Schienenverkehr in Island

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Eine der beiden Lokomotiven im Einsatz im Hafen von Reykjavík. Foto 1913–1917.

Schienenverkehr nimmt eine extreme Randposition in der Infrastruktur von Island ein. Schienenverkehr zur Beförderung von Personen gibt es in Island nicht. Historisch gab es drei Eisenbahn-Systeme auf Island. Planungen für Eisenbahnen mit Personenbeförderung gab es von 1906 bis 1931. Eine der Planungen sah eine Bahn von Reykjavík nach Selfoss vor.

Historische Bahnbetriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafenbahn Reykjavík[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1913 wurde eine Schmalspurbahn mit 900 mm Spurweite und zwei zusammen zwölf Kilometer langen Strecken in Betrieb genommen. Anlass war der Ausbau des Hafens in Reykjavík. Eine Strecke führte vom Hafen nach Öskjuhlið, die andere nach Skólavörðuholt. Die Bahn diente ausschließlich dem Güterverkehr. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten 1917 blieb die Bahn bis 1928 weiter für den Gütertransport in Betrieb. Dafür standen zwei Dampflokomotiven der Lokomotivfabrik Arnold Jung aus dem Jahr 1892 zur Verfügung, die gebraucht gekauft worden waren.

Gebaut wurden diese Lokomotiven ursprünglich für R. Dolberg in Rostock, Nr. 129 wurde am 19. Mai 1892 und Nr. 130 am 3. Juni 1892 von Jung dorthin abgeliefert. Beide wurden 1910 nach Dänemark an N. C. Momberg verkauft, erhielten dort einen Ersatzkessel (Nr. 129 Kessel 1592 und Nr. 130 Kessel 1591) und gelangten 1913 auf die Insel. Beide sind museal erhalten, die „Minør“ (Nr. 129) als Denkmallokomotive im Hafen, die „Pionér“ (Nr. 130) im Freilichtmuseum Árbæjarsafn in Reykjavík. An dieser Lok ist das Fabrikschild des Neubaukessels angebracht – dies erweckt den Eindruck, als ob es sich um das originale Fabrikschild handelt. Damit dürfte Island das einzige Land der Welt sein, in dem sämtliche Dampflokomotiven, die dort je verkehrten, museal aufbewahrt wurden.

Korpúlfsstaðir[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der landwirtschaftlichen Großanlage Korpúlfsstaðir wurde in den 1930er Jahren eine Materialbahn mit 600-mm-Spur errichtet. Es gab keine Lokomotiven, die Wagen wurden ausschließlich mit Muskelkraft bewegt. Die Anlage war 1993 noch in Betrieb. Die landwirtschaftliche Großanlage Korpúlfsstaðir wurde inzwischen aufgegeben. Dort befinden sich heute ein Golfplatz und eine Schule. Bauliche Reste der Bahnanlagen existieren nicht mehr.

Kárahnjúkar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde im Osten von Island das Kárahnjúkar-Kraftwerk errichtet. Für dessen Bau wurde von dem italienischen Bauunternehmen Impregilo vorübergehend eine Schmalspurbahn angemietet, installiert und mit Diesellokomotiven betrieben. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde die Bahn wieder abgebaut und nach Italien zurück verschifft. Auf dieser Bahn kam es auch zum einzigen Eisenbahnunfall mit Personenschaden auf Island, einem Zusammenstoß eines Zuges, der Zement geladen hatte, und eines Zuges, der Personal transportierte. Bei dem Unfall wurden drei Arbeiter verletzt.

Ísafjörður[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hafenbereich in Ísafjörður

In Ísafjörður ist im Hafenbereich eine kleine Hafenbahn zu sehen. Fahrzeuge können im Hafenmuseum besichtigt werden. Die ausgestellten Wagen und Weichen zeigen, dass diese Bahn mit Muskelkraft betrieben wurde.

Planungen einer Strecke zwischen Reykjavík und dem Flughafen Keflavík[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Planungen für die Strecke stammen aus der Zeit vor der isländischen Wirtschaftskrise 2008 und wurden durch sie auf Eis gelegt. Erst ab 2013 wurden die Planungen wieder aufgenommen.

In Planung befindet sich eine Strecke, die die Hauptstadt Reykjavík mit dem Flughafen Keflavík durch eine eingleisige etwa 47 Kilometer lange elektrifizierte Bahnstrecke in Normalspur verbindet. Die Höchstgeschwindigkeit soll 250 km/h, die Fahrzeit könnte ca. 18 Minuten betragen. Die beiden Endbahnhöfe sollen am BSÍ-Busbahnhof in Reykjavík und am Flughafen entstehen. Ein Zwischenhalt in Kópavogur wird noch geprüft. Zwischen Reykjavík und Straumsvík soll die Strecke über 16 km in 50 bis 160 m Tiefe in einem Tunnel verlaufen. Befahren werden soll sie von vier Triebzügen.[1]

Detailplanungen inklusive Verhandlungen mit Generalauftragnehmern haben begonnen.[2] Der Bau der Strecke soll fünf Jahre in Anspruch nehmen. Der Verkehr könnte frühestens 2025Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren aufgenommen werden.[1]

Bisher wurden für das Projekt Planungskosten in Höhe von 3,3 Mio. Euro verausgabt. Zu den Baukosten sind eine Reihe unterschiedlicher Zahlen im Umlauf: 150 Mrd. ISK (etwa 1,06 Mrd. EUR)[3] und 85 bis 100 ISK (etwa 700 bis 810 Mio. EUR)[1].

Die baulich größte Herausforderung für das Projekt ist der Tunnel zwischen Reykjavík und Straumsvík, zumal derzeit die geologischen Verhältnisse im Bereich der künftigen Baustelle nur unzureichend bekannt sind.[1] Insofern ist davon auszugehen, dass eine Betriebsaufnahme 2025 ein sehr optimistischer Ansatz ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Rieger: Island – Land ohne Eisenbahn? In: EisenbahnGeschichte 37, S. 72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d jst: Island plant Flughafenlinie. In: Eisenbahn-Revue International 7/2018, S. 368.
  2. Kominn með erlendan fagfjárfesti að fluglestinni. In: mbl.is. 27. Mai 2016, abgerufen am 6. September 2017 (isländisch).
  3. Work to begin on high-speed train to KEF. In: Iceland monitor. 15. Dezember 2015, abgerufen am 6. September 2017 (englisch).