Schienenwolf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schienenwolf (Militärmuseum Belgrad)
Heckansicht

Als Schienenwolf oder Schwellenreißer[1][2] bezeichnete man eine Vorrichtung in Form einer Kralle, die auf eigenen Achsen oder an einem Flachwagen montiert die Holzschwellen eines Bahngleises durch Zerbrechen unbrauchbar machen konnte.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schienenwolf bestand aus einer großen Kralle, die auf eigenen Achsen oder an einem Flachwagen am Ende eines Zuges oder direkt hinter einer Lokomotive gezogen wurde. Die Kralle zerbrach die hölzernen Schwellen mittig und bog sie aus der Befestigung mit den Schienen.[3] Die Stahlkralle setzte unter den Schwelen an und ris den gesamten Gleiskörper auf.[4] Der Haken konnte je nach Bedarf gesenkt und gehoben werden.[5]

Eine weitere Möglichkeit zur Zerstörung einer Schiene boten Fahrzeuge, die über absenkbare Rampen den Abwurf von Sprengladungen ermöglichten. Durch deren Explosionen wurden die Schienen so stark verbogen, dass eine weitere Nutzung mit neuen Schwellen unmöglich wurde.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schienenwolf der Wehrmacht kam vor allem im Zweiten Weltkrieg im Rahmen von Rückzugsoperationen zum Einsatz, um die bahngestützte Logistik des Gegners zu erschweren.[6] Unter anderem wurde er beim Rückzug aus sowjetischen Gebieten 1944 von der Deutschen Reichsbahn eingesetzt.[4]

Die Rote Armee benutzte bei ihrem Rückzug 1941 ein ähnliches Gerät. Es bestand aus Eisenbahnschienen, die zu einer Schleife gebogen und hinten an einem Zug befestigt waren. Die im Gleisbett verlegten Schienen wurden an einer Stelle losgeschraubt und die Schleife daruntergeschoben. Durch starken Zug wurden die Schienen von den Schwellen abgerissen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gezielte Zerstörung der zivilen Infrastruktur eines gegnerischen Landes, und damit auch der Einsatz des Schienenwolfs, gilt grundsätzlich als Kriegsverbrechen.

Literarisch nutzte ihn Arno Schmidt (als den „Schwellenreißer“; dieser Ausdruck wurde auch in der Deutschen Wochenschau verwendet) in seiner 1945 spielenden Erzählung Leviathan als Symbol des Bösen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Knipping, Reinhard Schulz: Die Deutsche Reichsbahn 1939–1945. Zwischen Ostfront und Atlantikwall. Transpress-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-71299-7.
  • Ron Ziel: Räder müssen rollen. Eine Dokumentation in Bildern und Berichten von den Kriegsschauplätzen in Europa, Afrika und Asien. Franckh, Stuttgart 1973, ISBN 3-440-04043-7 (Die Eisenbahn im Zweiten Weltkrieg 1), (2. Auflage. ebenda 1974).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schwellenreißer
  2. Die Deutsche Wochenschau Nr. 726, in Min. 8
  3. Schienenwolf im Einsatz in Das Kriegserbe der Bahn, Film, Min. 42f
  4. a b DB Museum (Hrsg.): Im Dienst von Demokratie und Diktatur: Die Reichsbahn 1920–1945 (= Geschichte der Eisenbahn in Deutschland. Band 2). 2. Auflage. Nürnberg 2004, ISBN 3-9807652-2-9, S. 105.
  5. Schienenwolf deutscher Bauweise im Einsatz, historische Filmaufnahmen (eingesehen am 5. November 2009)
  6. Zerstörung deutscher Gleise
  7. Schienenwolf russischer Bauweise im Einsatz, historische Filmaufnahmen (eingesehen am 5. November 2009)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schienenwolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien