Scheitern (Misserfolg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Unter Scheitern versteht man, wenn ein Ziel nicht erreicht wird, wenn also etwas misslingt und nicht den erwünschten, angestrebten Erfolg hat.

Dafür gibt es zahlreiche bedeutungsgleiche oder -ähnliche Verben, beispielsweise versagen, straucheln, sich nicht durchsetzen, stranden und zu Fall kommen. Das Wort stammt aus dem 17. Jahrhundert; es bildete sich aus dem Substantiv Scheiter (von Scheit und (Holz-)Scheit, in Stücke gehen).[1]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheitern kann jemand in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen, so mit seinen Ideen und Plänen, mit einer Klage vor Gericht, bei einer Abstimmung, bei der Flucht und bei einem Wettkampf. Auch Konferenzen, Experimente, Operationen, Reformen, Karrieren und menschliche Beziehungen scheitern. Es kann ferner etwas als gescheitert erklärt werden, etwa Verhandlungen.

Meist wird das Wort in eher oder deutlich negativer Konnotation verwendet, d. h. als Vorhalt und Vorwurf, dass etwas oder jemand keinen Erfolg hatte. Dabei ist zu beachten, dass in der Regel nur der scheitern kann, der aktiv wird und etwas – oft aus guten Gründen – versucht. Ohne solche Versuche gäbe es Stillstand. Aus einem Scheitern kann aber ein Erfolg werden, meist durch eine neue Anlage und durch veränderte Strategien.

Studie zum Scheitern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014/2015 befassten sich Forscher um Andreas Kuckertz, Christoph Mandl und Martin P. Allmendinger (Universität Hohenheim) vor allem mit Blick auf das Denken in Unternehmen mit dem Thema und mit den Einstellungen dazu. Über ein Online-Panel befragten sie 2027 Bundesbürger zwischen 18 und 67 Jahren. Ihre Studie „Gute Fehler, schlechte Fehler“ zeigt, dass die Deutschen recht risikoscheu sind. 42 Prozent der Befragten stimmten dem Satz zu: „Man sollte kein Unternehmen gründen, wenn das Risiko des Scheiterns besteht.“

Andererseits meinten fast 80 Prozent, dass Misserfolge etwas Positives haben. Dass sie eine mögliche Quelle zur Selbstreflexion und Rückbesinnung seien und zu positiven Ergebnissen führen können. Mit dem Alter nimmt die positive Einstellung zum Scheitern ab. So meinen nur 45,2 Prozent der 60- bis 67-Jährigen, dass das Scheitern auch etwas Gutes haben könne. Die 18- bis 29-Jährigen sind hingegen ganz anders eingestellt. Von ihnen sehen 55 Prozent im Scheitern etwas Gutes.[2]

Die Literatur zum Thema befasst sich für sehr unterschiedliche Gebiete (u. a. Wirtschaft, Politik, Medizin, menschliche Beziehungen) in erster Linie mit den Ursachen des Scheiterns (etwa mangelnde Erfahrung, Zeitdruck, Reibungsverluste, unzureichende Abstimmung, geringe Kommunikation und Kreativität, Ungeduld) und mit den Möglichkeiten, aus Fehlern etwas zu lernen und zu Erfolgen zu kommen.

„Erfolg ist die Fähigkeit, von Misserfolg zu Misserfolg zu schreiten, ohne die Begeisterung zu verlieren.“

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im kalifornischen Los Angeles und im schwedischen Helsingborg existiert je ein „Museum des Scheiterns“. Das schwedische Museum zeigt rund 70 missratene und nicht erfolgreiche Erfindungen. Gründer und Leiter ist Samuel West.[3]

Literatur (chronologisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Böschemeyer: Wie Sie beim Altern ganz sicher scheitern. Ecowin, Elsbethen (Österreich) 2017, ISBN 978-3-7110-0113-9
  • Sarah Bosetti: Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so. Von einer, die auszog, das Scheitern zu lernen. Rowohlt, Reinbek 2017, ISBN 978-3-499-63317-1
  • Oskar Holzberg: Neue Schlüsselsätze der Liebe. Was Beziehungen scheitern und was sie gelingen lässt. DuMont, Köln 2017, ISBN 978-3-8321-8981-5
  • Charles D. Pépin: Die Schönheit des Scheiterns. Kleine Philosophie der Niederlage. Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Carl Hanser, München 2017, ISBN 978-3-446-25669-9
  • Joanne K. Rowling: Was wichtig ist. Vom Nutzen des Scheiterns und der Kraft der Fantasie. Aus dem Englischen von Klaus Fritz. Carlsen, Hamburg 2017, ISBN 978-3-551-58777-0
  • Atilla Vuran, Nina Harbers: Kommunizieren heißt scheitern. Emotionale Aufnahmebereitschaft und Berechtigung. Jünger Medien, Offenbach 2017, ISBN 978-3-7664-9946-2
  • Erik Kessels: Fast Pefrekt. Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen. Aus dem Englischen von Sofia Blind. DuMont, Köln 2016, ISBN 978-3-8321-9913-5
  • Henry Marsh: Um Leben und Tod. Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern. Aus dem Englischen von Katrin Behringer. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2015, ISBN 978-3-421-04678-9
  • Susanne Weingarten (Red.): Richtig scheitern. Spiegel Wissen, Heft 1/2015
  • Peter Scholl-Latour: Der Fluch der bösen Tat. Das Scheitern des Westens im Orient. Propyläen Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-549-07412-1
  • Daron Acemoglu, James A. Robinson: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut. Aus dem Amerikanischen von Bernd Ruhlkötter. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-596-19558-9
  • Bärbel Wardetzki: Eitle Liebe. Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen können. Kösel, München 2009, ISBN 978-3-466-30862-0
  • Konstantin Wecker: Die Kunst des Scheiterns. Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-04967-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.duden.de/rechtschreibung/scheitern
  2. https://www.uni-hohenheim.de/uploads/media/2015_Kuckertz_et_al_Gute_Fehler_15-08-24.pdf
  3. "Museum Of Failure, Sweden" Homepage 2017