, op. 40, 1815), die er Maria Pawlowna, der damaligen Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach widmete, und auch Friedrich Silcher und Ferdinand Ries (op. 154 no. 5) bearbeiteten Der Kosak und sein Mädchen. In neuerer Zeit arrangierte Franz Biebl es für Männerchor; weitere Fassungen gibt es für Akkordeonorchester und Gitarre.

Schöne Minka wurde durch die Popularität des Lieds zu einem geflügelten Wort und fand so auch Eingang in die Literatur, etwa in Theodor Storms Pole Poppenspäler: Neues Gelächter war die Antwort. "Kasperl soll singen!"--"Russisch! Schöne Minka, ich muß scheiden!", und in Thomas Manns Zauberberg nennt Hans Castorp die Russin Madame Chauchat schöne Minka.

Auf der CD „Total Balalaika Show“ der Leningrad Cowboys (1993) findet sich das Lied unter dem Namen A cossack was riding beyond the Duna.

Eine Instrumentalversion ist auf der LP "Kosaken-Patrouille" des Balalaika Ensembles Troika (CBS 63261, 1967), unter dem Titel "Kosakenliebe".

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]