Schilling (Adelsgeschlecht)

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Die von Schilling sind ein deutsches Adelsgeschlecht, welches sich auf das uradelige Geschlecht der Schilling von Lahnstein zurückführt und später auch in den Freiherren- und Grafenstand erhoben wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagenhafte Stammtafel des Geschlechts nach einer Chronik des 16. Jahrhunderts

Heinrich III. Schilling von Lahnstein (1166–1221), gen. Huneswin, gilt als Stammvater des Geschlechts und lebte bis zu seinem Tode auf der Burg Lahneck. Die Nachkommen seines ersten Sohnes Johann I Schilling von Lahnstein (1208–1292) waren die Begründer des Westlichen Stammes und des Östlichen Stammes, während sein zweiter Sohn Konrad III Schilling von Lahnstein (1212–1296) der Begründer des Rheinlandstammes und sein dritter Sohn Heinrich I Bowe von Lahnstein (1213–1284) der Begründer des Südlichen Stammes war, aus dem die Schilling von Canstadt hervorgingen.

Westlicher Stamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammwappen des Westlichen Stammes Schilling (Wissembourg, Breslau, Sachsen)

Heinrich IV Schilling von Lahnstein (1237–1294), ältester Sohn von Johann I Schilling von Lahnstein, ist der Begründer des Westlichen Stammes. Sein erster Sohn Friedrich III Schilling von Lahnstein (1270–1301) starb kinderlos. Der zweite Sohn Bernhard I Schilling von Lahnstein (1271–1308) verlor bei einer Verschwörung gegen König Albrecht von Habsburg in einem Gemetzel sein Leben.

Bernards Sohn Friedrich I (d. Jüngere) Schilling von Lahnstein (1305–1373) ließ sich in Breslau nieder, wohin seine Familie geflohen war. Sein Sohn Daniel I Schilling (1341–1425) kam in Breslau zur Welt und ist der erste Schilling aus dieser Linie, der nicht im Rheinland geboren wurde. Als Anhänger des Kirchenreformers Johannes Hus floh er vorübergehend nach Hof in Oberfranken. Von seinen drei Söhnen gilt Friedrich II Schilling (1385–1445) als Stammvater des Roten Unterstammes, Daniel II Schilling (1390–1445) als Stammvater des Grünen Unterstammes und Hans I Schilling (1395–1469) als Stammvater des Weißen Unterstammes.

Zum Grünen Unterstamm gehörte der Kleckewitzer Ast (Rittergut Kleckewitz bei Raguhn, Sachsen-Anhalt), von dem einer, Christian Ludwig III., 1725 von Karl VI. die Reichsfreiherrnwürde mit dem Ehrentitel „Semperfreyer Schillingsfürst“ bekam. Diese Linie ist im Mannesstamm erloschen.

Andere Linien dieses Stammes führen den Namen Schilling ohne das Adelsprädikat „von“. Einer dieser Nachkommen war der bekannte Bildhauer und Erzgießer Johannes Schilling, der unter anderem das Niederwalddenkmal und das Panther-Gespann auf der Semper-Oper in Dresden schuf.

Östlicher Stamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammwappen des Östlichen Stammes Schilling (Baltikum)

Friedrich I Schilling von Lahnstein (1240–1310), der zweite Sohn von Johann I Schilling von Lahnstein, war ebenfalls an der Verschwörung gegen König Albrecht beteiligt und wurde in Köln hingerichtet. Er gilt als der Begründer des Östlichen Stammes. Friedrich war Bürger von Köln und heiratete eine Bürgerstochter. Sein erster Sohn Friedrich II Schilling von Lahnstein war Kölner Bürger. Dessen Sohn Theoderich ging von Köln nach Hamburg. Theoderichs erster Sohn Friedrich ging von Hamburg nach Braunschweig. Der zweite Sohn Heinrich blieb in Hamburg, wo dessen Sohn Albert 1464 zum Bürgermeister gewählt wurde.

Ein späterer Nachfahre, Karl Gebhard v. Schilling, ist der Stammvater des einzigen noch blühenden (estnischen) Astes des östlichen Stammes. Karl Gebhard schied 1768 aus dem Militärdienst aus und widmete sich der Bewirtschaftung seiner Güter zunächst in Seinigal und Orgena. Die Familie hatte schließlich den zweitgrößten Grundbesitz Estlands und wurde 1919/20 enteignet. 1834 bzw. 1855 war dem estnischen Ast vom Kaiserlich Russischen Dirigierenden Senat das Recht auf Führung des Baronstitels wieder zuerkannt worden. Infolge der Unruhen in den baltischen Provinzen 1906 und der Revolution 1917 waren bereits mehrere Familienmitglieder aus dem Baltikum ausgewandert, 1939 wurden dann infolge des Hitler-Stalin-Pakts die übrigen Mitglieder vollständig nach Deutschland umgesiedelt. Viele wanderten auch in andere Länder aus.

Rheinlandstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann II Schilling von Lahnstein ( -1347), der zweite Sohn von Friedrich I Schilling von Lahnstein, musste nach der gescheiterten Verschwörung gegen König Albrecht, anders als sein älterer Bruder Friedrich II Schilling von Lahnstein, nicht fliehen. Seine Nachkommen blieben also im Rheinland.

Konrad III Schilling von Lahnstein gilt als der Stammvater des eigentlichen Rheinlandstammes.

Einer seiner Nachkommen ist Daniel Schilling von Lahnstein ( -1541), der mit Margarethe von Kottenheim ( -1546) verheiratet war. Sein Epitaph befindet sich in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Andernach. Vor einem angedeuteten und den Eingang zum Tod darstellenden Tor, geschmückt mit Pflanzenwerk und Blattkapitellen, steht die von Kopf bis Fuß gepanzerte, etwas nach vorne gebeugte und betende Rittergestalt. In den Ecken befinden sich die Ahnenwappen derer Schilling von Lahnstein (links oben), von der Leyen (rechts oben), von Kray (unten links) und von Eltz (unten rechts). Die Inschrift lautet: AN(N)O D(OMI)NI 1541 VFF DEN 28. JVLII IST GESTORBEN DER ERENVEST DANIEL SCHILLING VON LANSTEN DEN GOT G. S. A.[1]

Von seinem Sohn Konrad Schilling von Lahnstein ( -1539), verheiratet mit Otta von Liebenstein ( -1556), ist ein Epitaph in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Kottenheim erhalten geblieben. Es besteht aus Tuffstein und stellt in Lebensgröße, gepanzert und mit Helm auf dem Kopf, den Junker dar, der in den Händen einen Rosenkranz hält. In den Ecken befinden sich die Ahnenwappen derer Schilling von Lahnstein (oben links), von Kottenheim (oben rechts), von der Leyen (unten links) und von Riedt (unten rechts). Die Inschrift lautet: IM IAER VNS HEREN 1539 OF DEN ACHTEN DAG MARTII STARB DER EDEL VND GESTRENGE IONKER IONKER CONRAD SCHILLINCK VAN LAINSTEIN DEM GOT GNAIT AMEN. Das Epitaph wurde 2009–2013 aufwendig restauriert.[2]

Diese Linie ist mit seinem Enkel Johann Konrad Schilling von Lahnstein, der 1608 in Rom verstarb, erloschen.

Südlicher Stamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich I Bowe von Lahnstein gilt als der Stammvater des südlichen Stammes, aus dem die Schilling von Canstatt hervorgingen.

Familienverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1556 verbrüderten sich sechs namenstragende Familien Schilling mit unterschiedlichen Wappen zu einem Geschlecht. Der Schillingische Stamm, der Lahnstein besaß, erlosch 1608. 1924 wurde der „Verband des Hauses Schilling e. V.“ gegründet und in Breslau und Dresden eingetragen, 1954 bei einer Neugründung eingetragen beim Amtsgericht Niederlahnstein. Diesem Verband gehören alle drei verbliebenen Stämme an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Wappen zeigt im roten Schild einen schwarzen, mit drei silbernen Schillingen belegten Balken. Auf dem Helm mit rot-schwarzen Decken ist ein offener roter Flug, beidseits mit schwarzem drei silberne Schillinge tragenden Balken belegt.

Das Wappen von 1500–1736 zeigt in Rot einen schwarzen mit 12 silbernen Schillingen in zwei Reihen zu je 6 belegten Balken. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-roten Decken steht ein goldener, mit natürlichen Pfauenfedern besteckter Spickel in einem offenen roten Flug, dessen jeder Flügel einen schwarzen mit je drei silbernen Schillingen belegten Balken trägt.

Das spätere Wappen der Freiherren und Grafen von Schilling im Baltikum zeigt auf Gold einen roten Balken, der mit drei silbernen Büglhelmen belegt ist. Auf dem Helm (bzw. drei Helme) mit rot-goldenen Decken stehen drei (rot-gold-rot) Straußenfedern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Helmut Weinand: Illustrierter Domführer durch die katholische Kirche Maria Himmelfahrt in Andernach. Görres-Druckerei und Verlag, Koblenz 3. Auflage 2012.
  2. Claudius Engelhardt: Die Pfarrkirche in Kottenheim: Ein Rundgang durch die Kirche und ihre Geschichte. BoD - Books on Demand, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7322-9829-7.