Schachen (Lindau)

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Schachen liegt im Südwesten von Lindau

Schachen ist ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Lindau (Bodensee).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schachen liegt direkt am Seeufer des Bodensees im Südwesten des festländischen Stadtgebiets von Lindau. Im Westen grenzt Schachen an Wasserburg, und im Norden an Bodolz. Im Osten und Nordosten liegen die Lindauer Stadtteile Aeschach (ebenfalls am Bodenseeufer) und Hoyren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schachen befinden sich am Uferstreifen einige bekannte Villen und Landhäuser.

Hotel Bad Schachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel Bad Schachen

Mit der Entdeckung einer Eisen-Schwefelquelle im Jahr 1474 wurde hier nahe dem Seeufer ein kleines Heilbad errichtet und in den folgenden Jahrhunderten ständig erweitert. 1752 kam das Anwesen in den Besitz der Familie Schielin. Von 1853 an zog es mit der Eröffnung der Bahnlinie München–Lindau viele Besucher an den Bodensee.

In den Jahren 1909 bis 1910 wurde ein Neubau von den beiden Jugendstil-Architekten Hermann Billing und Wilhelm Vittali aus Karlsruhe errichtet. 1922 bis 1931 wurde der Gebäudekomplex durch Max Littmann aus München erweitert und in diesem Zuge auch das Strandbad Bad Schachen anstelle eines zuvor in diesem Bereich stehenden hölzernen Badehauses errichtet.

1937 erfolgte eine erneute Erweiterung der Hotelanlagen, während des Zweiten Weltkriegs diente das Hotel als Erholungsheim der Luftwaffe und nach Kriegsende zunächst als Feriendomizil der französischen Besatzungstruppen, bis der Hotelbetrieb 1949 wieder normal aufgenommen werden konnte.

Das Hotel besitzt einen Landungssteg der Bodensee-Schifffahrt.

Schloss Alwind[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa Alwind 02.JPG

Das Grundstück Alwind (oder Allwind) wurde erstmals 1370 urkundlich erwähnt und war früher im Besitz der

  • Herren von Höchst (im 15. Jahrhundert): Der Lindauer Johann von Höchst errichtete 1455 ein burgähnliches Schlösschen, das er „Alwind“ nannte.
  • Herren von Montfort
  • Johann Baptist Ritter von Spix (1781–1826) wurde vom König für seine Verdienste geehrt. Das Schloss Alwind am Bodensee, das er vom König geschenkt bekommen hatte, konnte er wohl nicht mehr besuchen.[1]
  • Herren von Gruber (ab 1797): Georg Gruber war ein Cousin von Friedrich Gruber und er ließ sich einige hundert Meter westlich des Lindenhofs eine Villa als Sommersitz bauen. Die Villa Alwind wurde 1852–1853 als klassizistische Villa mit Flachwalmdach durch den Architekten Johann Christoph Kunkler aus St. Gallen errichtet.[2]
  • Leopold König (1852–1912): 1905 kaufte der Textilindustrielle König das Haus, nachdem es über 50 Jahre lang unbewohnt war. Während der „König-Ära“ wurde Alwind in den Jahren 1905 bis 1912 während der Sommermonate zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Lindau. 1906 wurde hier der Alwinder Hafen errichtet – nach dem Vorbild des Lindauer Hafens mit zwei Molen, von denen die eine eine Löwenstatue trägt.
  • Dr. Paul F. Beckmann (1881–1963): Beckmann kaufte 1924 das Anwesen und ließ anstelle des Rebhangs südlich der Villa die Parkanlage errichten.
  • Deutsche Post AG (ab 1937): Seit 1942 wurde der Gebäudekomplex als Erholungsheim für weibliche Postangestellte genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Anlage an die französischen Besatzungstruppen und kam 1951 an die Deutsche Bundespost zurück.

Die Villa und der Park wurden 1952 unter Denkmalschutz gestellt und werden heute als Erholungswerk der Post-Postbank-Telekom genutzt.[3][4]

Lindenhof-Villa, -Park und -Bad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie Gruber auf der großen Freitreppe der Villa Lindenhof (im August 1881)
Lindenhof-Villa im Lindenhofpark

Diese herrschaftliche Villa wurde 1842 bis 1845 vom Münchner Architekten Franz Jakob Kreuter für den in Italien zu Vermögen gekommenen Lindauer Großkaufmann Friedrich Gruber (1805–1850) am Schachener Seeufer mit dem sie umgebenden Lindenhofpark errichtet und angelegt. Der Lindenhofpark ist allein von seiner Ausdehnung mit der Lindenalle an der Ufermauer die bedeutendste Parkanlage am Lindauer Villenufer.

Die aufwändig restaurierte Villa ist heute im Besitz der Stadt Lindau und wird unterschiedlich genutzt: neben privater Nutzung finden in den Salonräumen mehrmals im Jahr kulturelle Veranstaltungen statt, z. B. die „Lange Nacht der Literaten“ im Mai. Im Ostflügel beheimatet die Villa heute das Friedensmuseum Lindau (Friedensräume).

Am Rande des Lindenhofparks liegt das Lindenhofbad am Ufer des Bodensees. Das Freibad wurde Ende der 1950er Jahre erbaut und ist ein Gebäude von einer hohen architektonischen Qualität. 2012 wurde es für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist kostenlos zu besuchen.

Ruine Degelstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde 1332 am Seeufer ein zweigeschossiges Burghaus mit Satteldach erwähnt („Tegelstein“). 1839 erfolgte der Abbruch der Anlage und heute sind lediglich Mauerreste des Weiherschlösschens im Gebiet des Lindenhofparks erhalten.

Die folgenden Besitzer sind bekannt:

  • Familie Haintzel (1332)
  • Damenstift Lindau (1385)
  • Kornelius von Kirchen (um 1592)
  • Stadt Lindau (1621)
  • Friedrich Gruber (1839)
  • Stadt Lindau (1956)

Villa Wacker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schlossartige Villa im späthistorischen Stil wurde 1900 bis 1902 mit Nürnberger Rotsandstein am Seeufer für den Unternehmer Alexander Wacker (* 1846; † 1922) errichtet. Das Grundstück wird durch die Schachener Straße getrennt und nördlich derselben befinden sich die Nebengebäude wie Stallungen und Kutscherhaus.

Im Inneren des Gebäudes wurde drei Jugendstil-Räume von Peter Behrens ausgestattet. 1909 brannten der Dachstuhl und die Obergeschosse der Villa aus und wurden wieder in ihrer ursprünglichen Form errichtet. 1938 verstarb Elisabeth Wacker und das Gebäude wurde nur noch zeitweise belebt, bis es am 12. Mai 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg vom französischen General Jean de Lattre de Tassigny bezogen wurde. In den 1950er Jahren wurde die Villa als Erholungsheim für Angestellte der Wacker Chemie und noch bis 1984 als Caritas-Heim genutzt.

1985 wurde das Gebäude renoviert, seit 1986 ist es im Besitz des Unternehmers Uwe Holy, der frühere Inhaber von Hugo Boss und Enkel des Firmengründers Hugo Ferdinand Boss.[5]

Schachen-Schlössle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Schloss wurde Ende des 15. Jahrhunderts errichtet und diente damals der Sicherung der freien Reichsstadt Lindau. Seit 1950 beherbergt der sehr gut erhaltene Gebäudekomplex eine Gaststätte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schachen (Lindau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucrezia Hartmann: Villa Alwind. „Perle am Bodensee“, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 129. Jg. 2011, S. 155–180 (Digitalisat)
  • Christoph Hölz, Markus Traub: Weite Blicke – Landhäuser und Gärten am bayerischen Bodenseeufer. Deutscher Kunstverlag, 2009, ISBN 978-3-422-06800-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Baptist Ritter von Spix
  2. Quelle: Denkmäler in Bayern, KDMVII; Heinrich Habel, Helga Himen; Band VII. Schwaben, München 1985
  3. Wo einst 20 Araber standen (SZ, 29. Oktober 2008)
  4. Ferienanlage: Post baut in Alwind (SZ, 6. November 2009)
  5. Teurer Wohnraum (Der Spiegel 39/1990)

Koordinaten: 47° 34′ N, 9° 40′ O