Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

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Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108
Aktiv 1866 bis 1919
Land Stadtwappen Königreich Sachsen
Streitkräfte Sächsische Armee
Truppengattung Infanterie
Typ Regiment
Grobgliederung siehe Gliederung
Unterstellung XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
Stationierungsort siehe Garnison
Leitung
Kommandeure Siehe Kommandeure

Das Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ Nr. 108 war ein Infanterieverband der Sächsischen Armee.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1867[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 4. Infanteriebrigade Nr. 48
  • Schützen-Füsilier-Regiment Nr. 108

1870[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3. Armeekorps
  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 1. Infanteriebrigade Nr. 45
  • Schützen-Füsilier-Regiment Nr. 108

1871 – Okkupationsarmee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3. Armeekorps
  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 2. Division Nr. 24
  • 3. Infanterie-Brigade Nr. 47
  • Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

1880[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 1. Division Nr. 23
  • 1. Grenadierbrigade Nr. 45
  • Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

1890[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 6. Infanterie-Brigade Nr. 64
  • Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

Friedensformation 1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 1. Division Nr. 23
  • 2. Infanterie-Brigade Nr. 46
  • Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

1. Juni 1915[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps
  • 1. Division Nr. 23
  • 1. Infanteriebrigade Nr. 45
  • Schützen-Füsilier-Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1867[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurden drei Schützenbataillone, mit jeweils vier Kompanien gegründet.

1870[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den drei Bataillonen wurde ein Ersatzbataillon gegründet, welches zur Aufgabe die Rekrutierung und Ausbildung neuer Soldaten für die Front hatte. Dieses wurde mit Heimkehr im Oktober 1871 wieder aufgelöst.

2. Oktober 1893[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wurden aus allen Kompanien zwei neue Kompanien (13. und 14.) aufgestellt. Diese bildeten das IV. Bataillon und bestand nur bis zum 1. April 1897 (siehe Abgänge).

1. Oktober 1903[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung der Maschinengewehrkompanie Nr. 12, die dem I. Bataillon unterstellt war.

1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufstellung von zwei Ersatzbataillonen.

Abgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. April 1881 – zur Bildung des neuen 10. Infanterie-Regiment Nr. 134 wurden die 4., 6. und 12. Kompanie abgegeben.
  • 1. April 1887 – zur Bildung des 3. Jäger-Bataillons Nr. 15 musste das Regiment die 5. und 9. Kompanie abgeben. Das Bataillon wurde in Wurzen aufgestellt und nutzte die alte Schützenkaserne der 108er in Wurzen
  • 1. April 1897 – das IV. Bataillon (13. und 14. Kompanie wurde nach Kamenz versetzt als Bestandteil des neu formierten 13. Infanterie-Regiment Nr. 178)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regiment wurde 1866 mit der Einbindung der Sächsischen Armee in den Norddeutschen Bund gegründet. Im Frühjahr 1867 wurde aus der Halbbrigade Leichte Infanterie das Schützenregiment Nr. 108, das 1. Jäger-Bataillon Nr. 12 das 2. Jäger-Bataillon Nr. 13 gebildet.

König Albert ernannte Prinz Georg am 1. April 1867 zum Regimentschef. Ab 11. Juli 1871 führte der Verband die Bezeichnung Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ (Königlich Sächsisches) Nr. 108.

Ehrenkompanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die im Regiment vertretenen Mitglieder des Königshauses wurde das Regiment oft für Ehrenformationen eingesetzt.

  • 7. Juli 1874 für den Kaiser von Russland
  • 2. Juli 1875 für den König von Schweden
  • 1891 Ehrenkompanie für die Erzherzogin Luise von Toskana, Gemahlin des Prinzen Friedrich August, damaliger Kommandeur des I. Bataillons, später letzter König von Sachsen
  • 22. Oktober 1893 Ehrenwache für den Prinzenpalais von Prinz Georg, anlässlich seines 50-jährigen Militärjubiläums
  • 14. April 1894 Empfang der Prinzessin Isabella von Württemberg, Gemahlin des Prinzen Johann Georg, damals Kommandierender des III. Bataillons
  • 1897 Besuch des Königs von Siam
  • 1898 Empfang des Kaisers Franz Joseph von Österreich am Hauptbahnhof als Ehrenkompanie seiner Majestät.
  • 1904 Ehrengeleit des Sarges ihres Regimentschefs König Georg von Sachsen
  • 1906 Ehrenformation für die 2. Gemahlin des Prinzen Johann Georg, Prinzessin Maria Immaculata von Bourbon-Sizilien.
  • 1906 Ehrenformation für den Erzherzog Franz Ferdinand
  • 1908 Ehrenformation für den Herzog Ernst II. von Altenburg

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regiment errang durch seine hervorragenden Schießleistungen in den Jahren 1895, 2. Kompanie (erstes Preisschießen), 1900 die 5. Kompanie und 1908 ebenfalls die 5. Kompanie das Königsabzeichen.

Die sächsischen Truppen sowie die Württemberger und Bayern trugen stets die Königs- statt der Kaiserkrone im Abzeichen. Das Königsabzeichen zeigte zwei gekreuzte Gewehre im Eichenkranz mit der Königskrone. Es wurde auf dem rechten Oberarm der Uniform befestigt und nur von den Mannschaften und Unteroffizieren getragen.

Der Kompaniechef erhielt ein silbernes Schild mit Gravur.

Die Gewinnerkompanie des Schießwettbewerbes erhielt eine bronzene Büste (Kaiserpreis genannt) mit Gravur des Siegerjahres.

Kaisermanöver[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1876 Teilnahme am Großen Kaisermanöver von Leipzig
  • 1896 Teilnahme am Manöver bei Görlitz

Manöverteilnahme im Rahmen der Sächsischen Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1872 – Zwickauer Land
  • 1873 – Zwickauer Mulde
  • 1874 – Berge bei Oederan
  • 1875 – Freiberger Mulde
  • 1876 – Kaisermanöver
  • 1877 – Chemnitz
  • 1878 – Chemnitz/Zschopau
  • 1879 – Voigtland
  • 1880 – Dresden Elbauen
  • 1881 – Dresden/Riesa
  • 1882 – Dresden/Riesa – Kaiser Wilhelm I. und Moltke prüften bei diesem Manöver den Ausbildungsstand der sächsischen Armee.
  • 1883 – Zittau
  • 1884 – Bergstadt Freiberg
  • 1885 – Bautzen
  • 1886 – Dippoldiswalde
  • 1887 – Mittweida
  • 1888 – Voigtland
  • 1889 – Oschatz – Kaiser Wilhelm II. wohnte diesem Manöver, auf Einladung des Sächsischen Königs, bei.
  • 1890 – Stollberg
  • 1891 – Dippoldiswalde
  • 1892 – Voigtland
  • 1893 – Annaberg
  • 1894 – Flöha
  • 1895 – Lausitz
  • 1896 – Kaisermanöver
  • 1897 – Neiße bei Hirschfelde
  • 1898 – Leisnig
  • 1899 – Durch die Bildung des XIX. Armeekorps nur kleinere Übungen
  • 1900 – Sächsische Schweiz
  • 1901 – Lausitz
  • 1902 – Gebirge nahe Freiberg
  • 1903 – Riesa
  • 1904 – Kamenz
  • 1905 – Gebirge nahe Freiberg
  • 1906 – Lausitz
  • 1907 – Sächsische Schweiz

Schaumanöver für die Dresdener Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1877 – Dresden Altstädter Elbufer
  • 1878 – Dresden Altstädter Elbufer

Bei diesen Manövern konnten die Einwohner Dresdens zusehen und nach Gefechtsbeendigung mit den Soldaten reden und sich alles erklären lassen. Diese Maßnahme sollte das Verhältnis zwischen den Zivilisten und den Soldaten verbessern.

Truppenübungsplatz des Regimentes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1893 wurde der Truppenübungsplatz Königsbrück für Schießübungen genutzt.

Ab 1898 übte das Regiment Gefechtsausbildung und Exerzieren im Regimentsrahmen auf dem neu angelegten Truppenübungsplatz Zeithain.

Garnison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schützenkaserne am Alaunplatz

Die Kaserne des Schützenregiments befand sich am Alaunplatz in Dresden.

  • 1867
    • Leipzig (I., II.)
    • Wurzen (III.)
  • 1869
    • Dresden (I., II., III.)
    • 1893-97 IV. Halbbataillon

Bewaffnung und Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uniform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regimentsschützen bei einer Übung

Die Schützen behielten die Uniformen der Leichten Infanterie. Grüner Rock und schwarzer Kragen. Die Knöpfe und Unteroffizierstessen blieben gelb. Ab 1917 wurde im Feld der Tschako gegen den Stahlhelm ausgetauscht. Der Tschako wurde nur noch in Reserve und beim Exerzieren getragen.

Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Beitritt in den Norddeutschen Bund, wurde das Zündnadel-Füsiliergewehr der Preußischen Armee eingeführt.

Ab 1871 wurde das Gewehr 71 in der Preußischen und Sächsischen Armee als Standardbewaffnung der Infanterie benutzt und ab 1886 bis 1890 das Modell 71/84 der Firma Mauser als erster Mehrlader.

Gewehr 71/84 mit zugehörigem Seitengewehr 71
Gewehr 88

Von 1890 bis 1902 wurde das Modell Gewehr 88 und dann das Gewehr 98 genutzt. Später auch die Weiterentwicklung 98a. Die Soldaten der Jäger- und Schützenbataillone waren mit einem Hirschfänger als Seitenwehr ausgerüstet. Die Offiziere trugen von Beginn an einen Offizierssäbel; ab 1862 den sächsischen Offizier-Säbel (Es handelt sich hierbei in Wirklichkeit um einen Degen mit gerader Klinge!), welcher 1867 als Infanterie-Offizier-Säbel (Degen) M/1867 neu reglementiert wurde. Als Kurzwaffen den Revolver M 79, Reichsrevolver M79/83 oder Revolver M 83.

Das MG 08

Die MG-Bataillone waren mit MG 08 oder 08/15 ausgestattet.

Feldzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Juli erfolgte der Abtransport des Regiments Richtung Westen, wo es am 30. Juli beim Fort Montebello den Rhein übertrat. Am 11. August wurde auf Höhe Frauenberg die deutsch-französische Grenze überschritten. Hier ließ der Kronprinz Albert die Division an sich vorbeimarschieren.

Den ersten Verlust an Menschenleben erlitt das Regiment Mitte August bei St. Marie. Der Adjutant des Regiments Leutnant von Minckwitz wurde auf einem Patrouillenritt von einem Scharfschützen tödlich verwundet.

Der Kampf um den Ort St. Marie war die erste Kampfhandlung des Regiments. Gemeinsam mit den Infanterie-Regimentern Nr. 104 und 105 gelang es, den Feind aus dem Ort zu drängen. Diese beiden Regimenter stürmten nach der Eroberung gen Roncourt; als sie aber in starkes Infanteriefeuer gerieten und der Angriff ins Stocken geriet, stürmten auch die 108er gen Roncourt.

Bei diesem Angriff erlitt das Regiment schwere Verluste; auch der Bataillons-Kommandeur Major Allmer starb. Nachdem Roncourt gesichert war, rückte die 45. und die 48. Infanterie-Brigade Richtung St. Privat. Während die Regimenter Nr. 100, 101 und 107 zum Sturm auf St. Privat rückten, diente das 108. als Reserve.

Nachdem die Deutschen die Schlacht von St. Privat gewonnen hatten, wurde das Regiment zur Verwundetenversorgung eingeteilt. Gefangengenommene französischen Soldaten wurden genauso versorgt wie die eigenen Truppen.

Am 23. August marschierte das XII. Armee-Korps Richtung Maas gegen Verdun. Am 24. August begann der Sturm gegen die Festung von Verdun. Nach der Beschießung der Festung mit Artillerie sah der Kronprinz Albert ein, dass ein Sturm zu hohe Verluste kosten würde. Die Festung wurde nur belagert. Das Armeekorps zog am 25. August Richtung Maas, um die Armee von Mac-Mahon zum Kampf zu stellen.

Bei Beaumont entwickelte sich ein starkes Gefecht mit dem 5. französischen Armeekorps. Nachdem die Franzosen die Schlacht bei Beaumont verloren hatten, war es Mac-Mahon nicht mehr möglich, die deutsche Armee zu umgehen.

Verluste bei Beaumont[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • zwei Tote
  • zwei Offiziere und 25 Mann verwundet

Am 31. August stellte sich die französische Armee bei Sedan zur Entscheidungsschlacht. Nach heftigen Kämpfen ergab sich der Französische Kaiser Napoleon III. am 2. September. Zu Beginn der Schlacht wurde das Regiment zur Deckung der bayrischen und sächsischen Artillerie verwandt. Später nahmen die Schützen am Sturm auf die Dörfer La Moncelle und Givonne teil.

Im Rahmen der Schlacht gelang es der 6. Kompanie, sechs Geschütze der Franzosen zu erobern. Zwei dieser Geschütze standen später vor der Schützenkaserne in Dresden.

Die 5., 8. und 11. Kompanie wurde mit dem Abtransport der Gefangenen beauftragt.

Verluste bei Sedan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verluste des Regimentes waren im Gegensatz zu anderen Regimentern der Sächsischen Armee gering:

  • acht Tote (ein Offizier und sieben Mannschaftsgrade)
  • 35 Verwundete.

Nachdem am 4. September in Paris die Republik ausgerufen wurde und die Losung „Kampf bis zum bitteren Ende“ rausgegeben wurde, marschierte das Regiment gemeinsam mit der deutschen Armee Richtung Paris.

Am 19. September wurde der Belagerungsring um Paris geschlossen. Die Maasarmee übernahm die Absperrung der nördlichen und östlichen Vororte von Paris. Das XII. Armee-Korps wurde auf die Orte Lagny, Villevaude, Livry und Neuilly verteilt. Das Schützenregiment wurde in Montfermeil stationiert. Das Fort Rosny war direkt gegenüber der deutschen Stellung.

Immer wieder versuchten die Franzosen auszubrechen. Am 1. Oktober hatte die 9. Kompanie mit einem solchen Ausfall zu kämpfen und am 7. Oktober die 10. Kompanie.

Am 8. Oktober kam es zu einem größeren Ausfallversuch, welcher vom Regiment unter Verlusten zurückgedrängt wurde. Am 11. Oktober kam das Regiment in Reserve. Während der Belagerung waren kaum Verluste zu beklagen, aber der Krankenstand war extrem hoch. Im September betrug er 602 und im Oktober 743. Ursachen waren vor allem das regnerische Wetter und der massenweise Verzehr von Obst, der starken Durchfall verursachte.

Ab dem 3. November wechselte sich das Regiment mit dem 2. Grenadierregiment alle sechs Tage in der Frontstellung ab.

Im Oktober begab sich im Frontabschnitt der Sachsen ein erstaunliches Ereignis: Einwohner der Stadt und der Dörfer, vornehmlich Alte, Frauen und Kinder, sammelten friedlich neben den sächsischen Soldaten Kartoffeln ein. Ein direkter Befehl der Heeresleitung stellte die Zivilisten unter Schutz. Nach französischen Angaben waren bis zu 20.000 Zivilisten auf den Feldern.

Am 28. Oktober nahmen die Deutschen das Nachbardorf Le Bourget ein. Die französischen Gardegrenadiere mussten sich zurückziehen.

Die Schlacht bei Villiers (Schlachten am 30. November und am 2. Dezember 1870, die unter diesem einen Begriff zusammengefasst werden) war der größte Ausbruchsversuch der Franzosen.

Am 30. Oktober nahm die Garde Le Bourget wieder ein.

Das Regiment wurde im Verband der 24. Division Ende November Richtung Celles kommandiert. Die Orte Brie und Champigny waren an die Franzosen verloren gegangen. Am 1. Dezember erhielten die Schützen den Befehl, den Ort Brie zu säubern. Dieser Befehl wurde aber vom Prinzen Georg wieder zurückgezogen – die Franzosen waren zahlenmäßig zu überlegen. Am 2. Dezember gelang es den Württembergern in Champigny und dem 107. und 104. Regiment in Brie, die Franzosen zu überraschen und die Dörfer einzunehmen. Das I. Bataillon der Schützen unterstützte den Angriff auf Brie. Das II. und III. Bataillon blieb in Reserve. Der Kommandeur des I. Bataillons, Major Schlick, erkannte, dass im Verlauf des Gefechts die Anhöhen bei Villiers genommen werden mussten. Wenn die Franzosen hier ihre Artillerie aufgestellt hätten, wäre der Ausgang der Schlacht ungewiss gewesen. Die Verluste mehrten sich so sehr, dass der Regimentskommandeur das II. Bataillon ins Gefecht schickte. Beim Vorgehen schloss sich die 4. Kompanie des 2. Jäger-Bataillons Nr. 13 an. Trotz der Unterstützung wurde die linke Flanke der Schützen von neuen Massen angegriffen. Gemeinsam mit den Württembergern wurde Villiers verbissen verteidigt.

Gegen Abend wurde der Regimentsadjutant zum Prinzen Georg geschickt, um auch das III. Bataillon anzufordern. Die Verluste waren verheerend. Dreiviertel aller Offiziere waren tot oder kampfunfähig. Ein Drittel der Mannschaften war kampfunfähig. Die Schützen mussten weichen. Der Prinz gab den Befehl, zwei Kompanien des III. nördlich des I. in die Flanke zu schicken. Diese beiden Kompanien rückten unter starkem Granatfeuer in die Stellung und hielten sich nur eine knappe Stunde. Dann wurde der Rückzug zum Dorfrand von Villiers angetreten.

Trotz des Sieges drängten die Franzosen nicht nach. Am Abend rückte das I. und II. Bataillon nach Celles, das III. Bataillon bezog Vorposten und rückte in der Nacht nach. Der Ausbruchsversuch der Franzosen war gescheitert. Auch wenn die Schützen, gemeinsam mit den Württembergern und des Jägern des 13. Bataillons, ihr Gefecht nicht siegreich beendeten, waren die Verluste der Franzosen so verheerend, dass der Angriff in sich zusammenbrach.

Verluste bei Villiers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verluste waren die schwersten seit Bestehen des Regimentes und im ganzen Krieg 1870/71.

Rang Tod Verwundet Gefangen
Offiziere 13 23 0
Uffz./Manns. 182 428 23

Die Listen sind nur in Offiziere und Mannschaften unterteilt. Unteroffiziere wurden nicht separat gezählt. Die 23 gefangen genommenen Schützen kehrten unversehrt nach dem Friedensschluss am 1. Februar in die Heimat zurück.

Am 6. Dezember kehrte das XII. Armee-Korps an seinen gewohnten Platz in der Einschließungsarmee zurück. Das Regiment hatte keine weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franzosen. Nur am 11. Januar wurden 17 Schützen während eines Wagentransportes Richtung St. Quentin bei einem Überfall gefangen genommen. Diese kamen am 18. Februar nach dem Friedensschluss wieder wohlbehalten bei ihren Kompanien an.

Am 7. März fand auf dem Schlachtfeld von Villiers eine große Siegesparade vor dem deutschen Kaiser Wilhelm I. statt.

Okkupationszeit in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflösung der Massarmee zog sich das XII. Armee-Korps in das Département Aisne zurück und sollte dort als Sicherung bleiben, um die Umsetzung des Friedensvertrages zu gewährleisten. Die Schützen standen jetzt fast an derselben Stelle wie 1815–1818 ihre Stammeinheit, die Leichte Infanterie. Am 3. Juni erhielt das Regiment den Befehl, sich in das Département Ardennes zu begeben, um dort Sicherungsdienst zu verrichten. Die ersten Teile der 23. Division wurden Richtung Heimat geschickt.

Am 13. September besuchte der König das Regiment, der Präfekt des Départements sprach dem König seine Dankbarkeit für den Schutz und das immer mustergültige Verhalten seiner Schützen aus.

Am 19. Oktober hatte die Stunde der Heimkehr geschlagen. Das Regiment wurde mit der Eisenbahn bis nach Wilsdruff gefahren. Dort sammelte man sich wieder und über Wölfnitz marschierte das Regiment in Dresden ein. In Friedrichstadt wurden die Schützen von einem Blumenmeer und vielen Einwohnern der Stadt begrüßt; dann stellte man sich auf der Weißeritzstraße zur Parade auf. Die Parade wurde vom König persönlich und dessen Bruder, dem Chef des Regiments, angeführt, gefolgt vom sächsischen Kriegsminister Alfred von Fabrice und den restlichen Offizieren der 108er. Auf dem Altmarkt begrüßte der Oberbürgermeister seine „Dresdener Schützen“ und dankte ihnen für den heldenhaften Einsatz in Frankreich. Der Weitermarsch führte die Schützen über die Albertbrücke Richtung Dresden-Neustadt und weiter auf die Königsbrückerstraße. Hier marschierte man in die neue Schützenkaserne am Alaunplatz ein.

Das Regiment wurde nach den Festlichkeiten demobilisiert und das Ersatzbataillon aufgelöst. Der Feldzug war damit für die Schützen, als letzte Einheit der sächsischen Armee, beendet.

Boxeraufstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Boxeraufstand

Das Schützenregiment stellte Mannschaften aus zwei Kompanien zur Verfügung, diese wurden für die 3. und 4. Kompanie des 2. Feldregiments verwendet. Aus den vielen freiwilligen Meldungen wurden folgende bestimmt: Oberleutnant von Heynitz sowie ein Sergeant und drei Unteroffiziere, sowie 61 Mannschaften. Der Chef des Regiments, Prinz Georg, verabschiedete die Freiwilligen am 20. Juli in Zeithain.

Im August wurde dann die 3. und 4. Kompanie des 6. Ostasiatischen Infanterie-Regiments zusammengestellt. Diese wurden zum größten Teil aus der 7. und 8. Kompanie des Regimentes rekrutiert. Gemeldet hatten sich ein Leutnant, zwei Sergeanten und ein Unteroffizier, sowie 21 Mannschaften.

Es gab nur ein Gefecht mit der Beteiligung von Schützen des Regiments, es war ein Hinterhalt in der Nähe der östlichen Kaisergräber. Es gab nur wenige Verluste, keine Angehörigen des Regiments. Dennoch gab es auch Tote in China. Der Oberleutnant von Heynitz starb bei dem Versuch, einen Soldaten vor dem Ertrinken zu retten. Er verfing sich in Schlingpflanzen. Sein Körper wurde geborgen und mit allen militärischen Ehren in Sachsen begraben. Außerdem starben drei Angehörige des Regimentes an Typhus und der Ruhr.

Schutztruppe Deutsch-Südwest-Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Angehörigen des Regimentes, fünf Mannschaften, traten im April 1904 der Schutztruppe bei. Wenig später gingen 16 weitere Schützen nach Afrika und wurden zum größten Teil in die 6. Kompanie des Freiherren von Humbracht beim 2. Feld-Regiment eingereiht. Dieses Regiment sammelte sich bei Karibib und marschierte sogleich gegen die Hereros. Vom 11. bis zum 13. August wurden diese in der Schlacht am Waterberg fast komplett aufgerieben.

Auch in diesem Feldzug wurden die Schützen stets als Vorhut genutzt, auch das genaue Schießen der Schützen begeisterte ihre Kommandanten.

Im Jahre 1907 wurden aus dem Deutschen Reich neue Soldaten zur Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama entsandt. Von den Schützen gingen ein Leutnant, ein Oberarzt, ein Unteroffizier und 25 Mannschaften. Drei Angehörige des Regimentes sind im Kampf gefallen, fünf Soldaten starben an Typhus.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regiment wurde im Rahmen des XII. Armee-Korps nur an der Westfront eingesetzt.

1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verluste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges hatte das Bataillon folgende Verluste zu beklagen:[1]

Rang Tod Verwundet Vermisst Gefangen
Offiziere 67 148 6 14
Unteroffiziere 270 763 70 112
Mannschaften 2020 5632 465 796

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende marschierte das Regiment in die Garnison zurück und wurde ab 18. Dezember 1918 in Dresden demobilisiert und schließlich aufgelöst. Aus Teilen bildete sich im Februar 1919 das Grenzjäger-Bataillon XI des Freiwilligen Grenzjäger-Regiments 4. Dieses ging im Juni 1919 als II. Bataillon im Grenzjäger-Regiment 38 der Vorläufigen Reichswehr auf.[2]

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 die 2. Kompanie des 10. (Sächsisches) Infanterie-Regiments. In der Wehrmacht führte das I. Bataillon des Infanterieregiments 10 die Tradition fort.

Regimentschef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[3]
General der Infanterie Georg von Sachsen 01. April 1867 bis 15. Oktober 1904
Generalfeldmarschall Kaiser Karl I. 17. August 1916 bis Auflösung

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regimentskommandeure (Postkarte von 1903)
Dienstgrad Name Datum[4]
Oberst Julius von Schulz 01. April 1867 bis 30. Juni 1869
Oberst Ludwig von Hausen 01. Juli 1869 bis 3. Januar 1874
Oberstleutnant/Oberst Adolf von Tschirschky und Bögendorff 04. Januar 1874 bis 4. April 1881
Oberst Wilhelm von Minckwitz 05. April 1881 bis 31. März 1887
Oberst Heinrich Leo von Treitschke 01. April 1887 bis 31. Januar 1889
Oberst Karl Georg Müller von Berneck 01. Februar 1889 bis 21. September 1892
Oberst Friedrich August von Sachsen 22. September 1892 bis 19. September 1894
Oberst Julius Blohm 20. September 1894 bis 18. April 1896
Oberst Heinrich Kirchhoff 19. April 1896 bis 25. März 1899
Oberst Hugo von Altrock 26. März 1899 bis 15. März 1902
Oberst Johann Georg von Sachsen 16. März 1902 bis 19. September 1904
Oberstleutnant/Oberst Alban von Kospoth 20. September 1904 bis 16. Januar 1906
Oberst Paul von der Planitz 22. Januar 1906 bis 22. März 1910
Oberst Max von Seydewitz 23. März 1910 bis 19. März 1912
Oberstleutnant/Oberst Woldemar Vitzthum von Eckstädt 20. März 1912 bis 26. Januar 1915
Oberst Bernhard von Kielmannsegg 27. Januar bis 31. Oktober 1915
Oberstleutnant Horst von Tümpling 01. November 1915 bis Januar 1919

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal der Gefallenen Schützen in Villiers

Am 9. Oktober 1907 wurde auf dem Schlachtfeld von Villiers ein Denkmal für die Gefallenen Schützen und Jäger eingeweiht. Anwesend waren 90 Teilnehmer der Schlacht und Angehörige der Leipziger Vereins „Jäger und Schützen“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Blohm, Ernst Vogel, Gottfried Saupe: Das Kgl. Sächs. Schützen-Regiment „Prinz Georg“ Nr. 108. (Dresden 1926. Band 31 des sächs. Anteils der Erinnerungsblätter).
  • Arndt von Kirchbach, Carl Jacobsen: Geschichte des königl. sächs. Schützenregiments Prinz Georg No. 108. Leipzig um 1909.
  • Artur Baumgarten-Crusius, Johann Edmund Hottenroth: Sachsen in großer Zeit. Geschichte der Sachsen im Weltkrieg. Akademische Buchhandlung R. Max Lippold, Leipzig 1919–1921, 3. Band, S. 237, Die Verluste der sächsischen Armee im Weltkriege.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artur Baumgarten-Crusius, Johann Edmund Hottenroth: Sachsen in großer Zeit. Geschichte der Sachsen im Weltkrieg. Akademische Buchhandlung R. Max Lippold, Leipzig 1919–1921. 3. Band. S. 237.
  2. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 184.
  3. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 277.
  4. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 277–278.