Prigorodnoje (Kaliningrad, Nesterow)

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Siedlung
Prigorodnoje
Petrikatschen (Schützenort)

Пригородное
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Bevölkerung 497 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 810 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 38′ N, 22° 37′ OKoordinaten: 54° 38′ 0″ N, 22° 37′ 0″ O
Prigorodnoje (Kaliningrad, Nesterow) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Prigorodnoje (Kaliningrad, Nesterow) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Prigorodnoje (russisch Пригородное, deutsch Petrikatschen, 1938–1945 Schützenort) ist eine Siedlung im Osten der russischen Oblast Kaliningrad. Sie ist namensgebender Ort und Verwaltungssitz einer Landgemeinde und gehört zum Rajon Nesterow.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prigorodnoje liegt zwei Kilometer östlich der Stadt Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) an der russischen Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28). Im Ort endet eine Nebenstraße aus nordöstlicher Richtung von Tschapajewo (Wabbeln) und Lugowoje (Bilderweitschen, 1938–1946 Bilderweiten) kommend.

Die nächste Bahnstation ist Nesterow an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow zur Weiterfahrt nach Litauen - einem Teilstück der ehemaligen Preußischen Ostbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seinerzeit Petrikatschen genannte Ort gehörte zu einer der 15 Gemeinden und Gutsbezirke, die am 24. Juni 1874 in den neugebildeten Amtsbezirk Groß Wannagupchen[2] (russisch: Swobodnoje) eingegliedert wurden. Im Jahre 1910 zählte Petrikatschen 207 Einwohner[3], im Jahre 1933 waren es 164[4].

Als man am 3. Juni 1938 die Gemeinde Groß Wannagupchen germanisierend in „Rohren“ umbenannte, erhielt der Amtsbezirk Groß Wannagupchen die neue Bezeichnung „Amtsbezirk Stadtfelde“ (Petrowskoje).

Am 3. Juni 1938 erhielt auch Petrikatschen den neuen Namen „Schützenort“. Als solcher blieb der Ort, der 1939 noch 147 Einwohner zählte, bis 1945 in den Amtsbezirk Stadtfelde innerhalb des Landkreises Stallupönen (1938–1946 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen in der preußischen Provinz Ostpreußen eingegliedert.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das Dorf zur Sowjetunion und wurde 1947 in Prigorodnoje umbenannt.[5] Der Name "Vorstadtort" bezog sich auf den nahe gelegenen Rajonsitz Nesterow. Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets und im Jahr 2008 Sitz einer Landgemeinde.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Prigorodny 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Prigorodny (ru. Пригородный сельский Совет, Prigorodny selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[5] Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet Babuschkinski (bis etwa 1950 offenbar Dorfsowjet Lugowski) angeschlossen.[6] Von 1960 bis 1967 war vermutlich der Dorfsowjet Tschernyschewski angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Prigorodny (ru. Пригородный сельский округ, Prigorodny selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Prigorodnoje übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Babuschkino (Бабушкио) Groß Degesen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski.
Bolschoje Saretschnoje (Большое Заречное) Drusken Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Brigadnoje (Бригадное) Schöckstupönen, 1938–1945:"Pohlau" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich um 1980 verlassen.
Kalinowka (Калиновка) Gudweitschen, 1938–1945:"Gutweide" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Lugowoje (Луговое) Bilderweitschen, 1938–1945:"Bilderweiten" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Lugowski.
Majakowskoje (Маяковское) Peterlauken, 1938–1945:"Petersort" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Mostowoje (Мостовое) Budweitschen, 1938–1945:"Zenthof" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Nagornoje (Нагорное) Wilpischen, 1938–1945:"Wilpen" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Nowoje (Новое) Grablauken, 1938–1945:"Grabfelde" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Ostrowoje (Островое) Radszen/Radschen, 1938–1945:"Raschen" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Perwomaiskoje (Первомайское) Bareischkehmen, 1938–1945:"Baringen" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Petrowskoje (Петровское) Lawischkehmen, 1938–1945:"Stadtfelde" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Pobednoje (Победное) Leibgarten Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Prigorodnoje (Пригородное) Petrikatschen, 1938–1945:"Schützenort" Verwaltungssitz
Rasdolnoje (Раздольное) (Klein) Tarpupönen, 1928–1947: Sommerkrug Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski.
Retschki (Речки) Alexkehmen, 1938–1945:"Alexbrück" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich vor 1976 an den Ort Woskressenskoje angeschlossen.
Sabolotnoje (Заболотное) Groß Warningken, 1938–1945:"Steinkirch" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Schtscherbatowo (Щербатово) Paballen, 1938–1945:"Kleinhopfenbruch" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Swobodnoje (Свободное) Groß Wannagupchen, 1938–1945:"Rohren" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich 2008 in die Stadt Nesterow eingemeindet.
Trudowoje (Трудовое) Raudohnen, 1938–1945:"Rauhdorf" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Tschapajewo (Чапаево) Wabbeln Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski.
Tschuikowo (Чуйково) Szillen/Schillen, 1938–1945:"Schellendorf" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Wassilkowo (Васильково) Abracken, 1938–1945:"Kornfelde" Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski. Er wurde vor 1976 verlassen.
Woskressenskoje (Воскресенское) (Groß) Uszballen, 1928–1947:Bruchhöfen Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Wysselki (Выселки) Klein Degesen, 1938–1945:"Kleinlucken" Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Lugowski.

Der im Jahr 1947 umbenannte Ort Iljuschino (Milluhnen/Mühlengarten), der zunächst in den Dorfsowjet Prigorodny eingeordnet worden war, kam dann (vor 1976) aber zum Dorfsowjet Tschkalowski und der im Jahr 1950 umbenannte Ort Scholochowo (Willkinnen/Willdorf), der zunächst in den Dorfsowjet Prigorodny eingeordnet worden war, kam dann (vor 1976) aber zum Dorfsowjet Sawetinski.

Landgemeinde Prigorodnoje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Landgemeinde Prigorodnoje im Rajon Nesterow

Die Landgemeinde Prigorodnoje (ru. Пригородное сельское поселение, Prigorodnoje selskoje posselenije) wurde im Jahr 2008 eingerichtet[7] und umfasst 18 Siedlungen. Diese gehörten vorher den Dorfbezirken Prigorodny, Pokryschkinski und Tschernyschewski an.

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name
Babuschkino (Бабушкино) Groß Degesen Prigorodnoje (Пригородное) Petrikatschen (Schützenort)
Detskoje (Детское) Kinderweitschen (Kinderhausen) Puschkino (Пушкино) Göritten
Jagodnoje (Ягодное) Bredauen Rasdolnoje (Раздольное) Klein Tarpupönen/Sommerkrug
Lugowoje (Луговое) Bilderweitschen (Bilderweiten) Tschapajewo (Чапаево) Wabbeln
Nekrassowo (Некрасово) Groß Sodehnen (Grenzen) Tschernjachowo (Черняхово) Laukupönen (Erlenhagen)
Newskoje (Невское) Pillupönen (Schloßbach) Tschernyschewskoje (Чернышевское) Eydtkuhnen (Eydtkau)
Perwomaiskoje (Первомайское) Bareischkehmen (Baringen) Woskressenskoje (Воскресенское) Groß Uszballen/Bruchhöfen
Petrowskoje (Петровское) Lawischkehmen (Stadtfelde) Wosnessenskoje (Вознесенское) Wenzlowischken (Wenzbach)
Pokryschkino (Покрышкино) Dopönen (Grünweide) Wysselki (Выселки) Klein Degesen (Kleinlucken)

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühere Petrikatschen und nachmalige Dorf Schützenort war vor 1945 in das evangelische Kirchspiel Bilderweitschen (1938–1946 Bilderweiten, heute russisch: Lugowoje) eingepfarrt[8]. Es gehörte zum Kirchenkreis Stallupönen (1938–1946 Ebenrode, russisch: Nesterow) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Die Pfarrer des Kirchspiels Bilderweitschen – der letzte von ihnen vor 1945 war Pfarrer Hellmut Graemer – versahen auch die nahe gelegene Herrschaft Serrey (heute litauisch: Seirijai) im vormaligen Großfürstentum Litauen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Rolf Jehke: Amtsbezirk Stadtfelde
  3. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  4. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  5. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  7. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 258 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Нестеровский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 258: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Nesterow")
  8. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968