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Schlüssel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schlüssel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bestandteile eines historischen Türschlüssels
Diverse Schlüssel
Zwei gleiche Schlüssel

Ein Schlüssel ist ein Werkzeug zum Verschließen und Öffnen eines Schlosses, z. B. eines Türschlosses oder Vorhängeschlosses. Dazu wird meist der Schlüssel durch das Schlüsselloch in das Schloss eingeführt und durch Drehung geöffnet. Schlüssel dienen dem Einbruchschutz und der Zutrittskontrolle.

Die historisch häufigste Form ist der Buntbartschlüssel. Sein Griff wird als Reite, Reide oder Räute, bezeichnet. Diese konnte in früheren Zeiten reich verziert sein. Der die Verschlussvorrichtung erfassende, im Idealfall nur zu einem bestimmten Schloss passende Teil heißt Bart. Er ist an den Halm hart angelötet, mit ihm gegossen oder geschmiedet. Der Halm kann massiv (Volldorn) oder hohl (Hohldorn) ausgeführt sein. Um die Einschubtiefe des Schlüssels zu begrenzen, ist manchmal eine Verdickung am Halm (Gesenk, Ansatz) angebracht. Das alles soll gewährleisten, dass das entsprechende Schloss nur mit diesem oder einem baugleichen Schlüssel aufgeschlossen werden kann. Denn die Aufgabe eines Schloss-Schlüsselsystems ist der Schutz eines Raumes, eines Fahrzeuges oder anderer Gegenstände vor unbefugtem Betreten, Benutzen oder anderweitigem Zugriff.

Schlüssel bestanden anfangs aus Holz, später – wie heute fast ausschließlich – aus Metall. Sie sind meist mit einem Schlüsselring verbunden und häufig bilden mehrere Schlüssel so einen Schlüsselbund. Schlüssel, die für den bedarfsweisen Gebrauch durch mehrere berechtigte Personen gedacht sind, werden oft in einem Schlüsselkasten aufbewahrt.

Geschichte von Schloss und Schlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geschichtliche Herkunft einzelner Sperrsysteme ist im Artikel Schloss (Technik) beschrieben. In dem folgenden Abschnitt dagegen wird die Gesamtentwicklung chronologisch abgehandelt.

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der späten Bronzezeit sind zum Beispiel in den Pfahlbausiedlungen des Alpenraumes vorgeschichtliche Bodenfunde von 30–50 cm langen bronzenen Schlüsseln in Form von sichelförmigen Haken gemacht worden. Von ähnlicher Form, aber aus Eisen, sind die Schlüssel der Kelten aus der Hallstatt- und Latènezeit.[1] Spätere Beispiele haben mehrzinkige Hakenformen.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ägypten waren bereits im Neuen Reich von außen zu bedienende Verriegelungstechniken mit Hilfe eines Stoßschlüssels[2] bekannt,[3] die auch mehrfach materiell und literarisch nachgewiesen sind. In der griechischen Antike sind Schlüssel wohl in homerischer Zeit aufgekommen, die auch in der Ilias und Odyssee beschrieben werden.[4] Demnach wurde ein hölzerner Riegel von außen durch einen Riemen in die Schließstellung gebracht und anschließend kunstvoll verknotet. Um das Tor öffnen zu können, musste der Riemen entknotet werden, damit man anschließend den mit Kerben oder Höckern versehenen Riegel durch einen kurbelähnlichen Stab, den man schon im Altertum als lakonischen Schlüssel bezeichnete, zurückschieben konnte.[5] Auch materiell haben sich solche, zum Teil inschriftlich als Tempelschlüssel bezeichnete Stücke erhalten.[6] Schlösser für mehrzinkige Schlüssel dürften um 500 in Griechenland aufgekommen sein,[7] sie sind seitdem auch aus Eisen, nur noch um die 10–14 cm lang, zeigen eine ringförmige Reite und einen vom Schaft rechtwinklig abgewinkelten Bart, auf dem drei bis vier Zähne senkrecht stehen. Diese heben im hölzernen Schlossmechanismus entsprechende Sperrklötzchen (βάλανοι/balanoi) hoch, daher der Name Balanos-Schloss.[8]

Römischer Schlüssel aus Bronze, ca. 6,6 cm lang
Römischer Schlüsselring aus Bronze

Die römische Schließtechnik, die sich zunächst von griechischen Vorbildern kaum unterschied, entwickelte sich erst in der Kaiserzeit, also etwa seit der Zeitenwende um Christi Geburt entscheidend weiter. Die hölzernen Riegel wurden zunehmend durch Metallkonstruktionen abgelöst. Die nach der Öffnungsbewegung so genannten Hebe-Schiebe-Schlüssel dazu sind am abgewinkelten, senkrecht zum Griff stehenden Bart zu erkennen. Zahllose Exemplare sind als archäologische Funde überliefert (im Kastell Saalburg hat man über 200 Stück gefunden). Ihr Format und ihre Häufigkeit lassen darauf schließen, daß nicht nur Türen, sondern auch Behältnismöbel und Kästchen so verschlossen wurden. Die Reite mancher kleinen Schlüssel erlaubte es, sie wie einen Ring am Finger mit sich zu tragen.[9] Auch Drehschlüssel, deren Schlösser technisch aufwendiger waren, kamen schon bei den Römern vor. Größere Schlüssel waren aus Eisen geschmiedet, die kleineren aus Bronze gegossen, auch solche mit Griff aus Bronze und Bart aus Schmiedeeisen sind bekannt.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterliche Türschlösser basieren durchweg auf dem Drehschlüssel. Viele der sogenannten Wikingerschlüssel, die in ganz Skandinavien gefunden wurden, sind gekennzeichnet durch schlichten Bart, kurzen Schaft und große, ornamental oder tierfigürlich ausgestaltete Reite. Ähnlich, aber schmuckloser sind Schlüssel aus dem angelsächsischen Kulturkreis.[10] Im Frühmittelalter wurden die Bartprofile komplizierter, während die Reite eher schlicht blieb. Charakteristisch für gotische Schlüssel ist die rautenförmige, häufig zum Vierpass ausgeschmiedete Handhabe. Der dekorativen Anreicherung des Schlüssels sind natürliche Grenzen gesetzt. Die filigranen Kammbärte und mit Maßwerk durchbrochenen Reiten der sogenannten Venezianischen Schlüssel des 15./16. Jahrhunderts oder die manirierten Laternengriffschlüssel des 17. Jahrhunderts blieben Sonderfälle. Virtuose Sonderleistungen des Schlosserhandwerks richteten sich seit dem späten Mittelalter eher auf raffinierte Schlosseinrichtungen und dekorative Schlossbleche. Technische Neuentwicklungen der Schließtechnik bewegten sich erst seit dem späten 18. Jahrhundert wieder vorwärts. Siehe dazu den Artikel Schloss (Technik).

Heutige Schlüssel: Sonderformen und Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generalschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem Generalschlüssel können mehrere verschiedene Schlösser entsperrt werden. Bezeichnet wird er auch als Hauptschlüssel, Zentralschlüssel oder Passepartout (von franz. passer ‚durchgehen‘ und partout ‚überall‘). Der berechtigte Nutzer eines Schlüssels hat die Schlüsselgewalt inne.

Neubauschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter einem Neubauschlüssel versteht man ein Werkzeug, mit dem sich Türen ohne Beschlag und Klinke öffnen lassen.

Schlagschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nebenstehende Bild zeigt sogenannte Schlagschlüssel. Die Profilkerben sind alle einheitlich auf der tiefsten Stelle. Mit solchen Schlüsseln und einer besonderen Schlagtechnik kann man die meisten Schließzylinder öffnen. Schlüsseldienste haben üblicherweise solche Spezialschlüssel im Werkzeugkasten.

Mechanische Schlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Buntbart- und Zylinderschloss-Schlüssel. Tresorschlösser lassen sich zum Teil nur durch die Einführung von zwei oder mehr Schlüsseln, die jeweils verschiedene Personen besitzen, aufschließen. Damit ist bei der Öffnung der Tür kein Benutzer allein.

Ferner gibt es Bohrmuldenschlüssel bzw. Wendeschlüssel. Hier wird der Rohling seitlich unterschiedlich tief angebohrt, das Bohrbild ist auf beiden Seiten identisch – der Schlüssel schließt, egal wie man ihn in den Zylinder einführt.

Besondere Autoschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoschlüssel (Zündschlüssel) sehen den gezackten Bartschlüsseln häufig ähnlich und sind meist von der Form her symmetrisch. Es existieren auch spezielle Schlüsselformen, wie zum Beispiel jene von Ford. Schlüssel von Renault haben vorne im Bart ein kleines Loch.

Berliner Schlüssel/Durchsteckschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Schlüssel mit Halterung

Der Berliner Schlüssel oder Durchsteckschlüssel ist ein Schlüssel mit zwei Bärten. Er wird eingesetzt, damit Hausbewohner dazu gezwungen werden, nach dem Betreten oder Verlassen des Hauses wieder abzuschließen. Man muss erst normal aufschließen und schiebt den Schlüssel dann durch das Schlüsselloch. Nachdem man dann von innen abgeschlossen hat, kann man den Schlüssel wieder abziehen. Das System wurde 1912 von dem Berliner Schlüsselmacher Johann Schweiger erfunden. Der Berliner Schlüssel war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet, heute ist er jedoch kaum noch in Gebrauch.[11]

Elektronische Schlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktiv-Transponder
Aktiv-Transponder in Kombination mit einem mechanischen Schlüssel

Neben mechanischen Schlüsseln gibt es auch Magnetkartenschlüssel bzw. elektronische oder elektromagnetische Systeme, zum Beispiel:

  • mit drahtlosem Sender (wie beim Autoschlüssel),
  • mit Fingerabdruck-Erkennung oder
  • mit RFID-Technik. Diese werden auch als Transponder bezeichnet. Diese Transponder gibt es als Karte oder Schlüsselanhänger oder in einem mechanischen Schlüssel integriert, wie es bei Autoschlüsseln mit integrierter Wegfahrsperre mittlerweile üblich ist.

Kopieren von Schlüsseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlüssel älterer Schließsysteme, sogenannte Bartschlüssel, wurden stets gemeinsam mit dem Schloss hergestellt. Nachschlüssel ließen sich durch Feilen einer weitgehend mit einer Vorlage identischen Kopie erzeugen. Fehlt die Vorlage, z. B. weil sie der Schlüsselinhaber nicht herausgegeben hat, ist es möglich, die Kopie anhand eines Abdruckes herzustellen, der von der Vorlage in weichen Ton, Knetmasse oder Gips gemacht wird. Die Kopie wird dann so lange befeilt und bearbeitet, bis der Nachschlüssel bequem in den Abdruck passt. Gibt es keinen Schlüssel (oder Abdruck des Schlüssels) mehr zu einem Schloss, kann die Anfertigung eines Schlüssels recht aufwendig sein, je nachdem wie kompliziert das Schloss konstruiert ist.

Einfache Bartschlüssel müssen aber allgemein nicht sehr passgenau sein, da in vielen älteren Schlössern der Bart allein durch seine Form, die sogenannte Schweifung, bestimmt, ob er in das Schloss passt; der Schließvorgang jedoch von der Form des Schlüssels weitgehend unabhängig funktioniert. Schlüssel mit den für einfache Zimmertürschlösser verbreiteten Schweifungen sind daher als fertige Ersatzteile erhältlich.

Heute lassen sich viele einfache Schlüssel, die großflächig bei Wohnungstüren oder Gebrauchsräumen verwendet werden, immer noch mit einer Vorlage kopieren, die in eine Maschine eingespannt und abgetastet wird, wobei die Information auf ein Werkzeug übertragen wird, das einen Rohling bearbeitet. Dienstleister bieten diese Arbeit preisgünstig an und benötigen wenige Minuten dafür, sofern die passenden Rohlinge vorrätig sind. Die oberen beiden Bilder zeigen solche Maschinen.

Modernere Schlüssel lassen sich nicht mehr auf diese Weise kopieren. Für ihre Herstellung werden entweder keine Rohlinge frei vertrieben oder man benötigt eine Kennziffer oder einen numerischen Code, der die nötigen Informationen zur Herstellung des Nachschlüssels enthält. Eine dazu passende Fräsmaschine zeigt das obere dritte Bild. Durch die Formatierung des Codes ist dieser nur im jeweils geltenden Schlüsselsystem (Typ oder Hersteller) brauchbar und lässt sich nicht auf andere Systeme oder Methoden übertragen. Der Code kann entweder eine Kennziffer eines vom Hersteller geheimgehaltenen Katalogs sein oder sich direkt auf Parameter des Schlüssels beziehen. So geben bei Schlüsseln, die bestimmte elektrische/leitende Eigenschaften haben oder in die Magnete implementiert sind, die Codes diese Eigenschaften an. Ohne Kenntnis des Katalogs oder der Bedeutung der kodierten Eigenschaften lässt sich auch im Besitz einer Vorlage nur sehr schwer bis überhaupt nicht ein Nachschlüssel erzeugen. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass Nachschlüssel mit modernen Kommunikationsmitteln bestellt werden müssen und per Post geliefert werden können.

Moderne Schlüsselsysteme bieten außerdem aufgrund der hohen Zahl der möglichen Schlüssel den Vorteil, dass durch Austauschen der Schließzylinder ein einzelner oder eine Teilmenge der umlaufenden Schlüssel unbrauchbar werden kann, die übrigen aber funktionsfähig bleiben. Die Hersteller bieten hier verschiedene Möglichkeiten an. Auch individuelle Schlüssel lassen sich erstellen, wobei angegeben werden kann, zu welchen Schlössern ein solcher Schlüssel passen darf. Man spricht dann von einer Schließanlage. Dieser Schließanlage ist eine Sicherungskarte beigelegt, mit der man unter Vorlage der Karte Nachschlüssel anfertigen lassen oder Erweiterungen der Schließanlage beauftragen kann.

Mehrfachschlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei diesen Systemen lässt sich die Tür nur dann öffnen, wenn zwei oder mehr Schlüssel gleichzeitig zur Anwendung kommen, um sicherzustellen, dass die Tür nur von mehreren anwesenden Schlüsselinhabern gemeinsam geöffnet werden kann. Entweder sind mehrere Schlösser in die Tür eingebaut oder ein Schloss enthält mehrere Schließzylinder. Dann sind auch Kombinationslösungen möglich, bei denen z. B. mindestens zwei von drei Schlüsseln zum Öffnen benötigt werden. Aufgrund der aufwendigen Anfertigung dieser Schlösser werden sie heute zunehmend von elektronischen Sicherungseinheiten mit Zugangscodes abgelöst. Aus traditionellen Gründen sind sie aber noch bei Tresoren oder bei besonders gesicherten Räumen gebräuchlich. Bei neueren Bauarten betätigen die Schlüssel den eigentlich mechanischen Schließvorgang nicht mehr, sondern werden nur noch erkannt und setzen dann eingebaute, elektronisch gesteuerte Automatismen in Gang, was die Vergabe der Schlüssel erleichtert und Maßnahmen im Falle eines Schlüsselverlusts vereinfacht. Einzelne Schlüssel oder ihre Besitzer lassen sich aus dem Kreis der Zugangsberechtigten zurückziehen, ohne Umbauten am Schließsystem vornehmen zu müssen. Auch lässt sich für jeden Schlüsselinhaber festlegen, ob er die Tür allein oder in Begleitung öffnen darf. Im Gegensatz zum Zugangscode bieten diese Systeme einen höheren Schutz gegen Weitergabe, im Gegensatz zur Magnetkarte sind sie schwerer kopierbar, nicht versehentlich löschbar und mechanisch unempfindlicher im täglichen Gebrauch.

Symbolik und Ikonographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während in Redewendungen und zusammengesetzten Begriffen (wie Schlüsselfeld, Schlüsselqualifikation, Schlüsselindustrie, Schlüsselposition, Schlüsselreiz, Schlüsselroman), das Wort Schlüssel oft im übertragenen Sinne benutzt wird, meist um ein zielführendes oder verständnisbildendes Hilfsmittel zu charakterisieren, ist der sinnbildliche Gehalt materieller oder bildlicher (zeichenhafter) Schlüssel eher als legitimierendes Zeichen von Machtausübung eingesetzt und verstanden worden.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Griechen und Römer sich den Himmel und die Unterwelt mit Toren verschlossen vorstellten, besaßen auch verschiedene Götter Schlüssel,[12] so vor allem Janus (Mythologie). Der Schlüssel als Zeichen hoheitlicher Gewalt im Sakralbereich begegnet in der Ikonographie auf griechischen Grabreliefs seit der klassischen Zeit,[13] wo er vor allem Tempelpriesterinnen zuzuordnen ist. Wegen seiner Größe wurde das Instrument in Form eines zwei mal rechtwinklig gebogenen Stabes (lakonischer Schlüssel) auf der Schulter getragen.

Christliche Symbolik und Ikonographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hl. Petrus empfängt die Schlüssel des Himmels, Buchmalerei im Perikopenbuch Heinrichs II., um 1000

Eine Bibelstelle im Alten Testament (Jes. 21,22), wo dem Eljakim die Schlüssel des Hauses Davids auf die Schulter gelegt werden, wurde vorbildlich für die bedeutungsvolle und in ihren theologischen Interpretationen umstrittene Szene im Neuen Testament, (Matth. 16,19), in der Jesus die Schlüssel des Himmelreiches dem Apostel Petrus übergibt. Da die Nachfolger Petri damit ihre Binde- und Lösegewalt legitimierten, erscheinen dementsprechend auch zwei Schlüssel im päpstlichen Wappen.

Heiligenattribute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apostel Petrus, zur Schlüsselübergabe siehe den voraufgehenden Abschnitt.
  • Benno von Meißen (um 1010–1106), Bischof von Meißen. Eine Legende erzählt, daß der Kirchenschlüssel, den er in die Elbe warf, um ihn dem dem Zugriff des Kaisers zu entziehen, von einem Fisch verschluckt und nach Rückkehr des Bischofs im Fischbauch gefunden worden sein soll.
  • Servatius von Tongern, der durch ein Wunder in Rom die Schlüssel des Hl. Petrus bekommen haben soll.
  • Hubertus von Lüttich, Schutzpatron der Schlosser, siehe auch Hubertusschlüssel.
  • Einige weitere verehrte Gestalten werden mit einem nicht obligatorischen Schlüsselattribut dargestellt, so Genoveva von Paris[14] (in ihrer Legende öffnet sie die Stadttore, um Gefangene zu befreien), und der selige Gamelbert (mit den Schlüsseln seiner Investitur).[15]
  • Die Schlüsselbunde der Heiligen Notburga von Rattenberg, Petronilla und der biblischen Martha kennzeichnen ihre hausfrauliche Rolle.

Emblematik in Renaissance und Barock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Emblematik des 16.–17. Jahrhunderts kann der Schlüssel neben dem päpstlichen Sinnbezug folgende Bedeutung haben: die Macht des Gebetes, die Erlösung durch Christus, die Tugenden der Hausfrau und die Verschwiegenheit. In der Hand Amors ist er begleitet von den Zeilen: "... nur einer der zu mir paßt, findet zum Innersten meines Herzens...". Der Schlüsselbund steht für die Verschiedenheit der Begabungen.[16]

Szene 20 des gestickten Teppichs von Bayeux (um 1070): Die Stadt Conan ergibt sich durch Übergabe der an der Lanzenspitze überreichten Stadtschlüssel.

Die Schlüsselübergabe als Kapitulations- oder Huldigungsakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Velázquez: Die Übergabe von Breda, 1625, Prado.

Die zeremonielle Überreichung der Schlüssel eroberter Städte und Festungen an den Sieger wurde wohl erst im Mittelalter üblich. Eine der ältesten Darstellungen dieses Vorgangs sehen wir auf dem Teppich von Bayeux (nach 1066), das berühmteste Beispiel der Kunstgeschichte in der Übergabe von Breda (1625) von Diego Velázquez und in der Moderne schließlich eine äußerst unzeremonielle, aus dem Rituellen ins Existenzielle gewendete Version in Gestalt der Bronzegruppe „Die Bürger von Calais“ des Auguste Rodin (1895).[17] Die nach Eroberungen übergebenen Stadtschlüssel blieben oft im Besitz des Siegers,[18] während bei Huldigungen, die keinen unmittelbaren Kapitulationsakt darstellten, die Schlüssel anschließend wieder stillschweigend ihrem bisherigen Gebrauch zugeführt wurden. In anderen Fällen ließ man eigens prächtige Exemplare zu solchen Zeremonien anfertigen, wie beispielsweise Jérôme Bonaparte 1808 dekretierte.[19] Wiederaufgenommen wurde dieses Ritual bei der im heutigen Brauchtum mit symbolischen Schlüsseln häufig vollzogenen "Machtübergabe" von Rathäusern an die Narren während der Karnevalstage. Ferner ist das Überreichen von ebenfalls medienwirksam vergrößerten Schlüsselattrappen eine übliche Aktion bei Gebäudeeröffnungen und Einweihungen.

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahllose Personen und Körperschaften führten und führen zum Teil bis in die Gegenwart einen oder mehrere Schlüssel im Wappen oder Signet. In der überwiegenden Zahl der Fälle ist das Motiv abgeleitet vom Attribut des Hl. Petrus, der auf den Namenspatron des Wappenführes oder das Patrozinium der örtlichen Kirche verweist.[20]

Eherechtliche Schlüsselgewalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sinnbild der Verfügungsgewalt der Ehefrau (Schlüsselgewalt) über Angelegenheiten des eigenen Haushalts galt seit antiker Zeit der Schlüssel.[21] "Einer Frau den Schlüssel wegnehmen" (claves uxori adimere)[22] war gleichbedeutend mit Scheidung. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Darstellungen zeigen Ehefrauen oft mit einem demonstativ zur Schau gestellten Schlüsselbund am Gürtel.[23]

Kammerherrenschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kammerherrenschlüssel

Kammerherren trugen als Zeichen ihrer Würde einen Schlüssel zu den fürstlichen Privatgemächern sichtbar auf ihrer Amtstracht. Im 18. Jahrhundert wandelte sich der Kammerherrenschlüssel zu einem nur noch symbolischen Prunkstück aus vergoldeter Bronze.

Der Versuch, mit Hilfe eines Schlüssels Nasenbluten zu stillen. Lithographie von Honoré Daumier, Mitte des 19. Jh.

Schlüssel im Volksglauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Volksglauben begegnet der Schlüsssel als Träger magischer Kräfte in variantenreichen Anwendungen. Er heilt vermeintlich Krankheiten und Verletzungen, schützt vor Gefahren und dient als Instrument bei der Befragung der Zukunft. Die naheliegende Symbolik von Schlüssel/Phallus und Schloß/Vagina steht im Zusammenhang mit "abergläubischen" Handlungsmustern, die bei Schwangerschaft und Geburt angewendet wurden. Besondere Wirkungsmacht wurde den über mehrere Generationen vererbten Schlüsseln zugesprochen. In Amulettform waren Heiligenattribute (Petrus-, Ulrichs-, Hubertusschlüssel) verbreitet, in der Steiermark der Reiner Gnadenschlüssel. Der sogenannte Fraisschlüssel, an einer Kette um den Hals getragen, sollte vor Krämpfen schützen.[24]

Literatur (zur Geschichte und Symbolik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Diels: Antike Technik. 6 Vorträge. Teubner, Leipzig/Berlin 1914. Kapitel L. Antike Türen und Schlösser. S. 34–49.
  • Adalbert Erler, Schlüssel (als Symbol). In: Handwörterbuch zur Rechtsgeschichte, Bd. 4, Berlin 1990, S. 1443.
  • Heinrich Pankofer: Schlüssel und Schloß, München 1973
  • Jean-Josef Brunner: Der Schlüssel im Wandel der Zeit, Bern/Stuttgart 1988
  • Martin Müller: Schlüssel und Schloss im römischen Alltag - Ausgewählte Funde aus der Colonia Ulpia Traiana. In: Gefährliches Pflaster: Kriminalität im Römischen Reich. Ausstellung des Archäologischen Parks Xanten. von Zabern, Mainz 2011, S. 19–40.
  • Hans Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. 7, Berlin/Leipzig 1936, Sp. 1221.
  • Sigrid Canz: Schlüssel und Schloss als Bedeutungsträger in: Schlosserkunst, Bildführer des Bayerischen Nationalmuseums München, 1976.
  • Schloß, Schlüssel. In: Der Neue Pauly, Bd. 11, Stuttgart 2001, Sp. 186–189 (Schlüssel in der Antike)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlüssel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schlüssel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brunner, S. 30–48.
  2. Benjamin Hinson: The Egyptian Item, in: Zeitschrift für Ägyptische Sprache. Band 140, Heft 2, 2013, S. 129–131.
  3. Brunner, S. 9; Otto Königsberger: Die Konstruktion der ägyptischen Tür, 1936, S. 61, 63.
  4. Homer: Ilias, 12,455 f.; Odyssee, 21,241.
  5. Lexikon der Alten Welt. Bd. 3. Augsburg 1994. Sp. 2718. Reliefs auf Grabstelen von Tempelpriesterinnen zeigen, dass diese unhandlichen Instrumente auf der Schulter getragen wurden. (Brunner, Abb. S. 8).
  6. Heinrich Pankofer: Schlüssel und Schloß, München 1973, S. 29.
  7. Der Neue Pauly, Bd. 11, Stuttgart 2001, Sp. 187,
  8. Brunner, S. 27–29. Der Neue Pauli, Sp. 187
  9. Brunner, S. 50–67.
  10. Brunner, S. 72–79.
  11. Der Gegenstand – ARTE Karambolage, abgerufen am 9. Juli 2010
  12. Der Neue Pauly, Bd. 11, S. 188.
  13. Brunner: Schlüssel, Abb. S. 8 und 11.
  14. Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Stuttgart 1968, S. 215.
  15. Lexikon der Christlichen Ikonographie, Bd. 6, Ikonographie der Heiligen. Freiburg 1974, Sp. 348
  16. Arthur Henkel und Albrecht Schöne: Emblemata, Stuttgart 1967, Sp.1819, 1335–1339, 1750.
  17. Rodin: Die Bürger von Calais (Detail)
  18. Kardinal Albornoz führte 1367 dem Papst nach der Wiedereroberung des Kirchenstaats eine große Menge von Schlüsseln eroberter Städte vor (Erler, Handwörterbuch, Sp. 1444); In der Kasaner Kathedrale ließ 1815 Zar Alexander I. 93 Schlüssel von 25 eroberten Städten als Trophäen aufhängen (W. Bruce Lincoln, Sunlight at Midnight. St. Petersburg and the rise of modern Russia, New York 2002, S. 110).
  19. Rolf-Dietrich Müller, Zwei „goldene“ Schlüssel. Ein Geschenk der Stadt Paderborn an den König von Westphalen Nur digital. Abgerufen am 10. Mai 2016
  20. Beispiele: Bremer Wappen, Fahne und Wappen des Kantons und der Stadt Genf.
  21. Daniel Jütte: The State Gate. Thresholds and Power in Western History. 2015, S. 105.
  22. Cicero, Phil. 2,69.
  23. W. Brauneder: Schlüsselgewalt, eherechtlich, in: Handwörterbuch zur Rechtsgeschichte, Bd. 4, Berlin 1990, Sp. 1446-1450.
  24. Zum ganzen Abschnitt: Canz, S. 37–43.
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