Schipkau (Ort)

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Koordinaten: 51° 30′ 56″ N, 13° 53′ 51″ O

Schipkau
Gemeinde Schipkau
Höhe: 111 m
Einwohner: 3907 (2000)
Postleitzahl: 01993
Vorwahl: 035754
Luftaufnahme von Schipkau

Schipkau (obersorbisch Šejkow) ist ein Gemeindeteil der gleichnamigen Gemeinde Schipkau im südbrandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Der Ort liegt in der Niederlausitz nordwestlich von Senftenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Schipkauer Wappen

Namensentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schipkau wurde 1332 als Tschipko erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom sorbischen Wort Sykow für den Vogel Kiebitz ab. Dies weist darauf hin, dass das Dorf in einer wald- und wasserreichen Gegend lag. Eine weitere Ableitung des Namens wird auf Tipkow, Hagebutte, zurückgeführt. Im Jahr 1937 wurde der Name von Zschipkau in Schipkau geändert.

Der sorbische Name wurde 1843 noch als Tśipkow und Třipkow wiedergegeben, 1861 findet sich die germanisierte Schreibweise Schekow und 1884 Šejkow.[1]

Zeit bis zur Industrialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Schipkau nimmt eine Sonderrolle innerhalb der Gemeinde Schipkau ein. Alle anderen Gemeindeteile sowie das benachbarte Senftenberg mit seinen Ortsteilen gehörten dem sächsischen Amt Senftenberg beziehungsweise ab 1815 dem preußischen Landkreis Calau an. Schipkau war bis 1861 eine Exklave der Herrschaft Mückenberg (heute Lauchhammer-West). Um 1600 gehörte der Ort dem Herrn Schleinitz auf Saathain. Die Jagd auf seinem Gebiet hatte der Wolf Dietrich von Schleinitz an den sächsischen Kurfürsten verpachtet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung des Kreises Senftenberg im Jahr 1950 war Schipkau dem sächsischen Amt Hayn (Hamt Hojn), "heute Großenhain" zugehörig.

Von der Industrialisierung bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Jahr 1870 wurde Braunkohle abgebaut und brikettiert. Die „Zschipkauer Braunkohlenwerke“ entstanden, sie erwarben den herrschaftlichen Busch, der zur Gutsherrschaft Mückenberg gehört. Auf dem Gebiet entstand der Wilhelmstolln und kurz darauf eine Brikettfabrik. Die Braunkohle wurde anfangs im Tiefbau gewonnen. Durch die Industrialisierung kam es zu Bevölkerungszuzug und damit zu einer Vergrößerung des Ortes. Ab 1880 entstand südwestlich des Ortes die Kolonie auf dem Vogelberg. Durch die Inbetriebnahme der Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn ab den 1870er Jahren war Schipkau an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Jahr 1886 wurde eine Ziegelei und 1888 eine weitere Brikettfabrik gebaut. Am 1. Januar 1898 gingen der Wilhelmstolln, die beiden Gruben und die Ziegelei an die Niederlausitzer Kohlenwerke Fürstenberg über.

Nach 1894 wurde Schipkau an die Telegraphenlinie angeschlossen. Die Anbindung an die Stromversorgung erfolge 1912 und an das Wassernetz am 3. Oktober 1919.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde der Gemeindevorsteher Paul Hänzka abgelöst. Bürgermeister wurde Her Bock. Das Rathaus und die Friedhofskapelle wurden 1935 eingeweiht. Ab dem Jahr 1938 entstand auf der Schipkauer Flur eine neue Siedlung der Berliner Braunkohle-Benzin AG (BRABAG). Die BRABAG errichtete zur gleichen Zeit im benachbarten Schwarzheide ein Braunkohlenhydrierwerk, das heute zur BASF gehört. Durch den Tagebau „Anna - Süd“ wurden Teile der Schipkauer Umgebung überbaggert. Zur selben Zeit entstand die Reichsautobahn Berlin–Dresden, die heutige A 13. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen Flüchtlinge aus dem Rheinland nach Schipkau. Zum Ende des Krieges kamen die Flüchtlinge vor allem aus den Kreisen Krotschin, Jaroslau und Wreschen. In der Nacht vom 21. zum 22. April rückten russische Truppen in Schipkau ein, bis auf zwei Artillerietreffer gab es keine Beschuss.

Im April 1945 hielt der sogenannte „Verlorene Zug“ in der Nähe Schipkaus für zwei Tage. Dabei handelte es sich um den letzten von drei Transportzügen, die im April 1945 mit dem Ziel Theresienstadt das Konzentrationslager Bergen-Belsen verließen. Nach einer Irrfahrt durch das noch unbesetzte Deutschland strandete der Zug schließlich im südbrandenburgischen Tröbitz. An die in Schipkau verstorbenen jüdischen Häftlinge erinnert heute eine Gedenkstätte in der Nähe des Ortes.

Vom Zweiten Weltkrieg bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schipkau Hauptstraße
– Dorfanger, Reste des ursprünglichen Ortskerns –
rechts die Bäckerei Hänzka und links die ehemalige Fleischerei Wolnjok, oder „Wollniok“, bis ca. 1905 die Zschipkauer Schulstube

Heiligabend 1952 wurde in Schipkau, das seit 1857 zur Parochie Klettwitz gehörte, eine eigene Kirche errichtet.

Von 1956 bis 1964 wurden die Ortsteile Hentschelmühle, Vogelberg und Kolonie durch den Tagebau Klettwitz devastiert. Etwa 2000 Personen mussten umgesiedelt werden. Entlang an der alten Ortslage verlief die Abbaugrenze. Das Abraumloch mit einer Tiefe von bis zu 70 Meter, wurde später wieder verfüllt. Die Vogelberger sowie umgesiedelte Einwohner aus den westlichen Ortsteilen von Klettwitz-Wilhelminensglück wurden ab 1956 im Schipkauer Neubaugebiet am Galgenberg untergebracht. Zwischen den 1960er und 1990er Jahren entstanden weitere Wohnkomplexe des heutigen Schipkau. Mit den Jahren 1986 bis 1988 zogen die ersten Leute in das Neubaugebiet Rosa-Luxemburg-Siedlung, dessen Bauarbeiten noch bis Anfang der 1990er Jahre andauerten.

Nach der politischen Wende in der DDR gab es einen Überschuss an Wohnungen aufgrund des Wegzugs von Einwohnern und der nicht umgesetzten Devastierung von Annahütte und Klettwitz. Einige der in den 1960er und 1970er Jahren erbauten Wohnblöcke wurden wieder abgerissen.

Zum 31. Dezember 2001 schlossen sich Schipkau, Klettwitz, Annahütte, Drochow, Meuro und Hörlitz zur Gemeinde Schipkau zusammen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung des Ortes Schipkau von 1875 bis 2000[2]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 527 1890 889 1910 1752 1925 2015 1933 2129 1939 2774
1946 3430 1950 3326 1964 3469 1971 4598 1981 4042 1985 3857
1989 5407 1990 5330 1991 5177 1992 5181 1993 5157 1994 5129
1995 4996 1996 4810 1997 4579 1998 4338 1999 4143 2000 3907
2009[3] 2.837 2010[4] 2.814

Ortslagen und Flurstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sowie Reste der Kolonie Vogelberg und des alten Dorfkerns aus der germanischen Neuzeit.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein an den Verlorenen Zug

Am 25. April 2003 wurde in der Nähe Schipkaus, am Ort des zweitägigen Zwischenstopps des Verlorenen Zuges, eine Gräberstätte mit einem Stein zum Gedenken an die jüdischen Opfer eingeweiht. 51 Tote wurden im April 1945 in der Nähe der Gemeinde begraben. Auf dem Friedhof Schipkaus wurde eine Gedenkstätte für 20 jüdische Häftlinge angelegt.

Die Postbrücke am Wohnplatz Krügersmühle und der Steinerne Wegweiser an der Kreuzung Poststraße/Ruhlander Straße sind in der Landesdenkmalliste aufgeführt.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SV Askania Schipkau bietet neben Fußball auch Kegelbillard, Gymnastik und Kraftsport an. Der Schwerpunkt des Vereins liegt auf dem Bereich Fußball mit zwei Männermannschaften und Juniorenmannschaften in allen Altersklassen. Der Sportverein ist Träger des alten Schipkauer Wappens.

Weiterhin gibt es den Kegelsportverein Schipkau e. V. Auf einer 4-Bahnen-Anlage nehmen zwei Männer- beziehungsweise zwei Frauenmannschaften an Wettkämpfen teil. Die größeren sportlichen Erfolge erzielte bisher die 1. Damenmannschaft in der 2. Bundesliga.

Im Jahr 1992 wurde der Pool-Billard-Club Schipkau gegründet. Im Jahr 2006 bezog der Verein neue Räume im Bürgerhaus. In den neuen Räumen ließ sich ein offenerer Spielbetrieb umsetzen. Derzeit spielt der PBC Schipkau in der 2. Bundesliga Nord.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemarkung Schipkau gehört ein Sonderlandeplatz, welcher mit der Stadt Schwarzheide gemeinsam betrieben wird. Die Autobahn 13 führt am östlichen Ortsrand vorbei, die nächste Anschlussstelle Klettwitz befindet sich etwa einen Kilometer nördlich von Schipkau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herta Schuster. Schipkau Ein historischer Rückblick. Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-048-7.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer – Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlereviers bis 1993. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, ISBN 3-7420-1623-7.
  • Eberhard Rebohle: Schipkau Kolonie – Geschichte und Geschichten um eine Bergarbeitersiedlung in der Niederlausitz. REGIA-Verlag, Cottbus 2012, ISBN 978-3-86929-112-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Eichler und Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz – Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau. I Namenbuch. In: Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte. Band 28. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S. 270 f.
  2. Statistik Brandenburg (PDF)
  3. Amtsblatt der Gemeinde Schipkau 2009 bei daten.verwaltungsportal.de (PDF)
  4. Amtsblatt der Gemeinde Schipkau 2011 bei daten.verwaltungsportal.de (PDF)
  5. Denkmalliste des Landes Brandenburg; Landkreis Oberspreewald-Lausitz; Stand: 31.12.2008; Dorfkern deutsches Mittelalter, Dorfkern Neuzeit. Seite 2 (PDF; 132 kB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schipkau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien