Schildwirtschaft

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Gasthaus zur Sonne in Heilbronn

Eine Schildwirtschaft war im späten Mittelalter und der beginnenden Neuzeit ein Bewirtungs- und Beherbergungsbetrieb für Reisende und deren damaliges Verkehrsmittel. Sie gilt daher als Vorläufer heutiger Raststätten, Autohöfe und Autobahnraststätten.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späten Mittelalter und in die Neuzeit reagierten die Landesfürsten auf die Zunahme von Reisetätigkeiten mit dem Ausbau der Infrastruktur.[1] Neben der erstmaligen Einführung von Straßenbaugesetzen (z. B. Baden 1851) wurde auch der Ausbau von Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten für Reisende und deren Verkehrsmittel (Pferd und Kutsche) gefördert und geregelt.

Speisenangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu reinen Schankwirtschaften, Suppenwirtschaften und Gassenwirtschaften war zur Erlangung der Konzession die Zubereitung aufwendiger Speisen vorgeschrieben.

Versorgung der Reisenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erlangung einer Konzession war ebenso ausschlaggebend, ob eine Schildwirtschaft einen Pferdestall hatte und Personal zu dessen Pflege vorhanden war. Ferner war oft seitens der Bewilliger des Schildrechtes angeregt, dass dafür notwendiges Gewerbe in der Nähe ansässig war, beispielsweise Sattlereien, Wagner und Hufschmieden. Eine Schildwirtschaft hatte das Recht und die Pflicht, Gäste zu bewirten und zu beherbergen.[2]

Rechtsgrundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Süddeutschland war unter der Regentschaft Vorderösterreichs, Bayerns, Badens und Württembergs die Schildgerechtigkeit eingeführt, welche die Konzessionierung einer Schildwirtschaft regelte.

Vorbedingungen für die Genehmigung einer Schildwirtschaft (Anordnung vom 19. Juli 1780 aus Diedesheim bei Mosbach)[3]

  1. ob der Ort groß und mit Einwohnern besetzt sei[4]
  2. ob dadurch eine starke Passage oder Landstraße gehe[5]
  3. ob darin ein Frucht oder Viehmarkt angelegt oder ein sonst vorzügliches Gewerbe antrefflich sei
  4. ob das Haus zu einer Wirtschaft bequem, mit Stallungen versehen, an einer Haupt- oder Nebenstraße

Die Schildgerechtigkeit bedeutete auch eine stärkere Qualitätsüberwachung und somit die Urform eines Wirtschaftskontrolldienstes.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. »Schildgerechte« Wirtshäuser. In: bo.de. 8. März 2014, abgerufen am 6. Januar 2015.
  2. Antje Fuchs: Zwischen Kommerz, Kommunikation und Kontrolle: zur Wirtshauskultur in Saarbrücken und St. Johann im 18. Jahrhundert. Dissertation, Universität des Saarlandes, 2008.
  3. Chronik Gasthof Krone Diedesheim - Teil 1. (Nicht mehr online verfügbar.) In: krone-diedesheim.de. Archiviert vom Original am 29. November 2014; abgerufen am 6. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.krone-diedesheim.de
  4. Carl Christian Eigenbrodt: Handbuch der großherzoglich hessischen Verordnungen vom Jahre 1803 an. Heyer und Leske, 1817, S. 211. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Über uns. (Nicht mehr online verfügbar.) In: gaestehaus-anker-online.de. Archiviert vom Original am 15. Februar 2015; abgerufen am 6. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gaestehaus-anker-online.de
  6. Gaststätte Prinz Max: Historischer Bericht zu Qualitätskontrollen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: prinz-max.de. Archiviert vom Original am 6. Januar 2015; abgerufen am 6. Januar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.prinz-max.de