Schizoide Persönlichkeitsstörung

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Dieser Artikel beschreibt die schizoide Persönlichkeitsstörung. Sie ist nicht zu verwechseln mit Schizophrenie oder der antisozialen Persönlichkeitsstörung.
Klassifikation nach ICD-10
F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Die schizoide Persönlichkeitsstörung (SPS) zeichnet sich aus durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Fantasie, einzelgängerisches Verhalten und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.

Der Begriff schizoid (altgriechisch σχίζειν schízein ‚spalten‘) wurde 1908 von Eugen Bleuler in Anlehnung an den der Schizophrenie und unter dem Eindruck einer ihr nahestehenden Erkrankung geprägt. Er umfasste damals aber einen weit größeren Formenkreis von Persönlichkeitsmerkmalen, während das heutige Begriffsverständnis deutlich enger ist (siehe Kritik). Ernst Kretschmer entwickelte daraus ein Konzept der Schizoidie, welches das Spannungsverhältnis zwischen innerem Erleben und äußerem Auftreten betont.[1]

Der schizoide Charakter neigt zu einer Spaltung der ganzheitlichen Funktion der Persönlichkeit, d.h. er tendiert dazu, Denken und Fühlen voneinander zu trennen. Was der Betreffende denkt, scheint häufig keinen Zusammenhang damit zu haben, was er fühlt oder wie er sich verhält. Der Schizoide wendet seine Aufmerksamkeit verstärkt der eigenen Innenwelt zu und zieht sich dahin zurück. Dadurch wird der Kontakt zur Außenwelt und zum Körper mit dessen Gefühlen unterbrochen. Anders als bei einer Psychose kommt es jedoch nicht zu einem Verlust des Realitätsbezugs.[2]

Die beschriebenen Verhaltensweisen werden als Persönlichkeitsstörung eingestuft, weil sie chronisch, unflexibel und stark ausgeprägt sind und negative Folgen haben können. Dazu gehören bei der SPS deutlich geringere Lebensqualität, ein ungünstiger Einfluss auf das psychische Funktionsniveau noch nach 15 Jahren und eine der niedrigsten Stufen an „Lebenserfolg“ (definiert als sozialer Status, Wohlstand und erfolgreiche Beziehungen) von allen Persönlichkeitsstörungen.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außensicht

Eine tiefgehende Kontaktstörung prägt die betroffenen Personen. Ihre emotionale Beziehung zur Umwelt und anderen Menschen ist zentral gelockert, die spontane Erlebnisfähigkeit und das unmittelbare Ansprechen der Gefühle stark gehemmt. Auffallend sind eine oft fehlende „emotionale Authentizität“, die allgemeine Abflachung der Gemütserregungen (Affekte) und ein Mangel an erwartbaren emotionalen Reaktionen auf die Gefühlslagen der Mitmenschen. Tiefsitzendes Misstrauen hält Betroffene anderen Menschen gegenüber auf Distanz.[4][5]

Während einerseits der Wunsch nach inniger Gemeinsamkeit mit anderen oder einem Mitmenschen bestehen kann, sind andererseits Mitteilung und emotionaler Ausdruck blockiert, mit der Folge des Gefühls einer inneren Zerrissenheit. Einige dieser Menschen treten starr und hölzern auf, andere wiederum überaus freundlich und vertrauenswürdig. Unter Druck gesetzt, z. B. durch zu enges Zusammenleben, reagieren sie oft abrupt und befremdlich. Sie ziehen sich dann für Außenstehende völlig unerwartet zurück, schotten sich ab und meiden für einige Zeit jegliche Kontakte. Sowohl perfekte Selbstkontrolle als auch plötzliches Ausbrechen sind meist Seiten dieser Persönlichkeiten.

In von außen angestoßenen Veränderungen und neuen Dingen wird meist eine Gefahr gesehen, vor der es sich, vorzugsweise durch Rückzug oder Kontrolle, zu schützen gilt. Menschen mit einer schizoiden Störung bilden kompensatorisch daher oft ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten aus, mit denen sie sich schützen und zugleich Überlegenheit und Kontrolle gewinnen wollen. Diese antrainierten Fähigkeiten helfen dem schizoiden Menschen bei der Alltagsbewältigung, belasten engere soziale Kontakte jedoch schnell.

Nach außen hin zeigen schizoide Personen meist eine „glatte“ Oberfläche ohne sichtbare emotionale Reaktivität und erwidern selten Gesten oder Gesichtsausdrücke wie z. B. ein Lächeln oder Nicken. Es fällt ihnen selbst auf direkte Provokation hin oft äußerst schwer, Wut oder Feindseligkeit offen auszudrücken. Das lässt die Betroffenen häufig gefühlsarm erscheinen, auch wenn dies gar nicht zutrifft und ihr innerer Gefühlszustand ein ganz anderer ist. Deshalb wirken sie in unangenehmen Situationen oft passiv und haben Probleme, adäquat auf wichtige Lebensereignisse zu reagieren.[6]

Innensicht

Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung erleben sich meist als unbeteiligte Beobachter des Lebens, aber nicht als Teilnehmer. Obwohl viele für gewöhnlich gern ein abgesondertes Leben führen, können sie doch dessen überdrüssig werden, „draußen zu stehen und hinein zu sehen“. Der Gedanke, ein unzulänglicher Sonderling zu sein, kann bei Schizoiden dann ausgelöst werden, wenn deutlich wird, wie sehr sie sich von anderen unterscheiden. Vielen wird das besonders bewusst, wenn sie andere direkt beobachten, Filme sehen oder Bücher lesen, die von Beziehungen handeln. Einige beschreiben in ihrer Behandlung das Gefühl, „in einer Schale“ zu leben und „den Anschluss verpasst zu haben“. Sie klagen darüber, dass „das Leben an ihnen vorüberzieht“ und sie den Anderen von einer Distanz aus zuschauen müssen. In solchen Situationen können schizoide Menschen schmerzliche Gefühle darüber einräumen, dass sie Eigenbrötler sind, die nicht in die Gesellschaft passen. Auch wenn sie nicht wirklich den Wunsch nach der Nähe anderer verspüren, glauben sie dann möglicherweise, dass sie nach einem konventionelleren Leben streben sollten.[7][8]

Schule und Beruf

Soweit die Voraussetzungen bestehen, entwickeln diese Persönlichkeiten nicht selten ein hohes Maß an intellektueller Differenziertheit. Viele Schizoide sind „Kopfmenschen“ und neigen zu einer Überbetonung des Verstandes mit einem Rückzug ins Denken. Obwohl sie dadurch eher für geistige Reize statt für sinnliche Genüsse empfänglich sind, besitzen manche dennoch einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Schöngeistiges.[9][2] Beruflich neigen schizoide Menschen verstärkt zu abstrakten Tätigkeitsfeldern sowie Tätigkeiten, die allein oder in konstanten Kleingruppen durchgeführt werden, oder Dienstleistungsberufen, in denen die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Kunden und Anbieter begrenzt und durch soziale Normen zu einem erhöhten Grade formalisiert sind. In der Schule liefern sie mitunter schlechte Leistungen, die ihren intellektuellen Fähigkeiten nicht entsprechen. Allerdings gibt es auch Betroffene mit hohen kompensatorischen Fähigkeiten, die – laut einigen Autoren– sogar Berufe wählen, bei denen wenig formalisierte soziale Beziehungen eine große Rolle spielen. Dabei wird aber auch hier von Seiten der Autoren eine gewisse „emotionale Unechtheit“ festgestellt.[5]

Subtypen

Viele grundsätzlich schizoide Personen pflegen einen engagierten, interessierten und zugewandten sozialen Umgangsstil und entsprechen damit nicht dem Klischeebild, das von den Diagnosesystemen gezeichnet wird. Daher wird mitunter vorgeschlagen, folgende (auf der Wahrnehmung Betroffener beruhenden) Subtypen zu unterscheiden: den klassischen und alternativ den secret schizoid. Der secret schizoid ist seiner Veranlagung zum Trotz nach außen hin scheinbar durchaus interessiert an zwischenmenschlichen Beziehungen, wodurch die schizoiden Charakterzüge im Umgang weitgehend verdeckt und überspielt werden können. Doch fallen auch bei diesem Subtyp im geselligen Umgang rasch eine emotionale Unzugänglichkeit und teils inadäquate Reaktionen als Wesenskern auf, obwohl formal ein perfekter und sogar eleganter Umgangsstil beherrscht werden kann.[10]

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird von etwa einem Prozent Betroffener in der Bevölkerung ausgegangen. Das heißt, dass die Störung im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen relativ selten ist; sie macht ca. 3,8 % aller diagnostizierten PS aus. Insgesamt findet man Patienten mit SPS kaum in Kliniken. Frauen und Männer sind ungefähr gleich häufig betroffen. Bei Obdachlosen dagegen scheinen die schizoide und andere schizophrenienahe Persönlichkeitsstörungen sehr häufig zu sein.[11][12]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach vorherrschender Auffassung nimmt diese Persönlichkeitsstörung in der frühen Kindheit oder Jugend ihren Ausgang. Erste Anzeichen dafür können einzelgängerisches, einsames Vehalten und geringe Schulleistungen trotz gutem Potenzial sein. Dieses Anderssein kann zu Hänseleien und schlechten Beziehungen zu Gleichaltrigen beitragen.[6]

Viele Psychologen vermuten, dass eine Kombination verschiedener Faktoren zur Entstehung einer Schizodie führt: Sie sehen eine hochgradige, angeborene Sensibilität und Irritierbarkeit ebenso als Voraussetzung an wie auch Formen starker emotionaler Vernachlässigung, brüsker mütterlicher Fürsorge oder chaotischer sozialer Verhältnisse. In vielen Fällen weist ein Elternteil psychische Störungen auf oder konnte sein Kind nicht verstehen. Dem Säugling und Kleinkind fehlt ausreichender Schutz zum Ausbilden der ersten selbstständigen Kontakte mit der nächsten Umgebung – solche Versuche wurden entweder gar nicht beantwortet und konnten sich nicht weiterentwickeln, oder es wurde so stark auf sie reagiert, dass nicht die Freude an der Antwort, sondern die Beängstigung durch sie als bleibende Erfahrung im Gedächtnis bleibt.

Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit der SPS auf etwa 55-59 % und lassen vermuten, dass auch eine genetische Veranlagung mit ursächlich sein könnte. Im Gegensatz zur schizotypischen PS konnte jedoch bis heute kein klarer Nachweis für eine Beziehung zur Schizophrenie erbracht werden.[13] Auch der Zusammenhang zwischen niedrigem Körpergewicht und SPS legt eine Beteiligung biologischer Faktoren nahe.[14]

Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund mangelnder sozialer Fertigkeiten und dem fehlenden Wunsch nach sexuellen Erfahrungen haben Menschen mit SPS manchmal nur wenige Freundschaften und heiraten selten. Schizoide Patienten sind daher oft kinderlos und leben eher allein oder noch bei den Eltern.[6][15]

Über Prognose und Verlauf ist sonst nur wenig bekannt, da diese Persönlichkeitsstörung in den letzten Jahrzehnten kaum mehr beforscht wurde. Weiterhin ist vermutlich die Bereitschaft oft zu gering, sich im Rahmen wissenschaftlicher Studien untersuchen und behandeln zu lassen.[16]

Allgemein lässt sich sagen, dass bei Persönlichkeitsstörungen nicht erwartet wird, dass sich diese ohne Behandlung im Laufe der Zeit verbessern, weil es sich bei ihnen um überdauernde, lange vorhandene Verhaltensmuster handelt. Unter günstigen Bedingungen jedoch, etwa wenn im Rahmen einer Therapie Vertrauen gefasst werden kann, können sich die schizoiden Züge unter Umständen mildern, sodass Plastizität und damit eine gewisse Veränderung eintritt.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ICD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ICD-10 führt die SPS unter F60.1 auf. Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:[11]

  1. wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude;
  2. zeigt emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachte Affektivität;
  3. reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle für andere oder Ärger auszudrücken;
  4. erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen;
  5. wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen (unter Berücksichtigung des Alters);
  6. fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die allein durchzuführen sind;
  7. übermäßige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introvertiertheit;
  8. hat keine oder wünscht keine engen Freunde oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine);
  9. deutlich mangelndes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen. Wenn sie nicht befolgt werden, geschieht das unabsichtlich.

Nach DSM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut DSM-5 handelt es sich um ein tiefgreifendes Muster, das durch Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks im zwischenmenschlichen Bereich gekennzeichnet ist. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter, und das Muster zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:[6]

  1. Hat weder den Wunsch nach engen Beziehungen noch Freude daran, einschließlich der Tatsache, Teil einer Familie zu sein.
  2. Wählt fast immer einzelgängerische Unternehmungen.
  3. Hat, wenn überhaupt, wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen.
  4. Wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude.
  5. Hat keine engen Freunde oder Vertraute, außer Verwandten ersten Grades.
  6. Erscheint gleichgültig gegenüber Lob und Kritik von Seiten anderer.
  7. Zeigt emotionale Kälte, Distanziertheit oder eingeschränkte Affektivität.

Tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie, einer bipolaren Störung oder depressiven Störung mit psychotischen Merkmalen, einer anderen psychotischen Störung oder einer Autismus-Spektrum-Störung auf und ist nicht Folge der physiologischen Wirkungen eines medizinischen Krankheitsfaktors. Falls die Kriterien vor dem Beginn einer Schizophrenie erfüllt waren, ist „prämorbid“ hinzuzufügen, z. B. „Schizoide Persönlichkeitsstörung (prämorbid)“.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Kretschmer beschrieb in seiner Konstitutionslehre (1921) einen fliessenden Übergang von Gesundheit zu Krankheit: Von den Schizothymen (gesund) – über die Schizoiden (Grenzfall) – bis zu den Schizophrenen (krankhaft). Typisch für den schizoiden Chararakter waren laut ihm das „In-sich-hinein-leben“ und das Pendeln zwischen zwei gegensätzlichen Eigenschaftspolen: Einerseits leicht verletzbar, empfindsam, launisch, nervös und exzentrisch („hyperästhetisch“= überempfindlich), andererseits aber gleichzeitig unterkühlt, schroff ablehnend, farblos und gleichgültig („anästhetisch“= unempfindlich). Ab 1980 jedoch begrenzte man die Definition der schizoiden Persönlichkeitsstörung streng auf die unempfindlichen Eigenschaften; die überempfindlichen Eigenschaften dagegen wurden der schizotypischen und ängstlich-vermeidendenden PS zugewiesen. Das bedeutete eine Zerstückelung des schizoiden Charakters in drei getrennte Persönlichkeitsstörungen.[11]

Experten bemängeln daran, dass dadurch grade das Herzstück der Schizoidie entfernt wurde – das Nebeneinander widersprüchlicher Persönlichkeitsmerkmale (die Ambivalenz). Salman Ahktar und Otto Kernberg zweifeln z.B. am DSM-Kriterium „hat keinen Wunsch nach engen Beziehungen“. Sie werten das als blosse Oberflächenerscheinung, weil dahinter meist eine Übersensibilität für die emotionalen Reaktionen anderer liege. Ahktar fordert daher eine Rückbesinnung auf Kretschmers ganzheitliches Konzept und kritisiert das DSM, weil es die Bedeutung verkenne, die soziale Beziehungen für schizoide Menschen haben. Aber auch die aktuellen Diagnosekriterien berücksichtigen Hyperempfindlichkeit, zwiespältiges Verhalten und innere Konflikte nicht und beschränken sich weiterhin auf eine gleichgültige und desinteressierte Fassade.[17][18]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel suchen vor allem Menschen mit mäßig ausgeprägten schizoiden Zügen eine Behandlung auf. Dabei leiden die Betroffenen oft unter ihrem Unvermögen, nahe Beziehungen zu anderen herstellen und genießen zu können.[9]

Psychotherapie

Die Behandlung erfolgt durch Psychotherapie, wobei es Personen mit schizoider Persönlichkeitsstörung häufig schwerfällt, eine engere Beziehung zu dem Therapeuten einzugehen. Es kommen sowohl verhaltenstherapeutische Veränderungsstrategien als auch psychodynamische Verfahren zum Einsatz.

Eine kognitive Verhaltenstherapie könnte jedoch zumindest anfänglich Probleme mit sich bringen. Denn bei dieser Therapieform besteht ein entscheidender Schritt darin, typische automatische Gedanken zu identifizieren. Bei anderen Persönlichkeitsstörungen funktioniert das meist gut. Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung ist es dagegen oft schwer, überhaupt irgendwelche automatischen Standardgedanken zu identifizieren. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Gedanken mit Gefühlen verbunden sind. Da bei schizoiden Personen möglicherweise die Anzahl der Gefühle geringer sind, kann vermutet werden, dass sie deshalb auch über weniger Gedanken berichten, als Menschen mit anderen Persönlichkeitsstörungen. In den wenigen festgestellten automatischen Gedanken spiegeln sich die Gedankenarmut und apathische Sichtweise schizoider Menschen wider. Wenn doch automatische Gedanken vorhanden sind, befassen sich diese typischerweise mit einer Vorliebe für Einsamkeit und dem Gefühl, ein abseits stehender Beobachter zu sein.[7]:S. 111f

Medikamente

Psychopharmaka sollten ergänzend eingesetzt werden, wenn zusätzlich eine schwere Depression, Ängste, Depersonalisation oder besonders schwere, psychosenahe Episoden auftreten.

Es kann auch versucht werden, die schizoide PS direkt zu behandeln. Denn einige Symptome ähneln der Negativ- oder Defizitsymptomatik der Schizophrenie, z. B. Apathie, sozialer Rückzug, eingeengtes Gefühls- und Gemütsleben, Lust- und Freudlosigkeit, Verarmung von Sprache und Denken und reduzierte Ausdauer und Willenskraft (Avolition). Daher könnten atypische Neuroleptika (wie Olanzapin, Sertindol etc.) erfolgversprechend sein.[19] Eine ursächliche Behandlung mit Medikamenten ist jedoch nicht bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Guido Pliska (2009): Gottfried Benn und die Schizoidie. doi: 10.1007/s00115-009-2859-1.„Den Schlüssel zu den schizoiden Temperamenten aber hat der, der klar erfasst hat, dass die meisten Schizoiden nicht entweder überempfindlich oder kühl, sondern dass sie überempfindlich und kühl zugleich sind, und zwar in ganz verschiedenen Mischungsverhältnissen.“ (Ernst Kretschmer)
  2. a b Schizoide Charakterstruktur (Wikipedia) und Kapitel 5 aus Alexander Lowen (2011): Bioenergetik. ISBN 3-644-41361-4. Medizin im Text (Blog): Schizoide Persönlichkeitsstörung. Zitat:„Viele Schizoide sind intellektuelle Menschen - sie beschäftigen sich lieber mit theoretischen Dingen, als einen Nagel in die Wand zu schlagen.“
  3. Stefan Röpke: Die schizoide PS: Abschied von einer Diagnose? (Folie 13-14). "Schizoide Menschen zeigten in einer norwegischen Studie weniger Kontakt mit Familie und Freunden, weniger subjektives Wohlbefinden, weniger Lebenszufriedenheit, weniger Unterstützung und mehr negative Lebensereignisse." Skodol (2011) schreibt über die SPS: "It was found by Ulrich (2007) to have the lowest functioning among the PDs with respect to achievement and interpersonal relations..." (p.150).
  4. Ronald Laing (1994). Das geteilte Selbst. (Kapitel 5: Das innere Selbst im schizoiden Zustand.) ISBN 978-3-462-02375-6.
  5. a b Philip Manfield (1992): Split self/split object: understanding and treating borderline, narcissistic, and schizoid disorders. Jason Aronson, ISBN 0-87668-460-6. “Not all schizoids keep away from people. It is not people that schizoids avoid, but emotional intimacy, self disclosure, and emotions both positive and negative.” (S. 207)
  6. a b c d DSM-5 (2015): Beschreibungstext und Kriterien zur schizoiden PS. ISBN 978-3-8017-2599-0. S. 894f
  7. a b Die Schizoide und Schizotypische Persönlichkeitsstörung (S.105-119). In: Aaron Beck (1995). Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen. Beltz, ISBN 978-3-621-27155-4.
  8. Sharon Ekleberry (2008): Cluster A: Schizoid Personality Disorder and Substance Use Disorders. S. 31f. ISBN 978-0-7890-3693-3.
  9. a b Sabine Herpertz: 4.2 Schizoide Persönlichkeitsstörung. In: Persönlichkeitsstörungen. Thieme Verlag, 2003, doi:10.1055/b-0034-12065.
  10. James F. Masterson, Ralph Klein (1995): Disorders of the Self. Brunner/Mazel. Secret Pure Schizoid Cluster Disorder. (S. 25–27). ISBN 0-87630-786-1.
  11. a b c Wolfgang Tress (2002): Persönlichkeitsstörungen: Leitlinie und Quellentext. Schattauer Verlag, ISBN 9783794521425. S. 83f.
  12. Adrian J. Connolly (2008): Personality Disorders in Homeless Drop-In Center Clients. doi: 10.1521/pedi.2008.22.6.573. "Cluster A personality disorders (paranoid, schizoid, schizotypal) were found in almost all participants (92% had at least one diagnosis)."
  13. Paul H. Blaney u.a.: Oxford Textbook of Psychopathology. Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0-19-981184-7, S. 649 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. Johannes Hebebrand u.a. (1997): Low body weight in male children and adolescents with schizoid personality disorder or Asperger's disorder. doi:10.1111/j.1600-0447.1997.tb09906.x.
  15. Simone Hoffner (1999): Die schizoide Persönlichkeitsstörung. Ergebnisse einer empirischen Studie zur Klassifikation schizoider Störungen und erste Validierungsversuche des Interviews zur Diagnostik schizoider Störungen IDS. Dissertation, Universität Heidelberg. (Zusammenfassung)
  16. Thomas Suslow, Volker Arolt (2008): Schizophrenienahe Persönlichkeitsstörungen. doi: 10.1007/s00115-008-2589-9. Zitat:"Es besteht ein erheblicher Mangel an Untersuchungen zu neuropsychologischen und neurobiologischen Merkmalen und psychosozialen Risikofaktoren der paranoiden und schizoiden Persönlichkeitsstörung."
  17. Peter Fiedler: Persönlichkeitsstörungen. 6. Auflage. Beltz, 2007, ISBN 978-3-621-27622-1, S. 137: „Die jetzige Diagnose „schizoide PS“ nimmt also –wenn man so will– der bei Kretschmer beschriebenen Schizoidie ihre Zwiespältigkeit: Die zweite Charakterseite, die er der vermeintlichen Schizoidie zuschrieb (nämlich empfindsam, leicht verletzbar, launisch und sprunghaft), gilt seither als Anteil der schizotypen PS.“
  18. DSM-5 Clinical Cases (2013): "Oddly isolated" (Case 18.2). ISBN 978-1-58562-463-8. Zur Trennung von schizoider und ängstlicher PS siehe Livesley (1986).
  19. Schizoid Personality Disorder (Chapter 3, pp. 45-56). In: Sonny Joseph (1997). Personality Disorders - New Symptom-Focused Drug Therapy. ISBN 978-0-7890-0134-4.
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