Scherif

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem religiösen Titel im Islam; für andere Bedeutungen des Wortes siehe unter Sheriff (Begriffsklärung).

Scherif (arabisch شريف , DMG šarīf ‚edel, vornehm‘, Plural اشراف, DMG ašrāf oder شرفاء, DMG šurafāʾ, marokkanisch-arabisch chorfa, šorfāʾ) ist der religiöse Titel der Nachkommen des Propheten Mohammed, die von ihm über seinen ältesten Enkel Hasan abstammen. Die Nachkommen seines jüngeren Enkels Husain tragen den Titel Sayyid. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die scherifische Abstammung durch einen grünen Turban deutlich gemacht.

Die Scherifen von Mekka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scherifische Familien übten ab dem 10. Jahrhundert die Kontrolle über Mekka und Medina aus. Später führten sie den Titel des Großscharīfen (siehe: Liste der Großscherifen). Nach dem Ersten Weltkrieg beherrschten sie als Haschimiten neben dem Hedschas (bis 1925) den Irak (bis 1958), Jordanien (seit 1921) und Syrien (bis 1920). Die Haschimiten von Jordanien sind die Nachkommen dieser Scherifen-Familie.

Die Scherifen von Marokko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste bedeutende scherifische Dynastie auf dem Gebiet Marokkos waren die Idrisiden. Während der Merinidenzeit (1285–1465) wurden scharīfische Familien besonders stark an den Hof gebunden. Die Scherifen der verschiedenen Städte wurden jeweils von einem Mizwār („Oberhaupt“) angeführt. Wenn der Mizwār von Fès den Rat des Sultans Abū ʿInān Fāris aufsuchte, pflegte sich dieser zusammen mit allen Anwesenden aus Respekt vor ihm und seinem Vorfahren Mohammed zu erheben.[1] Der Mizwār von Sabta musste dem Herrscher jedes Jahr zum Prophetengeburtstag die Aufwartung machen.[2]

Mit den Saadiern erreichte zum ersten Mal wieder eine scharīfische Familie die direkte Herrschaft in Marokko. Auch die Alawiden, die bis heute in Marokko herrschen, sind eine scharīfische Herrscherfamilie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. van Arendonk u. W.A. Graham: Art. „sharīf“. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. IX, S. 329b–337b.
  • Herman Leonard Beck: L’ image d’Idrīs II, ses descendants de Fās et la politique sharīfienne des sultans marīnides 656–869/1258–1465. Brill, Leiden, 1989, ISBN 90-04-09054-1.
    Original: Idrīs de kleine en de idrīsidische Sh̲urafā' in Fās tijdens de Marīnieden. Dissertation an der Universität Leiden, 1984.
  • Ferdinand Wüstenfeld: Die Scherife von Mekka im XI. (XVII.) Jahrhundert: Fortsetzung der Geschichte der Stadt Mekka mit einer Stammtafel der Scherife. Dieterich, Göttingen, 1885. Digitalisat

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beck: L’ image d’Idrīs II. 1989, S. 180f.
  2. Beck: L’ image d’Idrīs II. 1989, S. 176.