Schafwolle
| Schafwolle | |
|---|---|
| Fasertyp |
tierische Naturfaser |
| Herkunft |
Hausschaf (Ovis orientalis aries) |
| Farbe |
Meist weißlich, auch braun und schwarz |
| Eigenschaften | |
| Faserlänge | ca. 4 cm bis 7,5 cm (feine Wolle), bis zu 14 cm (grobe Wolle) |
| Faserdurchmesser | 16 – 40 µm |
| Dichte | Wollwaren enthalten bis zu 85 % Luft |
| Zugfestigkeit | Belastung 15 – 30 g |
| Bruchdehnung | 30 % |
| Wasseraufnahme | < 33 % |
| Chemische Beständigkeit | schwer entflammbar |
| Produkte | Textilien; Dämmmaterial |
Schafwolle ist das Haarkleid von Schafen.[1] Üblicherweise wird der Begriff nur für die Wolle vom Hausschaf (Ovis ammon f. aries L.) verwendet, die vom Menschen zu Textilien verarbeitet wird. Die Verwendung von Schafwolle begann in Europa spätestens um 3000 v. Chr.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis zum Ende der Jungsteinzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aus aDNA-Untersuchungen ließ sich 2020 zeigen, dass alle Hausschafrassen und -typen von nur einer Wildform, dem Armenischen Mufflon, abstammen. Die Domestizierung des Schafes wird für die Zeit zwischen 8200 und 7500 v. Chr. vermutet und fand höchstwahrscheinlich in Anatolien statt.[2] Die bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. in Südosteuropa (Sesklo-Kultur) und dem Vorderen Orient auftretenden Spinnwirtel aus gebranntem Ton belegen das Spinnen, es ist jedoch unklar, ob diese ausschließlich für die Verarbeitung von Pflanzenfasern gedient haben oder bereits auch für das Spinnen von Schafwolle.
Erste Hinweise auf die Verwendung von Schafwolle gibt es in Mitteleuropa bei spät- bzw. endneolithischen Kulturen (um 3000 v. Chr.), zum Beispiel in der ostbayerischen Chamer Kultur. Einen Hinweis für die gezielte Haltung von Wollschafen bietet die veränderte Demographie spätneolithischer Schafherden, da dort eine Zunahme älterer Hammel zu verzeichnen ist. Zu den seltenen direkten Belegen gehören Wollhaare in der französischen Seeufersiedlung Clairvaux-les-Lacs (frühes 3. Jahrtausend v. Chr.) sowie Wollreste an einem endneolithischen Feuersteindolch aus Wiepenkathen, einem Ortsteil von Stade.[3] Auch Ötzi trug einen „Pelzmantel“ aus Fellstreifen von Ziegen und Schafen.[4]
In Mittel- und Südeuropa scheint sich die Wollnutzung relativ unvermittelt innerhalb eines kurzen Zeitraumes im Übergang vom 4. zum 3. vorchristlichen Jahrtausend verbreitet zu haben. Auch die Sage vom Goldenen Vlies könnte ein Hinweis sein, dass sich die Wollschafzucht nicht in Griechenland entwickelte, sondern dass sie vom Schwarzen Meer aus dorthin gebracht wurde.
Bronze- und Eisenzeit
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Die Wollnutzung des Schafes hat sich spätestens im Übergang zur Bronzezeit endgültig durchgesetzt, wie Funde der neolithischen Seesiedlungen der Schweiz aus dem 4. und 3. vorchristlichen Jahrtausend belegen.[5.1]
Die Entwicklung des Haarkleides vom Haarschaf (Wildtyp) zum Wollschaf erfolgte in einem langen Züchtungsprozess mit folgenden Schritten:[5.2]
- Herausbildung eines Vlieses (die in einem flachen Stück zusammenhängende Wolle nach der Schur) durch Reduktion des Haardurchmessers der Deckhaare bzw. deren vollständige Eliminierung.
- Verlust der natürlichen Haarfärbung.
- Wegfall des jährlichen Fellwechsels, so dass die Wolle erhalten blieb und geschoren werden konnte.
Es finden sich in der Bronzezeit vor allem Schafe mit primitivem Vlies wie es bis heute die Soayschafe auf den St. Kilda-Inseln nordwestlich von Schottland haben, die möglicherweise direkt auf diese bronzezeitlichen Schafe zurückgehen. Über die Anfänge der Wollgewinnung und -verarbeitung in Europa weiß man nur wenig, da sich Wolle als organisches Material mit Ausnahme der Feuchtbodenfunde in Seesiedlungen unter europäischen Klimabedingungen nicht lange im Boden hält.[5.3] Es stehen hier somit nur archäozoologische Befunde zur Verfügung, die sich vor allem auf den neu auftauchenden markanten Größenunterschied der Skelettreste von Schafen beziehen verglichen mit den bisherigen Schafrassen. Zuerst gilt dies für die Funde im Karpatenbecken im Zeitraum der späten Badener Kultur.
In der Eisenzeit wurden offenbar bereits Schafe mit immer dichterem Vlies gezüchtet, auch traten nun neben der Wildfärbung Schwarz, Weiß und Grau als Färbungen auf. Weiße Wolle findet sich aber bereits in der Bronzezeit. Es dominiert weiter wie in der Bronzezeit die Mischwolle, bei der es auch größere Bestandteile der durch Pflücken bzw. Auskämmen im Frühjahr gewonnenen feineren Unterwolle gibt.
Von den Kelten weiß man, dass Männer und Frauen über einem leinenen Hemd (die léine) den inar trugen, einen kurzen Überrock und darüber einen wollenen Mantel (brat).[6]
Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Noch in der Römerzeit dominierte wie bei den Griechen und Etruskern die Mischwolle mit ihrem hohen Anteil an feiner, weißer Wolle (bis 40 %), die oft auch der Farbe und Weichheit wegen von Lämmern gewonnen wurde. In der Kaiserzeit wurden dann neue Wolltypen herausgezüchtet, insbesondere Feinwolle, wie sie bereits die Griechen kannten (5. Jh. v. Chr.) und wie sie auch in Palästina vorkam (4.–1. Jh.). Generell dominierten in der Römerzeit Wolle, Leinen und Leder als Kleidermaterial der Bevölkerung Europas. Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia (Naturgeschichte), dass die feinste Wolle aus Tarent stammte, wo es durch Selektion gelungen war, ein Schaf mit einem exzellenten Vlies zu züchten, das jedoch besonderer Pflege bedurfte. Seide und Baumwolle hingegen galten als extravagante und luxuriöse Ware, die aus dem Orient, insbesondere China und Indien, importiert wurden und die sich nur die Reichsten leisten konnten.[7.1]
Auch im Germanischen Bereich Mitteleuropas gab es unabhängig davon Bemühungen, die Wollqualität der Schafe züchterisch zu verbessern, wie Befunde der Siedlung Feddersen Wierde belegen. Da die Herstellung von Wolltextilien von der Wollgewinnung und Vorbereitung über Spinnen und Weben eine lange und mühsame Handarbeit war, galten wollene Kleidungsstücke als Kostbarkeiten. Fürsten belohnten damit ihre Gefolgsleute, man zog sie vornehmen Toten an und opferte sie den Göttern. Leinen war ebenfalls begehrt, doch kam es wegen der schlechteren Anbaumöglichkeiten für Flachs in den nördlicheren Gebieten Mitteleuropas, dem Hauptsiedlungsgebiet der Germanen, erst relativ spät in Gebrauch außer als teure Handelsware, war dann aber ebenfalls Statussymbol.[7.2][8]
Entwicklung seit dem Mittelalter am Beispiel Großbritanniens
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Vor allem für England hat die Wollproduktion und -verarbeitung seit dem späten Mittelalter, teilweise in Konkurrenz mit Flandern, immer wieder große Bedeutung gehabt. Flüchtlinge aus den Niederlanden, die vor der dortigen religiösen Unterdrückung durch die Spanier geflohen waren, brachten neue Wolltechnologien nach England mit, insbesondere die Kammgarnherstellung, und machten so die ohnehin bedeutende Wollindustrie Englands zur wichtigsten Europas. Schon die Tatsache, dass der Lordkanzler (bzw. seit 2006 der Lord Speaker), der dem britischen Oberhaus vorsitzt, dies auf dem Woolsack tut, veranschaulicht die frühe Bedeutung der Wollindustrie. Unter der Regierung von Heinrich VII. begann sich ab 1485 die Wirtschaft nach den Schrecken der Pestepidemie in England wieder zu erholen, und zwar vor allem auf der Grundlage von Woll- und Textilproduktion und dem Handel und Export mit Wollprodukten. Diese Bedeutung hielt auch später an, und zeitweise war die Wollindustrie in England die einzig wichtige. Während Wollprodukte exportiert wurden, mussten Nahrungsmittel importiert werden, auch weil große Agrarflächen durch den wohlhabenden Adel als Schafweiden genutzt wurden. Dies führte zu starken sozialen Spannungen und beförderte auch ökonomisch die Hierarchisierung der englischen Gesellschaft. Da die Wollwirtschaft den Aufstieg Einzelner begünstigte, blieb die englische Gesellschaft andererseits flexibler als die übrigen europäischen Gesellschaften. Neue maschinelle Spinn- und Webtechnologien im 18. und 19. Jahrhundert führten dann analog zur Baumwollverarbeitung – in Verbindung mit dem stark ansteigenden Import von Wolle aus den Kolonien, insbesondere aus Australien (1851: 30 Millionen Pfund) – zu neuen sozialen Verwerfungen und zum Aufstieg der Trade Unions.[7.3]
Andere Gebiete
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von den vorderasiatischen Entstehungsgebieten breitete sich die Wolltechnologie auch weiter nach Asien und den Osten Afrikas aus, insbesondere der Iran und Ägypten wurden schon bald nach dem ersten Auftreten in Vorderasien von der neuen Technologie erreicht.
- Über die Schafhaltung der Indus-Kultur ist relativ wenig bekannt. In den Texten des Rigveda finden sich verschiedene Angaben (1500–1000 v. Chr.), die sich auf die Schafschur und das Weben von Wollstoffen beziehen.[5.4]
- In Ägypten kommen wolltragende Schafe ab dem Mittleren Reich vor. Sie sind vermutlich aus Vorderasien eingeführt worden. Ab der 18. Dynastie sind schraubenhörnige Haarschafe auf Abbildungen nicht mehr nachweisbar.[5.5]
- Im Judentum Palästinas war das Schaf seit frühester Zeit ein wichtiges Haustier, von dem Fleisch, Milch, Fell und Haut sowie seine Wolle vielfach genutzt wurden, wie die Bibel an zahlreichen Stellen berichtet. Wolle war ein begehrtes Gut, das auch als Tributleistung gehandelt wurde (2. Kön. 3,4). Die Kleidung der jüdischen Tempelpriester bestand aus Leinen (2. Mose 28). Dies hatte keine religiösen Gründe, denn da Flachs in Palästina nur vereinzelt angebaut wurde, waren Leinengewänder, deren Stoffe dazu oft aus Ägypten importiert werden mussten, seltener und teurer als wollene und galten somit als angemessen für die überaus kostbaren Amtsroben der Priester. Leinenkleidung wurde daher kaum von Privatleuten getragen und galt auch als Kleidung himmlischer Wesen.[5.4]
Religiöse Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Religionsgeschichtlich hat Wolle ganz unterschiedliche, ja gegensätzliche symbolische Bedeutungen angenommen. Einerseits stand die durch ihre Saugfähigkeit bedingte reinigende Kraft im Vordergrund und machte Wollstoffe zum bevorzugten Material bei Opfer und Kult. In diesem Zusammenhang wurden ihr auch schützende Fähigkeiten zugeschrieben, die Kraft, Unheil abzuwenden.
Andererseits galt sie auch als unrein, so im alten Ägypten, bei den Orphikern und Pythagoreern, und Priester durften keine wollenen Gewänder tragen. Andererseits konnte das Weiß der Wolle im Judentum als Bild der Unschuld dienen (Jes. 1,18, Ps. 147,16). Lämmer und Widder dienten als Opfertiere.[9][10] Im Mittelalter war Wolle dann in Mönchsgemeinschaften der bevorzugte Stoff für die einfachen Kutten. Das gilt auch im Islam, wo die Sufis möglicherweise sogar nach dem arabischen Wort für Wollstoff ‚suf‘ heißen. (Es gibt aber noch mindestens drei weitere Erklärungen.)[5.4]
Terminologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bezeichnung Schurwolle oder Reine Schurwolle drückt aus, dass es sich um neue, unmittelbar von einem lebenden Tier stammende Wolle, und nicht um ein wiederverwendetes, also aus Alttextilien hergestelltes Recyclingprodukt wie Reißwolle oder um die aus den Fellen geschlachteter (Schwöde-, Schwitz- oder Gerberwolle) oder verendeter (Sterblingswolle) Tiere gewonnene Wolle handelt.
Kennzeichnung nach dem Textilkennzeichnungsgesetz:
- WV = Reine Schurwolle
- WO = Reißwolle
Das frühere Internationale Woll-Sekretariat (IWS) hat zur Kennzeichnung von Qualitätserzeugnissen aus reiner Schurwolle 1964 das Wollsiegel eingeführt. Heute liegen die Markenrechte bei der Australian Wool Innovation (AWI).
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schafwolle ist ein nachwachsender Rohstoff. Sie hat eine sogenannte natürliche Thermoregulations-Eigenschaft.[11] Wolle kann im Faserinneren Wasserdampf aufnehmen,[12][13] die Oberfläche stößt Wasser jedoch ab. Wolle neigt zum Fusseln (Pilling), was man durch Fusselfrei-Ausrüstungen oder Verarbeitungsqualität mindern kann. Ohne spezielle Ausrüstung kann sich grobe Wolle direkt auf der Haut unangenehm kratzig anfühlen, was bei der feinen Merinowolle jedoch nicht oder nur geringfügig der Fall ist.
Für technische Anwendungen eignet sich die Schafwolle als antistatisches und schwer entflammbares Material, z. B. in den Sitzen von Autos und Flugzeugen. Als Dämmmaterial wird sie wegen ihrer schadstoffabsorbierenden Eigenschaften eingesetzt.
Gewinnung
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Zur Wollgewinnung werden die Tiere geschoren, einige Schafrassen (Soay) werden gezupft –das ist für die Tiere schmerzfrei, man löst jeweils vorsichtig nur die fast schon losen Haare. Im Zeitraum von Juli bis Oktober 2020 wurden in einer deutschlandweiten Marktanalyse 28 Strickwolle-Marken hinsichtlich ihrer Maßnahmen gegen Mulesing bewertet. Laut den Ergebnissen war nur eine der untersuchten Strickwolle-Marken garantiert Mulesing-frei.[14]
Bezeichnung nach Herkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wolltypen unterscheiden nach Faserbeschaffenheit, siehe auch Feinheit (Textilien).
Kurkwolle oder Lammwolle stammt von der ersten Schur eines Schafes im Alter von circa sechs Monaten. Das Wort Kurkwolle kommt vom persischen Wort für Flaum oder weiche Wolle. Die Wolle ist weniger als 50 mm lang, weich, elastisch und glatt und wird für hochwertige Textilien oder Teppiche verwendet.
Merinowolle ist fein, weich, stark gekräuselt und eine sehr hochwertige Wolle vom Merinoschaf. Sie ist kurzstapeliger als die im Folgenden genannten Typen. Die Wolle kommt in hochwertigen Kammgarnen in der Oberbekleidung zum Einsatz. Die Faserfeinheit reicht von 14,5 bis 23,5 Mikrometer. 2005 liegt der Weltrekord für die Feinheit von Merinowolle aus Neuseeland bei 11,8 Mikrometer (menschliches Haar 30 Mikrometer), gehalten von der italienischen Weberei Loro Piana. Sie ist wesentlich hochbogiger als z. B. die von Crossbred-Wollen, was zu Griff- und Volumenvorteilen führt. Die Merinowolle ist feiner und sehr elastisch. Sie ist daher besonders für den Einsatz in körpernaher Kleidung beispielsweise als Basisschicht (Zwiebelschalenprinzip) geeignet. Die kommerziell eingesetzte Feinheit der Merinofaser kann bis zu 16,5 Mikrometer (super fine merino wool) betragen, was zu einer extrem feinen und hochwertigen Ware führt.[15] Grundsätzlich aber gibt es folgende Qualitätsklassen: ultrafine: unter 16,9 Mikrometer; superfine: 17–18,9 Mikrometer; fine: 19–21,9 Mikrometer; medium: 22–23 Mikrometer; strong: 24–25 Mikrometer.[16]
Crossbredwolle ist mittelstapelig, mittelfein, nicht so weich und weniger stark gekräuselt als Merinowolle. Sie stammt von Crossbredschafen, einer Kreuzung aus Merino- und Grobwollschaf. Die Crossbredwolle wird sowohl in der Oberbekleidung als auch bei Heimtextilien eingesetzt. Die Faserfeinheit reicht von 24 bis über 40 Mikrometer.
Cheviotwolle ist eine langstapelige, grobe und derbe, eher glänzende Wolle. Sie ist eher wenig oder nicht gewellt. Sie stammt vom Cheviot-Schaf. Einsatzgebiete sind z. B. die Teppichindustrie oder technische Anwendungen (Dämm-Material, Bezugsstoffe), aber auch Tweed.
Weiterverarbeitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für eine textile Nutzung werden direkt nach oder auch während der Schur minderwertige und verschmutzte Teile aussortiert (Bauch, Bein, Kopf und Hintern). Dazu wird das gesamte Vlies im ersten Verarbeitungsschritt auf einem Sortiertisch ausgebreitet und in Augenschein genommen. Das hochwertige Vlies wird zusammengelegt und für die weitere Verarbeitung gesammelt und verpackt.
Danach wird die Wolle schonend gewaschen, gekämmt/kardiert, gefärbt oder gebleicht und häufig maschinell zu Kammgarn (seltener zu Streichgarn) oder per Hand (meist mit einem Spinnrad) versponnen. Die so entstandenen Fäden lassen sich dann zu Stoffen weben, zum Stricken (Strickwaren) und Trikotagen verwenden oder werden von Hand oder maschinell zu Teppichen geknüpft. Die gereinigte und gekämmte Wolle kann auch zu Filz, einem Vliesstoff, verarbeitet werden.
Um der Wolle Eigenschaften zu verleihen, die sie von Natur aus nicht hat, wird sie ausgerüstet. Einige dieser Ausrüstungen verleihen ihr z. B. Mottensicherheit, Filzfreiheit (Hercosett-Verfahren), Maschinenwaschbarkeit (EXP-Verfahren) usw.

Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wolle wird vor allem zu Garnen mit 100 % Wollanteil oder in Mischungen mit anderen Fasern versponnen. Sie kann auch für Matratzen oder als natürliche Wärmedämmung verwendet werden (Schafwolle als Dämmstoff). Sie wird deshalb auch heute noch zu technischen Textilien (Brandschutz, Arbeitskleidung) verarbeitet. Auch Teppiche und Sitzbezüge in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Flugzeugen, Bahnen oder Bussen bestehen aus Wolle. Die Neuentwicklung von hochwirksamen Düngepellets aus unbehandelter Rohschafwolle für alle Gartenfreunde, Gartenbaufachbetriebe und den ökologischen Landbau ergänzen die Verwendungsmöglichkeiten des Naturproduktes Schafwolle.
Spezielle Stoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tweed ist ein besonders grober, warmer und dauerhafter Wollstoff. Original Harris Tweed kommt von den Äußeren Hebriden. Bekannte italienische Webereien von hochwertigen Wollstoffen sind u. a. Cerruti, Zegna, Scabal, Fratelli (Marzotto Group), Guabello und Loro Piana.
Die Bezeichnungen wie „Super 100“, „Super 120“ etc. findet man auf jedem besseren Anzug aus Schurwolle. Es sollte auf dem Label des jeweiligen Stoffherstellers angebracht sein. Es bezeichnet die Feinheit des versponnenen Wollgarns, z. B. Super 100 bedeutet: 100 Meter des Garns wiegen 1 Gramm. Je höher die Zahl, desto feiner das Garn, derzeit (2005) werden bis Super 210 für sehr feine und sehr teure Stoffe verarbeitet. Die Bezeichnung ist aber nicht geschützt, so dass ebenso auf renommierte Stoffhersteller zu achten ist.
Sekundärprodukte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schafwolle enthält das Wollwachs Lanolin. Üblicherweise wird es vor der Verarbeitung entzogen, um es später der gereinigten und veredelten Wolle wieder hinzuzufügen oder in der Kosmetik- und Textilindustrie für andere Zwecke zu gebrauchen. So ist zum Beispiel in Babypflegecremes wie Penaten Lanolin enthalten.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Fischer, Hugo Rieder, Regina Kuhn (Fotos), Fridhelm Volk (Fotos): Gutes vom Schaf. Wolle, Leder, Fleisch, Milch, Käse. Ulmer, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8001-4375-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Schafwolle im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Materialarchiv: Schafwolle – Materialinformationen und Bilder
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Paul-August Koch, Günther Satlow: Großes Textil-Lexikon: Fachlexikon für das gesamte Textilwesen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965, Bd. L-Z, S. 295.
- ↑ Elena A. Nikulina, Ulrich Schmölcke: The first genetic evidence for the origin of central European sheep (Ovis ammonf. aries) populations from two different routes of Neolithisation and contributions to the history of woolly sheep. In: Wolfram Schier, Susan Pollock (Hrsg.): The Competition of Fibres: Early Textile Production in Western Asia, South-east and Central Europe (10,000-500 BC). Ancient Textiles 36, Oxbow Books, 2020
- ↑ Katharina von Kurzynski: "... und ihre Hosen nennen sie 'bracas'": Textilfunde und Textiltechnologie der Hallstatt- und Latènezeit und ihr Kontext (= Internationale Archäologie. Nr. 22). M. Leidorf, Espelkamp 1996, ISBN 3-924734-40-2, S. 20–22.
- ↑ Gabriela Russ-Popa: Der Gebrauch von Schaffell in der mitteleuropäischen urgeschichtlichen Bekleidung. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, Serie A, 120, Wien 15. Januar 2018, S. 157–176 (zobodat.at [PDF]).
- ↑ Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. Theiss Verlag, Stuttgart 1994.
- ↑ Miles Dillon, Nora K. Chadwick: Die Kelten. Von der Vorgeschichte bis zum Normanneneinfall (= Kindlers Kulturgeschichte). Parkland Verlag, Köln 2004, ISBN 3-89340-058-3, S. 196 f.
- ↑ The New Encyclopædia Britannica: in 32 volumes. 15. Auflage. Encyclopaedia Britannica Inc, Chicago 1994.
- ↑ S. Fischer-Fabian: Die ersten Deutschen. Droemer Knaur Verlag, Locarno 1975, ISBN 3-85886-043-3, S. 191, 193.
- ↑ Jerusalemer Bibellexikon (= Hänssler-Lexikon). 4. Auflage. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1998, ISBN 3-7751-2367-9, S. 882.
- ↑ Klaus Koch, Eckart Otto, Jürgen Roloff, Hans Schmoldt (Hrsg.): Das Lexikon zu Bibel. Altes und Neues Testament. tosa Verlag, Wien 2004, S. 550.
- ↑ Cristiane Gonçalves Titto, Cecília José Veríssimo, Alfredo Manuel Franco Pereira, Ana de Mira Geraldo, Luciana Morita Katiki, Evaldo Antonio Lencioni Titto: Thermoregulatory response in hair sheep and shorn wool sheep. In: Small Ruminant Research, Bd. 144, 2016, S. 341–345, doi:10.1016/j.smallrumres.2016.10.015.
- ↑ A. B. D. Cassie: Absorption of water by wool. In: Transactions of the Faraday Society, Bd. 41, 1945, S. 458–464.
- ↑ J. D. Leeder, A. J. Pratt, I. C. Watt: Wool–polymer systems: Effect of vinyl polymers on water absorption. In: Journal of Applied Polymer Science, Bd. 11, Nr. 9, 1967, S. 1649–1659, doi:10.1002/app.1967.070110905.
- ↑ Ergebnisse der Marktbefragung zum Thema Mulesing Vier Pfoten, Juli bis Oktober 2020 (PDF; 659 kB)
- ↑ H.E. Schiecke: Wolle als textiler Rohstoff. 2. Auflage. Schiele & Schön, Berlin 1987, ISBN 3-7949-0446-X. S. 18 ff.
- ↑ Eigenschaften von Merinowolle | Kaipara. Abgerufen am 7. Dezember 2025 (deutsch).