Scharans

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Scharans
Wappen von Scharans
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Viamala
BFS-Nr.: 3638i1f3f4
Postleitzahl: 7412
Koordinaten: 754535 / 175856Koordinaten: 46° 42′ 58″ N, 9° 27′ 36″ O; CH1903: 754535 / 175856
Höhe: 760 m ü. M.
Fläche: 14.29 km²
Einwohner: 818 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 57 Einw. pro km²
Website: www.scharans.ch
Scharans

Scharans

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Scharans (rätoromanisch Scharons) ist eine politische Gemeinde in der Region Viamala des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden von Scharans sind Sils im Domleschg, Fürstenau, Almens und Vaz/Obervaz. Neben dem Dorf selbst gehören zu Scharans die Fraktionen Parnegl (dt. Parnell), Prin (836 m), Stufels und St. Agatha. Weiter gehört auch die Alp Danis zur Gemeinde. Der markanteste Berg auf Gemeindegebiet ist der Piz Scalottas (2323 m).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Scharans wurden Siedlungsfunde aus Bronze- und Eisenzeit gemacht. Eine ehemalige Burgstelle steht in Verbindung mit dem bischöflichen Grosshof. Um 1200 wurde agrum Schraunis, rätoromanisch Scharons erwähnt. Scharans war um 1250 zu Fuhrleistungen verpflichtet, am alten Schinweg Richtung Obervaz und Julierpass und Septimerpass befand sich eine Zollstätte. Eine eigene Pfarrei wurde 1410 erwähnt, das Marienpatrozinium 1451. Die Reformation wurde zwischen 1525 und 1530 unter Einfluss des Reformators Philipp Gallicius eingeführt. Von 1618 bis 1620 wirkte Jörg Jenatsch als reformierter Pfarrer in Scharans. 1709 wurden die letzten bischöflichen Herrschaftsrechte ausgekauft. Bis 1851 gehörte Scharans zur Gerichtsgemeinde Fürstenau. 1873 wurde der Fahrweg zur Talstrasse ausgebaut.[2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten von Silber (Weiss) und Schwarz, in Silber drei grüne Lindenblätter.

Der von Silber und Schwarz gespaltene Schild erinnert an Ulrich von Marmels und sein Wirken in Scharans, während die Lindenblätter für die mächtige Linde neben der Kirche stehen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich sprach die Bevölkerung Sutselvisch, eine Mundart des Bündnerromanischen. Bereits im 19. Jahrhundert setzte ein Rückgang dieser Sprache ein. Dennoch sprachen 1880 70 % und 1910 59 % der Einwohnerschaft Romanisch. In der Zwischenkriegszeit erfolgte der Sprachwechsel zum Deutschen. 1941 gaben bloss noch 30 % Romanisch als ihre Sprache an. Danach kam es zu einem raschen Niedergang des Romanischen bis 1970 (11 % Romanischsprachige). Dieser konnte für ein Jahrzehnt gebremst werden. Doch seit 1990 ist die Gemeinde beinahe einsprachig, wie folgende Tabelle belegt:

Sprachen in Scharans
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 484 82,59 % 628 89,46 % 782 95,72 %
Rätoromanisch 69 11,77 % 22 3,13 % 17 2,08 %
Italienisch 14 2,39 % 18 2,56 % 7 0,86 %
Einwohner 586 100 % 702 100 % 817 100 %

Deutsch ist heute einzige Behördensprache in Scharans. 5 % der Bewohner verstehen Romanisch.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 825 Bewohnern waren 791 Schweizer Staatsangehörige.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Gallicius (1504–1566), Reformierter Pfarrer, Reformator und Liederdichter, um 1530 in Scharans
  • Jörg Jenatsch (1596–1639), Bündner Politiker und Heerführer, Prädikant 1617–1618 und evangelischer Pfarrer 1628–1630 in Scharans
  • Linard Bardill (* 1956), Liedermacher und Schriftsteller

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.
  • Mathias Kundert: Der Sprachwechsel im Domleschg und am Heinzenberg (19./20. Jahrhundert). Kommissionsverlag Desertina, Chur 2007, ISBN 978-3-85637-340-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scharans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Jürg Simonett: Scharans. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Atelier Bardill
  4. Behindertenwohnheim Scalottas
  5. Gebäudekomplex Nrn. 36-38