Schild (Sternbild)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Sternbild
Schild
Scutum constellation map.png
Legende
Astronomischer Name Scutum
Genitiv Scuti
Kürzel Sct
Rektaszension 18213618h 21m 36s bis 18591018h 59m 10s
Deklination 1844363−15° 56′ 37″ bis 1964999−3° 50′ 01″
Fläche 109,114 deg²
Rang 84
Voll­stän­dig sicht­bar 74,6° N bis 90° S
Beob­achtungs­zeit für Mittel­europa Sommer
Anzahl der Sterne heller als 3 mag 0
Hellster Stern (Größe) α Scuti (3,85 mag)
Meteorströme
Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Quellen IAU
Das Sternbild Schild, wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann
Das Sternbild Schild, wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann

Der Schild (Sobieskischer Schild, lateinisch Scutum) ist ein Sternbild in der Nähe des Himmelsäquators.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schild ist ein kleines, unscheinbares Sternbild südlich des Adlers (Aquila). Er liegt in der sternenreichen Milchstraße, daher findet man im Schild mehrere offene Sternhaufen, einen Kugelsternhaufen, und mit IC 1295 auch einen Planetarischen Nebel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sternbild wurde erstmals 1690 in dem Werk Firmamentum Sobiescianum von Johannes Hevelius aufgeführt und ist dem polnischen König Jan III. Sobieski (1629–1696) gewidmet, der 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg die Stadt Wien von den türkischen Belagerern befreite. Es symbolisiert den Schild, den der König in der Schlacht trug und so lautete die ursprüngliche Bezeichnung Scutum Sobiescianum („Schild des Sobieski“).[1][2]

Von etlichen vorgeschlagenen Sternbildern, die sich auf Personen der Neuzeit bezogen[3], hat außer dem Schild nur noch das Teleskop, mit welchem Lacaille die Erfinder des Fernrohres gewürdigt hat, Eingang in die Liste der 88 modern anerkannten Sternbilder gefunden.

Alfred Becker stellte die These auf, dass diese Konstellation auf dem Deckelbild des Runenkästchens von Auzon (Franks Casket) dargestellt sei. Mithin wäre das Sternbild „Schild“ bereits im 8. Jahrhundert unter diesem Namen bekannt gewesen. Becker begründet diese Deutung mit der Reihenfolge anderer Sternbilder auf dem Deckelbild, die in der Reihenfolge des Jahreskreislaufs angeordnet sind.[4]

Himmelsobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B Bezeichnungen Größe Entfernung / Lj Spektralklasse
101α 3,85m 174 K2 III
102β 4,22m 690 G5 II.
106ζ 4,68m 191 K0 III
103γ 4,70m 292 A1 IV/V
104δ Delta Scuti 4,60 bis 4,79m ca. 200 F2 IIIp
107η 4,83m 207 K1 III
105ε 4,88m 523 G8 II
400 Struve 2325 5,72m
400 R 4,4 bis 8,2m 2500 G7 Ib

Der hellste Stern im Schild ist Alpha Scuti, ein 174 Lichtjahre entfernter Stern der Spektralklasse K2 mit dem 20-fachen Durchmesser und der 130-fachen Leuchtkraft unserer Sonne.

Mehrfachsterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

System Größen Abstand
δ 4,72v / 9,2 / 12,2
Struve 2325 5,8 / 9,1

Delta Scuti ist ein etwa 200 Lichtjahre entferntes Mehrfachsternsystem, bestehend aus drei Sternen.

Veränderliche Sterne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stern Größe Periode Typ
δ 4,60 bis 4,79m 4,67 Stunden Kurzperiodisch Veränderlicher
R 4,4 bis 8,2m 140 bis 146 Tage RV-Tauri-Stern

Der Hauptstern des Systems Delta Scuti ist der Namensgeber einer Gruppe von kurzperiodischen pulsationsveränderlichen Sternen, den Delta-Scuti-Sternen. Seine Helligkeit verändert sich über einen Zeitraum 4 Stunden und 40 Minuten von 4,60 bis 4,79m. Der Stern besitzt etwa die zweifache Masse und die 15-fache Leuchtkraft unserer Sonne. Spektroskopische Untersuchungen zeigen, dass seine Hülle reich an schweren Elementen ist.

R Scuti ist ein 2500 Lichtjahre entfernter halbregelmäßig pulsationsveränderlicher Stern vom Typ RV-Tauri. Bei diesen Sternen wechseln sich flache und tiefe Helligkeitsminima ab.

Messier- und NGC-Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name
11 6705 5,8m Offener Sternhaufen Wild-Duck-Nebula
26 6694 8,0m Offener Sternhaufen
6712 8,5m Kugelsternhaufen

Im Schild befinden sich zwei offene Sternhaufen, die der erste systematische Kometenjäger, der französische Astronom Charles Messier, in seinen Katalog nebliger Objekte (Messierkatalog) aufnahm.

Der 5700 Lichtjahre entfernte M 11 ist einer der auffälligsten offenen Sternhaufen am Nachthimmel. Er ist bereits im Prismenfernglas erkennbar, in einem mittleren Teleskop werden über 400 Sterne sichtbar. Da seine Form an eine fliegende Ente bzw. einen Vogelschwarm erinnert, wird er auch „Wild-Duck-Nebula“ (Wildentennebel) genannt. Wegen der großen Sternanzahl gilt er bisweilen als Übergang zu den Kugelsternhaufen.

M 26 ist ein offener Sternhaufen in 5000 Lichtjahren Entfernung. Er ist weniger eindrucksvoll als M 11. Im Teleskop sind 15 bis 20 Sterne sichtbar.

NGC 6712 ist ein 20.000 Lichtjahre entfernter Kugelsternhaufen. Um ihn in Einzelsterne aufzulösen benötigt man allerdings ein größeres Teleskop.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sternbild Schild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN788262599%7CLOG_0022&physid=PHYS_0425
  2. http://www.ianridpath.com/startales/scutumhevelius.htm
  3. http://www.ianridpath.com/startales/startales4.htm
  4. Franks Casket - Deckel (Æ-Platte) - Die Plejaden, der Jahreszyklus und die Tierkreiszeichen. Abgerufen am 9. April 2022.. Vergleiche auch Alfred Becker: Franks Casket: Das Runenkästchen von Auzon. Berlin: Frank & Timme 2021, ISBN 978-3-7329-0738-0, S. 120–123.