Schinznach-Dorf

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Schinznach-Dorf
Wappen von Schinznach-Dorf
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Gemeinde: Schinznachi2w1
Postleitzahl: 5107
Koordinaten: 653233 / 25555347.4486118.144452383Koordinaten: 47° 26′ 55″ N, 8° 8′ 40″ O; CH1903: 653233 / 255553
Höhe: 383 m ü. M.
Fläche: 8.91 km²
Einwohnerdichte: 199 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,9 % (31. Dezember 2014)[1]
Website: www.schinznach-dorf.ch
Schinznach-Dorf

Schinznach-Dorf

Karte
Schinznach-Dorf (Schweiz)
Schinznach-Dorf
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2014

Schinznach-Dorf (schweizerdeutsch: ˈʃɪntsˌnɑχ tɔrf)[2] war bis am 31. Dezember 2013 eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg im Schweizer Kanton Aargau, rund fünf Kilometer südwestlich des Bezirkshauptorts Brugg. Bis 1938 hiess die Gemeinde Schinznach. Zur Unterscheidung vom auf Schinznach Bad umbenannten Birrenlauf nannte sie sich fortan Schinznach Dorf. Seit 2003 gilt die Version mit Bindestrich als offiziell korrekte Schreibweise. Am 1. Januar 2014 fusionierte Schinznach-Dorf mit der damaligen Gemeinde Oberflachs zur neuen Gemeinde Schinznach.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt rund zwei Kilometer westlich der Aare am Eingang des Schenkenbergertals, am Fusse eines Ausläufers des Faltenjuras. Zwischen dem Dorf und dem Fluss liegt das flache Schinznacherfeld, das landwirtschaftlich genutzt wird und darüber hinaus auch eine Kiesgrube aufweist. Auf der Höhe eines Stauwehrs teilt sich die Aare in zwei Flussarme. Rund ein Viertel der schmalen, vier Kilometer langen Schacheninsel liegt auf dem Gemeindegebiet von Schinznach-Dorf. Zwei Kilometer nordöstlich des Dorfzentrums liegt der Weiler Wallbach (360 m ü. M.). Im Westen liegt der Hausberg Grund (731 m ü. M.), im Nordwesten der Dreierberg (758 m ü. M.) und im Norden der Linnerberg (722 m ü. M.). Am Südosthang des Grunds wird Weinbau betrieben.[3]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets betrug 891 Hektaren, davon sind 407 Hektaren bewaldet und 119 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Dreierbergs auf 758 Metern, der tiefste liegt auf 340 Metern an der Aare.

Nachbargemeinden waren bis zum 31. Dezember 2013 Bözberg und Villnachern im Norden, Schinznach-Bad im Osten, Veltheim und Oberflachs im Süden, Thalheim im Westen sowie Zeihen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Während der Zeit des Römischen Reiches befand sich im Oberdorf ein Gutshof, von dem bisher Teile ausgegraben wurden (darunter 1953 ein Hypokaustum). Die Reste eines weiteren Gebäudes befinden sich im Gebiet Römerhof. Bei Grabungen für eine Kanalisation kam 1966 ein Grab aus dem späten 2. Jahrhundert zum Vorschein.[4] Die erste urkundliche Erwähnung von Schincennacho erfolgte im Jahr 1189, als Papst Clemens III. das Kloster Muri und dessen Besitztümer unter seinen Schutz stellte. Der Ortsname stammt vom spätlateinischen (praedium) Scentiniacum und bedeutet «dem Scentinius gehörendes Landgut».[2]

Im Mittelalter herrschten die Habsburger über das Dorf. In der Burg Schenkenberg oberhalb des vier Kilometer westlich gelegenen Dorfes Thalheim residierten die Schenken von Schenkenberg, welche für die Habsburger die Verwaltung und die Rechtsprechung ausübten. 1460 besetzte die Stadt Bern die Herrschaft Schenkenberg militärisch und fügte sie als neue Landvogtei den übrigen Untertanengebieten im Berner Aargau an.

Reformierte Kirche

1528 führten die Berner die Reformation ein. 1732 wurde Schinznach in die neu gebildete Landvogtei Kasteln eingeteilt. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Schinznach gehört seither zum Kanton Aargau. Mitte des 18. Jahrhunderts war Schinznach das grösste Dorf des heutigen Bezirks Brugg gewesen. Der Niedergang des Weinbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang, der erst über 100 Jahre später wieder ausgeglichen werden konnte.

Früher gab es die Gemeinden Schinznach auf der linken und Birrenlauf auf der rechten Seite der Aare. 1654 entdeckte man auf dem Gemeindegebiet von Schinznach eine schwefelhaltige Quelle, die allerdings 1670 durch eine Überschwemmung verschüttet wurde. Die Schinznacher Quelle wurde 1691 wiederentdeckt, diesmal aber auf der rechten Aareseite bei Birrenlauf. Das neue Heilbad erhielt dennoch den Namen Schinznach. Als 1858 die Gemeinde Birrenlauf eine Bahnstation namens Schinznach-Bad erhielt und die Post später diesem Beispiel folgte, führte dies oft zu Verwechslungen. Seit 1938 heisst Birrenlauf nun offiziell Schinznach-Bad, während das ursprüngliche Schinznach den Zusatz «Dorf» erhielt.

Am 5. April 2009 stimmten die Stimmberechtigten von Schinznach-Dorf einer geplanten Fusion mit den Nachbargemeinden Oberflachs, Schinznach-Bad, Veltheim und Villnachern zur neuen Gemeinde Schenkenberg zu. Die Fusion kam dennoch nicht zustande, weil Veltheim sie ablehnte.[5] Das daraufhin iniziierte Fusionsprojekt ohne Veltheim scheiterte bei einer Urnenabstimmung am 25. Oktober 2009, als die Stimmbürger von Villnachern das Projekt ablehnten.[6] Per 1. Januar 2014 wurde Schinznach-Dorf mit Oberflachs zusammengeschlossen und erhielt seinen ursprünglichen Namen Schinznach zurück.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die reformierte Schinznacher Kirche wurde erstmals 1227 erwähnt. Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirchenschiff im romanisch-gotischen Stil wurde 1779 wegen Platzmangel abgebrochen und in erweiterter Form neu erbaut. Die im Kirchengebäude integrierte, 1650 erbaute Erlachkapelle ist die Begräbnisstätte von General Johann Ludwig von Erlach und seiner Frau Margareta.[7] Die Kirche wurde renoviert und im Dezember 2006 wiedereröffnet.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Gespalten von Schwarz mit abnehmendem gelbem Halbmond und von Blau mit drei pfahlweise gestellten sechsstrahligen weissen Sternen.» Die älteste bekannte Darstellung erscheint auf dem Gemeindesiegel von 1811. Der Mond hatte damals jedoch ein Gesicht und die Sterne waren bogenförmig nach links untereinander angeordnet. 1872 erschienen die Symbole auf einem ungespaltenen blauen Schild. 1953 wurde die heutige Variante eingeführt. Das Wappenbild geht auf die volksetymologische Deutung des Ortsnamens zurück: «Schint z Nacht» (scheint in der Nacht).[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1764 1850 1870 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 838 1334 1167 985 912 1083 1081 1154 1228 1517 1637 1699

Am 31. Dezember 2014 lebten 1769 Menschen in Schinznach-Dorf, der Ausländeranteil betrug 16,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 61,9 % reformiert, 22,7 % römisch-katholisch und 1,6 % christlich-orthodox; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 93,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,2 % Albanisch und Spanisch, 0,7 % Italienisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

In der ehemaligen Gemeinde übte die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde war der fünfköpfige, auf vier Jahre im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählte Gemeinderat. Dieser führte und repräsentierte die Gemeinde und vollzog er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung sowie die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten im Gemeindegebiet ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Schinznach-Dorf gehört zum Friedensrichterkreis Veltheim.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Dampflokomotive Emma der Schinznacher Baumschulbahn

In Schinznach-Dorf gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 800 Arbeitsplätze, davon 23 % in der Landwirtschaft, 44 % in der Industrie und 33 % im Dienstleistungssektor.[12] Sehr bedeutend ist seit jeher der Weinbau: An einem sonnigen Südosthang werden hauptsächlich Reben der Sorten Riesling x Sylvaner (Rivaner oder Müller-Thurgau) und Blauburgunder angebaut, die Anbaufläche beträgt rund 31 Hektaren. In der ganzen Schweiz bekannt ist die Baumschule Zulauf AG. Auf deren Firmengelände fährt die Schinznacher Baumschulbahn, eine mit Dampflokomotiven betriebene Kleinbahn (Spurweite 600 mm).

Verkehr[Bearbeiten]

Stillgelegter Bahnhof

Schinznach-Dorf liegt an der Hauptstrasse, die von Aarau aus dem linken Aareufer entlang nach Brugg führt. Hier zweigt eine Strasse durch das Schenkenbergertal in Richtung Staffelegg-Passhöhe ab. Rund einen Kilometer nördlich des Dorfes verläuft die Autobahn A3 zwischen Basel und Zürich. Um die Lärmemissionen zu verringern, wurde sie im flachen Schinznacherfeld in einen Tagbautunnel verlegt.

Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Postautolinien; sie führen einerseits von Schinznach-Dorf zum Bahnhof Wildegg, anderseits vom Bahnhof Brugg nach Thalheim. Etwa eineinhalb Kilometer nördlich verläuft die Eisenbahnstrecke Zürich–Brugg–Basel (Bözbergstrecke). Die vor dem Ostportal des Bözbergtunnels gelegene Station Schinznach-Dorf wurde 1993 geschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten, eine Primarschule, eine Realschule und eine Bezirksschule. Allerdings werden nur die dritte und vierte Klasse der Realschule in Schinznach-Dorf geführt, die erste und zweite Klasse sowie die Sekundarschule müssen in Veltheim besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Aarau und Baden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2014, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 378–379.
  3. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  4.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 197–198.
  5. Fünferfusion gescheitert. Aargauer Zeitung, 5. April 2009, abgerufen am 28. Januar 2010.
  6. Villnachern entscheidet sich klar gegen Schinznach. Aargauer Zeitung, 25. Oktober 2009, abgerufen am 10. August 2010.
  7.  Michael Stettler, Emil Maurer, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  8.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 267.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.