Scheuen

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Scheuen
Stadt Celle
Koordinaten: 52° 40′ 36″ N, 10° 4′ 36″ O
Höhe: 61 (54–65) m
Fläche: 13,09 km²
Einwohner: 1051 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 29229
Vorwahl: 05086

Scheuen ist ein Stadtteil der Stadt Celle in Niedersachsen, der nördlich des Stadtzentrums liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheuen wurde erstmals 1290 urkundlich erwähnt und gehörte zum Kirchspiel Groß Hehlen.

Ab 1870 wurde das Gebiet nordöstlich von Scheuen (Reiherberg und Arloh) als Schießplatz der Garnison Celle genutzt. Während des Ersten Weltkriegs befand sich bei Scheuen ein Flugplatz der Kaiserlichen Marine, außerdem das Cellelager für mehrere Tausend, auch italienische Kriegsgefangene, darunter Carlo Emilio Gadda und Bonaventura Tecchi.[1][2]

Im Jahre 1938 begann hier die Einrichtung einer Munitionsanstalt mit einem Bestand von 200 Gebäuden.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bunkeranlagen und verbliebene Kampfmittel gesprengt. Das Gelände und noch brauchbare Gebäude wurden von den Britischen Streitkräften als Depot genutzt.[4] Das Areal wurde 1956 an die Bundeswehr übergeben, die auf einem Teil des Geländes mit dem Bau der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne, nach dem General Freiherr von Fritsch (1880–1939) benannt, begann. Hier befanden sich Einheiten der Panzerbrigade 33, zuletzt das Panzerlehrbataillon 334. Die Kaserne wurde 2006 geschlossen.

Am 1. Januar 1973 wurde Scheuen nach Celle eingemeindet.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheuen hat einen gemeinsamen Ortsrat mit den Ortsteilen Groß Hehlen und Hustedt mit neun Mitgliedern (4 CDU, 3 SPD, 1 GRÜNE, 1 Unabhängige)[6].

Ortsbürgermeister ist Axel Fuchs (CDU).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der angeschlossene Standortübungsplatz wird weiterhin von der Bundeswehr genutzt. Eine ehemalige Standortschießanlage wurde 2007 von der Jägerschaft Celle und einer privaten Jagdschule zu einem modernen Schießpark umgebaut[7].

Im ehemaligen Soldatenheim befindet sich seit 2008 das „Zentrum der Eziden in Niedersachsen“ (Jesiden). Auf dem Kasernengelände beginnt 2012 der Neubau eines Standorts der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz.[8]

Der ehemalige Flugplatz, heute Flugplatz Celle-Arloh, wird von einem Luftsportverein betrieben.

Scheuen liegt an der Bahnstrecke Celle–Soltau sowie früher an der Strecke nach Garßen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich W. Schoof: Das alte Kirchspiel Groß Hehlen. Bostel, Boye, Garßen, Groß Hehlen, Hustedt, Klein Hehlen, Scheuen, Vorwerk. Wahrzeichen, Sitten und Bräuche, Geschichten, Anekdoten, Sagen und andere Begebenheiten. Ein Lesebuch. Teske, Celle 1989 (102 S.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carlo Emilio Gadda, Bonaventura Tecchi: Die Baracke der Dichter. Italienische Kriegsgefangene im Celle-Lager 1918. Texte aus der Kriegsgefangenschaft. Hrsg. von Oskar Ansull. Aus dem Italienischen von Ragni Maria Gschwend und Ulrike Stopfel. Zu Klampen Verlag, Springe 2014, ISBN 978-3-86674-401-1.
  2. Aus der Geschichts- und Erinnerungstafel Celle der Stadt Celle und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Soldatenfriedhof (volksbund.de [PDF; 2,2 MB, abgerufen am 10. August 2019, Onlinedokumentation, mit einer Lageskizze der 70 Baracken und 3 Fotos aus der Zeit]).
  3. Heeresmunitionsanstalt Celle-Scheuen. In: vergessene-orte.blogspot.com, lostplaces, 31. Januar 2011, abgerufen am 10. August 2019.
  4. Die Heeresmunitionsanstalt Celle-Scheuen. In: relikte.com, Manfred Tegge, abgerufen am 10. August 2019.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.
  6. Celle. Ortsratswahl 2016 (CEL) Groß Hehlen. Sitzverteilung. In: landkreis-celle.de, abgerufen am 10. August 2019.
  7. Schießpark Celler Land. In: jagdschule-celler-land.de. Hubert Standke, abgerufen am 10. August 2019.
  8. Michael Ende: „Einmalige Chance“: Aus Kaserne wird Feuerwehrschule. (Nicht mehr online verfügbar.) In: cellesche-zeitung.de. Cellesche Zeitung, 10. August 2010, archiviert vom Original am 23. September 2015; abgerufen am 10. August 2019.