Schöpstal

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Schöpstal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schöpstal hervorgehoben
Koordinaten: 51° 11′ N, 14° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungsverband: Weißer Schöps/Neiße
Höhe: 248 m ü. NHN
Fläche: 29,72 km2
Einwohner: 2439 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km2
Postleitzahl: 02829
Vorwahl: 03581
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 520
Gemeindegliederung: 3 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Schloss 11
OT Ebersbach
02829 Schöpstal
Webpräsenz: www.schoepstal.net
Bürgermeister: Bernd Kalkbrenner
Lage der Gemeinde Schöpstal im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Oberlausitz) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Ort) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Schöpstal (obersorbisch Šepcowy Doł) ist eine Gemeinde im Landkreis Görlitz im Osten des Freistaats Sachsen. Schöpstal gehört zum Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße. Sie besteht aus den Dörfern Ebersbach, Girbigsdorf, Kunnersdorf und Liebstein.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schöpstal liegt im östlichen Teil des Landkreises Görlitz und grenzt an die Kreisstadt Görlitz. Die Ortsteile entlang des Weißen Schöps sind klassische Waldhufendörfer.

Schöpstal wird im Nordosten von der Bundesstraße 115 und der Bundesautobahn 4 geschnitten. Die ehemalige Bahnstrecke zu den Königshainer Steinbrüchen, die einen Bahnhof in Ebersbach hatte, ist zu einem Radwanderweg umfunktioniert worden. Im Nordosten tangieren die Bahnstrecke Berlin–Görlitz und das östliche Ende der Bundesstraße 6 das Gemeindegebiet.

Durch die Gemeinde zieht sich von Süd nach Nord der Weiße Schöps, in einem zum Teil tief eingeschnittenem Flusstal, das sich zwischen Ebersbach und Kunnersdorf auf weniger als 100 m verengt und von zunehmend steilen Hängen eingeschlossen wird. Die beiderseits des Schöps gelegene landwirtschaftlich genutzten Flächen weisen einen schweren aber fruchtbaren Lehmboden auf, der jedoch zu Vernässung neigt. Aus diesem Grund gehört die Agrargenossenschaft in Ebersbach zu einem der Vorreiterbetriebe der pfluglosen Bodenbearbeitung in Sachsen. Von der ursprünglichen Hufeneinteilung haben sich nach der Umlegung in eine Großblockflur kaum Reste erhalten. Im Westen erheben sich bei Liebstein die Königshainer Berge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung findet der Ortsteil Girbigsdorf 1282, Ebersbach 1285, Kunnersdorf 1319 und Liebstein 1330.[2] Die Dörfer Girbigsdorf, Ebersbach und Kunnersdorf wurden allerdings wohl bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge der Deutschen Ostsiedlung als Waldhufendörfer angelegt. Bereits vor der Ostsiedlung muss es aber am Schöps eine dünne Besiedlung gegeben haben, wie die Existenz slawischer bzw. frühdeutscher Burgwälle in Liebstein und Ebersbach belegt.[3] Außerdem sind Zehnteinnahmen der Wenzelskirche in Jauernick aus Ebersbach und Kunnersdorf überliefert. Diese könnten aus einer Zeit stammen, in der die Jauernicker Großpfarrei das gesamte Umland betreute, und verfielen nicht, als nach der Aussetzung der Orte nach Deutschem Recht, die Kirchgemeinde Ebersbach beziehungsweise später ihr Filial Kunnersdorf entstand. Nur in Liebstein erhielt sich die ursprüngliche Orts- und Flurform eines Rundweilers mit Blockflur.[4]

Ein Aufenthalt des damaligen askanischen Landesherren Otto V. in Ebersbach 1285 und der nicht ganz glaubwürdige Bericht einer Flucht des Herzogs Johann von Görlitz vor erbosten Bürgern der Stadt nach Ebersbach[5] legen nahe, dass Ebersbach ebenso wie das nahe Königshain landesherrlicher Besitz gewesen war und vielleicht um 1200 zur Domäne um Reichenbach[6] gehörte.

Als erste nachgewiesene adlige Besitzer Ebersbachs erscheinen in den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts „Vraw Else Bischoffswerdyne und Hans, ir son zu Ebirspach“ im Görlitzer Liber acticatorum. Unklar ist ihre Verbindung zu der schon im 14. Jahrhundert häufig belegten Familie von Bischofswerde in Görlitz, die dann gegebenenfalls als ministerialisch zu bezeichnen wäre. Jedenfalls pflegten die von Bischofswerde auf Ebersbach eine enge Beziehung zur Stadt Görlitz. Noch der genannte Hans von Bischofswerde war während der Hussitenkriege Hauptmann des Nikolaiviertels. Wohl schon damals und noch 1509 besaß die Familie ein Haus in der Nikolaigasse. 1528 werden zwei Brüder von Bischofwerde als „etwan zu Gorlitz Mitburgere“ bezeichnet und auch ihre Töchter verheirateten sie gelegentlich mit Görlitzer Patriziersöhnen.

Ihre Grundherrschaft erstreckte sich auf Ebersbach und Kunnersdorf. In Ebersbach hatten sie aufgrund von Erbteilungen zwei Vorwerke in Eigenwirtschaft, den „obern und nidern Steinstock“. Daneben waren sie Gerichtsherren und Patronatsherren der Ebersbacher Kirche und ihres Kunnersdorfer Filials. Aus ortsgeschichtlicher Perspektive sind ferner die Konflikte von Belang, in die sie 1449 mit den von Gersdorf auf Königshain um gewisse Wasserläufe, 1467 mit dem eigenen Pfarrer um Bierschank und das Kunnersdorfer Filial und 1511 mit der Stadt Görlitz, die ihnen die Einfuhr fremden Biers verwehrte, verwickelt waren.[7] 1491 war wegen der Ermordung des Ebersbacher Pfarrers das Interdikt über den gesamten Kreis gelegt worden.[8]

In Girbigsdorf besaßen die von Bischofswerde ebenfalls ein Vorwerk, zu dessen Pertinenz neben besessenen Leuten auch die Mühle und ein Viertel der Gerichtseinnahmen sowie der Ortsteil Rosenfeld (Ober-Girbigsdorf) gehörte. Ansonsten hatte in Girbigsdorf bereits Ende des 13. Jahrhunderts das Görlitzer Hospital und seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch Görlitzer Patrizier Besitz. Hier war 1544 eine Brücke Anstoß eines Streits mit Görlitz.

1584 verkauften die von Bischofswerde Ebersbach an Hiob von Salza. Der Girbigsdorfer Besitzteil verblieb als Mitgift noch bis zu ihrem Tod im Besitz von Katharina Plaunitz, einer geborenen von Bischofswerde, und ging 1608 an ihren Neffen Siegmund von Hermsdorf.[9] Hiob von Salza stiftete 1613 ein Diakonat für die Betreuung der Kunnersdorfer Kapelle.[10]

Während der Hussitenkriege,[11] des Dreißigjährigen Krieges, des Siebenjährigen Krieges und des Befreiungskriegs wurden die Orte des Schöpstals in Mitleidenschaft gezogen.

Zwischen 1952 und 1955 wurden in Girbigsdorf, Ebersbach und Kunnersdorf (Liebstein war 1950 von Königshain nach Kunnersdorf eingemeindet worden) Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet.

Am 1. Januar 1994 schlossen sich die Gemeinden Ebersbach, Girbigsdorf und Kunnersdorf zur neuen Gemeinde Schöpstal zusammen. Am 1. Januar 1999 wurde die Stadtgrabensiedlung aus Schöpstal aus- und nach Görlitz eingegliedert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[12]
Wahlbeteiligung: 63,3 % (2009: 60,9 %)
 %
40
30
20
10
0
36,7 %
28,2 %
10,5 %
15,8 %
8,8 %
n. k.
FUW
BfSb
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+6,1 %p
+3,5 %p
-5,9 %p
± 0,0 %p
-0,9 %p
-2,7 %p
FUW
BfSb
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Bürger für Schöpstal

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Freie Wähler Schöpstal (FUW): 6 Sitze
  • „Bürger für Schöpstal“ (BfS): 4 Sitze
  • CDU: 2 Sitze
  • FDP: 1 Sitz
  • LINKE: 1 Sitz

Bürgermeister Bernd Kalkbrenner wurde im Juni 2015 mit 95,0 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Schöpstal erfasst.

  • Schloss mit Schlosspark und Teich in Girbigsdorf
  • Grüne Aue mit Park und Kegelbahn in Girbigsdorf
  • Ebersbacher Wasserschloss und Schlossparkanlage
  • Pfarrkirche St. Barbara in Ebersbach. Die 1346 erstmals belegte zweischiffige Kirche wurde in ihrer gegenwärtigen Gestalt im 15. Jahrhundert durch eine Görlitzer Bauhütte erbaut. Sie lehnt sich deutlich an städtische Formen des Kirchenbaus an. Später wurde ein Turm im Renaissancestil und eine Kapelle angebaut, die später als Familiengruft der von Salza diente. Bemerkenswert sind ferner 3 Grabplatten der von Bischoffswerde, von Salza und von Redern.[13]
  • Kesselberg, Burgwall Ebersbach I. Die Höhenburg auf dem steilen rechten Talrand des Schöps ist sehr gut erhalten. Über den als slawisch angesprochenen Ringwall liegen bisher keine Grabungsergebnisse vor. Die beiden anderen Burgwälle in der Schöpstaler Flur sind nicht erhalten beziehungsweise stark zerstört.[14]
  • Schloss und Schlosspark in Kunnersdorf
  • Schlossgrabstätte in Kunnersdorf (Adelsgeschlecht Oppeln-Bronikowski)
  • Der Jakobsweg im Abschnitt Görlitz–Weißenberg–Bautzen führt über Ebersbach und Liebstein.
  • Kästnereiche mit einem Brusthöhenumfang von 7,56 m (2016).[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter von Boetticher: Die von Bischofswerde aus Görlitz und Ebersbach. in: Neues Lausitzisches Magazin 86 (1910), S. 81–102.
  • Hermann Knothe: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter. Leipzig 1879.
  • Christian Adolf Pescheck: Literarische Grundlage zur Geschichte der oberlausitzischen Dörfer (II) in: Neues Lausitzisches Magazin 35 (1859), S. 137–164, hier S. 139f. (erschließt die ältere Literatur und handschriftliche Chronistik)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Art. Girbigsdorf, Ebersbach, Kunnersdorf und Liebstein im Digitalen Historischem Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Jasper von Richthofen: Die Landeskrone bei Görlitz. Eine bedeutende slawische Befestigung in der östlichen Oberlausitz. in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 45 (2003), S. 263–300, hier S. 296, 298.
  4. Joachim Huth: Die slawische Vorbesiedlung des Eigenschen Kreises. In: Lětopis (B) 9. Bautzen 1962, S. 37f
  5. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz. Görlitz 1926, S. 40.
  6. Max Jänecke: Die Oberlausitzer Herrschaften. Diss. mss. Leipzig 1923, S. 132f.
  7. Walter von Boetticher: Die von Bischofswerde aus Görlitz und Ebersbach. in: Neues Lausitzisches Magazin 86 (1910), S. 81–102.
  8. Görlitzer Rathsannalen. Scriptores Rerum Lusaticarum N.F. 2, Görlitz 1841, S. 356.
  9. Walter von Boetticher: Die von Bischofswerde aus Görlitz und Ebersbach. in: Neues Lausitzisches Magazin 86 (1910), S. 81–102.
  10. Christian Gottlieb Käufer: Abriß der Oberlausitzischen Geschichte, Bd. IV, Görlitz 1802, S. 144f
  11. Görlitzer Ratsrechnungen. Codex Diplomaticus Lusatiae Superioris II.2, S. 324 Z. 18 berichtet ohne nähere Ausführungen, dass Hussiten aus Schlesien, an Görlitz vorbei, nach Ebersbach weitergezogen seien. Erst spätere Chronisten berichten von Zerstörungen.
  12. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  13. Hans Lutsch: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Schlesien, Bd. 3, Der Regierungsbezirk Liegnitz, Breslau 1891, S. 732f. Marius Winzeler: Böhmische Einflüsse in Architektur und Kunst der Oberlausitz im Mittelalter. in: Lars-Arne Dannenberg (Hrsg.): Böhmen – Oberlausitz – Tschechien, Aspekte einer Nachbarschaft, Görlitz 2006, S. 55–70, hier S. 63.
  14. Jasper von Richthofen: Die Landeskrone bei Görlitz. Eine bedeutende slawische Befestigung in der östlichen Oberlausitz, in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 45 (2003), S. 263–300, hier S. 296.
  15. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schöpstal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien