Schabbelhaus (Lübeck)

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Nasenschild des Schabbelhauses

Das Schabbelhaus in der Lübecker Mengstraße sind zwei Bürgerhäuser der Backsteinrenaissance unterhalb des Buddenbrookhauses zum Ufer der Trave, in einem vom Bombenangriff im März 1942 nicht betroffenen Teil der Straße gelegen. Das Schabbelhaus ist nach dem stiftenden Bäckermeister Schabbel benannt; das Schabbelhaus in Wismar hat einen anderen Hintergrund.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist im Stil des ausgehenden 18. Jahrhunderts repräsentativ eingerichtet und damit eigentlich gleichzeitig ein Museum für gehobene bürgerlich hanseatische Wohnkultur. Es gehört der Kaufmannschaft zu Lübeck, die es zweimal im Jahr zu Mitgliedertreffen nutzt und ansonsten als Restaurant betreiben lässt. Der Garten im Innenhof wurde ursprünglich Mitte des 20. Jahrhunderts von Harry Maasz gestaltet.

Das repräsentative Portal des Hauses Mengstraße 50 stammt von dem ehemaligen Wohnhaus des Lübecker Kaufmanns Johann Glandorp in der Fischstraße und wurde hierher versetzt, weil das Haus des ursprünglichen Standortes ansonsten vollständig zerstört worden war.

Das alte Haus in der Mengstraße 36 (um 1900)
Deckengemälde im alten Schabbelhaus zu Lübeck

Vorgängerbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bäcker und Konditor Heinrich Schabbel, geboren am 24. Juli 1861 – sein Urgroßvater Joachim Christian Schabbel kam um 1778 als Freibäcker aus Malchin nach Lübeck – stellte der Stadt testamentarisch für eine Stiftung 125.000 Goldmark zu Verfügung. Der Reichtum des Bäckers gründete auf seiner Erfindung des Hanseaten. Damit sollte ein Museum eingerichtet werden, das Lübecker Bürgerhäuser und ihre Einrichtungen vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bewahrte und dokumentierte. Nach dem Tod Schabbels am 12. Dezember 1904 beschloss die Stadt, ein weitgehend ursprünglich erhaltenes Kaufmannshaus in der Mengstraße 36 zu erwerben. Ein Brand kurz vor Vertragsabschluss zerstörte die oberen Speichergeschosse des Vorderhauses, die unteren Stockwerke blieben jedoch unversehrt. Das Renaissancegebäude wurde nun restauriert und das Mobiliar mit Stücken aus anderen Bürgerhäusern und Kirchen ergänzt. Eröffnet wurde das Museum im September 1908. Im Erdgeschoss eröffnete eine beliebte Weinschenke.

Am Palmsonntag 1942 zerstörten britische Brandbomben die Häuser der Mengstraße. Das ursprüngliche Schabbelhaus wurde nicht wieder aufgebaut, stattdessen übersiedelten Museum und Weinschenke in das Doppelhaus Mengstraße 48/50.[1][2]

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude musste in der Barockzeit umgestaltet worden sein, darauf wies etwa der geschweifte Fassadengiebel hin. Das Sandsteinportal zur Mengstraße stammte aus der Renaissance (um 1590), die geschnitzte Eingangstüre mit Oberlicht aus dem Rokoko. Die Diele mit einer doppelten Treppenanlage reichte über zwei Geschosse, zum Innenhof öffneten sich hohe dreiteilige Fenster. Den ältesten Teil dieses Vorraums bildete eine mit 1595 datierte Holzvertäfelung mit eingelassenem Rokoko-Wandschrank. Die restliche Ausstattung, wie etwa der Kücheneinbau in der Diele mit den Gesindezimmern darüber oder das reich ausgestattete Landschaftszimmer, stammte aus dem 18. Jahrhundert.[1]

Das Schabbelhaus in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum of Modern Art verfügt über eine von dem Dadaisten Kurt Schwitters als Gast des Hauses verfremdete Speisekarte des Schabbelhauses.

Notgeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Virck gestaltete 1920 und 1921 für das Schabbelhaus Notgeldscheine, die nur in der Gaststätte gültig waren.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Baltzer: Das Schabbelhaus in Lübeck. In: Die Denkmalpflege, 12. Jahrgang, Nr. 3 (2. März 1910), S. 17–20 und Nr. 4 (30. März 1910), S. 25–27.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Edgard Haider: Verlorene Pracht. Geschichten von zerstörten Bauten. Gerstenberg Verlag: Hildesheim 2006. S. 14 ff.
  2. Das Schabbelhaus zu Lübeck (luebeck.de) aufgerufen am 6. Oktober 2012
  3. Heinz Röhl und Jan Romanowski: Lübecks Papiergeld im 19. und 20. Jahrhundert. Schmidt-Römhild, Lübeck 2011, ISBN 978-3-7950-5201-0, S. 138, 179.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schabbelhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 52′ 8″ N, 10° 40′ 54″ O