Schörl (Mineral)
| Schörl | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2007 s.p.[1] |
| IMA-Symbol |
Srl[2] |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH)[1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Ringsilikate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/C.08 VIII/E.19-050[3] 9.CK.05[4] 61.03.01.10 |
| Ähnliche Minerale | Schorlomit, Morimotoit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-pyramidal; 3m |
| Raumgruppe | R3m (Nr. 160) |
| Gitterparameter | a = natürlich: 15,992(2); synthetisch: 16,059(2) Å; c = natürlich: 7,190(1); synthetisch: 7,136(2) Å[5][6] |
| Formeleinheiten | Z = 3[5][6] |
| Zwillingsbildung | selten nach {1010} und {4041}[7] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 7 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,20; berechnet: 3,244[5] synthetisch: 3,276[6] |
| Spaltbarkeit | sehr schlecht nach {1120} und {1011}[8][7] |
| Bruch; Tenazität | uneben, muschelig[8][7] |
| Farbe | schwarz, bläulich-schwarz, grünlich-schwarz[8] |
| Strichfarbe | grau-weiß[8] |
| Transparenz | opak, schwach durchscheinend[8] |
| Glanz | Glasglanz[8] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,660–1,672[8] nε = 1,635–1,650[8] |
| Doppelbrechung | δ = 0,025[8] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ[7] |
| Pleochroismus | stark, gelb-braun – blass braun, blass gelb[8] |
Das Mineral Schörl ist ein häufig vorkommendes Ringsilikat aus der Turmalingruppe mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH).
Schörl ist anhand äußerer Kennzeichen nicht von anderen dunklen Turmalinen wie Fluor-Schörl, Oxy-Schörl, Povondrait, Bosiit, Ferro-Bosiit oder eisenreichen Draviten oder Elbaiten zu unterscheiden. Sie kristallisieren mit trigonaler Symmetrie und bilden schwarze, oft gut ausgebildete, prismatische Kristalle von wenigen Zentimetern Größe, die in seltenen Fällen über einen Meter lang werden können. Die Prismenflächen zeigen oft eine deutliche Streifung in Längsrichtung. Im Dünnschliff zeigt Schörl einen sehr starken Pleochroismus von blass gelblich-braun nach intensiv gelb-braun. Wie alle Minerale der Turmalingruppe ist Schörl stark pyroelektrisch und piezoelektrisch.[7]
Typlokalitäten sind die Seifen in Flusssedimenten des sächsisch-böhmischen Erzgebirges, die seit dem 12. Jahrhundert von eingewanderten Bergleuten aus dem Fichtelgebirge abgebaut wurden. Hier tritt Schörl zusammen mit Zinnstein auf.[9]
Etymologie und Geschichte
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Der Name Schörl war in verschiedener Schreibweise vermutlich schon vor dem Jahr 1400 gebräuchlich,[9] ist aber erst 1505 von Rülein von Calw in seinem „wohlgeordnet und nützlich büchlein, wie man bergwerk suchen und finden soll“ das erste Mal als Schörlein schriftlich festgehalten worden.[10][11]
Im Jahr 1562 veröffentlichte der deutsche Pfarrer Johannes Mathesius seine Sarepta Oder Bergpostill, Sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken, eine Sammlung von 16 Predigten. In der 1559 entstandenen IX. Predigt „Vom Zin / Bley / Glet / Wismut und Spießglaß“ erwähnt er den Schürl, der zusammen mit dem Zwitter (Zinnstein) vorkommt und die Qualität des gewonnenen Zinns beeinträchtigt.[12][11][9]
Über die Herkunft des Wortes Schörl gibt es verschiedene Hypothesen. Wahrscheinlich ist ein gemeinsamer Ursprung mit dem Wort Schor für Abfall. Auch ein Ursprung im althochdeutschen Schoro bzw. Schorlo für Felsgrund wurde in Betracht gezogen. Die mittelalterlichen Funde im sächsischen Erzgebirgskreis nahe der Ortschaft Zschorlau führten zu der Vermutung eines gemeinsamen Ursprungs von Orts- und Mineralname. Einerseits wurde vermutet, das Mineral sei nach seinem Fundort nahe Zschorlau, vor 1400 auch Schorl, Schorla, Schorle und Schorlo, benannt worden. Umgekehrt wurde auch vermutet, der Ort könnte nach dem Mineral benannt worden sein.[9] Für den Ortsnamen Zschorlau wird eher eine Ableitung vom sorbischen Wort žórło für Quelle angenommen.[13]
Der schwedische Name skörl geht möglicherweise auf skör (spröde) zurück. Bis etwa 1600 waren noch folgende Namen in Gebrauch: Schurel, Schörle und auch Schurl. Im 18. Jahrhundert setzte sich dann im deutschen Sprachraum der Name Schörl durch, der auch heute noch Verwendung findet. Im 18. Jahrhundert wurden die Bezeichnungen shorl und shirl in den angelsächsischen Sprachraum eingeführt und im 19. Jahrhundert auch die Bezeichnungen common schorl, schörl, schorl und iron tourmaline.[9]
Die Übereinstimmung der Kristallform von Schörl und Turmalinen beschrieb als erster Jean-Baptiste Romé de L’Isle 1772[14] und die ersten chemischen Analysen publizierten Johann Christian Wiegleb im Jahr 1785 und Martin Heinrich Klaproth 1810.[11][15] Suzanne Fortier und Gabrielle Donnay schließlich klärten 1975 die Struktur des Schörls auf.[5]
Klassifikation
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In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Schörl zusammen mit Fluor-Schörl, Dravit, Fluor-Dravit, Tsilaisit, Fluor-Tsilaisit, Chrom-Dravit und Vanadium-Dravit zur Alkali-Untergruppe 1 der Alkaligruppe in der Turmalinobergruppe.[16][17]
In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Schörl zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“, wo er gemeinsam mit Buergerit, Dravit, Elbait, Tsilaisit und Uvit in der „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer VIII/C.08 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/E.19-050. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Ringsilikate“, wo Schörl zusammen mit Adachiit, Bosiit, Chrom-Dravit, Chromo-Alumino-Povondrait, Darrellhenryit, Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Fluor-Dravit, Fluor-Elbait, Fluor-Liddicoatit, Fluor-Schörl, Fluor-Tsilaisit, Fluor-Uvit, Foitit, Lucchesiit, Magnesio-Foitit, Maruyamait, Olenit, Oxy-Chrom-Dravit, Oxy-Dravit, Oxy-Foitit, Oxy-Schörl, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit, Tsilaisit, Uvit, Vanadio-Oxy-Chrom-Dravit und Vanadio-Oxy-Dravit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer VIII/E.19 bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schörl in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ringsilikate (Cyclosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „[Si6O18]12−-Sechser-Einfachringe mit inselartigen, komplexen Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Chrom-Dravit, Dravit, Elbait, Feruvit, Fluor-Buergerit, Foitit, Fluor-Liddicoatit, Magnesio-Foitit, Olenit, Oxy-Vanadium-Dravit, Povondrait, Rossmanit und Fluor-Uvit die „Turmalingruppe“ mit der Systemnummer 9.CK.05 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Schörl die System- und Mineralnummer 61.03.01.10. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Sechserringe“. Hier findet er sich in der „Turmalingruppe“, in der auch Foitit, Liddicoatit, Uvit, Feruvit, Fluor-Buergerit, Povondrait, Olenit, Elbait, Dravit und Chrom-Dravit eingeordnet sind.[18]
Chemismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schörl ist das Fe2+-Analog von Dravit und hat die Endgliedzusammensetzung [X]Na[Y]Fe2+3[Z]Al6([T]Si6O18)(BO3)3[V](OH)3[W](OH), wobei [X], [Y], [Z], [T], [V] und [W] die Positionen in der Turmalinstruktur sind.[16] Natürliche Schörle sind komplexe Mischkristalle mit variablen Gehalten der leichten Elemente Wasserstoff (H), Lithium (Li) und Bor (B) und enthalten neben verschiedenen weiteren Elementen fast immer auch dreiwertiges Eisen. Vollständige chemische Analysen erfordern daher eine Kombination verschiedener, aufwendiger Analysemethoden und werden selten durchgeführt.[19] Für einen Schörl aus dem Alto-Ligonha-Pegmatitfeld in der Provinz Zambezia, Mosambik wurde folgende empirische Zusammensetzung ermittelt:[20]
- [X](Na0,64◻0,32K0,01Ca0,03) [Y](Mn0,18Fe2+1,71Al0,88Li0,11Zn0,03Ti0,07) [Z](Al5,67Fe3+0,28Mg0,05) [T](Si5,76Al0,24)O18(BO3)2,99(OH)3,96 F0,17
Die wesentlichen Substitutionen in schörlreichen Mischkristallen sind:
- [W]OH− = [W]F− (Fluor-Schörl)[21]
- [Y]Fe2+ = [Y]Mg2+ (Dravit)[22]
- 3[Y]Fe2+ = 1,5[Y]Li+ + 1,5[Y]Al3+ (Elbait)[23]
- [Y]Fe2+ + [W]OH− = [Y]Al3+ + [W]O2− (Oxy-Schörl)[23]
- [X]Na+ + [Y]Fe2+ = [X]◻ + [Y]Al3+ (Foitit)
Kristallstruktur
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Schörl kristallisiert mit trigonaler Symmetrie in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 160) mit 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5] Die Gitterparameter des oben aufgeführten natürlichen Mischkristalls sind a = 15,983(2) Å, c = 7,152(2) Å[20], die eines synthetischen Schörls a = 16,059(2) Å und c = 7,136(2) Å.[6]
Die Struktur ist die von Turmalin. Natrium (Na+) wird auf der von neun Sauerstoffen umgebenen [X]-Position eingebaut, Eisen (Fe2+) auf der oktaedrisch koordinierten [Y]-Position, die ebenfalls oktaedrisch koordinierte [Z]-Position ist mit Aluminium (Al3+) besetzt und Silicium (Si4+) besetzt die tetraedrisch von 4 Sauerstoffionen umgebene T-Position. Die Anionenpositionen [V] und [W] sind beide mit (OH)-Gruppen belegt.[5] Eine ungeordnete Verteilung von Fe2+ auf die verschiedenen oktaedrischen Positionen [Y] und [Z], wie für Magnesium im Dravit beobachtet, spielt beim Schörl fast keine Rolle. Auf der [Z]-Position wird Eisen fast nur als Fe3+ eingebaut.[24][21]
Polymorphie
Schörl kristallisiert gewöhnlich trigonal. Daneben sind niedrigsymmetrische Strukturvarianten bekannt, bei denen die Turmalinstruktur durch Ordnung verschiedener Kationen auf einer Oktaederposition, z. B. auf den drei Y-Positionen, monoklin und triklin verzerrt ist (Polymorphie).
Im Jahr 2009 wurde so eine monokline Form des Schörls aus der Cleveland-Zinnmine bei Waratah in Tasmanien, Australien beschrieben und von der IMA als neues Mineral Luinait-(OH) (IMA 2009-046) anerkannt. Da sich die Struktur abgesehen von einer leichten Verzerrung nicht von der des Schörls unterscheidet, wurde der Mineralstatus des Luinait-(OH) 2022 wieder zurückgezogen.[25][26]
Eine erneute Untersuchung des monoklinen Schörls aus der Typlokalität von Luinait-(OH) ergab eine trikline Symmetrie für diese Strukturvariante des Schörls. Entsprechend den IMA-Regeln zur Benennung derartiger Modifikationen wurde die Bezeichnung Schörl-1A (A für anorthisch – triklin) eingeführt. Die monokline Modifikation ist entsprechend als Schörl-1M (M für monoklin) zu bezeichnen.[26][27]
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die pyro- und piezoelektrischen Eigenschaften der Turmalinkristalle und damit auch von Schörl, waren mindestens seit Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt. Die Besonderheit, dass die Kristalle nach dem Reiben oder Erwärmen elektrische Ladung aufbauten und dann in der Lage waren, Asche und kleine Papierschnipsel anzuziehen, wird unter anderem in Zedlers Universallexikon erwähnt. Holländische Ostindienfahrer, die diese Steine nach Europa mitbrachten, gaben ihnen daher auch den Namen „Aschentrecker“ oder „Aschenzieher“ (nach anderen Quellen auch „Aschentrekker“[28]).[29]
Bildung und Fundorte
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Schörl ist das häufigste Mineral aus der Turmalingruppe und wurde weltweit an tausenden Fundorten dokumentiert.[30] Es tritt akzessorisch in Graniten, granitischen Apliten, und verbreitet in lithiumarmen Pegmatiten und hochtemperierten hydrothermalen Gängen auf. Schörl kann bei der Gesteinsmetamorphose gebildet werden und sich wegen seiner hohen Verwitterungsbeständigkeit in Sedimenten wie Schwermineralsanden oder Seifenlagerstätten anreichern. Gängige Begleitminerale sind neben den gesteinsbildenden Mineralen Quarz, Albit, Kalifeldspat, Muskovit und Granat die Minerale Epidot, Kassiterit, Topas, Wolframit, Scheelit, Fluorit und Beryll.[7]
Die Druck- und Temperaturstabilität von Schörl ist nicht genau bekannt. Experimente unter Bedingungen des oberen Erdmantels (3,5 GPa) und oxidierenden Bedingungen zeigen eine Oxidation von Schörl bei Temperaturen zwischen 500 °C und 700 °C entsprechend der Reaktion[31]
- Fe2+ + (OH)− = Fe3+ + O2- + 0,5 H2 (g)
Bei höheren Temperaturen (700 – 850 °C) wird Schörl abgebaut zu Almandin, Topas und einer borreichen Schmelze:[31]
- NaFe2+3Al6(Si6O18)(BO3)3(OH)3(OH,F) (Schörl) = Fe2+3Al2[SiO4]3 (Almandin) + (Fe3+,Al)2SiO4(OH,F)2 (Topas) + 2SiO2 + Al2O3 + 0,5Na2O + 1,5B2O3 + H2O (Schmelze)
Dies passt zu Beobachtungen in einem metamorphen Hochdruckgestein, einem granulitfaziellen Mylonit der Gneis-Eklogit-Einheit bei Forchheim nahe Pockau im Erzgebirge (Sachsen, Deutschland). Bei abnehmenden Druck und Temperatur beim Aufstieg des Gesteins setzt die Bildung von eisenreichen, schwarzem Turmalin bei 870 °C und mindestens 2,7 GPa ein, wobei zuerst Oxy-Schörl gebildet wurde, der zusammen mit Quarz, Feldspat, Granat und Phengit auftritt. Einschlüsse von Coesit und Kyanit sind Zeugen des hohen Drucks, bei dem diese Turmaline gebildet wurden.[32]
Deutschland
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Als Typlokalität des Schörs werden die Seifen in Flusssedimenten des Sächsischen und Böhmischen Erzgebirges angesehen, insbesondere die Zinnlagerstätten bei Ebersdorf, Geyer, Altenberg, Schneeberg, Zschorlau, Neustädtel und den böhmischen Orten Horní Slavkov (Schlackenwald), Nejdek (Neudek), Horní Blatná (Platten), Pernink (Bärringen), Černá Voda (Schwarzwasser) und Komáří hůrka.[12][11][9]
Neben zahllosen weiteren Fundorten im Erzgebirge tritt Schörl in Deutschland unter anderem an folgenden Orten auf:
- im Fichtelgebirge, z. B. am Epprechtstein bei Kirchenlamitz in Oberfranken[33]
- im Harz z. B. im Hagental bei Gernrode in Sachsen-Anhalt[34] oder im Gabbro-Steinbruch im Radau-Tal bei Bad Harzburg in Niedersachsen,[35]
- im Spessart z. B. in den Steinbrüchen bei Aschaffenburg in Unterfranken, wie dem Sommer-Steinbruch am Wendelberg bei Haibach, wo Schörl in einem Pegmatit mit Spessartin auftritt[36]
- im Schwarzwald z. B. in der Grube Clara bei Oberwolfach im Ortenaukreis in Baden-Württemberg[37]
Europa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verbreitet findet sich Schörl in den Alpen, unter anderem
- im Bezirk Zell am See in Österreich, z. B. in der Lohninger Grube bei Rauris[38] oder der Teufelsmühle im Habachtal bei Bramberg am Wildkogel[39]
- im Kanton Wallis in der Schweiz, z. B. im Mättital in der Gemeinde Grengiols[40] oder Z'Muttentschuggen im Täschtal in der Gemeinde Täsch (Bezirk Visp)[41]
Schörl tritt noch in vielen weiteren Regionen Europas auf, wie z. B.
- in der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Spanien, im Puentes-Viejas-Reservoir, Gandullas, Piñuécar-Gandullas[42] und den Bergwerken in der Umgebung
- im Distrikt Guarda (Portugal), z. B. in den Granitsteinbrüchen Portugal 1 & 2 bei Malpartida nördlich von Almeida[43]
- im Distrikt Viana do Castelo (Portugal) z. B. in der Serra D'Arga westlich von Ponte de Lima[44]
- in der Verwaltungsregion Okzitanien (Frankreich) z. B. in der Grube Mas d'en Freixa südlich von Montesquieu-des-Albères im Département Pyrénées-Orientales[45] und weiteren Pegmatiten der Region
- in den Pegmatiten und Graniten der Bretagne (Frankreich), z. B. in Kerhilio bei Baud südlich von Pontivy im Département Morbihan,[46] in Saint-Enogat südlich von Dinard bei Saint-Malo im Département Ille-et-Vilaine[47] oder in Schwermineralsanden z. B. am Strand Le Loch Guidel-Plages in der Gemeinde Guidel des Départements Morbihan[48]
- in den zahlreichen Kupfer- und Zinnminen Cornwalls (England), z. B. in der Mount Wellington Mine (Wheal Magpie) zwischen Redruth und Truro,[49] der Gunheath China Clay Pit bei Stenalees nördlich von St Austell[50] oder Wheal Cock, Botallack Mine, Botallack nördlich von St Just[51]
- in den Pegmatiten der Woiwodschaft Niederschlesien (Polen), z. B. im Michałkowa-Pegmatit in der Gmina Świdnica im Powiat Świdnicki östlich von Wałbrzych[52]
Verwendung
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Die Verwendung von Schörl als Schmuckstein ist nicht so verbreitet wie die von transparenten Turmalinen, z. B. Elbait.[53] Zahlreiche Händler bieten Schörl, oft unter dem Handelsnamen schwarzer Turmalin, vor allem für Trauerschmuck an.[28] In esoterischen Kontexten werden ihm Schutz- und Heilwirkungen wie unter anderem gesteigertes Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen zugeschrieben. Außerdem soll er besonderen Einfluss auf das Stirn- und Wurzelchakra haben.[54]
Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass sich Schörl als Katalysator für Oxidationsreaktionen organischer Verbindungen wie Methylorange durch Wasserstoffperoxid (H2O2) eignet und kann z. B. für die Reinigung von Abwässern mit Farbrückständen verwendet werden. Die hohe Wirksamkeit von Schörl als Katalysator bei dieser Variante einer Fenton-Reaktion wird auf ein elektrostatisches Feld der Schörlkristalle zurückgeführt. Dies geht wie die Pyro- und Piezoelektrizität auf das Fehlen eines Symmetriezentrums in der Struktur der Turmaline zurück.[55][56]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 314–315 (Schörl) und 337 (Turmalin).
- Schorl. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 78 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Schörl. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Schorl. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Schorl search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Schorl. In: rruff.net. (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: May 2026. (PDF; 3,4 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Mai 2026, abgerufen am 10. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9, S. 39.
- 1 2 Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 Suzanne Fortier, Gabrielle Donnay: Schorl refinement showing composition dependence of the tourmaline structure. In: The Canadian Mineralogist. Band 13, 1975, S. 173–177 (englisch, Digitalisat bei rruff.info ( vom 7. September 2024 im Internet Archive) [PDF; 412 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 3 4 Takeshi Tomisaka: Synthesis Of Some End-Members Of The Tourmaline Group. In: Mineralogical Journal. Band 5, 1968, S. 355–364 (englisch, jstage.jst.go.jp [PDF; 872 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 3 4 5 6 Schorl. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 78 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Schorl. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 Andreas Ertl: Über die Etymologie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl. In: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft. Band 152, 2006, S. 7–16 (opac.geologie.ac.at [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Ulrich Rülein von Calw: Eyn wohlgeordnet und nützlich büchlein, wie man bergwerk suchen und finden soll. Augsburg 1505 (Digitalisat [abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 3 4 Thomas Witzke: Entdeckung von Schörl. In: www.strahlen.org/tw/. Abgerufen am 10. Mai 2026.
- 1 2 Johannes Mathesius: Sarepta Oder Bergpostill, Sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken. Nürnberg 1562 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche Zitat= [...]Kobalt aber / wißmut / glanz / Kieß / wolform / schürl / glimmer / unnd Katzen silber / und was nur zu sich geraubet und gestolen[...] [abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Robert Immich: Die slavischen Ortsnamen im Erzgebirge. Bautzen 1866, S. 30, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10524189-3.
- ↑ Romé de L'Isle, Jean Baptiste Louis: Essai de cristallographie, ou description des figures géométriques propres à différens corps du regne minéral, connus vulgairement sous le nom de cristaux. Didot jeune, Paris 1772, S. 267, doi:10.3931/e-rara-16480 (französisch).
- ↑ Martin Heinrich Klaproth: CXCV. Chemische Untersuchung des gemeinen Schörls. In: Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper. Band 5, 1810, S. 144–149 (Digitalisat bei e-rara.ch [PDF; 2,1 MB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 Darrell J. Henry, Milan Novák (Chairman), Frank C. Hawthorne, Andreas Ertl, Barbara L. Dutrow, Pavel Uher, Federico Pezzotta: Nomenclature of the tourmaline-supergroup minerals. In: The American Mineralogist. Band 96, 2011, S. 895–913 (englisch, Digitalisat bei rruff.info ( vom 6. September 2023 im Internet Archive) [PDF; 618 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Darrell J. Henry, Barbara L. Dutrow: Tourmaline studies through time: contributions to scientific advancements. In: Journal of Geosciences. Band 63, 2018, S. 77–98 (englisch, jgeosci.org [PDF; 2,2 MB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig: Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 1263–1264 (englisch).
- ↑ M. Darby Dyar, Marjorie E. Taylor, Timothy M. Lutz, Carl A. Francis, Charles V. Guidotti, Michael Wise: Inclusive chemical characterization of tourmaline: Mössbauer study of Fe valence and site occupancy. In: American Mineralogist. Band 83, 1998, S. 848–864 (englisch, minsocam.org [PDF; 222 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 Fernando Cámara, Luisa Ottolini, Frank C. Hawthorne: Crystal chemistry of three tourmalines by SREF, EMPA, and SIMS. In: American Mineralogist. Band 87, 2002, S. 1437–1442 (englisch, rruff.info [PDF; 227 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 Andreas Ertl, Uwe Kolitsch, M. Darby Dyar, John M. Hughes, George R. Rossman, Adam Pieczka, Darrell J. Henry, Federico Pezzotta, Stefan Prowatke, Christian L. Lengauer, Wilfried Körner, Franz Brandstätter, Carl A. Francis, Markus Prem, Ekkehart Tillmanns: Limitations of Fe2+ and Mn2+ site occupancy in tourmaline: Evidence from Fe2+- and Mn2+-rich tourmaline. In: American Mineralogist. Band 97, 2012, S. 1402–1416 (englisch, PDF-Download verfügbar bei researchgate.net [abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Erich S. Bloodaxe, John M. Hughes, M. Darby Dyar, Edward S. Grew, Charles V. Guidotti: Linking structure and chemistry in the Schorl-Dravite series. In: American Mineralogist. Band 84, 1999, S. 922–928 (englisch, rruff.info [PDF; 54 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- 1 2 Ferdinando Bosi, Giovanni B. Andreozzi, Marcella Federico, Giorgio Graziani, Sergio Lucchesi: Crystal chemistry of the elbaite-schorl series. In: American Mineralogist. Band 90, 2005, S. 1784–1792 (englisch, rruff.info [PDF; 284 kB; abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Joel D. Grice, T. Scott Ercit: Ordering of Fe and Mg in the tourmaline crystal structure: The correct formula. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. Band 165, 1993, S. 245–266 (englisch, PDF-Download verfügbar bei researchgate.net [abgerufen am 10. Mai 2026]).
- ↑ Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, and Stuart J. Mills: IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 65. In: European Journal of Mineralogy. Band 34, Nr. 1, 2022, S. 148, doi:10.5194/ejm-34-143-2022 (englisch).
- 1 2 Ferdinando Bosi, Henrik Skogby, Ulf Hålenius, Marco E. Ciriotti and Stuart J. Mills: Lowering R3m Symmetry in Mg-Fe-Tourmalines: The Crystal Structures of Triclinic Schorl and Oxy-Dravite, and the Mineral luinaite-(OH) Discredited. In: Minerals. Band 12, Nr. 4, 2022, S. 1–10, doi:10.3390/min12040430 (englisch, mdpi.com [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 16. Mai 2026]).
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- 1 2 Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 126–129.
- ↑ Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 337, Turmalin (Bezüglich der Eigenschaft als „Aschenzieher“ wird Zedler, Band 45, Spalte 850 von 1745 (Digitalisat) zitiert.).
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- 1 2 Beatrice Celata, Vincenzo Stagno, Luca S. Capizzi, Ferdinando Bosi, Paolo Ballirano, Annalisa D'Arco, Veronica Stopponi, Stefano Lupi, Piergiorgio Scarlato, Henrik Skogby, Giovanni B. Andreozzi: Schorl breakdown at upper mantle conditions: Insights from an experimental study at 3.5 GPa. In: Lithos. Band 438-439, 2023, S. 106999, doi:10.1016/j.lithos.2022.106999 (englisch).
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