Schöninger Speere

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Ausgräber Hartmut Thieme erläutert die Fundsituation von Speer VI dem damaligen Bergwerksdirektor der Braunschweigischen Kohle-Bergwerken Klaus Friedrich

Als Schöninger Speere werden acht hölzerne Wurfspeere aus der Altsteinzeit bezeichnet, die zwischen 1994 und 1998 bei Ausgrabungen im Braunkohletagebau Schöningen, Landkreis Helmstedt, unter der Leitung des Archäologen Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) gefunden wurden. Das Alter wurde zunächst mit rund 400.000 Jahren angegeben,[1][2] andere Datierungsansätze gehen hingegen von etwa 270.000 Jahren aus.[3][4] Die Speere sind somit die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt und ein wichtiger Beleg für die aktive Jagd des Homo heidelbergensis. Die Funde haben das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen seither stark verändert. Sie befinden sich in einem eigens für sie errichteten Museum, dem paläon.

Die Fundstelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Fundstelle 13/II auf einem vorspringenden Geländesockel, der vom Braunkohletagebau Schöningen ausgespart wurde

Die Fundstelle der Speere (Schöningen 13/II Verlandungsfolge 4) befindet sich der Tagebaukante auf einem 50 × 60 Meter großen Grabungssockel, der vom Abbau durch die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG ausgespart wurde und in das Tagebauloch hineinragt. Die auch als Speersockel bezeichnete Fläche ist eine von dreizehn altsteinzeitlichen Fundplätzen im Braunkohlentagebau Schöningen Süd des Helmstedter Braunkohlereviers, die im Zuge der Prospektion der quartären Deckschichten von 1992 bis 2009 ausgegraben wurden. Der rund 3900 m² große Grabungssockel repräsentiert einen kleinen Ausschnitt einer ehemaligen Uferzone, die über Jahrtausende – zwischen Elster- und Saaleeiszeit – von Menschen und Tieren aufgesucht wurde. Der Sockel weist fünf mächtige Schichtpakete (Verlandungszonen) auf, die durch schwankende Wasserstände des Sees und Verlandungsprozesse entstanden sind.

Der schnellen, luftdichten Bedeckung der Fundschichten durch Mudden ist die außergewöhnlich gute Erhaltung der organischen Materialien zu verdanken. In der Abfolge der Verlandungszonen sind mit einer sehr hohen Auflösung Veränderungen des Klimas von einer warmtrockenen Phase mit lichten Laubwäldern zu einer Kältesteppe abzulesen. Die Speere selbst stammen aus dem sogenannten Speerhorizont als einer etwa 10 Meter breiten und 60 Meter langen Grabungsfläche parallel zum ehemaligen Seeufer in der Verlandungszone 4, der ausgehenden Holstein-Warmzeit. In ihr wurden neben den Speeren etwa 1500 Steinartefakte, eine Stoßlanze, ein Wurfholz und die Skelette von 25 Wildpferden sowie einzelne Knochen von Rindern, Hirschen, Nashörnern und Elefanten gefunden.[5] Die darunter liegenden Fundschichten sind bislang nur partiell ausgegraben und seit 2010 Ziel einer Forschungsgrabung.

Zusammen mit den Speeren wurden einige wenige Steingeräte und rund 12.000 Tierknochen gefunden, darunter 90 Prozent vom Pferd, gefolgt von Rothirsch und Wisent.[6] Die Pferdeknochen stammen von Equus mosbachensis und lassen auf mindestens 20 Individuen schließen. Sie weisen zahlreiche Schnittspuren von Steingeräten, aber nur geringe Spuren von Tierfraß auf. Die Fundsituation interpretiert der Ausgräber Hartmut Thieme als die Zeugnisse eines Jagdereignisses sowie der daran anschließenden Zerlegung und Aufbereitung der Beute. Seinen Hypothesen zufolge gab das dichte Schilf am Seeufer den Jägern Deckung, aus der die Pferde, eingekeilt zwischen Jägern und See, mit gezielten Speerwürfen erlegt wurden. Da sich unter den Pferdeknochen auch Reste von Jungtieren befinden, schließt er auf eine Jagd im Herbst.[7] Weiter sieht er in den zwischen den Überresten der Jagdbeute zurückgelassenen Speeren Hinweise auf eine rituelle Handlung.[8]

Die Speere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speer VII in Fundlage

Die aufgrund des auflastenden Sedimentdrucks deformierten Speere sind mit einer Ausnahme – Speer IV ist aus Kiefernholz gefertigt – aus schlanken, geraden Fichtenstämmchen gearbeitet und besitzen Abmessungen zwischen 1,80 m und 2,50 m. Sie sind sehr sorgfältig bearbeitet und zeugen von hohem technologischen Können und einer handwerklichen Tradition. Wie bei heutigen Wettkampfspeeren liegt der größte Durchmesser und damit der Schwerpunkt im vorderen Drittel des Schaftes. Die Spitzenpartien sind symmetrisch aus der Basis der Stämmchen gearbeitet, wobei die Spitzenenden gezielt seitlich neben dem zentralen Mark, dem schwächsten Teil des Stammes, ausgebildet wurden.

In ihren Wurfeigenschaften sind die Schöninger Holzspeere modernen Wettkampfspeeren ebenbürtig. Bei Tests konnten Sportler originalgetreue Nachbauten bis zu 70 Meter weit werfen.[9][10][11] Die Wahl von Nadelhölzern für die Herstellung ist vor allem klimatisch bedingt, da deren lokales Vorkommen im kühleren Klima am Ende des Interglazials nachgewiesen ist.[12]

Weitere Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knochen in Fundlage aus Schöningen 13 II-4
Klemm-
schaft I

Aus der Fundstelle des Wildpferdjagdlagers stammen weitere einzigartige Holzartefakte: ein angekohlter Holzstab („Bratspieß“) sowie ein als Wurfholz interpretiertes, zweiseitig zugespitztes Holzgerät.[9] Die Steingeräte des Fundplatzes setzen sich aus verschiedenen Schaber- und Spitzenformen zusammen. Belege für eine Grundformproduktion fehlen; zahlreiche Retuschierabfälle belegen das Nacharbeiten der mitgebrachten Steingeräte.

Sensationell sind weiter die auf der Fundstelle 12 geborgenen sogenannten Klemmschäfte. Aus den äußerst harten Astansätzen der Weißtanne gefertigt und an einem Ende deutlich eingeschnitten, dienten sie möglicherweise als Schäftung für Steinklingen. Ist die Interpretation korrekt, handelt es sich hierbei um die ältesten Kompositwerkzeuge der Menschheit.[9]

Dank der guten Erhaltungsbedingungen liegen von allen Fundstellen zahlreiche Funde von Kleintieren, darunter Kleinsäuger, Fische, Weichtiere und Insekten vor. Zusammen mit den karpologischen Resten erlauben sie ungewöhnlich detailreiche Rekonstruktionen von Klima und Umwelt während des Ablaufs einer Warmzeit.

Fundstelle Speerhorizont Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 und 2013 wurde am Rande des Tagebaus zunächst durch eine Sondage und später durch eine Flächengrabung ein neues Grabungsareal unter der Bezeichnung Speerhorizont Süd erschlossen. Damit ließ sich am ehemaligen Seeufer die Fortsetzung des Pferdejagdlagers nachweisen, das bereits am etwa 80 Meter nördlich gelegenen Fundort der Schöninger Speere untersucht worden war.[13] An der neuen Fundstelle wurden in der rund 300.000 Jahre alten Bodenschicht der Speere bis 2014 über 400 Knochen von Großtieren und 20 Steinartefakte gefunden.[5] Darunter waren Knochenreste und Zähne einer Säbelzahnkatze.[14][15][16] Der Fund des Raubtieres führte zur Frage, ob die Speere Menschen nicht nur als Beutewaffen, sondern auch der Verteidigung dienten.[17]

Im August 2015 entdeckten Archäologen eine Rippe sowie einen etwa zwei Meter langen Stoßzahn eines Waldelefanten und unternahmen eine Blockbergung. Die Knochen befanden sich in Muddeschichten eines ehemaligen Sees, die etwa 5000 bis 10.000 Jahre älter sind als die der Schöninger Speere. Paläontologen stellten an den Knochen Schnittspuren fest, die sie Feuersteinklingen von Frühmenschen zuordnen.[18] Weitere Untersuchungen sollen ergeben, ob das Tier von Menschen erlegt worden ist.[19][20]

Die Bedeutung der Schöninger Speere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Speere und der Fundplatz Schöningen haben das Bild der kulturellen und sozialen Entwicklung des frühen Menschen revolutioniert. So konnte die ehemals weit verbreitete Forschungsmeinung widerlegt werden, nach welcher der Homo heidelbergensis (ein naher Verwandter des Homo erectus) und sogar noch der sehr viel jüngere Neandertaler primitive, sprachlose Wesen gewesen seien, die sich von Pflanzen und Aas ernährten. Denn die Speere und ihr Fundzusammenhang zeugen von hohen technologischen Fähigkeiten und liefern den ersten eindeutigen Beleg für eine aktive (Großwild-)Jagd. Eine erfolgreiche Jagd auf schnell fliehende Herdentiere ist ohne ausgefeilte Jagdstrategien, ein komplexes Sozialgefüge und entwickelte Formen der Kommunikation nicht denkbar. Schon Homo heidelbergensis verfügte damit möglicherweise über intellektuelle und kognitive Fähigkeiten wie das vorausschauende, planende Denken und Handeln, die zuvor erst dem modernen Menschen (Homo sapiens) zugeschrieben wurden.[21][22]

2016 wurde bekannt, dass die Stadt Schöningen eine Bewerbung der Schöninger Speere als UNESCO-Welterbe anstrebt, wenn die Tentativliste etwa 2018 für neue Objekte geöffnet wird. [23] [24]

Ähnliche Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holzartefakte aus der Altsteinzeit sind äußerst selten überliefert. Neben Schöningen sind Funde aus Clacton-on-Sea (Südengland),[25] Torralba (Spanien),[26] Ambrona (Spanien),[27] und Bad Cannstatt (Baden-Württemberg)[28] bekannt, wobei nur das als Lanzenbruchstück interpretierte Holz von Clacton-on-Sea noch erhalten ist. Die kalzifizierten Hölzer vom Fundplatz Bilzingsleben sind in ihrem Artefaktcharakter umstritten.[29][30] Die ebenfalls aus Niedersachsen stammende hölzerne Stoßlanze aus Lehringen dagegen ist mit einem Alter von rund 125.000 Jahren sehr viel jünger. Mit ihr wurde wahrscheinlich ein Waldelefant, unter dessen Skelett sie gefunden wurde, erlegt.[31]

2012 berichtete ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Science, dass Funde aus Südafrika darauf hindeuten, dass Individuen der Gattung Homo möglicherweise bereits vor 500.000 Jahren Großwild mit aufwändig hergestellten Speeren jagten. Dies soll mittels geschärfter Steinspitzen an Holzschäften erfolgt sein. Paläoanthropologen der University of Toronto hatten rund 200 Spitzen aus eisenhaltigem Gestein untersucht, die aus einer etwa 500.000 Jahre alten Erdschicht nahe Kathu in Südafrika stammten. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass sie als Speerspitzen gedient haben könnten.[32]

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginn 1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1979 wurde der Tagebau Schöningen im Helmstedter Braunkohlerevier durch ein Süd- und ein Nordfeld erschlossen. In der Nähe war zur Verstromung der Braunkohle die Errichtung des Kraftwerks Buschhaus vorgesehen. Auf dessen Bauplatz lag das bereits seit 1974 bekannte Erdwerk von Esbeck. Das gefährdete Bodendenkmal wurde 1982 mit einer Rettungsgrabung vom hannoverschen Institut für Denkmalpflege archäologisch untersucht. Auf der etwa 6 km² großen Tagebaufläche waren jedoch weitere archäologische Fundstellen zu erwarten. Daher initiierte der Archäologe Hartmut Thieme vom Institut für Denkmalpflege mit den Braunschweigischen Kohle-Bergwerken 1983 das Langzeitprojekt der Archäologischen Schwerpunktuntersuchungen im Helmstedter Braunkohlerevier. In den folgenden Jahren wurden eine Vielzahl oberflächlicher Fundstellen aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit entdeckt sowie ausgegraben.

Speerfunde 1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 wurden an einer Tagebaukante des Südfeldes unterhalb eiszeitlicher Ablagerungen in 10 bis 15 Meter Tiefe erstmals altpaläolithische Fundschichten entdeckt und als Fundstelle 12 bezeichnet. Etwa 400 Meter südlich davon wurden 1994 an einer Stelle der Tagebaukante, die als Fundstelle 13 bezeichnet wurde, Tierknochen und ein Wurfholz gefunden. Da hier weitere Funde zu erwarten waren, wurde eine 50 × 60 Meter große Fläche vom Abbau ausgespart. Dadurch entstand ein Grabungssockel, auch als Speersockel bezeichnet, der in das Tagebauloch hineinragt. In diesem Bereich fanden sich die Hinterlassenschaften eines Lagers steinzeitlicher Jäger, die an einem Seeufer vor rund 300.000 Jahren Wildpferde gejagt hatten. Zu den Fundstücken zählten auch die 8 Speere.

Forschungsprojekt ab 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausgrabungen auf dem Grabungssockel wurden seit 2010 im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover und der Eberhard Karls Universität Tübingen, Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, fortgesetzt. An der Aufarbeitung und den Auswertungen der Grabungen sind zahlreiche Kooperationspartner aus dem In- und Ausland beteiligt, darunter die Rijksuniversiteit Leiden (Paläontologie), die Universität Leuphana (Palynologie), das Senckenberg Forschungsinstitut und das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main, die Leibniz Universität Hannover (Geologie), das Labor für quartäre Hölzer Langnau (Holzanatomie) sowie das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz.

Neue Kooperation ab 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 sorgte die Bekanntgabe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die seit 1994 anhaltende archäologische Forschung zu den Schöninger Speeren vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege an die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung [33] abzugeben, für eine Kontroverse. [34] Grundlage der künftigen Forschungszusammenarbeit des Landes Niedersachsen mit der Senckenberg-Gesellschaft und der Universität Tübingen, die bereits seit Jahren in die Erforschung der Schöninger Speere eingebunden ist, ist ein zum 1. August 2016 geschlossener Kooperationsvertrag.

Die Abgabe wurde damit begründet, dass die Senckenberg Gesellschaft über mehr Expertise zur Steinzeit verfüge[35] und die internationale Sichtbarkeit des Fundortes weiter ausbauen werde.[36] Einzelnen Befürwortern der Forschungsübertragung zufolge sei es Niedersachsen nicht gelungen, die „ältesten Jagdwaffen der Menschheit“ angemessen zu erforschen und zu vermitteln; der große Erfolg sei ausgeblieben.[37] Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) sieht bei der Kompetenzübertragung das Land als Eigentümerin der Funde und der Dokumentation in einer starken Position. Aus Sicht der DGUF sorgen die künftigen Forschungen in Schöningen durch die Senckenberg-Gesellschaft für das Einwerben höherer Finanzmittel. [38]

Deutschlandweit kritisierten Archäologen die Kompetenzübertragung von einem zuständigen Fachamt, dessen gesetzlicher Auftrag nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz in der Erforschung archäologischer Quellen besteht, an eine externe Institution.[39] Archäologische Fachverbände, wie der Verband der Landesarchäologen (VLA) und der Deutsche Verband für Archäologie (DVA), zeigten sich besorgt und wandten sich schriftlich an den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil [40]. Dem Land werde der wissenschaftliche Zugriff auf eine seiner bedeutendsten Fundstellen entzogen. Dies sei laut dem Vorsitzenden des VLA Michael Rind ein einmaliger Vorgang in Deutschland.[41]

2016 prognostizierte die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić ein mögliches Ende der Grabung, da der Schöninger Braunkohletagebau „vermutlich ab 2030“ geflutet werde.[42]

paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

paläon
Hauptartikel: paläon

2009 stellte das Land Niedersachsen aus dem Aufstockungsetat zum Konjunkturpaket II Fördermittel für den Aufbau eines Forschungs- und Erlebniszentrums zur Verfügung. Das unweit der Fundstelle der Speere gelegene Zentrum widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Schöninger Fundstellen sowie der pleistozänen Archäologie und präsentiert in einer erlebnisorientierten Ausstellung die originalen Funde. Der transparente Forschungs- und Laborbereich sowie ein interaktives Besucherlabor verknüpfen die Bereiche Forschung und Museum. Landschaftsbiotope, darunter eine Weide mit Wildpferden, veranschaulichen auf dem 34 Hektar großen Außengelände typische Pflanzengesellschaften der Warmzeit. Das Zentrum ist als Außerschulischer Lernort anerkannt. Bauherr war die Stadt Schöningen. Mit der Konzeption und inhaltlichen Planung des Projekts war das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege betraut. Nach einer Namensfestlegung im April 2012 auf paläon erfolgte die Eröffnung am 24. Juni 2013.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Thieme: Lower Palaeolithic hunting spears from Germany. In: Nature. Band 385, 1997, S. 807–10, doi:10.1038/385807a0
  • Hartmut Thieme: Altpaläolithische Holzgeräte aus Schöningen, Lkr. Helmstedt. Bedeutsame Funde zur Kulturentwicklung des frühen Menschen. In: Germania. Band 77, 1999, S. 451–487.
  • Die größte archäologische Ausgrabung in Niedersachsen. Bedeutende Entdeckungen zur Urgeschichte im Tagebau Schöningen. In: M. Fansa u. a. (Hrsg.): Archäologie I Land I Niedersachsen. 25 Jahre Denkmalschutzgesetz – 400 000 Jahre Geschichte. Ausstellungskatalog (Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 42). Stuttgart 2004, S. 294–299.
  • Hartmut Thieme: The Lower Palaeolithic art of hunting. The case of Schöningen 13 II-4, Lower Saxony, Germany. In: C. Gamble, M. Porr (Hrsg.): The hominid individual in context. Archaeological investigations of Lower and Middle Palaeolithic landscapes, locales and artefacts. Oxford 2005, S. 115–132.
  • Hartmut Thieme (Hrsg.): Die Schöninger Speere. Mensch und Jagd vor 400000 Jahren. Ausstellungskatalog. Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89646-040-0.
  • Brigitte Urban: Interglacial pollen records from Schöningen, North Germany. In: Developments in Quaternary Sciences. Band 7, 2007, S. 417–444.
  • Jordi Serangeli et al.: Ein Fenster ins Altpaläolithikum. In: Archäologie in Deutschland. Band 28, Nr. 4, 2012, S. 6–12, ISSN 0176-8522.
  • Gerlinde Bigga, Brigitte Urban: Im Schatten der Speere – Hölzer und andere Pflanzenfunde aus Schöningen und ihre Bedeutung für den Menschen. In: Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.V., 55. Tagung in Wien, Erlangen 2013, S. 16 f.
  • Harald Eggebrecht: Spitze der Menschheit. Der Fund der 300 000 Jahre alten Schöninger Speere war eine Sensation. Er zeigt, wie der Homo heidelbergensis gelebt und gejagt hat. In: Süddeutsche Zeitung vom 31. Oktober/1. November 2014, S. 63
  • Jordi Serangeli: Die Jäger von Schöningen. Spuren von Menschen und Säbelzahnkatzen im „Speerhorizont“. In: Archäologie in Niedersachsen. 18/2015, S. 93-96
  • Nicholas J. Conard, Christopher E. Miller, Jordi Serangeli, Thijs Van Kolfschoten (Hrsg.): Excavations at Schöningen: New Insights into Middle Pleistocene Lifeways in Northern Europe. In: Journal of Human Evolution. Band 89, 2015, S. 1–308, (Online) [43]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut Thieme, Reinhard Maier (Hrsg.): Archäologische Ausgrabungen im Braunkohlentagebau Schöningen. Landkreis Helmstedt, Hannover 1995.
  2. Hartmut Thieme: Die ältesten Speere der Welt – Fundplätze der frühen Altsteinzeit im Tagebau Schöningen. In: Archäologisches Nachrichtenblatt 10, 2005, S. 409–417.
  3. Michael Baales, Olaf Jöris: Zur Altersstellung der Schöninger Speere. In: J. Burdukiewicz u. a. (Hrsg.): Erkenntnisjäger. Kultur und Umwelt des frühen Menschen. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt 57, 2003 (Festschrift Dietrich Mania), S. 281–288.
  4. O. Jöris: Aus einer anderen Welt – Europa zur Zeit des Neandertalers. In: N. J. Conard u. a. (Hrsg.): Vom Neandertaler zum modernen Menschen. Ausstellungskatalog Blaubeuren 2005, S. 47–70.
  5. a b Jordi Serangeli, Thijs van Kolfschoten, Nicholas J. Conard: 300.000 Jahre alte Funde einer Säbelzahnkatze aus Schöningen – Die gefährlichste Raubkatze der Eiszeit erstmals für Norddeutschland belegt in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 1/2014
  6. Voormolen B. 2008: Ancient Hunters, Modern Butcher Schöningen 13II -4, a kill-butchery site dating from the northwest European Lower Palaeolithic. Leiden
  7. Musil R. 2007: Die Pferde von Schöningen: Skelettreste einer ganzen Wildpferdherde. In: Thieme H. (Hrsg.): Die Schöninger Speere – Mensch und Jagd vor 400 000 Jahren. S. 136–140, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart ISBN 3-89646-040-4
  8. Thieme H. 2007: Warum ließen die Jäger die Speere zurück? In: Thieme H. (Hrsg.) 2007: Die Schöninger Speere – Mensch und Jagd vor 400 000 Jahren. S. 188–190 Konrad Theiss Verlag, Stuttgart ISBN 3-89646-040-4
  9. a b c Hartmut Thieme 1999: Altpaläolithische Holzgeräte aus Schöningen, Lkr. Helmstedt. In: Germania. Nr. 77, S. 451–487
  10. Miriam Golek M, Hermann Rieder 1999: Erprobung der Altpalaolithischen Wurfspeere von Schöningen. In: Stadion, Internationale Zeitschrift für Geschichte des Sports. Nr. XXV Academia Verlag Sankt Augustin, S. 1–12
  11. Leif Steguweit 1999: Die Recken von Schöningen – 400 000 Jahre Jagd mit dem Speer. – Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Urgeschichte 8, S. 5–14 (Online-Ansicht und PDF-Download)
  12. Brigitte Urban 2007: Interglacial Pollen Records from Schöningen, North Germany. In: Frank Sirocko et al. (ed.): The Climate of Past Interglacials. In: Development in Quaternary Science, Band 7, S. 417–444
  13. Säbelzahnkatzen aus Niedersachsen in Archäologie Online vom 4. April 2014
  14. Paläontologen finden Säbelzahntiger-Zahn bei ndr.de vom 1. April 2014
  15. Raubtier als Nachbar des Ur-Menschen in Braunschweiger Zeitung vom 1. April 2014
  16. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege: Das gefährlichste Tier der Eiszeit in Schöningen entdeckt.
  17. Duell der Räuber in Zeit Online vom 4. April 2014
  18. Sie dürfen dem Elefanten auf den Zahn fühlen. Auf: ndr.de vom 23. Oktober 2015
  19. Spuren für älteste Elefantenjagd der Welt gefunden. In: Die Welt vom 23. Oktober 2015
  20. Ludger Fertmann: Als in Niedersachsen Waldelefanten lebten in: Hamburger Abendblatt vom 23. Oktober 2015
  21. Thieme H. 2007. Der große Wurf von Schöningen: Das neue Bild zur Kultur des frühen Menschen. In: Thieme H. (Hrsg.) 2007: Die Schöninger Speere – Mensch und Jagd vor 400.000 Jahren. S. 224–228 Konrad Theiss Verlag, Stuttgart ISBN 3-89646-040-4
  22. Haidle M. N. 2006: Menschenaffen? Affenmenschen? Mensch! Kognition und Sprache im Altpaläolithikum. In: Conard N. J. (Hrsg.): Woher kommt der Mensch. S. 69–97. Attempto Verlag. Tübingen ISBN 3-89308-381-2
  23. "Schöninger Speere" bald UNESCO Weltkulturerbe? bei NDR.de vom 23. Juni 2016
  24. Fundort der Schöninger Speere soll Weltkulturerbe werden bei Welt.de
  25. Kenneth P. Oakley, Peter Andrews, Lawrence H. Keeley, J. Desmond Clark: A reappraisal of the Clacton spearpoint. In: Proceedings of the Prehistoric Society 43 (1977) 13–30. Eine Abbildung findet sich hier: The Clacton Spear, Natural History Museum.
  26. Freemann L. G. & Butzer K. W. 1966: The Acheulean Station of Torralba (Spain): A Progress Report. In: Quaternaria, Band 8, S. 9–22.
  27. Tyldesley J. A. & Bahn P. G. 1983: Use of Plant in the European Palaeolithic: A review of the evidence. In: Quaternary Science Review, Band 2, S. 53–81
  28. Wagner E. 1995: Cannstatt I. Großwildjäger im Travertingebiet. In: Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Band 061, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart ISBN 978-3-8062-1196-2
  29. Mania D. & Mania U. 1998: Geräte aus Holz von der altpaläolithischen Fundstelle bei Bilzingsleben. In: Praehistorca Thuringica, Band 2, S. 32–72
  30. Steguweit L. 2003: Gebrauchsspuren an Artefakten der Hominidenfundstelle Bilzingsleben (Thüringen). In: Tübinger Arbeiten zur Urgeschichte 2. Verlag Marie Leidorf, Rhaden/Westf. ISBN 3-89646-852-9
  31. Thieme H. & Veil S. 1985: Neue Untersuchungen zum eemzeitlichen Elefanten-Jagdplatz Lehringen, Ldkr. Verden. In: Die Kunde, Band 36, S. 11–58
  32. Jayne Wilkins et al.: Evidence for Early Hafted Hunting Technology. In: Science. Band 338, Nr. 6109, 2012, S. 942–946, doi:10.1126/science.1227608
    Urahnen warfen Steinspeere früher als gedacht in Focusonline vom 16. November 2012
  33. Neue Kooperation für Forschung in Schöningen bei ndr.de vom 28. Juli 2016
  34. Streit um Forschungskooperation bei Deutschlandfunk vom 18. August 2016
  35. Senckenberg-Gesellschaft leitet Forschung am Paläon in focus.online vom 28. Juli 2016
  36. Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajić unterzeichnet Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen. Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 29. Juli 2016
  37. Stefan Lüddemann: Schöninger Speere: Gute Entscheidung für Frankfurt in: Neue Osnabrücker Zeitung vom 29. Juli 2016
  38. DGUF-Stellungnahme zum Kooperationsvertrag "Forschungsprojekt Schöninger Speere". DGUF, 8. August 2016, abgerufen am 15. August 2016 (deutsch).
  39. Schöninger Speere: Forschungskooperation in der Kritik bei archäologie.online vom 3. August 2016
  40. Stellungnahme des Deutschen Verbandes für Archäologie e. v. zum angedachten Rückzug des Landes Niedersachsen aus dem archäologischen Forschungsprojekt Schöninger Speere vom 28. Juli 2016 (pdf)
  41. Was passiert mit dem Projekt „Schöninger Speere“? Niedersächsische Archäologen sollen nicht mehr am Forschungsprojekt „Schöninger Speere“ beteiligt sein. Verband der Landesarchäologen vom 29. Juli 2016
  42. Speer verständlich in: Süddeutsche Zeitung vom 6. September 2016
  43. Sonderband des „Journal of Human Evolution“ zur Fundstelle Schöningen. Auf: archaeologie-online.de vom 28. Januar 2016.

Koordinaten: 52° 8′ 1″ N, 10° 59′ 21″ O