Schild-Rötling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schild-Rötling
Entoloma clypeatum (L.) P. Kumm 362786.jpg

Schild-Rötling (Entoloma clypeatum)

Systematik
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Rötlingsverwandte (Entolomataceae)
Gattung: Rötlinge (Entoloma)
Untergattung: Entoloma subg. Entoloma
Art: Schild-Rötling
Wissenschaftlicher Name
Entoloma clypeatum
(L.) P. Kumm.

Der Schild-Rötling oder Festfleischige Frühlings-Rötling (Entoloma clypeatum) ist eine Pilzart aus der Familie der Rötlingsverwandten (Entolomataceae). Er zählt zur Gruppe der „Frühlingsrötlinge“ (Sektion Nolanidea) in der Untergattung Entoloma. Der Blätterpilz lebt mit Bäumen und Sträuchern aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zusammen, darunter beispielsweise Schlehe, Weißdorn, Kirsche und der Zierstrauch Kupfer-Felsenbirne. Die Pilzfäden dringen jedoch anders als bei anderen Ektomykorrhizapilzen in die Zellen der Feinwurzeln ein und zerstören diese weitgehend. Manche Autoren halten die Fruchtkörper für essbar, andere dagegen als giftverdächtig; eine Schmackhaftigkeit wird oft verneint. Aus der Türkei wurden Vergiftungsfälle bekannt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporen des Schild-Rötlings (Entoloma clypeatum) im Lichtmikroskop

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hut misst 3,5–12 cm im Durchmesser, ist jung glockenartig geformt und später ausgebreitet mit einem Buckel in der Mitte und oft verbogen. Der kaum geriefte Hutrand ist heruntergebogen und später wellig verbogen und im Alter oft eingerissen. Die Oberfläche ist beige- bis graubraun oder graugelblich, zum Rand hin etwas heller und bei feuchter Witterung deutlich dunkler (rußig braun) gefärbt (Hygrophanität) mit einem radial faserig gestreiften Muster; sie ist außerdem seidig glänzend und kahl. Die Lamellen sind jung weiß bis gräulich und später durch die gereiften Sporen schmutzig rosa gefärbt. Sie stehen untermischt, haben unregelmäßig gekerbte, wellige Schneiden und sind ausgebuchtet am Stiel angewachsen. Der faserig beschaffene Stiel ist 5–10(–15) cm hoch, 1–2 cm stark, zylindrisch geformt und oft verbogen und gedreht. Er ist oberflächlich fasrig längsgestreift weißlich, seidenglänzend und bei Berührung gilbend. Das Fleisch ist weiß und mit mehl- und gurkenartigem Geruch und mehlartig ranzigem Geschmack mit einem unangenehmen Nachgeschmack.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er hat eckige Sporen, die 8–11 × 7–10 Mikrometer groß sind und als Sporenpulver (fleisch)rosa erscheinen. Diese wachsen zu viert an keulenförmigen Basidienzellen von 30–55 × 10–20 Mikrometern. Sie besitzen keine Zystiden. Schnallenverbindungen sind häufig in allen Teilen des Pilzes. Die Huthaut ist eine Ixocutis aus radial verlaufenden, 2–7 Mikrometer dicken, zylindrischen Hyphen.

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er gilt als schwer zu unterscheiden und kann auch leicht mit Giftpilzen verwechselt werden. Für Verwechslungen kommen besonders andere Frühlingsrötlinge (Sektion Nolanidea) wie der Gestreifte Frühlings-, der Silbergraue und der Blassbraune Rötling in Frage. Der sehr seltene April-Rötling hat dünneres, geruchloses Fleisch, eine schlankere Form, wenige Schnallenverbindungen im Gewebe und wächst bevorzugt mit Ulmen-Arten. Der Graue Scheidenstreifling (Amanita vaginata) hat weniger Braun-Aspekte in der Farbe der Huthaut, ist nicht hygrophan, hat eine Volva und ist nicht an Obstbäume gebunden.[1][2][3][4]

Ökologie, Phänologie und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlehe ist ein möglicher Symbiosepartner des Schild-Rötlings (Entoloma clypeatum).

Er bildet Ektomykorrhiza mit Gehölzen aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) wie Schlehe, Weißdorn, Kirsche, Eberesche, Kupfer-Felsenbirne usw. Die Verbindung scheint eher parasitischer als symbiotischer Natur zu sein, da der Pilz in Zellen der Baumwurzeln eindringt und sie weitgehend zerstört.[5][6] Er soll bei Steinobstbäumen die Schadwirkung von Wurzelfäule durch Pilzbefall mindern können.[7] Er fruchtet in Europa von April bis Juli. Er ist in Europa weitverbreitet und häufig[1]> und auch in Nordamerika und Japan anzutreffen.

Systematik und Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farbtafel von Agaricus clypeatus in Band 16 von Jan Kops „Flora Batava“ (1881)

Der Pilz wurde schon 1838 von Elias Magnus Fries dem übergeordneten Taxon Entoloma zugeordnet,[8] welches geschichtlich mit teils unterschiedlichem Rang (Tribus, Untergattung, Gattung) unterschiedlich verortet wurde (unter Agaricus,[8] Rhodophyllus[9] oder Hyporrhodius[10]).

Er wird heute als Typusart der Sektion Nolanidea (den Frühlingsrötlingen) in der Untergattung Entoloma (den Rötlingen im engeren Sinn) in der Gattung Entoloma (Rötlinge) geführt. Der Schneeweiße Frühlings-Rötling ist vermutlich eine Albino-Form des Schild-Rötlings. Es sind mehrere Varietäten und Formen beschrieben:

  • Form hybridum ([Romagnesi 1947] Noordeloos 1981),
  • Form pallidogriseum (Noordeloos 1981),
  • Form xanthophyllum (Noordeloos 1981),
  • Varietät defibulatum (Noordeloos 1981) und
  • Varietät hybridum (Noordeloos 1981).

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist wohl zumindest roh giftig. Er wird unterschiedlich als giftig, giftverdächtig, gekocht essbar, essbar oder auch als guter Speisepilz beschrieben. Allerdings wurden 2004 erstmals Vergiftungsfälle mit Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und Frösteln zwei Stunden nach Genuss dokumentiert.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Cornelis Bas, Thomas W. Kuyper, Machiel Evert Noordeloos, Else C. Vellinga, Reinout van Crevel, E. J. M. Arnolds (Hrsg.): Flora Agaricina Neerlandica. Band 1. CRC Press, 1988, ISBN 90-6191-758-1, S. 97 (englisch).
  2. Gerlinde Hausner: Pilze. Die wichtigsten Speise- und Giftpilze. 2. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 1991, ISBN 3-405-13811-6, S. 74.
  3. Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-440-12408-6, S. 238.
  4. a b Mustafa Işiloğlu, Hayrünisa Baş Sermenli̇, Altuğ Şenol, Mehmet İşler: Entoloma mushroom poisonings in Mediterranean Turkey. In: Turkish Journal of Botany. Band 35, Nr. 2, März 2011, S. 247–249, doi:10.3906/bot-1007-36 (englisch, journals.tubitak.gov.tr [PDF; abgerufen am 9. September 2011]).
  5. Hisayasu Kobayashi, Kyoko Hatano: A morphological study of the mycorrhiza of Entoloma clypeatum f. hybridum on Rosa multiflora. In: Mycoscience. Band 42, Nr. 1, Februar 2001, S. 83–90, doi:10.1007/BF02463979 (englisch).
  6. Reinhard Agerer und Kerstin Waller: Mycorrhizae of Entoloma saepium: parasitism or symbiosis? In: Mycorrhiza. Band 3, Nr. 4, 1993, S. 145–154, doi:10.1007/BF00203608 (englisch).
  7. K. Véghelyi: III International Symposium on Replant Problems. In: R.S. Utkhede, International Society for Horticultural Science (Hrsg.): Acta Horticulturae. Band 363, 1994, ISBN 90-6605-186-8, ISSN 0567-7572, 24 – Mycorrhizal and root rot fungi of fruit trees (englisch).
  8. a b Elias Magnus Fries: Epicrisis Systematis Mycologici. Seu Synopsis Hymenomycetum. E Typographia Academica, Uppsala, Schweden 1965, Agaricus tribus Entoloma, S. 143 (Latein, google.de [abgerufen am 2. August 2016] Erstausgabe: 1838).
  9. Lucien Quélet: Rhodophyllus subgenus Entoloma. In: Enchiridion fungorum in Europa Media et præsertim in Gallia vigentium (Handbuch der Pilze in Mitteleuropa und insbesondere in Frankreich). 1886, S. 57.
  10. Joseph Schröter: Hyprrhodius subgenus Entoloma. In: Ferdinand Cohn (Hrsg.): Kryptogamen-Flora von Schlesien. Band 3, Nr. 1, 1889, S. 616.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Entoloma clypeatum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien