Schöner-Erdglobus von 1515

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Schöner-Erdglobus von 1515 ist ein Werk des Pfarrers, Mathematikers, Astronomen, Kartographen und Kosmographen Johannes Schöner.

Er befindet sich mit der Inventarnummer X14610 im Bestand des Historischen Museums Frankfurt. Der Globus wurde 1891 von der Frankfurter Stadtbibliothek an das Historische Museum Frankfurt übergeben und am 8. August 1891 mit der genannten Nummer inventarisiert. Die Stadtbibliothek der Stadt Frankfurt ist die älteste Sammlungsinstitution der Stadt Frankfurt am Main. Sie entstand 1529 durch die Zusammenlegung der Ratsbibliothek und der Bibliothek des aufgelösten Barfüßerklosters. Ein zweites Exemplar des Schöner-Erdglobus von 1515 befindet sich in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zu Weimar (Inv.-Nr. E I 125).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer diesen Globus für Frankfurt erwarb und warum er ihn kaufte, ist nicht bekannt und nicht mehr zu ermitteln. Der Rat der Stadt Frankfurt kommt als Käufer in Frage, wenn man den Erwerbsvorgang in Nürnberg berücksichtigt. Der dortige Rat hatte 1492 einen Globus bei Martin Behaim in Auftrag gegeben, der 1494 mit 24 Gulden Bezahlung abgerechnet wurde. Aus dem Jahre 1510 ist belegt, dass er in einem Repräsentationsraum des Rathauses aufgestellt war. So könnte es auch in Frankfurt gewesen sein. Eine Rolle mag dabei auch spielen, dass viele der Ratsherrn Kaufleute waren, die auch Fernhandel betrieben.

Als Ort des Ankaufs kann die Frankfurter Messe bald nach dem Jahr 1515 vermutet werden, war diese doch der Platz im Heiligen Römischen Reich, wo neue und bemerkenswerte Produkte erstmals angeboten wurden. Das gilt zum Beispiel für die dort 1455 nachgewiesene Gutenbergbibel. Der Preis für einen Schöner-Erdglobus von 1515 war vergleichsweise niedrig, da es sich erstmals um ein Serienprodukt dieses Typs handelt. Auf jeden Fall ist anzunehmen, dass der Globus des Johannes Schöner etwa zwischen 1515 und 1747 in die Frankfurter Stadtbibliothek gelangte.

Der Globus trat - vermutlich - erstmals in einer Beschreibung der Stadtbibliothek von 1747 in Erscheinung. In der von Johann Bernhard Müller 1747 verfassten „Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes der Stadt Frankfurt am Mayn“ heißt es auf S. 184 f.: „Diese große Bibliothek ist in obgedachtem Saal unvergleichlich wohl eingetheilet und aufgestellt; die Schränke darinnen die Bücher stehen, sind wohl gemacht, und mit Thüren mit Messingdrat versehen, oben siehet man verschiedene Sinngemählde mit Aufschriften, so auf die Gattung der Bücher gerichtet sind. Die Stifter und Verehrer derselben, wie auch andere Gelehrte, siehet man in Brustbildnissen gemahlet, und beym Eingang, worinnen das Bildniß des berühmten Zum Jungen in Lebensgröße abgemahlet ist, bemerckt man zwei schöne Globos, und weiter verschiedene andere merckwürdige Sachen.“ An dieser Stelle des Jahres 1747 ist also von zwei Globen im Bibliotheksbestand die Rede.

Zuweisung und Publikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstpublikation des Frankfurter Globus erfolgte 1854 durch Edmé François Jomard, Ingenieur-Geograph Napoleons und Herausgeber der „Description de l´Egypte“. Jomard brachte in seinen „Monuments de la géographie, ou recueil d ´anciennes cartes Européennes et Orientales, accompagnées des sphères terrestres et célestres depuis les temps les plus reculés jusqu`à l`époque d´Ortélius et de Gérard Mercator“, erschienen mit 21 Karten auf 50 Tafeln in acht Teilen, Paris 1842–1862, unter Nr. 15/ 16 eine Faksimilekarte heraus. Jomard notierte zu dem Globus: „Globe terrestre de la 1re moitié du XVI. siècle, conservé à Francfort sur le Mein.“ (Nach Wieser 1881, S. 22)

Die Zuweisung der beiden Globen zu Frankfurt und Weimar an Johannes Schöner und ihre Datierung auf das Jahr 1515 ist die Leistung des österreichischen Geographen Franz Ritter von Wieser. Schöner hatte zum Erscheinen seines Globus eine Begleitschrift unter dem Titel „Luculentissima quaedam terrae totius descriptio, cum multus utilissimis Cosmographiae iniciis etc.“ drucken lassen, die 1515 in Nürnberg erschien. Dabei spricht Schöner mehrmals von globus noster cosmographicus. Deren Zusammengehörigkeit mit dem Erdglobus stellte Wieser fest und folgerte: „Dieser Globus (Schöners) von 1515 galt bislang für verloren. Ich bin in der angenehmen Lage, 2 Exemplare desselben namhaft machen zu können, die zwar beide längst bekannt, aber nicht erkannt waren. Das eine Exemplar befindet sich in Frankfurt a.M. Das zweite Exemplar wird auf der Militär-Bibliothek zu Weimar aufbewahrt.“ (Wieser 1881, S. 21f.) Auf Abbildung II bildet Wieser eine Umzeichnung der westlichen Hemisphäre, also von 180 bis 360 Grad, des Schöner-Globus von 1515 ab. Eine vereinfachte Darstellung dieser Karte erschien 1892 in dem großen Jubiläumsatlas zur Entdeckung Amerikas von Kretschmer. (Kretschmer 1892, Tafel XI, No.4).

Der Geograph Adolf Erik Nordenskjöld, Erstdurchfahrer der Nordostpassage, übernahm 1889 die Abbildungen Jomards in seinem großen „Facsimile-Atlas“ (Nordenskjöld 77-79 und Abb. 46/ Nordhalbkugel und Abb. 47/ Südhalbkugel). Schließlich widmete der Frankfurter Geograph Ernst Vatter 1937 dem Globus aus dem Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek eine größere Abhandlung.

In jüngerer Zeit wurde der Globus wieder durch eine von Reinhard Glasemann kuratierte Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt im Jahre 1997 („Erde, Sonne, Mond & Sterne“) präsentiert. Der US-amerikanische Kartographiehistoriker Chet Van Duzer erarbeitete eine vollständige Transkription und Kommentierung aller Toponyme und Legenden des Schöner-Erdglobus von 1515. In diesem Rahmen untersuchte er dessen philologische, kartographische, bildliche und graphische Vorbilder und stellte die Beziehungen von Schöners Werk zu den zeitgenössischen Karten, Globen und Büchern dar.

Der Erdglobus von Johannes Schöner ist seit August 2012 wieder in der ständigen Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt zu sehen. Er befindet sich im Erdgeschoss des stauferzeitlichen Turms im Zusammenhang mit den Sammlungen der alten Frankfurter Stadtbibliothek. Das Nachfolgeprodukt, der Schöner-Erdglobus von 1520, ist im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg neben dem Behaim-Globus von 1492 ausgestellt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwölf kolorierten Holzschnittsegmente des Globus sind auf eine Kugel von 27 cm Durchmesser geklebt. Der Nullmeridian läuft senkrecht durch die Kapverdischen Inseln. Der 180 Grad – Meridian ist breit eingezeichnet und trägt die Gradzählung, ebenso der südliche Polarkreis. Die Wendekreise bestehen aus rot gefüllten Doppellinien. Die Längengrade von Null bis 360 Grad haben einen Abstand von 15 Grad voneinander. Der Längengrad mit der Breitengradbeschriftung verläuft als dicke helle Doppellinie zwischen Japan und Nordamerika zwischen 270 und 285 Grad. Die Breitengrade sind alle 10 Grad markiert und beschriftet. Daneben verläuft die vertikale Linie der Gradfelder. Die Zählung der Längengrade ist in Abständen von jeweils 15 Grad am südlichen Polarkreis. Der Äquator besteht ebenso aus Gradfeldern, von denen abwechselnd 15 schwarz-weiß und 15 schwarz-rot koloriert sind. Die Wendekreise und die Polarkreise sind als markanten Doppellinien mit hell-rötlichem Innenraum dargestellt.

Der Frankfurter Schöner-Erdglobus von 1515 steht auf einem dreifüßigen rot gestrichenen Holzgestell mit geschwungenen Füßen. Das Gestell trägt einen Horizontalkreis, der bis zur Hälfte des Durchmessers geht. Auf diesem befinden sich kleine Reste von aufgedruckten Holzschnitten mit Darstellung der Himmelsrichtungen und Winde. Auf dem Knauf des Gestells steht eine senkrecht schräg stehende Messingachse. Daran ist ein drehbarer Meridiankreis aus Messing mit Gradeinteilung befestigt, auf dem die Kugel ruht.

Die Oberfläche ist insgesamt sehr gut erhalten und gut lesbar. Eine lange, reparierte Schadstelle beginnt in Norwegen, zieht sich über Deutschland durch das Mittelmeer nach Ostmarokko, durchquert Westafrika, geht südwestwärts über den Südatlantik bis in die Gegend von Rio de Janeiro und macht dort einen Bogen nach Osten. Die Grundfarbe des Globus ist graugrün. Klare schwarze Umrisslinien trennen das Meer vom Land, wobei das Festland heller erscheint. Gebirge sind rot eingezeichnet, Flüsse und Seen blau. Das Meer und größere Seen haben Wellenlinien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edme Francois Jomard, Monuments de la géographie ou recueil d´anciennes cartes, Paris 1842–1862.
  • Friedrich Wieser, Magalhaes-Strasse und Austral-Continent auf den Globen des Johannes Schöner, Innsbruck 1881.
  • Adolf Erik Nordenskiöld, Facsimile-Atlas to the early History of Cartography, Stockholm 1889, Fig. 46 und 47.
  • Ernst Vatter, Der Globus des Johannes Schöner von 1515 aus dem Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek. In: Frankfurter Geographische Hefte 11, 1937, S. 160-179.
  • Konrad Kretschmer, Die historischen Karten zur Entdeckung Amerikas, Berlin 1892, überarbeiteter Reprint Frankfurt 1991.
  • AMERICA. Das frühe Bild der neuen Welt. Ausstellungskatalog Bayerische Staatsbibliothek München 1992, S. 145-149.
  • Norbert Holst, Mundus – Mirabilia – Mentalität. Weltbild und Quellen des Kartographen Johannes Schöner. Eine Spurensuche. Frankfurt/ Oder und Bamberg 1999.
  • Reinhard Glasemann, Erde, Sonne, Mond & Sterne. Sonnenuhren und astronomische Instrumente. Ausstellungskatalog Historisches Museum Frankfurt am Main, Frankfurt 1999
  • Chet Van Duzer, The Cartography, Geography und Hydrography of the Southern Ring Continent, 1515 - 1763. In: Orbis Terrarum 8, 2002, 115-158.
  • Chet Van Duzer, Johann Schöner´s Globe of 1515. Transcription and Study, Philadelphia 2010.