Schafwolle als Dämmstoff

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Schafwolle
Wool.www.usda.gov.jpg
Herkunft
Rohstoffe Schafwolle
Primärenergieverbrauch (Herstellung) 70-80 kWh/m3
Materialeigenschaften
Wärmeleitzahl λ 0,040
Spezifische Wärmekapazität c 1300 J/(kg × K)
Rohdichte ρ 20-25 kg/m3
Dampfdiffusionswiderstand μ 1-2
Einsatz
Einsatzbereiche zwischen Sparren/ konstruktiven Hölzern;
Hohlräume, Rohrleitungen, Fugen;
Trittschalldämmung
Materialkosten ca. 75-100 €/m3
für U-Wert=0,2 W/m2K

Schafwolle kann - neben der bekannten Verwendung für Textilien - auch als Naturdämmstoff verwendet werden. Seit langem schon wird sie in dieser Funktion z. B. in Neuseeland eingesetzt, hat sich jedoch mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum etabliert, wenngleich ihr Marktanteil hier unter 0,5 % liegt. Sie weist eine spezielle Kombination baulicher Eigenschaften auf, die ihr Einsatzgebiet als Dämmstoff auf Sonderfälle begrenzen.

Herstellung[Bearbeiten]

Zur Herstellung von Dämmstoffen wird derzeit im deutschsprachigen Raum ausschließlich europäische und bevorzugt regional anfallende Schafwolle gebraucht [1], sie werden aus Schafschurwolle in Form von Matten oder Stopfwolle hergestellt. Nach der ersten Aufbereitung durch Waschen, Entfetten und pH-Wert-Neutralisierung wird die Wolle im Feinöffner vermischt und von Fremdstoffen gereinigt. Abschließend wird sie kardiert, das dabei entstandene Vlies kreuzweise übereinander gelegt, in der Vernadelmaschine mechanisch vernadelt und anschließend zurechtgeschnitten. Schnittabfälle werden recycelt. [2]

In Neuseeland, neuerdings auch in der Schweiz/Deutschland werden während der Produktion zur Stützung des Gewebes Polyesterfasern beigemischt.[3]

Da Schafwolle anfällig ist gegen den Befall durch Kleidermotten, muss sie zum Schutz vor diesen behandelt werden. Zum einen kann dies durch Natriumborat geschehen, das zugleich den Vorteil besitzt, flammhemmend zu wirken. Da diese sich jedoch nach einigen Jahren aus dem Material verlieren, wird es heutzutage mit Naturkautschuk an die Wolle fixiert. Aufgrund der Kategorisierung von Boraten als reproduktionstoxisch wird mittlerweile von der Verwendung jedoch abgegangen [1]. Als Alternative besteht die Möglichkeit, die Wolle vor der Auslieferung mit Sulcofuron zu behandeln (Handelsname Mitin FF), neuerdings auch mittels Thorlan IW. Andere Optionen sind der Gebrauch von Harnstoffderivaten oder Zirkonsalz [3]. [2]

Technische Eigenschaften[Bearbeiten]

Schafwolle weist einen WLG-Wert von 040 auf, ähnlich wie Holzfaser, Zellulose, Steinwolle oder auch Polystyrol. Mit einer Wärmekapazität von 1300 J/(kg × K) speichert es Wärme gut [4]. Der Dampfdiffusionswiderstand ist mit 1 bis 2 vergleichsweise gering. Es wird in die Baustoffklasse B2 bzw. E eingestuft, ist also normal entflammbar [3], die Entzündungstemperatur liegt zwischen 580 und 600 °C, flammhemmend wirkt der hohe Stickstoffgehalt[2].[5]

Ungewöhnlich ist die schadstoffsanierende Wirkung von Schafwolle als Dämmstoff. Schafwolle stellt aufgrund ihrer Herkunft und Faserstruktur ein Medium zum Abbau von Formaldehyd und ein effizientes Sorbens zur langfristigen Bindung von zahlreichen weiteren Aldehyden sowie weiteren schädlichen Stoffen wie z.B. Toluol aus der Raumluft dar. [6], [7]

Schafwolle ist außerordentlich elastisch und bricht erst bei über 20.000 mal Knicken. Sie kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und reduziert ihre dämmenden Eigenschaften erst bei einem Wasseranteil von mehr als 16 Gewichtsprozent[2].

Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Beim Hausbau kann man sowohl Dach, Wände und Decke als auch die Außenfassade mit Schafwolle dämmen. Außerdem ist es besonders geeignet für die Dämmung technischer Anlagen wie Kühl-, Klima- und Lüftungsanlagen. Bei ersteren dient sie besonders der Wärmedämmung, bei den letzteren eher der Schalldämmung. Sie eignet sich auch für die Dämmung bei bewegten oder regelmäßig belasteten Teilen, weil die Fasern flexibel sind. Für die Perimeterdämmung ist Schafwolle jedoch ebenso wie die anderen Naturdämmstoffe ungeeignet.[2]

Marktbedeutung[Bearbeiten]

Zwar hat sich Schafwolle in Deutschland als Wärmedämmstoff etabliert, der Marktanteil im Dämmstoffmarkt liegt jedoch bei weniger als 0,5 %. Aufgrund der speziellen Kombination baulicher Eigenschaften, die ihr Einsatzgebiet als Dämmstoff auf Sonderfälle begrenzen und der Konkurrenz durch den Gebrauch als Rohstoff für Textilien wird der Marktanteil aller Voraussicht nach auch in Zukunft kaum 1 % übersteigen [3]. Im Marktsegment der Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hat sie einen Marktanteil von 4 % [8]. Mit Materialkosten von rund 75-100 €/m3 bei einem Wärmedurchgangskoeffizient von 0,2 W/m2K ist Schafwolle zudem teurer als herkömmliche Dämmstoffe oder Naturdämmstoffe mit gleicher Dämmwirkung[5].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eintrag Schafwolle-Dämmstoffe in: WECOBIS – Ökologisches Baustoffinformationssystem beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Online, Zugriff am 14. Februar 2009
  2. a b c d e Jörg Brandhorst, Josef Spritzendorfer, Kai Gildhorn, Markus Hemp: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (Hrsg.), 2009, S. 30 ff., PDF Online
  3. a b c d W. Eicke-Hennig: Dämmstoffe aus Altpapier oder Naturfasern – (k)eine Alternative? In: Bauthema Naturdämmstoffe, 2006, ISBN 3-8167-6916-0, S. 16–30
  4. B. Mühlethaler, S. Haas: Stärken, Hürden und Chancen von Naturdämmstoffen In: Bauthema Naturdämmstoffe, 2006, ISBN 3-8167-6916-0, S. 9–10
  5. a b Ingo Gabriel und Heinz Ladener (Hrsg.), 2008: Vom Altbau zum Niedrigenergie- und Passivhaus. Ökobuch-Verlag. S. 74-75, ISBN 9783936896329
  6. Robert Sweredjuk, Gabriele Wortmann, Gerd Zwiener, Fritz Doppelmayer: Schafwolle als reaktives Sorbens für Luftschadstoffe im Innenraum – Teil 1 Aldehyde, Studie des Deutschen Wollforschungsinstituts an der Universität Aachen, PDF Online
  7. Stefan Thomé: Untersuchungen zur Sorption von Innenraum-Luftschadstoffen durch Wolle, Dissertation, 2006, PDF Online
  8. Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche Band 26, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. 2008, S. 180