Schachweltmeisterschaft 1921

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Kontrahenten der 11. Schachweltmeisterschaft 1921
Emanuel Lasker
José Raúl Capablanca
Emanuel Lasker José Raúl Capablanca
Nation
Deutsches Reich Deutsches Reich
Kuba Kuba
Status Titelverteidiger Herausforderer
Alter 52 Jahre 32 Jahre
Punkte 5 9*
14 gespielte Partien
Siege 0 4*
Remisen 10
◄ 1910 1927 ►
* Lasker gab nach 14 Partien auf

Die Schachweltmeisterschaft 1921 war ein Zweikampf zwischen dem amtierenden Schachweltmeister Emanuel Lasker und seinem Herausforderer José Raúl Capablanca. Capablanca siegte und wurde der dritte Weltmeister der Schachgeschichte.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kubaner Capablanca hatte sich einen Ruf als fast unbesiegbare „Schachmaschine“ erworben. Bereits nach seinem Sieg in San Sebastián 1911 bat er Lasker um einen Titelkampf. Lasker forderte jedoch eine Klausel, dass Capablanca mit 2 Punkten Vorsprung gewinnen müsse, um Weltmeister zu werden, was dieser empört ablehnte. Am 12. August 1920 schließlich kam es durch Vermittlung des niederländischen Schachverbandes in Den Haag zu einer Einigung.

Auch Akiba Rubinstein galt lange als Titelanwärter und führte nach seinem Sieg im Turnier von San Sebastián 1912 Verhandlungen mit Lasker. Sein Misserfolg beim Schachturnier zu Sankt Petersburg 1914, bei dem Capablanca hinter Lasker auf den 2. Platz kam, während Rubinstein nach der Vorrunde ausschied, und die negativen Auswirkungen des 1. Weltkrieges auf das Schachleben trugen dazu bei, dass es nie zu einem Wettkampf zwischen Lasker und Rubinstein kam.

Organisation und Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespielt wurde in Havanna. Das Match wurde auf 24 Partien limitiert: Gewinner sollte der Spieler sein, der als Erster 12½ Punkte oder 8 gewonnene Partien erreicht hätte. Was bei einem Unentschieden passiert wäre, wurde nicht im Spielvertrag festgelegt. Die Bedenkzeit betrug eine Stunde pro 15 Züge. Bei fünf Spieltagen in der Woche fanden bis zu zwei Sitzungen täglich statt, jedoch niemals mehrere Partien an einem Tag. Die erste Sitzung dauerte vier und die zweite zwei Stunden, dazwischen mussten mindestens drei freie Stunden liegen. Das Verfügungsrecht über die Partien wurde auf beide Spieler festgelegt. Der Preisfonds belief sich zunächst auf 20.000 US-Dollar, von denen – unabhängig vom Ergebnis des Wettkampfs – 11.000 an Lasker und 9.000 an Capablanca gingen. Während des Wettkampfes wurde der Preisfonds um weitere 5.000 US-Dollar erhöht, von denen der Sieger 3.000 und der Verlierer 2.000 erhielten.[1]

Kontroverse um Laskers Abdankung 1920[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lasker legte 1920 seinen WM-Titel zugunsten Capablancas nieder, was im Spielvertrag festgeschrieben wurde.[1] Es ist jedoch umstritten, ob Lasker überhaupt den Titel zu Capablancas Gunsten niederlegen durfte und bereits nach Bekanntwerden der Nachricht wurde diese Abgabe des Titels nicht durch die Schachöffentlichkeit akzeptiert. So sah beispielsweise die Deutsche Schachzeitung Capablanca erst nach dem Titelkampf als Weltmeister an. In der Ausgabe vom August bis September 1920 hieß es in einer Fußnote zu Laskers Abdankung: „Eine Ansicht, gegen die sich die gesamte Schachwelt auflehnt.“ Im Falle eines Sieges durch Lasker hätte dieser den Titel nicht wieder annehmen, sondern der Schachwelt zur Verfügung stellen wollen.[2]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Match begann am 15. März 1921 im Gran Casino de la Playa von Havanna. Lasker gelang es nicht, mit Capablancas Stil zurechtzukommen. Zudem machte ihm das tropische Klima zu schaffen. Als er nach 14 Spielen mit 4 Niederlagen bei 10 Remisen in Rückstand lag und Capablanca seinen Wunsch auf Fortsetzung in einem milderen Klima ablehnte, gab er auf. Es war das erste und einzige Mal, dass eine Weltmeisterschaft vorzeitig durch Aufgabe beendet wurde.

Schachweltmeisterschaft 1921
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Siege Punkte
Lasker ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ 0 0 5
Capablanca ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ 1 4 9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raymund Stolze: Umkämpfte Krone – Die Duelle der Schachweltmeister von Steinitz bis Kasparow. Sportverlag, Berlin 1992, ISBN 3-328-00526-9.
  • Emanuel Lasker: Mein Wettkampf mit Capablanca. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger W. de Gruyter & Co, Berlin 1922

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Edward Winter: How Capablanca Became World Champion, 2004
  2. Deutsche Schachzeitung: Der Wettkampf Capablanka-Lasker, bei: Vermischtes. Deutsche Schachzeitung, August – September 1920. S. 199 & 200