Schiffswerft Korneuburg

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Schiffswerft Korneuburg

Die Schiffswerft Korneuburg ist eine ehemalige Schiffswerft an der Donau in Korneuburg (Niederösterreich). Das Areal steht unter Denkmalschutz.

Monarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Adaptierungsarbeiten fanden in Korneuburg um 1849 statt. Im darauf folgenden Jahr erhielt die DDSG das Anerbieten des Korneuburger Gemeindevorstandes, die dortige Landungsbrücke gegen fernere Instandhaltung der Gesellschaft unentgeltlich zu überlassen. 1851/52 überwinterten fünf Dampfschiffe und drei Schleppschiffe im späteren Werftbecken.

Im Jahr 1852 wurde als Reparaturplatz und als Abstellplatz für die Donauschiffe der DDSG am linken Donauarm bei Korneuburg auf einer Fläche von 12.000 m² die Werft errichtet. Anfangs wurden 60 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits im Jahr 1864 wurde die erste Helling errichtet. Innerhalb der nächsten dreißig Jahre wurde das Werftareal auf 28.000 m² und eine Wasserfläche von 25.000 m² erweitert. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Werft nochmals vergrößert.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Jänner 1918 trat die Belegschaft der Schiffswerft Korneuburg in den Ausstand und schloss sich dem Jännerstreik an. An diesem Tag streiken alleine in Niederösterreich 122.000 Menschen.

Gütermotorschiff Erzherzog Carl 1937 auf der Donau. Das Schiff sank 1944 bei Sewastopol.

Der reduzierte Flottenbestand der DDSG nach Kriegsende führte in der Schiffswerft Korneuburg für mehrere Jahre zu Vollbeschäftigung mit der serienmäßigen Herstellung von Güter- und Tankkähnen. Alleine von 1920 bis 1923 wurden 38 Tank- und Güterkähne und einige Verladeanlagen für die eigene Gesellschaft gebaut. Obwohl die Hauptwerft der DDSG in Óbuda (Alt-Ofen, nordwestlicher Stadtteil von Budapest) nun im Ausland (Ungarn) lag, wurden die meisten Schiffsneubauaufträge zunächst weiterhin nach Budapest vergeben. Nach wenigen Jahren des Aufschwungs führte die Währungssanierung 1924/25 auch in Korneuburg zu einem starken Einbruch der Auftragslage und einer Beschäftigungskrise, sodass 1931 nur mehr 170 von vormals über 400 Beschäftigten verbleiben konnten.

Deutsches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1938 wurde die Werft durch die Eingliederung in die Reichswerke AG für Binnenschifffahrt „Hermann Göring“ Teil der Hermann-Göring-Werke und zum kriegswichtigen Betrieb erklärt. Das Werftgelände wurde auf circa 197.000 m² vergrößert. Der Werfthafen wurde verlängert, verbreitert und vertieft. Vier neue Hellinge mit je drei Stapelplätzen und je einem Hellingkran wurden angelegt und ein neues Werkstättengebäude errichtet.

1941 wurden neben dem Gelände der Schiffswerft ein Barackenlager für deutsche Arbeitskräfte, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene errichtet. Von den 16 Baracken des Lagers waren drei mit französischen Kriegsgefangenen belegt.

Der Arbeiterstand betrug für die Dauer des Krieges circa 1.300 Personen. Hinzu kamen in den Jahren 1941 und 1942 zusätzlich ungefähr 400 holländische Schiffsbauarbeiter.

Von 1939 bis 1945 wurden neben den laufenden Reparaturarbeiten folgenden Neubauten für das Reichsverkehrsministerium bzw. für die Kriegsmarine fertiggestellt: 6 Motorschleppschiffe Typ N, 7 Motorschleppschiffe Typ R, 8 Schwarzmeer-Einheitsschiffe Typ SME, 3 Kriegstransportschiffe Typ KT, 8 Marinefährkähne Typ MFP, 34 Ladeklappen für MFP, 60 1000-t-Tankkähne, 12 1000-t-Güterkähne, 30 Turmbauten für U-Boote und 15 Achtersteven für U-Boote.

Bereits 1940 bildete sich in der Schiffswerft Korneuburg eine Widerstandsgruppe, die sich aus circa 35 Arbeitern und Angestellten zusammensetzte. Elf Widerstandskämpfer wurden zwischen Juli 1941 und September 1942 von der Gestapo verhaftet. Josef Schwarzböck und Franz Czack wurden der Vorbereitung zum Hochverrat für schuldig befunden und am 15. Februar bzw. 17. Mai 1943 in Wien hingerichtet. Johann Gruber, Rudolf Alexander, Anton Jordan und Johann Mühl wurden ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt und am 22. Jänner 1943 in Berlin–Charlottenburg hingerichtet. Die Hinrichtungen wurden in Korneuburg plakatiert und in Tageszeitungen öffentlich kundgemacht. Franz Fukatsch wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, aber dann zu lebenslangem Zuchthaus mit Frontbewährung begnadigt. Ferdinand Sagerl, Johann Wutzl, August Ruffer, Johann Jahnas und Josef Vilimek wurden zu Zuchthausstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt. Sie alle überlebten und kehrten nach Kriegsende nach Korneuburg zurück.

Besatzungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Deutsches Eigentum wurde die Werft von der Roten Armee beschlagnahmt und ein Teil der USIA-Betriebe. Reparaturen und Neubauten wurden in der Besatzungszeit bis auf wenige Ausnahmen, wie die Rollfähre Korneuburg und das am 5. Jänner 1955 für die Donaukraftwerke AG in Bau gegebene Motorboot „Anni“, nur für die Sowjetunion erledigt.

Nach dem Staatsvertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Staatsvertrag wurde die Werft an die DDSG zurückgegeben, von der sie als Korneuburger Schiffswerften AG 1959 als Staatsbetrieb wieder ausgegliedert wurde. Seit dieser Zeit wurden nicht mehr nur Donauschiffe, sondern auch Hochseeschiffe, beispielsweise für den Einsatz in der Nordsee oder Fischereischiffe für Griechenland, gebaut. Ebenso wurden die bestehenden Verbindungen zur Sowjetunion genutzt, so dass auch moderne Passagierschiffe für die Wolga gebaut wurden. Selbstverständlich wurden auch für die DDSG-Passagierschiffe wie die Theodor Körner, die Wachau oder die Austria, gebaut.

1957 baute die Werft für das Österreichische Bundesheer das 12 Meter lange Donaupatrouillenboot Oberst Brecht, 1963–64 die spätere Vorarlberg, 1970 folgte die 30 Meter lange Niederösterreich (siehe auch: Österreichische Marine). Im Jahr 1971 erhielt die Werft die Staatliche Auszeichnung und durfte aus diesem Grund das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden.

Im Jahr 1974 wurde die Schiffswerft mit der Linzer Werft zur Österreichische Schiffswerften AG Linz Korneuburg (ÖSWAG) zusammengeschlossen und in die VOEST ALPINE AG eingegliedert.

Für die folgenden Aufträge von Großschiffen wurde die Konstruktion in Korneuburg durchgeführt, während sie in Rumänien montiert wurden. Auf diese Weise wurden Schiffe sowohl in die Sowjetunion, wie auch in den Nahen Osten geliefert. Zu dieser Zeit waren bis zu 650 Mitarbeiter in der Werft beschäftigt.

Schließung des Werftbetriebs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehlende staatliche Subventionen, Managementfehler und eine zu große Abhängigkeit von Aufträgen aus der Sowjetunion führten zum Niedergang der Schiffswerft und 1991 zur Privatisierung. Mit 1. Jänner 1991 gehörten zwei Drittel des Unternehmens der Mericon Holding von Herbert Liaunig und ein Drittel der Wiener Holding, an der die Stadt Wien zu 51 Prozent beteiligt war. Den neuen Eigentümern gelang es bis 1993 nicht neue Aufträge zu fixieren. Im November 1993 wurden die letzten Schiffe fertiggestellt und die Schiffswerft Korneuburg geschlossen.[1]

Nachnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 fand zum ersten Mal das Korneuburger Hafenfest in der Schiffswerft statt. Seitdem zieht das Fest jährlich, meist im September veranstaltet, zahlreiche Besucher an.[2]

2010 wurde eine Projektgruppe Nachnutzung Werft gegründet, bei der sich Bürger intensiv mit dem Gelände befassen. Im Oktober 2015 erhob die SPÖ Forderungen, das Werftgelände durch die Gründung einer Fachhochschule wieder zu beleben.[3]

2013 übersiedelten die Niederösterreich und die Oberst Brecht als Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums in die Schiffswerft Korneuburg und können seitdem dort besichtigt werden.[4] Beim jährlichen Hafenfest haben die Besucher auch die Möglichkeit, auf der Niederösterreich an einer kurzen Ausfahrt auf die Donau teilzunehmen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Korneuburg Schiffswerft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Ende der Werft: Mit Baunummer "799" war Schluss. meinbezirk.at, 16. August 2016, abgerufen am 25. Juni 2017.
  2. Das Hafenfest in Korneuburg auf hafenfestkorneuburg.at, abgerufen am 30. September 2016
  3. Christoph Baumgärtel, Martin Peterl, Thomas Pfaffl, SPÖ: Eine Uni in der Werft – SPÖ fodert Fachhochschule. Hrsg.: NÖN. (Volltext [PDF; abgerufen am 23. Oktober 2015]).
  4. Niederösterreich im Heimathafen auf korneuburg.gv.at, abgerufen am 5. Juni 2014

Koordinaten: 48° 20′ 31,3″ N, 16° 19′ 8,8″ O