Schapdetten

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Schapdetten
Gemeinde Nottuln
Koordinaten: 51° 56′ 9″ N, 7° 24′ 47″ O
Höhe: 105 m
Fläche: 2,29 km²
Einwohner: 1348 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 589 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 48301
Vorwahl: 02509
Schapdetten (Nordrhein-Westfalen)
Schapdetten

Lage von Schapdetten in Nordrhein-Westfalen

Schapdetten
Schapdetten
Pfarrkirche St. Bonifatius

Der Ort Schapdetten ist ein Ortsteil der Gemeinde Nottuln im Kreis Coesfeld, Nordrhein-Westfalen. Das Wahrzeichen des Dorfes ist der Treppenturm der katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius. Derzeit leben in Schapdetten etwa 1350 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schapdetten liegt am Südwesthang der das Münsterland durchziehenden Hügelgruppe der Baumberge nahe dem Oberlauf der Stever.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schapdetten grenzt an die Orte Havixbeck, Bösensell, Appelhülsen und Nottuln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schapdetten befand sich ein aus dem Besitz des sächsischen Edelherren und Stifters Everword (* ca. 810, † 3. Mai 863) und seiner Frau Geva stammender Hof, der an das Kloster Fulda gefallen war. Der Legende nach soll der heilige Bonifatius auf seiner Missionsreise nach Friesland im Jahr 753 die Urgroßeltern des Stifters getauft haben.

Um 1122 wurde der Ort als Eigenkirche des Klosters Fulda gegründet.

Die Pfarrkirche St. Bonifatius ist eines der ältesten Bonifatius-Patrozinien im Bistum Münster. Im Münsterland trägt nur noch das ehemalige Damenstift Freckenhorst dieses Patrozinium.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schapdetten hieß ursprünglich Thetton. Der Name Thetton geht aus einer vom Bischof Siegfried von Münster (Amtszeit 1022 bis 1032) stammenden Urkunde hervor. Aus Thetton wurde zunächst Detten. Der alte Ortsname Detten findet sich in der westfälischen Mundartliteratur[2] und wird auch heute noch in Straßen- und Flurnamen wie z. B. Detterbach, Detter Berg (182 m ü. NHN), Detterfeld, und Detterheide gebraucht. Wohl zur Unterscheidung zum Ort Emsdetten, der früher ebenfalls Detten hieß, wurde aus Detten später Schapdetten. Der Ortsname Schapdetten ist zuerst im Jahr 1230 dokumentiert. Die Unterscheidungssilbe „Schap“ ist das „Schaf“, das in Orts- und Flurnamen häufig vorkommt. In Behörden fand sich häufig die Schreibweise „Schafdetten“, woraus der westfälische Dialekt dann Schapdetten formte.

Burg Lughenborg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter, vor dem erst neuzeitlichen Anbau der Kötter und sonstigen Kleinsiedler, bestand die Bauerschaft aus den - insgesamt spätestens vom 14. Jahrhundert ab belegbaren, heute noch bestehenden - Höfen Schulte Detten, Schulte Greving, Hummeling und Spork; dazu kam noch der Wedemhof, die Pastorat.

Zum Hof Hummeling gehörte ein Grundstück oben auf dem Detterberg, das Burghohl hieß. Auf dem dortigen Luggenkamp stand die mit einem Graben umgebene Lughenborg. In einer Katasterurkarte von 1826/27 im Katasterarchiv der Regierung Münster lautet der Name Lungenberg.[3] [4]

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die kommunale Neugliederung, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurde die davor selbstständige Gemeinde in die Gemeinde Nottuln eingegliedert.[5]

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Detter Berg bei Schapdetten sitzt der Grinkenschmied und schmiedet Pflugeisen, beschlägt die Pferde, liefert überhaupt alle Schmiedearbeit, erhält jedoch dafür keine Bezahlung, sondern nur einen Braten; besonders leiht man für diesen Lohn seinen Bratspieß bei Hochzeiten. Einmal ist das auch geschehen, und als nun die Hochzeit vorüber ist, schickt der Bauer seinen Knecht mit Spieß und Braten zurück zu Grinkenschmied; der Knecht aber frißt den Braten unterwegs auf, und als nun Grinkenschmied sagt: „Dat is mien Spitt, aower wao is mien Braoden?“, antwortet der Knecht frischweg: „Dao weet ik niks van af.“ Da ist Grinkenschmied zornig geworden und hat gerufen: „Wahr di, ik sall mien Braoden wull kriegen.“ Als das der Knecht, welcher zu Pferde war, hörte, hat er sich eiligst davongemacht; aber als er zu Hause ankam, war seinem Pferde ein großes Stück aus dem Batzen gerissen; das war Grinkenschmied's Braten.[6][7]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tilbecker Mordkreuz
Schutzengel am Pfarrheim St. Bonifatius

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lotte Bach (1908–1995), Stickerin und Paramentikerin
  • Michelle Barthel (* 1993), Schauspielerin
  • Karl-Heinz Metzger (1927–2013), Maler und Bildhauer
  • Walter Pinsdorf (* 1926), Zoologe und Bienenkundler
  • Heinrich Wesselinck († 1965), Pfarrrektor und Ehrenbürger von Schapdetten[9]
  • Eberhard Zwirner (1899 bis 1984), Mediziner und Phonetiker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Bauermann: Ein westfälischer Hof des Klosters Fulda und seine Kirche. In: Aus Mittelalter und Reformation. Festgabe für Ludwig Schmitz-Kallenberg. 1927, S. 56–112 (online [PDF; abgerufen am 19. Oktober 2015]).
  • Johannes Bauermann: Von der Elbe bis zum Rhein. Aus der Landesgeschichte Ostsachsens und Westfalens. Gesammelte Studien von Johannes Bauermann [NMünstBeitrrGForsch 11]. 1967, S. 247–284.
  • Jürgen Kehrer: Das Schapdetten-Virus. Grafit, 1997, ISBN 3-89425-205-7.
  • Wilhelm Kohl: Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst. In: Germania sacra. N.F. 10. Berlin, New York 1975 (Online in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schapdetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner in den Ortsteilen 2014
  2. G. Ungt (Ferdinand Westhoff): Twee Geschichten in Mönsters Platt: Ollmanns Jans in de Friümde un Ollmanns Jans up de Reise. Brunn, Münster 1861, An Kempers in Detten, S. 116 (Online in der Google-Buchsuche).
  3. Bauermann, Johannes: Ein westfälischer Hof des Klosters Fulda und seine Kirche. (Mit 1 Karte und 3 Tafeln). In: Bauermann, Johannes / Flaskamp, Franz / Krabbel, Gerta / Vollmer, Bernhard (Hrsg.): Festgabe für Ludwig Schmitz-Kallenberg zum 10. Juni 1927. Regensbergsche Buchhandlung und Buchdruckerei, Münster 1927, S. 56–112 (online [PDF; abgerufen am 19. Oktober 2015]).
  4. Tibus, Adolph: Gründungsgeschichte der Stifter, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereiche des alten Bisthums Münster mit Ausschluss des ehemaligen friesischen Theils. Band 1, Nr. 2. Friedr. Regensberg, 1867 (Online in der Google-Buchsuche).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 315.
  6. Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands, Zusammengestellt von Adalbert Kuhn. Hrsg.: Verlag Brockhaus. 1859, S. 84 (Online in der Google-Buchsuche).
  7. Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersburg und Leipzig 1930, S. 201–202.
  8. Sühnekreuze & Mordsteine (Hrsg.): Tilbeck. (HTML [abgerufen am 24. Juni 2009]).
  9. Mit Lambertus fing alles an - die Pfarrer von Schapdetten Auf: Westfälische Nachrichten Online vom 31. Juli 2009