Schadensereignis

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Feuerwehreinsatzfahrzeug am 16. September 2001 in New York City nach dem Anschlag auf das World Trade Center

Schaden(s)ereignis ist im Versicherungswesen ein Ereignis, das einen Schaden auslöst.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schadenereignis ist eine Handlung, ein Unterlassung oder eine Naturkatastrophe mit schadenverursachender Wirkung auf Sachen, Sachgesamtheiten oder Rechte. Schadenereignis ist das Ereignis, das Haftpflichtansprüche gegen den Versicherungsnehmer nach sich ziehen könnte.[1] Um die aus dem Schadenereignis resultierenden Schäden nicht selbst tragen zu müssen, hat sich der Versicherungsnehmer entschieden, sein Risiko im Wege des Risikotransfers auf einen Versicherer zu übertragen.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nachdem, ob Personen oder Sachen vom Schadenereignis betroffen sind, unterscheidet man:[2]

Diese Schadenarten können isoliert oder auch kombiniert auftreten. Letzteres liegt auch daran, dass sämtliche Sachschäden und die meisten Personenschäden zugleich auch Vermögensschäden darstellen.[3]

Versicherungsfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schadenereignis muss, damit es versicherungsrelevant wird, unter Versicherungsschutz stehende versicherte Personen oder Sachen treffen. Sind Personen oder Sachen dagegen nicht versichert, unterliegen der Selbstversicherung oder sind nicht versicherbar, liegt kein Versicherungsfall vor. Bei versicherten Personen oder Sachen gilt nach dem Ereignisprinzip der Versicherungsfall zu dem Zeitpunkt als eingetreten, zu dem das Schadenereignis eingetreten ist.[4] Das Schadenereignis ist im Versicherungsrecht der Rechtsgrund für den Versicherungsfall.

Schadenfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schadenereignis ist vom Schadenfall zu unterschieden, der die schädigende Auswirkung eines Schadenereignisses auf bestimmte versicherte Personen, Sachen oder Rechte darstellt. Im Schadenfall hat sich der Schaden bereits verwirklicht. Der Hagelschlag beispielsweise ist das Schadenereignis, das hierdurch beschädigte Einfamilienhaus der Schadenfall. Dieser löst die formelle und materielle Deckungsprüfung des Versicherers in der Hagelversicherung aus. Dabei umfasst die materielle Deckungsprüfung die Frage, ob der Versicherungsvertrag inhaltlich Versicherungsschutz für den konkreten Schadenfall bietet und keine Ausschlussgründe oder Leistungsbefreiungstatbestände vorliegen.[5] Ein einziges Schadenereignis kann auch mehrere Schadenfälle nach sich ziehen, wenn etwa ein Sturm zwei oder mehr Häuser zerstört. Der Sturm ist das Schadenereignis, bei jedem der Häuser liegt jedoch ein auf dasselbe Schadenereignis zurückzuführender Schadenfall vor (Kumul, Kumulschaden).

Bei besonders schadensträchtigen Fällen spricht man von einem großen Schadenereignis (gSE) bzw. einem Großschadensfall wie zum Beispiel Erdbeben, Abstürze von Flugzeugen, Großfeuer, Explosionen, Terroranschlägen mit erheblichem Ausmaß, Massenkarambolagen oder großflächige Überschwemmungen. Die sicherheitsrechtlichen Begriffe „Großschadenslage“ und „Katastrophe“ sind davon trotz der Überschneidungen zu unterscheiden.

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Versicherungsvertrag kann im Schadenfall zurückgestuft werden, wenn der Versicherer beispielsweise in der Kfz-Versicherung aufgrund einer Schadenmeldung eine Zahlung leistet oder eine Schadenrückstellung bildet. Diese Rückstufung erfolgt unabhängig von der Schadenshöhe und ist auch über mehrere Klassen hinweg möglich.[6]

Für die Leistungsfreiheit des Versicherers ist zu prüfen, ob der Schadenfall durch das Verhalten des Versicherungsnehmers eingetreten ist und ob er den Schaden grob fahrlässig oder gar vorsätzlich verursacht hat.[7] Für Vorsatz besteht regelmäßig Leistungsfreiheit, bei grober Fahrlässigkeit kann nach der Schwere eine Kürzung der Versicherungsleistung erfolgen, bei der Verletzung von Obliegenheiten gilt § 28 VVG.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fred Wagner (Hrsg.), Gabler Versicherungslexikon, 2011, S. 192
  2. Volker Friedrich-Schmid, Schuldrecht Allgemeiner Teil, 2016, S. 115
  3. Ernst Bruck/Hans Möller (Hrsg.), Großkommentar VVG, Band 2, 1980, S. 26
  4. Fred Wagner (Hrsg.), Gabler Versicherungslexikon, 2011, S. 192
  5. Fred Wagner (Hrsg.), Gabler Versicherungslexikon, 2011, S. 148
  6. Martin Stadler, Die Kfz-Versicherung, 2008, S. 62 f.
  7. Thomas Köhne/Manfred Lange, Marketing und Vertrieb von Versicherungs- und Finanzprodukten für Privatkunden, 2015, S. 414