Schattendorf

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Schattendorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Schattendorf
Schattendorf (Österreich)
Schattendorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Mattersburg
Kfz-Kennzeichen: MA
Fläche: 12,11 km²
Koordinaten: 47° 43′ N, 16° 31′ OKoordinaten: 47° 42′ 39″ N, 16° 30′ 38″ O
Höhe: 256 m ü. A.
Einwohner: 2.368 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 196 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7022
Gemeindekennziffer: 1 06 12
Website: www.schattendorf.at
Politik
Bürgermeister: Johann Lotter (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
18
4
1
18 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Schattendorf im Bezirk Mattersburg
Antau Bad Sauerbrunn Baumgarten Draßburg Forchtenstein Hirm Krensdorf Loipersbach Marz Mattersburg Neudörfl Pöttelsdorf Pöttsching Rohrbach bei Mattersburg Schattendorf Sieggraben Sigleß Wiesen Zemendorf-Stöttera BurgenlandLage der Gemeinde Schattendorf im Bezirk Mattersburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Schattendorf (ungarisch: Somfalva, kroatisch: Šundrof) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Mattersburg im Burgenland in Österreich. Das Gemeindegebiet ist Teil des Naturparks Rosalia-Kogelberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Schattendorf liegt an der Grenze zu Ungarn. Schattendorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.

Der Naturpark Rosalia-Kogelberg ist Teil des Gemeindegebiets.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia.

Schattendorf (Mitte), um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Somfalva verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

30. Jänner 1927

Am 30. Jänner 1927 schossen in Schattendorf drei Mitglieder der rechtsstehenden Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs auf die zahlenmäßig deutlich überlegenen, jedoch unbewaffneten Teilnehmer einer gegen sie gerichteten Demonstration des Republikanischen Schutzbundes und töteten dabei ein sechsjähriges Kind (Josef Grössing) und einen Klingenbacher Schutzbündler (Matthias Csmarits). Die Täter wurden von einem Geschworenengericht wegen Notwehr freigesprochen. Am 15. Juli 1927, einen Tag nach dem Schattendorfer Urteil, versammelten sich aufgebrachte Arbeiter vor dem Justizpalast in Wien, erstürmten diesen und legten anschließend Feuer; die Regierung Ignaz Seipel ordnete die Niederschlagung der Demonstration an. Die so genannte Julirevolte forderte 89 Tote, auch auf Seiten der Polizei; der abgebrannte Justizpalast und das verschärfte politische Klima waren zusätzliche Schritte in den Bürgerkrieg.

Der Friedhof und die Pfarrkirche Schattendorf
Wirtschaftskrise 1929

Die Weltwirtschaftskrise 1929 erreichte das Burgenland sehr stark. Die Arbeitslosenrate war so hoch wie nie zuvor. Eine große Ursache dafür war vor allem die Tatsache, dass der Großteil der Burgenländer in der Bauwirtschaft tätig war. Da besonders viele Schattendorfer als Maurer oder Hilfsarbeiter beschäftigt waren, hatte die Wirtschaftskrise auch hier sehr große Auswirkungen. Gerade für die ländliche Bevölkerung wurde daher der Besitz von Grund und Boden immer bedeutender. Durch die nicht enden wollende Wirtschaftskrise wuchs auch die Mitgliederzahl paramilitärischer Verbände.[1]

Ungarnaufstand 1956

Nachdem die Erklärung der "immerwährenden Neutralität" in Österreich funktioniert hatte, wollte auch das Nachbarland Ungarn eine solche Erklärung einführen. Dort scheiterte sie jedoch, was zu einem buchstäblichen Bürgerkrieg und einer enormen Flüchtlingsbewegung führte. Am 4. Oktober 1956 begann der Flüchtlingsstrom. In Schattendorf trafen allein an diesem Tag 500 Menschen ein, die Verpflegung und Unterkünfte benötigten. Sie wurden in Gasthäusern und leerstehenden Klassen der Schule einquartiert. Angesichts der großen Massen von Flüchtlingen waren Hilfsorganisationen überfordert. Zahlreiche Schattendorferinnen kümmerten sich daher um die Flüchtlinge. Bis März 1957 flohen rund 200.000 Menschen ins Burgenland. Viele von ihnen reisten weiter. Jedoch blieben einige nahe dem Grenzgebiet in der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Heimat. Österreich erhielt für seine Hilfsbereitschaft große internationale Anerkennung. Die große Flucht endete schließlich im Dezember 1956. Der im September demontierte "Eiserne Vorhang" wurde wieder aufgebaut. Doch dieses Ende bedeutete noch lange nicht das Ende der Fluchtbewegung. Besonders in Schattendorf tauchten immer wieder meist junge Ungarn auf, die die Grenze auf spektakuläre Weise übertreten hatten.[2]

Schuldorf
Neue Mittelschule Schattendorf, 2015

Bereits 1954 begann man in Schattendorf mit der Investition in das Bildungswesen. Ein Um- und Zubau der Volksschule machte den Anfang. Nur zwei Jahre später, 1956, wurde in einem örtlichen Gasthaus eine Hauswirtschaftsschule für Mädchen ins Leben gerufen. Im September 1957 entschied sich der Gemeinderat für den Bau einer Hauptschule. 1963 begann man zu diesem Zweck mit der Planung und Finanzierung des Projektes. Dieses kam nicht nur der Gemeinde selbst, sondern auch den Nachbargemeinden Loipersbach, Baumgarten und Draßburg zugute. Am 6. November 1966 fand die Eröffnung der Hauptschule statt. Somit war ein weiterer großer Schritt für das Schulwesen getan. 1957 startete außerdem der Bau des Kindergartens im Pfarrhof Schattendorf. Erst im Jahr 1992 wechselte der Kindergarten seine Trägerschaft. Von nun an stand er im Eigentum der Gemeinde. 1995 traf der Gemeinderat die Entscheidung, einen neuen Kindergarten zu erbauen, welcher 1996 fertiggestellt und eröffnet wurde. Seit dem Schuljahr 2009/10 wurde die Hauptschule Schattendorf in eine Neue Mittelschule umgewandelt.[3]

Wappenrecht, Marktgemeinde und Teil des Naturparks

Im Jahr 1999 erhielt die Gemeinde das Recht, ein Wappen zu führen und wurde im Jahr 2003 zur Marktgemeinde ernannt (Veröffentlichung im LGBl.Nr. 24/2003). Am 15. Oktober 2006 wurde auf einer Fläche von mehr als 7.000 Hektar der Naturpark Rosalia-Kogelberg als sechster Naturpark des Burgenlandes offiziell eröffnet, zu dem auch Schattendorf als eine von 13 Gemeinden gehört. Am 2. Juni 2007 wurde die Ausstellung Schattendorf 1927 eröffnet.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
77,14 %
(+1,55 %p)
17,38 %
(-3,24 %p)
5,48 %
(+1,69 %p)
2007

2012


Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder.

Bürgermeister

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In einem von Blau und Silber geteilten Schild oben eine silberne, unten eine blau gestürzte Häuserzeile mit einer Kirche in der Mitte“.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Schattendorf
  • Pfarrkirche Schattendorf zum Hl. Erzengel Michael: Um 1703 erbaut, Anbau des Turms 1747.
  • Naturpark Rosalia-Kogelberg: 2006 eröffnet, der Naturpark ist ca. 7.000 Hektar groß
  • Schuhmühle – Museums-, Kultur- & Kommunikationshaus: Dauerausstellung „Schüsse von Schattendorf“, Geschichte de Mühle[7]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schattendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marktgemeinde Schattendorf: SCHATTENDORF. Seine Geschichte und seine Menschen 2003, S. 93–94
  2. Marktgemeinde Schattendorf: SCHATTENDORF. Seine Geschichte und seine Menschen 2003, S. 106-107
  3. Marktgemeinde Schattendorf: SCHATTENDORF. Seine Geschichte und seine Menschen 2003, S. 109-110
  4. http://www.schattendorf.at/index.php/geschichte.html
  5. meinbezirk.at: Neuer Ortschef in Schattendorf, 8. Februar 2012. – Nicht erreichbar 29. Jänner 2017.
  6. http://www.schattendorf.at/index.php/wappen.html
  7. Mühle Schattendorf – Erlebnis, Kommunikation und Kultur, abgerufen 29. Jänner 2017.