Schlacht an der Marne (1918)

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Zweite Schlacht an der Marne
Einsatz erbeuteter britischer Panzer
Einsatz erbeuteter britischer Panzer
Datum 15. Juli bis 6. August 1918
Ort an der Marne, Frankreich
Ausgang Sieg der Alliierten
Folgen Zurückdrängung der deutschen Truppen auf die Stellungen vor der Frühjahrsoffensive 1918, endgültiger Übergang der Initiative an die Alliierten
Konfliktparteien
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich FrankreichFrankreich Frankreich
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Befehlshaber
Erich Ludendorff (Erster Generalquartiermeister)
Bruno von Mudra (1. Armee)
Karl von Einem (3. Armee)
Max von Boehn (7. Armee)
Johannes von Eben [1] (9. Armee)
Ferdinand Foch (Oberbefehlshaber der gesamten alliierten Streitkräfte)
Émile Fayolle (Groupe d’Armées de Réserve)
Paul Maistre (Groupe d’Armées du Centre)
Truppenstärke
1. Armee
3. Armee
7. Armee
9. Armee
Französische 4., 5., 6., 9., 10. Armee
Britisches Expeditionskorps (4 Divisionen)
Amerikanisches Expeditionskorps (8 Divisionen)
Italienisches II. Korps (2 Divisionen)
Verluste
168.000 Mann, davon 29.000 Gefangene[2] 95.000 Franzosen
17.000 Briten
12.000 Amerikaner
10.000 Italiener[2]

Die Zweite Schlacht an der Marne war eine entscheidende Schlacht an der Westfront des Ersten Weltkriegs und fand vom 15. Juli bis zum 6. August 1918 statt. Eine eingeleitete deutsche Offensive beiderseits Reims wurde unter schweren Verlusten abgeschlagen und die deutschen Truppen durch eine am 18. Juli beginnende französische Gegenoffensive bis Anfang August auf die Linie vor der Frühjahrsoffensive zurückgeworfen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Deutsche Offensiven an der Westfront 1918

Während der Dritten Schlacht an der Aisne hatte die deutsche 7. Armee im Juni 1918 zwischen Reims und Soissons einen großen Frontvorsprung geschaffen und erneut (wie im September 1914) die Marne erreicht. Am 25. Juni hatte eine amerikanische Marine-Brigade der 2. US Infanterie-Division das Bois de Belleau unter schweren Verlusten genommen und weitere deutsche Vorstöße über die Marne eingedämmt.

Die deutsche Oberste Heeresleitung unter Erich Ludendorff plante dennoch einen weiteren Angriff mit dem Ziel, die stark befestigte Stadt Reims einzuschließen und die französische Armee an dieser Stelle zu binden. Freiwerdende Truppen sollten dann eine erneute Aufnahme der Offensive gegen die Briten in Flandern ermöglichen. Nachdem die im Marnebogen liegende deutsche 7. Armee mit einer Verstärkung durch frische Divisionen für ihre Westfront nicht mehr rechnen konnte, da alle Reserven für den neu geplanten "Reims-Marneschutz Angriff" benötig wurden, sah sich Generaloberst von Boehn gezwungen, seine Kampfführung zwischen Oise und Marne ungünstig zu ändern. Er befahl seine zwischen der Oise und dem Ourcq eingesetzten Gruppen François (Gen. Kdo. VII. A.K.), Staabs (Gen.Kdo. XXXIX. Res.K.) und Watter (Gen. Kdo. XIII. A.K.) im Falle eines vorzeitig erkannten gegnerischen Angriffes, rechtzeitig auszuweichen und Gelände freiwillig aufzugeben um die eigenen Mannschaftsverluste zu vermindern.

General der Infanterie Johannes von Eben

Nachdem sich Boehns Aufmerksamkeit wegen des neuen Angriffes auf seiner Südfront an der Marne konzentrieren musste, wurden ihm am 5. Juli die Führung seiner zwischen Oise und dem Ourcq stehenden drei Korpsgruppen abgenommen. Die im Raum westlich Soissons, zwischen Oise und Marne liegenden Korps wurden zu der neuformierten 9. Armee vereinigt und General der Infanterie Johannes von Eben mit dem dortigen Oberbefehl betraut. Die Hauptaufgabe der 9. Armee bestand darin, die Verbindungen zwischen der 18. und 7. Armee sicherzustellen und den Verkehrsknoten Soissons vor gegnerischen Angriffen zu decken.

Am 6. Juli nahm der alliierte Oberbefehlshaber Ferdinand Foch am 6. Juli seine Angriffe wieder auf. Ein heftiger Vorstoß traf dabei die 201. Division westlich von Chateau-Thierry, dabei ging einiges Geländes zwischen der Höhe und der Stadt verloren. Am 8. Juli griffen die Franzosen auch den linken Flügel der 42. Division, sowie den rechten Abschnitt der 14. Reserve-Division an. Während all dieser taktischen Gegenstöße bereitete Foch eine neue Gegenoffensive durch vier französische Armeen (durch fünf amerikanische Divisionen verstärkt) gegen den deutschen Frontvorsprung vor, der dafür nötige Aufmarsch zwischen Aisne und Ourcq wurde erst am 16. und 17. Juli abgeschlossen. Zusätzliche starke Kräfteansammlungen im Walde von Villers-Cotterets wurden von der deutschen Heeresleitung nicht rechtzeitig erkannt.

Verlauf[Bearbeiten]

Operation Marneschutz-Reims[Bearbeiten]

Angriffsabschnitt der Armeen Boehn, Mudra und Einem in der Operation Marneschutz-Reims

Am 15. Juli begann unter den Decknamen Operation Marneschutz-Reims, der Angriff von 23 Divisionen der deutschen 1. und 3. Armee gegen die französische 4. Armee östlich von Reims sowie von 17 Divisionen der deutschen 7. Armee gegen die französische 6. Armee westlich der Stadt. Mit der vorerst defensiv verbleibenden 9. Armee, waren insgesamt 47 Divisionen bereitgestellt worden, 2000 Batterien und 1300 mittlere und schwere Minenwerfer (zusammen 6.353 Geschütze) unterstützten den auf fast 120 Kilometer Front angesetzten Angriff. Im westlichen Angriffsfeld sollte die 7. Armee die Marne bei Dormans und Chateau Thierry überschreiten und auf 50 Kilometer Breite beiderseits der Marne auf Epernay vorgehen.

Die 1. und 3. Armee hatten auf etwa 50 Kilometer Breite, 15 Divisionen in vorderer Linie, ebenfalls gegen die Marne vorzugehen. Während die 1. Armee die Linie Epernay-Chalons zugewiesen bekam, sollte die in der Champagne liegende 3. Armee durch einen Angriff zwischen Prunay und Massiges in Richtung Südost diese Bewegung an der linken Flanke decken.

Der Vorstoß der deutschen 3. Armee (Einem) mit dem XII. und XVI. Armeekorps östlich von Reims wurde durch die französische 4. Armee (General Gouraud) schnell zum Stehen gebracht. Die deutsche 1. Armee (Mudra), welche mit dem XV. Armee-Korps (Ilse) defensiv vor Reims verblieb, setzte das VII. und XXIV. Reserve-Korps (Gruppe Wellmann und Gruppe Langer) zum Angriff an, erreichte aber gegenüber der französischen Armee Berthelot nur geringen Geländegewinn.

Im Westen konnte die 7. Armee zwischen Dormans und Jaulgonne ein Brückenkopf über die Marne schlagen und Behelfsbrücken errichten. Das VIII. (Gruppe Wichura) und IV. Reserve-Korps (Gruppe Conta) konnten bis 16. Juli sechs Divisionen auf das Südufer bringen. Die westlicher beiderseits Chateau Thierry angreifenden VIII. Armee-Korps und XXIII. Reserve-Korps war kein Erfolg beschieden. Östlich von Chateau Thierry verstärkte sich der Widerstand des französischen 3. und 38. Corps. Die bei Mézy-Moulins über die Marne gegangene deutsche 36. Division wurde im Surmelin Valley durch einen starken Gegenstoß der 3. US-Division unter General Joseph T. Dickman zurückgedrängt. Am nächsten Tag verstärken diesen Angriff auch Teile der 28. US-Division und die französische 125. Division.[3] Am 17. Juli konnte sich der rechte Flügel der 7. Armee noch südlich der Marne behaupten, der Vormarsch war aber durch das Eingreifen britischer und frischer amerikanischer Truppen völlig eingedämmt.

Die französische Gegenoffensive[Bearbeiten]

Alliierte Gegenoffensive ab 18. Juli
Charles Mangin, Oberbefehlshaber der französischen 10. Armee
Der Abschnitt der französischen Gegenoffensive
Die amerikanischen Generäle Pershing und Bullard (Mitte rechts) mit französischen Offizieren bei der Lagebesprechung

Nachdem die deutsche Offensive verlustreich festgelaufen war, begannen die Alliierten am 18. Juli ihren bereits vorher geplanten Gegenangriff, an dem 24 französische, sowie mehrere britische, amerikanische und italienische Divisionen beteiligt waren. Den Hauptstoß gegen die Westseite des deutschen Frontvorsprungs führten die französische 10. und 6. Armee, die von Süden her durch die 9. Armee und aus dem Raum Epernay durch die 5. Armee unterstützt wurden. Die auf etwa 30 Kilometer Breite ausgedehnte westliche Hauptangriffsfront, nördlich der Aisne beginnend und bis Belleau nordwestlich von Chateau-Thierry reichend, wurde mit 16 Divisionen angegriffen, sieben weitere Divisionen und ein Kavallerie-Korps folgten als zweites Treffen dahinter. Die französische 10. Armee hatte gegen die deutsche Linien am westlichen Frontbogen in den Wäldern von Compiegne und Villers-Cotterêts mehrere hundert Renault FT-17-Panzer unbemerkt zusammengezogen. Um 5.35 früh begann ohne Vorbereitung der Artillerieschlag, der sofort in die Feuerwalze überging, dem die Infanterie folgte.

  • die 10. Armee (General Charles Mangin) griff vom Westen aus den Raum Compiegne gegen die deutsche 9. Armee an, auf 24 Kilometer Front wurden 16 Infanterie - und 3 Kavallerie-Divisionen konzentriert, dabei unterstützten 240 leichte- und 231 schwere Batterien sowie 41 Luftgeschwader und 375 Tanks.
  • die 6. Armee (General Jean-Marie Degoutte) stieß aus dem Raum Villers Cotterets gegen den Abschnitt zwischen den Ourcq und Clignon vor, dabei waren 8 Infanteriedivisionen und 157 Tanks im vorderen Treffen angesetzt.
  • die neu formierte 9. Armee (General Antoine de Mitry) hatte den rechten Flügel der 6. Armee im östlich anschließenden Frontbogen freigemacht und übernahm zwischen Chateau-Thierry und Dormans die dortige Marne-Verteidigung, sie rang mit der südlich des Flusses stehenden deutschen Gruppe Wichura.
  • die 5. Armee (General Henri Berthelot) zog im Süden die Hauptlast des deutschen Angriffes auf sich, begann aber von Osten aus den Wäldern von Vassy und Montagne heraus, mit Gegenstößen. Das II. italienische Armeekorps (General Albricci) war gerade im Raum südlich Reims zur Unterstützung eingetroffen.

Im Abschnitt des übergeordneten französischen XX. Korps (General Berdoulat) führte das III. US-Corps unter General Robert Lee Bullard mit der 1. und 2. Division den Hauptangriff in Richtung auf Soissons. Die dabei angegriffene Front der deutschen 241. Division wurde im Süden aufgerollt, am linken Flügel der Gruppe Staabs (Gen.Kdo. XXXIX. Res.K.) klaffte eine nicht unerhebliche Lücke. Die Front der südlicher anschließenden 11. bayerischen Division hielt noch stand bis auch der rechte Flügel der Gruppe Watter (Gen.Kdo. XIII. A.K.), die 42. Division bei Chaudun zurückgedrückt wurde. Durch die jetzt offene Nordflanke war auch die Front der südlicher folgenden Gruppe Winckler (Gen.Kdo. XXV. Res. K.) mit der 40. Division, der 10. bayerischen Division und der 78. Reserve-Division nicht mehr zu halten.

Der westliche Frontbogen zwischen Soissons und Marne
Infanteriekampf zwischen amerikanischen und deutschen Soldaten

Beidseitig des Ourcq erfolgte aus dem Raum La Ferté-Milon der massive Angriff des französischen II. Korps unter General Philippot, dieser in Richtung auf Oulchy-le-Château zielende Vorstoß, wurde durch die 4. US-Division verstärkt und traf die Front der Gruppe Winckler bei Neuilly St. Frond. Am rechten Flügel der französischen 6. Armee führte das I. US Korps unter General Liggett den Angriff aus dem Raum Gandelu-Marigny mit der 26. US Division und der zugeteilten französischen 73. Division gegen die bei Étrépilly verteidigende deutsche Gruppe Schoeler (Gen.Kdo. VIII. A.K.). Die zum Gegenangriff bestimmte neu eingesetzte Gruppe Etzel (Gen. Kdo. XVII. A.K.) wurde die Führung zwischen den Gruppen Watter und Winckler anvertraut. Der Schwerpunkt der gegnerischen Angriffe hatte sich wiederum gegen die Gruppe Watter gerichtet, die Höhen um Buzancy und östlich von Villemontoire wurden heftig angegriffen. Zum Gegenangriff in diesem Abschnitt wurde die aus der Reserve eingetroffene 20. Division angesetzt, die nachmittags bei Villemontoire nach Westen vorging. Südlich davon konnten die Franzosen der Gruppe Etzel die Orte St. Remy und Billy entreissen.

Am 19. Juli musste General Staabs mit seinen Divisionen auf Soissons zurückgehen, nördlich der Aisne erfolgte der engere Anschluss an die dort verteidigende Gruppe Hofmann (Gen.Kdo. XXXVIII. Res. Korps). Wegen der Gefahr der Abschneidung aller deutschen Verbände, die sich noch im südlichen Marnebogen befanden, beschloss Ludendorff am 20. Juli den allgemeinen deutschen Rückzug aus dem Frontvorsprung. Der am 16. Juli geschlagene südliche Marnebrückenkopf musste wieder aufgegeben werden. Auch die intakte Front der von den Gruppen Schmettow (Gen.Kdo. 65) und Borne (Gen. Kdo. VI. Res. K.) gehaltenen östlichen Front im Marnebogen mussten vor der französischen 5. Armee zurückgenommen werden.

Am 2. August wurde Soissons durch die amerikanische 1. Division unter Generalmajor Charles P. Summerall befreit, am 3. August bezogen die deutschen Truppen ihre alten Positionen entlang der Aisne und Vesle, die sie gegen weitere alliierte Angriffe halten konnten. Am 6. August wurde die alliierte Gegenoffensive in diesen Abschnitt vorerst eingestellt.

Folgen[Bearbeiten]

Die deutschen Verluste während der Schlacht betrugen geschätzte 168.000 Mann, davon 29.000 Gefangene. Die Verluste der Alliierten beliefen sich auf 95.000 Franzosen, 16.500 Briten, 12.000 Amerikaner und 10.700 Italiener.[4] Das Scheitern dieser letzten deutschen Offensive und die am 8. August begonnene Schlacht bei Amiens markieren den endgültigen Übergang der Initiative an die Alliierten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht an der Marne (1918) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der seit 18. Juni 1918 mit der Führung beauftragte Fritz von Below war tödlich erkrankt, daher führte der vorherige Oberbefefehlshaber General der Infanterie Johannes von Eben, das Kommando in Vertretung bis Anfang August weiter, obwohl er gleichzeitig den Oberbefehl der Armee-Abteilung A innehatte.
  2. a b Lawrence Sondhaus: World War One: The Global Revolution. Cambridge University Press, 2001, ISBN 978-0-521-51648-8, S. 413.
  3. George B. Clark: The American Expeditionary Force in World War I, McFarland Company 2013, Page 85
  4. New York Times vom 16. Juli 1922 über das italienische II. Korps