Schöntal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schöntal (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schöntal
Schöntal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schöntal hervorgehoben
Koordinaten: 49° 20′ N, 9° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Hohenlohekreis
Höhe: 209 m ü. NHN
Fläche: 81,65 km2
Einwohner: 5562 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km2
Postleitzahl: 74214
Vorwahlen: 07943, 06294
Kfz-Kennzeichen: KÜN, ÖHR
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 072
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klosterhof 1
74214 Schöntal
Webpräsenz: www.schoental.de
Bürgermeisterin: Patrizia Filz (parteilos[2][3])
Lage der Gemeinde Schöntal im Hohenlohekreis
Landkreis Heilbronn Landkreis Schwäbisch Hall Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Bretzfeld Dörzbach Forchtenberg Forchtenberg Ingelfingen Krautheim (Jagst) Künzelsau Kupferzell Mulfingen Neuenstein (Hohenlohe) Niedernhall Öhringen Pfedelbach Schöntal Waldenburg (Württemberg) Weißbach (Hohenlohe) ZweiflingenKarte
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Schöntal ist eine Gemeinde im Hohenlohekreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken (bis 20. Mai 2003 Region Franken).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schöntal, die größte Flächengemeinde im Hohenlohekreis, liegt in Luftlinie rund 15 km westnordwestlich der Kreisstadt Künzelsau und rund 30 km nordöstlich des Regionszentrums Heilbronn. Die größeren Dörfer reihen sich im unteren Tal der Jagst, die die Gemeinde westsüdwestlich durchläuft, oder liegen in den dem Fluss zulaufenden Nebentälern des linken Sindelbachs, dann des rechten Erlenbachs und – erst in einer Nachbargemeinde unterhalb – der ebenfalls rechten Kessach. Auf den Höhen zwischen diesen und einigen Nachbargewässern gibt es nur kleine Siedlungsplätze.

Das Gebiet der Gemeinde hat im Südosten Anteil am Unterraum Kocher-Jagst-Ebenen, im Nordwesten am Unterraum Bauland des Naturraums Neckar- und Tauber-Gäuplatten.[4] Die hier sehr hügelige Hochebene, überwiegend offen und beackert, aber auch mit merklichem Waldanteil, wird von tiefen Muschelkalktälern gegliedert. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt an der Trasse des vorgeschichtlichen Fernwegs Hohe Straße östlich eines gleichnamigen Siedlungsplatzes am Südrand der Gemeinde auf fast 400 m ü. NN, der niedrigste am Ausfluss der Jagst auf etwa 198 m ü. NN.[5]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An das Gebiet Schöntals grenzen die Kleinstädte und Gemeinden

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus folgenden Ortsteilen (ehemalige Gemeinden mit ihren damaligen Ortsteilen):[6]

  • Aschhausen (214 Einw.) mit der abgegangenen Ortschaft Ottohausen
  • Berlichingen (660 Einw.) mit dem Gehöft Neuhof und dem Haus Ziegelhütte sowie den abgegangenen Ortschaften Erlahe und Hiupenhusen
  • Bieringen (1093 Einw.) mit dem Weiler Weltersberg sowie der abgegangenen Burg Urhausen[7]
  • Kloster Schöntal (207 Einw.): mit den Weilern Rossach und Spitzenhof, dem Ort Eichelshof, dem Wohnplatz Neusaß, dem Gehöft Halsberg und dem Haus Kreuzberg sowie den abgegangenen Ortschaften Brechelberg, Eschach, Eschenau, Hoefelden, Hohenhart und Stein
  • Marlach (455 Einw.) mit den Weilern Altdorf und Sershof und dem Gehöft Unterer Sershof
  • Oberkessach (1065 Einw.) mit den Weilern Hopfengarten und Weigental
  • Sindeldorf: (536 Einw.)
  • Westernhausen: (999 Einw.) mit den abgegangenen Ortschaften Ruthardtsdorf und Stein
  • Winzenhofen: (334 Einw.) mit dem Gehöft Heßlingshof sowie der abgegangenen Ortschaft Stedenbach (?)

Einwohnerzahlen: Stand Dezember 2013[8]

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Schöntal

Das Zisterzienserkloster Schöntal wurde im Jahre 1157 gegründet. Zwischen 1708 und 1736 wurde die Klosterkirche errichtet, 1802 wurde das Kloster säkularisiert. Ebenfalls 1802 kamen alle heutigen Ortsteile außer Winzenhofen zu Württemberg und gehörten ab 1938 zum Landkreis Künzelsau. Das ehemals kurmainzische Winzenhofen ging 1806 an Baden und gehörte dort ab 1939 zum Landkreis Buchen. Am 1. März 1972 wurde die heutige Gemeinde Schöntal gegründet und dem Hohenlohekreis zugeschlagen.[10]

Im Jahr 1900 wurde die schmalspurige Jagsttalbahn mit Bahnstationen in Berlichingen, Schöntal und Bieringen in Betrieb genommen, 1988 wurde sie stillgelegt.

Die Gemeinde Schöntal wurde am 1. März 1972 durch Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen acht Gemeinden Aschhausen, Berlichingen, Bieringen, Marlach, Oberkessach, Schöntal (heute als Kloster Schöntal bezeichnet), Sindeldorf und Westernhausen des damaligen Landkreises Künzelsau gebildet.[11] Am 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Winzenhofen des ehemaligen Landkreises Buchen als neunte Gemeinde eingegliedert.[12]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schöntal ist überwiegend katholisch geprägt. In Berlichingen gab es über Jahrhunderte eine große jüdische Landgemeinde, ein jüdischer Friedhof aus dieser Zeit existiert noch heute. Auch in Bieringen waren seit dem 17. Jahrhundert bis zur Auflösung der dortigen Gemeinde um das Jahr 1900 Juden ansässig.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schöntal wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Schöntal hat nach der letzten Wahl 23 Mitglieder (2009: 22). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,7 % (2009: 68,0 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei / Liste 25. Mai 2014 7. Juni 2009
CDU 61,4 % 14 Sitze 57,7 % 13 Sitze
FWV 39,1 % 9 Sitze 42,3 % 9 Sitze

Bürgermeisteramt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Seit 2004 ist Patrizia Filz Bürgermeisterin von Schöntal. Sie wurde am 6. Mai 2012 bei einer Wahlbeteiligung von 46,3 % mit 80,4 % der abgegebenen Stimmen für weitere acht Jahre wiedergewählt.

Die vorigen Bürgermeister waren:

  • 1972–1996: Karl Hehn (CDU)
  • 1996–2004: Karl-Heinz Börkel (CDU)

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Schöntaler Wappens lautet: In Grün schräg gekreuzt aus dem Unterrand emporkommend ein goldener Krummstab und eine rechte silberne Eisenfaust, die Kreuzung überdeckt mit einem erniedrigten, doppelreihig von Rot und Silber geschachten Balken (Zisterzienserbalken). Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Grün.

Die frühere Gemeinde Schöntal führte in ihren Stempeln die Klosterkirche. 1972 wurde ihr ein auf dem Klosterwappen basierendes Bildkennzeichen mit dem Zisterzienserbalken und dem goldenen Krummstab auf grünem Grund verliehen. Die neue Gemeinde Schöntal übernahm beide Figuren in ihr Wappen, der Krummstab repräsentiert seitdem neben dem Kloster auch die Ortsteile, die zu Kurmainz gehört hatten. Hinzu kam die Eiserne Hand des Götz von Berlichingen, der im Kloster begraben liegt. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 19. September 1978 vom Landratsamt des Hohenlohekreises verliehen.[13]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem Ortsteil Sindeldorf und der französischen Gemeinde Marigny-Saint-Marcel (Département Haute-Savoie) besteht seit 1959 eine inoffizielle Partnerschaft. Diese wurde von Sindeldorfer Willy Humm initiiert, der 1946 als Kriegsgefangener auf einem Bauernhof in Marigny arbeitete. Nach Willy Humm wurde zum 50. Jubiläum der Partnerschaft eine Straße in Marigny benannt.[14] Eine weitere Straße trägt den Namen "Avenue de Sindeldorf".

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude der ehemaligen Jagsttalbahn am Kloster Schöntal (Juli 2008)

Ortsansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckert Fertigungstechnik
  • LTI Metalltechnik GmbH
  • Ziehl-Abegg AG
  • DLK Ventilatoren GmbH
  • KSMA, Karl Heinz Sitzler Maschinen- und Anlagenbau GmbH

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher war der Weinbau im Jagsttal sehr ausgeprägt. Heute wird er nur noch in Bieringen in geringem Umfang betrieben.

Sport und Freizeitanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Badeplatz Schöntal
  • Badeplatz Westernhausen
  • Sportplätze in Berlichingen, Bieringen, Marlach, Oberkessach und Westernhausen
  • Grillhütten in Berlichingen, Bieringen, Marlach, Oberkessach, Westernhausen und Sindeldorf

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barocke Kirche des Zisterzienserklosters Schöntal
  • Das Kloster Schöntal, eine ehemalige Zisterzienserabtei, wurde 1157 gegründet und 1802 säkularisiert. Es gilt als die schönste geistliche Residenz der Barockzeit im Norden Baden-Württembergs. Heute sind in den Gebäuden unter anderem ein Bildungshaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ein Waldschulheim sowie das Rathaus der Gemeinde Schöntal untergebracht.
  • Aschhausen: Die Burg Aschhausen geht auf das Mittelalter zurück. Sie wurde 1523 zerstört und erhielt ihre heutige Gestalt hauptsächlich durch Bauten aus dem 18. Jahrhundert.
  • Berlichingen: Burg Berlichingen ist die Stammburg der Herren von Berlichingen (Privatbesitz). Der Jüdische Friedhof Berlichingen ist der größte im Hohenlohekreis.
  • Bieringen: Die römisch-katholische Kirche St. Kilian wurde 1722 erbaut.
  • Westernhausen: In der Ruine Stein finden sich Mauerreste eines Steinschlosses aus dem 14. Jahrhundert.
  • Die Neusaßer Linde ist ein Naturdenkmal bei der Wallfahrtskirche Neusaß, die zum Kloster Schöntal gehört. Der Baum hat ein Alter von etwa 300 bis 500 Jahren und einen Stammumfang von 8,62 Metern.
  • Storchenturm, Ruine eines ehemaligen Wacht- und Beobachtungsturmes am Hang des Storchenbergs am Nordufer der Jagst

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schöntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
dito Aschhausen, Berlichingen, Bieringen, Marlach, Oberkessach, Sindeldorf und Westernhausen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Wendelin Schmidt: Beide Kandidaten sammelten Punkte. In: Hohenloher Zeitung. 29. April 2004 (bei stimme.de [abgerufen am 18. November 2012]).
  3. Matthias Stolla: Ein Holzschlegel für den Minister. In: Hohenloher Zeitung. 19. Januar 2009 (bei stimme.de [abgerufen am 18. November 2012]).
  4. Wolf Dieter Sick: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 162 Rothenburg o. d. Tauber. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1962. → Online-Karte (PDF; 4,7 MB)
  5. Lagebeschreibung nach der Onlinekarte der LUBW, siehe bei den → Weblinks
  6. Grundlage der Liste: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 244–251
  7. Thomas Steinmetz: Wohntürme im Odenwald. In Der Odenwald, Zeitschrift des Breuberg-Bundes, Jg. 41, Heft 3 1994, S. 92f
  8. Gemeinde Schöntal Einwohnerzahlen
  9. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Schöntal.
  10. Hohenlohekreis: Schöntal: Geschichte. Online auf www.hohenlohekreis.de, abgerufen am 26. Oktober 2014
  11. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 451.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 452.
  13. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 123
  14. http://www.sindeldorf.de/index.php?Is=FreundeskreisMarigny&IsK=12&S=3