Scherenschleifer

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Scherenschleifer um 1568

Scherenschleifer, teils auch Scheren- und Messerschleifer, sind Handwerker, die als Reparatur-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeit stumpfe Messer, Scheren und anderes Schneidwerkzeug schärfen und instandsetzen. Scherenschleifer gilt als alter Beruf des fahrenden Volkes und zählt insbesondere zu den traditionellen Berufen der Jenischen. Es handelt sich um einen Anlernberuf, der gleichwohl viel Erfahrung erfordert und heute meist als Reisegewerbe von umherziehenden Kleinunternehmern praktiziert wird. Der Beruf wird inzwischen nur noch selten ausgeübt und zählt damit zu den aussterbenden Handwerken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobile Scherenschleiferwerkstatt im Zuiderzeemuseum

Mit dem Aufkommen von Hieb- und Stichwaffen ging um 1500 der Scheren- und Messerschleifer aus dem Handwerk des Waffenschmieds hervor. Der Name rührt von seiner Aufgabe her, ein Paar Scherenblätter passend zu schleifen.

Andere Bevölkerungsgruppen betrachten dieses Gewerbe in abwertender Weise: z. B. existiert bis heute in Teilen Deutschlands das Schimpfwort „Scherenschleifer“, was einen Taugenichts beschreibt.[1] Mit seinem Standardgerät (vgl. Wetzstein) zog der Scherenschleifer über Land und durch die Städte, wo er Scheren, Messer, Dolche usw. der Privathaushalte neu anschärfte. Das Prinzip des Schleifens ist immer gleich: Die Schneide z. B. der Schere wird über eine noch härtere Fläche der Länge nach bewegt und die entstehende Hitze muss gegebenenfalls abgeführt werden. Die einfachste Vorrichtung, in volkskundlichen Museen noch zu betrachten, ist ein fahrbarer, länglicher und offener Wasserkasten, in den der runde Stein von oben halb hinein ragt. Dieser wird mit dem Fuß oder der Linken umgekurbelt, während die Rechte das Schärfgut führt.

Scherenschleifer sind immer seltener anzutreffen, da heutzutage nur wenige Menschen ihre Dienste benötigen. Durch moderne Massenproduktion sind Messer und Scheren so billig geworden, dass viele einfach zu einem neuen Werkzeug greifen, anstatt die alten in gutem Zustand zu halten.

Gelegentlich hatte der Scherenschleifer, um Publikum anzuziehen, ein dressiertes Äffchen dabei. (Daher noch die Radfahrer-Redensart: Er sitzt da wie’n Affe auf’m Schleifstein – das Tier ‚saß‘ auf dem drehenden Stein natürlich nie, sondern hüpfte dauernd mit dem Hinterteil auf und ab.)

Im Grimmschen Märchen Hans im Glück ist der Scherenschleifer der allerletzte und -ärmste Tauschpartner des Hans, und auch er übervorteilt ihn noch.

Der artverwandte handwerkliche Ausbildungsberuf heißt Schneidwerkzeugmechaniker, Fachrichtung „Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik“. Der Chirurgiemechaniker stellt Scheren für medizinische Zwecke her und schärft diese auch.[2]


Ein (schlüpfriges) Volkslied, das die Thematik aufgreift und noch heute im süddeutschen Raum bei Feierlichkeiten oder zu manch späteren Stunde im Wirtshaus von sich gegeben wird, heißt Die Schleifer von Paris.[3]

Um 2015 zirkulieren noch Scherenschleifer in Tirol per Klein-Lkw.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Blubacher: Wie es einst war. Schönes und Wissenswertes aus Großmutters Zeiten (= Insel-Taschenbuch. Nr. 4272). Insel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-35972-2 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  • Willy Römer: Vom alten Handwerk. Nagelschmiede, Scherenschleifer, Feilenhauer … 1925–1931 (= Edition Photothek. Nr. 23). Nishen, Berlin 1988, ISBN 978-3-88940-223-3 (Bildband).
  • Jost Amman, Hans Sachs: Das Ständebuch. Frankfurt am Main 1568 (Seitenwiedergabe bei Wikisource; – Originaltitel: Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden. 114 Holzschnitte von Jost Amman mit Versen von Hans Sachs).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scherenschleifer – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Scherenschleifer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.berg-pfalz.de/historie/dia3.php3 Berg (Pfalz)
  2. Rechtsverordnung: Chirurgiemechaniker-Ausbildungsverordnung vom 23. März 1989 (BGBl. I S. 572). Hrsg.: Bundesgesetzblatt 1989.
  3. http://www.lumpenlieder.de/Schleifer/schleifer.html
  4. Ö1-Radio, 30. Oktober 2015, 14h18. oe1.orf.at
  5. Bernd Rademacher: Ein Scherenschleifer wie aus dem Bilderbuch: Wiederherrichten statt Wegwerfen als Motto. In: Junge Freiheit. JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co., 8. Januar 2016, abgerufen am 8. Januar 2016 (deutsch).