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Schamal Kurdufan

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Schamal Kurdufan
LibyenZentralafrikanische RepublikTschadÄgyptende-facto Ägypten - vom Sudan beanspruchtde-facto Ägypten - weder von Sudan noch von Ägypten beanspruchtSüdsudanEritreaÄthiopiende-facto Sudan (vom Sudan als Teil von Dschanub Kurdufan beansprucht - vom Südsudan beansprucht)Gharb DarfurDschanub DarfurDschanub Kurdufanan-Nil al-azraqSannar (Bundesstaat)al-Dschazira (Bundesstaat)al-Qadarif (Bundesstaat)an-Nil al-abyadal-ChartumKassalaNahr an-Nilal-Bahr al-ahmarSchamal Kurdufanasch-SchamaliyyaSchamal DarfurWasat DarfurScharq Darfur
Basisdaten
Hauptstadt: al-Ubayyid
Fläche: 186.148,7 km²
Einwohner: 2.216.200 (Projektion 2018)
Bevölkerungsdichte: 11,9 Einwohner pro km²
ISO 3166-2: SD-KN

Schamal Kurdufan (arabisch شمال كردفان, deutsch Nord-Kurdufan oder Nordkordofan) ist ein Bundesstaat im Sudan.

Er hat eine Fläche von 186.148,7 km²[1][2] und 2.216.200 Einwohner (Berechnung 2018).[3] Seine Hauptstadt ist al-Ubayyid. Zu den weiteren Städten zählen Bārā, ar-Rahad, Umm Badr und Umm Rawāba.

Satellitenbild des Umm-Badr-Sees und der am Westufer gelegenen Stadt Umm Badr (NASA World Wind, 2018)
Berge südöstlich von al-Ubayyid
Markt in al-Ubayyid (2022)

Der Bundesstaat grenzt im Norden an asch-Schamaliya, im Nordosten an al-Chartum, im Osten an an-Nil al-Abyad, im Süden an Dschanub Kurdufan, im Südwesten an Gharb Kurdufan und im Westen an Schamal Darfur.[1] Die Vegetation besteht vorwiegend in Dornstrauchsavanne.

Schamal Kurdufan liegt im Südosten der Sahara. Im Norden befindet sich in asch-Schamaliyya nahe der Grenze zu Schamal Kurdufan das sich von Südwest nach Nordost erstreckende Gebirgsplateau Gebel al-Ain. Südlich an diesem vorbei verläuft ebenfalls in Südwest-Nordost-Richtung das Wadi el-Melek, das außerhalb von Schamal Kurdufan bei ad-Dabba in den Nil mündet. Im Einzugsgebiet des Wadis befindet sich der Umm-Badr-See an dessen Westufer die gleichnamige Stadt Umm Badr liegt. Der See und seine Umgebung wird von BirdLife International als Important Bird Area (IBA, „wichtiges Vogelgebiet“) gelistet, im dem beispielsweise die von der IUCN („Weltnaturschutzunion“) als gefährdet eingestufte Nubiertrappe und die als potentiell gefährdet eingestufte Arabientrappe vorkommt.[4] Ein weiteres Wadi ist das Wadi Muqaddam im Nordosten des Bundesstaats. Aufgrund von Bodenproben wird vermutet, dass durch dieses früher der Weiße Nil floss. Die Region Kurdufan verfügt über vier Hauptgrundwasserleiter. Das Grundwasser liegt zwischen 241 und 310 Metern Tiefe. Es wird vor allem für den menschlichen Konsum und die Tränkung von Vieh verwendet.[5.1]

Im äußersten Südosten des Bundesstaats südlich des Straßenabschnitts von ar-Rahad über Umm Rawāba bis zum Weißen Nil bei Kusti liegt das Khor-Abu-Habil-Binnendelta (englisch Khor Abu Habil Inner Delta), ein seit dem 10. April 2022 ausgewiesenes international bedeutendes Feuchtgebiet der Ramsar-Konvention. Während der Regenzeit zwischen Juli und Oktober entstehen inmitten der Dünen Hunderte von temporären Tümpeln (sog. „mayas“). Das ohne große landwirtschaftliche Erschließung relativ natürlich verbliebene Gebiet umfasst zudem einige Waldreste und ist ein wichtiger Lebensraum für Wasservögel. Auch einige gefährdete Vogelarten wie der jeweils als vom Aussterben bedroht eingestufte Steppenkiebitz und Sperbergeier kommen hier vor.[6]

Die Regenzeit in Schamal Kurdufan geht von Juni bis September. Der jährliche Gesamtniederschlag liegt zwischen durchschnittlich 100 Millilmetern im Norden und 350 Millimetern im Süden, kann jedoch von Jahr zu Jahr stark variieren.[7] Das Gebiet ist anfällig für wiederkehrende Dürren, Bodendegradation und Hungersnöte. Besonders schwere Auswirkungen hatte die Hungersnot von 1983 bis 1985, die insbesondere Umm Rawāba betraf, wo im Jahr 1984 lediglich 70 Millimeter Regen fielen.[8]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für al-Ubayyid
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Tagesmax. (°C) 30,9 32,6 36,0 38,6 39,0 37,3 33,4 31,5 33,8 36,5 34,3 31,3 34,6
Mittl. Tagesmin. (°C) 13,1 14,4 17,7 20,9 23,9 24,0 22,7 21,8 21,5 21,4 17,9 14,2 19,5
Niederschlag (mm) 0 0 0 3 20 33 121 145 77 19 0 0 Σ 418
Sonnenstunden (h/d) 10,4 10,5 9,8 10,1 10,1 8,2 6,8 6,8 8,1 9,6 10,7 10,6 9,3
Regentage (d) 0 0 0 0 2 4 9 11 7 3 0 0 Σ 36
Luftfeuchtigkeit (%) 24 19 15 16 26 40 61 71 61 38 25 26 35,3
Quelle: wetterkontor.de (Daten 1961 – 1990)
Einwohnerzahlen[3]
Jahr Typ Einwohner
1993 Zensus 1.327.066
2008 Zensus 2.039.495
2018 Projektion 2.216.200
Einwohnerzahlen einzelner Städte in Schamal Kurdufan[3]
Jahr Typ al-Ubayyid
الأبيض
Umm Rawāba
أم روابة
ar-Rahad
الرهد
1973 Zensus 90.073 19.713 14.444
1983 Zensus 137.582 34.669 16.341
1993 Zensus 229.425
2008 vorläufiges

Zensusergebnis

345.126 56.833 36.518

Verwaltungsgliederung

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Distrikte in Schamal Kurdufan (Nummerierung entsprechend Tabelle links)

Der Bundesstaat teilt sich in acht Distrikte:[1]

Deutsch Englisch Arabisch Fläche [km²]
16.1 ar-Rahad Ar Rahad الرهد 5.674,8
16.2 Bārā Bara بارا 11.563,6
16.3 Dschabrat asch-Scheich Gebrat Al Sheikh جبرة الشيخ 50.968,2
16.4 Gharb Bārā Gharb Bara غرب بارا 11.280,2
16.5 Scheikān Sheikan شيكان 8.407,6
16.6 Sūdari Soudari سودري 81.591,2
16.7 Umm Dam Hādsch Ahmed Um Dam Haj Ahmed أم دم حاج أحمد 4.992,3
16.8 Umm Rawāba Um Rawaba أم روابة 11.671,3
Der Tod von William Hicks, Befehlshaber der ägyptischen Truppen in der Schlacht von Scheikan, nach einer Illustration von Robert Talbot Kelly aus dem Buch Feuer und Schwert im Sudan von Rudolf Slatin
Postkarte von Kamelen an einer Tränke bei al-Ubayyid in den 1960er Jahren
Im Oktober lokal geerntete Hirse im Distrikt Bārā (2023)

Archäologische Stätten

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Rund 50 Kilometer westlich des Wadi el-Melek befindet sich beispielsweise die 1923 erstmals von Douglas Newbold erforschte Runinenstätte Abu Sufyan. Bei dieser handelte es sich um eine überwiegend aus Lehmziegeln gebaute Siedlung, die etwa auf die Zeit um Christi Geburt datiert wurde. Weitere archäologische Stätten finden sich entlang des Gebel al-Ain.

Schlachten im Mahdi-Aufstand

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Während des von 1881 bis 1899 dauernden Mahdi-Aufstands gegen die ägyptische Herrschaft in den Sudan-Provinzen kam es zu mehreren bedeutenden Schlachten und Belagerungen auf dem heutigen Gebiet der Provinz Schamal Kurdufan, darunter:

  • 8. Sep. 1882: Schlacht von al-Ubayyid, vergeblicher Versuch der Mahdisten die Stadt al-Ubayyid im Sturm zu nehmen
  • 5. bzw. 17. Januar 1883: Kapitulation der Städte Bārā bzw. al-Ubayyid nach Belagerung durch die Mahdisten
  • 3. bis 5. Nov. 1883: Schlacht von Scheikan: Vernichtung einer ägyptischen Armee unter dem Befehl von William Hicks mit Ziel der Rückeroberung von al-Ubayyid südlich der Stadt durch eine Armee der Mahdisten

Gebietsänderungen

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Von 1919 bis 1974 gehörte das Gebiet des heutigen Bundesstaates Schamal Kurdufan zur Provinz Kurdufan. 1974 wurde diese Provinz in die beiden Provinzen Schamal und Dschanub Kurdufan gespalten. Von 1991 bis 1994 gehörte das Gebiet von Schamal Kurdufan wieder zum neu geschaffenen Bundesstaat Kurdufan, der in den Grenzen der Provinz Kurdufan von 1919 bis 1974 glich. Am 14. Februar 1994 wurde Kurdufan in die drei Bundesstaaten Schamal, Dschanub und Gharb Kurdufan eingeteilt.[2] Gharb Kurdufan wurde 2005 wieder aufgelöst und zwischen Nord- und Südkordofan aufgeteilt. Im Juli 2013 wurde der Bundesstaat Gharb Kurdufan jedoch wieder eingerichtet.[9]

In Folge des 2023 ausgebrochenen Krieges im Sudan und der daraus resultierenden Flüchtlingskrise entstanden auch in Schamal Kurdufan mehrere Lager für Binnenvertriebene. Eines der beiden größten Lager in al-Ubayyid ist das im Nordosten der Stadt gelegene Al Mina Al Bari IDP camp mit Stand Mai 2026 rund 30.000 Binnenvertriebenen.[10] Stand März 2026 gab es laut der Displacement Tracking Matrix (DTM) der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 231.000 Binnenvertriebene im Bundesstaat.[11]

Anzahl Binnenvertriebene in Nord-Kurdufan[12]
Distrikt Mai 2023 Mai 2024 Mai 2025 Mai 2026
ar-Rahad 5.457 42.763 42.338 43.997
Bārā 1.501 32.225 36.734 14.723
Dschabrat asch-Scheich 869 7.283 8.403 8.553
Gharb Bārā 3.845 8.036 9.200 11.132
Scheikān 4.357 43.277 49.408 105.722
Sūdari 1.959 3.968 3.968 3.968
Umm Dam Hādsch Ahmed 1.840 15.156 15.156 12.289
Umm Rawāba 3.695 41.916 38.209 33.982

Nach Befürchtungen, dass sich ein Massaker wie in al-Fāschir in al-Ubayyid wiederholen könnte, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am 20. Juni 2026 eine Erklärung, in der die Mitglieder ihre Besorgnis über die „unmittelbare Gefahr von Massenverbrechen“ zum Ausdruck brachten und von den Rapid Support Forces (RSF) forderten, ihren Angriff auf die Stadt unverzüglich einzustellen.[13][14] Auch sieben europäische Länder forderten die RSF am 23. Juni in einer gemeinsamen Erklärung auf, ihren Angriff auf die unter Kontrolle der Sudanesischen Streitkräfte (SAF) stehende Stadt zu beenden.[15]

Die produktivsten Landwirtschaftsflächen finden sich im Osten des Bundesstaats, während in der Halbwüste im Westen Vieh gehalten wird. Aufgrund der langen Trockenzeiten arbeiten Haushalte mit geringerem Einkommen üblicherweise von April bis Dezember in der Landwirtschaft und Lohnarbeit. Außerhalb dieses Zeitraums verfolgen sie zur Sicherung ihres Lebensunterhalts verschiedene nicht-landwirtschaftliche Tätigkeiten, wie etwa Gelegenheitsjobs in städtischen Zentren oder die Goldgewinnung in weiter entfernten Gebieten. Menschen mit höherem Einkommen leben im Allgemeinen von Vieh- und Einzelhandel.[7] Traditionell werden im Winter von Oktober bis April auch die einheimischen Gummiarabikumbäume für die Gewinnung von Gummi arabicum angezapft, wobei sich die Nordgrenze der Bäume und damit die Produktion seit den 1950er Jahren von 15° N weiter nach Süden auf 13° 45' N verschoben hat (Stand 2003). Da die Bäume in der Region als natürlicher Dünger dienen, wirkt sich dies auch auf die Landwirtschaft in den nördlichen Regionen aus.[8][5.2]

Die Pipeline, die die weiter südlich gelegenen Ölfelder mit dem Hafen von Bur Sudan verbindet, verläuft über Schamal Kurdufans Hauptstadt al-Ubayyid nach Khartum.

Helikopter der Vereinten Nationen am Flughafen al-Ubayyid (2007)

Bei al-Ubayyid befindet sich der gleichnamige Flughafen al-Ubayyid. Die Stadt liegt zudem an wichtigen Land- und Fernstraßen. Die wichtigste verläuft in Ost-West-Richtung. Richtung Westen führt sie über al-Fāschir nach al-Dschunaina in Gharb Darfur (West-Darfur) bis an die Grenze zum Tschad und Richtung Osten über Umm Rawāba bis Kusti am Weißen Nil. Richtung Nordosten führt eine Straßenverbindung über Bārā nach Omdurman.[16][17] Die Straßen und der Verkehr im Sudan wurden jedoch durch den Krieg seit April 2023 und die damit einhergehende verschlechterte Sicherheitslage und Beschädigung, den Treibstoffmangel und weitere Engpässe stark beeinträchtigt.[18]

Commons: Schamal Kurdufan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. 1 2 3 Sudan - Subnational Administrative Boundaries. In: data.humdata.org. OCHA, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  2. 1 2 www.statoids.com: Historische Übersicht der sudanesischen Bundesstaaten
  3. 1 2 3 Sudan. In: citypopulation.de. Abgerufen am 6. November 2025.
  4. Site factsheet: Um Badr lake. In: datazone.birdlife.org. BirdLife International, 2026, abgerufen am 26. Juni 2026 (englisch).
  5. Sudan's First National Communications – Volume II, Section 4: Water Resources. (PDF; 5,98 MB) In: unfccc.int. Higher Council for Environment and Natural Resources, Ministry of Environment & Physical Development, Republic of the Sudan, Februar 2003, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
    1. S. 113
    2. S. 70
  6. Khor Abu Habil Inner Delta. In: Ramsar Sites Information Service rsis.ramsar.org. Abgerufen am 2. Juli 2026 (englisch).
  7. 1 2 Situation in North Kordofan. (PDF; 633 KB) UNICEF, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  8. 1 2 Mustafa M. Khogali: Famine, Desertification and Vulnerable Populations: The Case of Umm Ruwaba District, Kordofan Region, Sudan. In: Ambio. Band 20, Nr. 5, 1991, S. 204–06, JSTOR:4313823 (englisch).
  9. OCHA Sudan: West Kordofan State Profile (Updated September 2022). OCHA, 25. September 2022, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
  10. Alminaa Albari IDPs Site Fact Sheet. (PDF; 375 KB) In: ReliefWeb. Global Camp Coordination and Camp Management Cluster, 24. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
  11. Protection cluster note- North Kordofan, Sudan. (PDF; 467 KB) In: globalprotectioncluster.org. 8. Mai 2026, abgerufen am 9. Juli 2026 (englisch).
  12. Displacement Tracking Matrix | DTM Sudan. Internationale Organisation für Migration, abgerufen am 9. Juli 2026 (englisch).
  13. UN warns of an 'imminent risk of mass atrocities' in Sudan's Kordofan. Radio France Internationale, 22. Juni 2026, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  14. Security Council Press Statement on Sudan. SC/16392. In: press.un.org. Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 20. Juni 2026, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  15. Seven European countries urge ‘immediate halt’ to Sudan violence. Radio France Internationale, 24. Juni 2026, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  16. 2.3 Sudan Road Network. In: lca.logcluster.org. Logistics Cluster, archiviert vom Original am 15. Mai 2025; abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
  17. Magdi Zumrawi: Assessing the Pavement Quality of National Roads in Sudan. In: University of Khartoum Engineering Journal. Band 11, Nr. 1, 2021 (englisch, researchgate.net [abgerufen am 25. Juni 2026]).
  18. 2.3 Sudan Road Network. In: lca.logcluster.org. Logistics Cluster, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).

Koordinaten: 14° 30′ N, 30° 0′ O