Scharlatan

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Pietro Longhi: Der Scharlatan

Als Scharlatan wird eine Person bezeichnet, die vortäuscht, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen.[1] Als Scharlatanerie wird die Verhaltensweise beziehungsweise die Schwindelei eines Scharlatans bezeichnet.[2]

Begriffsherkunft und -geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Herkunft des Begriffs – häufige Synonyme sind Aufschneider, Schwindler, Hochstapler – wird eine Verschmelzung des Ortsnamens Cerreto und dem italienischen ciarlare (‚schwätzen‘) bzw. ciarla (‚Geschwätz‘) vermutet.[3] Die Cerretani, Einwohner des italienischen Städtchens Cerreto di Spoleto, standen im Mittelalter in dem schlechten Ruf, als Stadtstreicher durch die Gegend zu ziehen und arglosen Menschen mit Gaukeleien und Betrügereien das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dementsprechend wurde der Begriff Scharlatan bald zum Synonym für alles landfahrende Volk.

Der Historiker Johann Burckhardt Mencke latinisierte den volkstümlichen Begriff Scharlatan in seiner Veröffentlichung De Charlataneria Eruditorum („Charlatanerie der Gelehrten“) aus dem Jahr 1713. Diesem Werk ließ er eine weitere Reihe von Spezialveröffentlichungen folgen, nämlich über die Scharlatanerie der Ärzte (1717 und 1719), der Geistlichen (1735) und der Juristen (1742).

Pierer’s Universal-Lexikon definierte 1857 Charlatan als jemanden, der

„es versteht, sich den Schein von Gelehrsamkeit u. Weisheit zu geben u. durch niedere Mittel die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen sucht, besonders wird darunter ein Quacksalber verstanden, welcher sich durch Marktschreierei ankündigt. Ein literarischer Ch. ist ein Schriftsteller, der ohne gründliche Studien, die Arbeiten Anderer zu Plagiaten benutzt u. die Meinung des Publikums über seine Fähigkeiten u. Leistungen zu täuschen weiß. Daher Charlantanerie, Charlatanismus…“

– Pierer’s Universal-Lexikon[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oper Šarlatán des tschechischen Komponisten Pavel Haas wurde 1938 uraufgeführt; die literarische Vorlage dafür bildete Josef Wincklers Roman über den seinerzeit zu Unrecht als Kurpfuscher oder Quacksalber verschrienen Doktor Eisenbarth.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Ebstein: Scharlatanerie und Kurpfuscher. Stuttgart 1905.
  • Gregor Eisenhauer: Scharlatane. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-8218-4112-5 (Die andere Bibliothek. Bd. 112).
  • Grete de Francesco: Der Charlatan. In: Ciba-Zeitschrift, Jg. 4, Nr. 37 (1936/37), S. 1254–1281.
  • Grete de Francesco: Die Macht des Charlatans. Schwabe, Basel 1937.
  • Heinrich Schipperges: Der Scharlatan im arabischen und lateinischen Mittelalter. In: Mitteilungsblatt der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Band 12, Nr. 2, 1960, S. 9–13.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Scharlatan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scharlatan, duden.de, abgerufen am 31. Dezember 2012
  2. Scharlatanerie in duden.de, abgerufen am 31. Dezember 2012
  3. Scharlatan im Etymologischen Wörterbuch nach Pfeifer; online im DWDS, abgerufen am 31. Dezember 2012
  4. Pierer’s Universal-Lexikon. Band 3. Altenburg 1857, S. 870 (online auf zeno.org).