Schaumburg (Burg)

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Schaumburg
Die Schaumburg, darunter der gleichnamige Ortsteil von Rinteln

Die Schaumburg, darunter der gleichnamige Ortsteil von Rinteln

Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Rinteln
Geographische Lage: 52° 12′ 4,2″ N, 9° 12′ 3,4″ OKoordinaten: 52° 12′ 4,2″ N, 9° 12′ 3,4″ O
Höhe: 225 m ü. NHN
Schaumburg (Niedersachsen)
Schaumburg
Paschenburg und Schaumburg (unterhalb) vom Wesertal gesehen

Die Schaumburg ist eine Höhenburg im Gebiet der Stadt Rinteln im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Der Burgname, ehemals Schauenburg, beruht vermutlich auf dem weiten Ausblick in das Wesertal. Sie ist namensgebend für das Geschlecht der Grafen von Schauenburg und Holstein[1] und das Schaumburger Land, dessen Wahrzeichen die Burg seit dem 13. Jahrhundert darstellt. Der Landkreis Schaumburg trägt deshalb auch das Nesselblatt aus dem Stammwappen der Grafen von Schaumburg in seinem Wappen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg steht zwölf Kilometer östlich der Rintelner Kernstadt in einem Waldgebiet auf dem 225 Meter hohen und kegelförmigen Nesselberg im Wesergebirge, oberhalb der Weser im Weserbergland. Unterhalb am Bergfuß liegt der Rintelner Ortsteil „Schaumburg“ (früher: Rosenthal).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Nesselberg soll im 12. Jahrhundert ein Jagdhaus gestanden haben, das dem Rodenberger Adolf von Santersleben gehörte. Sein Sohn, Adolf II., erbaute die Burg auf den Resten einer Vorgängeranlage und nannte sich fortan Edler von Schaumburg. Seitdem war die Burg der Stammsitz der Grafen von Schaumburg, die im 13. Jahrhundert bei der Binnenkolonisation des Oberwesergebietes, Ostholsteins und Mährens eine bedeutende Rolle spielten. Ab 1517 diente die Burg nur noch als Witwensitz; ihre letzte Bewohnerin war Elisabeth von Schaumburg, die 1646 verstarb.

Im Jahre 1640 starb mit Graf Otto V. die Hauptlinie der Schaumburger aus. Die Grafschaft wurde zwischen Braunschweig-Lüneburg, den Grafen von Lippe und Hessen-Kassel geteilt. Die Burg kam zu Hessen-Kassel und wurde Sitz des Amtes Schaumburg. Ab 1821 wurde sie von der nahe gelegenen Staatsdomäne Coverden genutzt und verfiel allmählich.

Nachdem die Burg 1866 mit der Annexion von Hessen-Kassel (Kurhessen) durch Preußen in preußischen Besitz übergegangen war, wurde sie 1873 als Gasthaus hergerichtet. Am 16. April 1907 schenkte Kaiser Wilhelm II. die Schaumburg Fürst Georg und Fürstin Marie Anna von Schaumburg-Lippe zur Silberhochzeit, in der Folge wurde die Burg 1908–1912 unter Leitung des Architekten Albrecht Haupt aufwändig restauriert.[2] Dabei wurde der Bergfried auf seine heutige Höhe von 30 Metern aufgemauert.[3] Das Haus Schaumburg-Lippe besitzt die Burg noch heute.

Ab 1999 fand für einige Jahre jeweils im September ein Mittelaltermarkt statt, der mittlerweile eingestellt wurde. 2017 schloss die Burggastätte, der Pächter beklagte unter anderem einen hohen Investitionsstau in der Gaststätte.[4] 2020 war eine Nachnutzung noch unklar, im gleichen Jahr hatte allerdings die Fürstliche Hofkammer des Hauses Schaumburg-Lippe alle ihre gastronomischen Betriebe geschlossen.[5]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg gliedert sich in eine tiefer gelegene Vorburg und eine höher gelegene Hauptburg. Von der mittelalterlichen Anlage stehen noch drei der ursprünglich vier Türme, darunter der mächtige aus dem 14. Jahrhundert stammende Bergfried, der heute als Aussichtsturm bestiegen werden kann.[6] Im ehemaligen Herren- und früheren Amtshaus, das auch als Schloss Schaumburg bezeichnet wird, war von 1873 bis 2017 eine Gaststätte eingerichtet. Vom ehemaligen kleinen Burgmuseum sind noch Waffen und Rüstungsteile erhalten. Der überwiegende Teil der Sammlung befindet sich heute jedoch im Schloss Bückeburg.

Blutlinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blutlinde auf dem Platz vor dem Burgeingang

Außerhalb der Schaumburg auf dem Zugangsplatz zur Vorburg steht eine etwa 600 Jahre alte Linde, die sogenannte „Blutlinde“. Auf sie bezieht sich folgende Sage: „So wahr dieses Lindenreis, das ich hier pflanze, grünen und blühen wird, bin ich unschuldig!“, soll eine junge Frau gesagt haben, die hier um 1400 in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt wurde.[6]

Windradkontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 plant ein Investor, im Wesertal unterhalb der Schaumburg drei bis zu 150 m hohe Windräder zu errichten, die in der Sichtachse der Burg liegen und die freie Aussicht beeinträchtigen würden. Dagegen gab es Widerstand aus der Bevölkerung und Politik sowie mehrere Gerichtsverfahren. Aufgrund eines in der Nähe brütenden – und später vergifteten[7] – Rotmilanpärchens ist die Nutzungsdauer vom Landkreis Schaumburg eingeschränkt worden. Ein Baubeginn ist dennoch für September 2020 vorgesehen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schaumburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schaumburg im Mittelalter - Entwicklung grundlegender Strukturen bei Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg
  2. Erwähnung im Datensatz zu Albrecht Haupt in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), abgerufen am 19. September 2020
  3. Eintrag von Stefan Eismann zu Schaumburg in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts, abgerufen am 5. Dezember 2018 (siehe Bauentwicklung).
  4. https://www.szlz.de/region/rinteln_artikel,-burggaststaette-in-schaumburg-schliesst-_arid,2426003.html
  5. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Bueckeburg-Fuerst-stellt-Gastronomiegeschaeft-ein,aktuellhannover5414.html
  6. a b Burg Schaumburg: Weitblick ins Wesertal auf ndr.de
  7. https://www.szlz.de/region/rinteln_artikel,-bruetendes-rotmilanweibchen-in-deckbergen-wurde-vergiftet-_arid,2549606.html
  8. https://www.szlz.de/region/rinteln_artikel,-westendorfer-windkraftanlage-wird-trotz-rotmilan-gebaut-_arid,2617229.html