Schlacht um ar-Raqqa

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Schlacht um ar-Raqqa
Battle of Raqqa2.svg
Datum Mai 2016 bis Oktober 2017
Ort SyrienSyrien ar-Raqqa Welt-IconKoordinaten: 35° 56′ 58″ N, 39° 1′ 13″ O
Ausgang Sieg der Koalltion
Folgen Vertreibung des IS aus Raqqa und der Umgebung
Konfliktparteien

Flag of Syrian Democratic Forces.svg Demokratische Kräfte Syriens
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
FrankreichFrankreich Frankreich
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg Islamischer Staat

Befehlshaber

Rojda Felat (YPJ-Kommandeurin)
Sipan Hemo (YPG stellvertretender Kommandeur)
Kino Gabriel (MFS-Kommandeur)
Fayad Ghanim (Syrische Opposition, Raqqa-Adler-Brigadekommandeur)
Abu Issa (Dschabhat-Thuwar-al-Raqq-Kommandeur)
Muhedi Dschayila (Syrische Opposition, Eliteeinheiten-Kommandeur)
Bandar al-Humaydi (al-Sanadid-Streitkräfte, militarischer Kommandeur)
Siyamend Welat (HXP-Kommandeur)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Generalleutnant Stephen J. Townsend

Flag of the Islamic State of Iraq and the Levant2.svg Abu Bakr al-Baghdadi (Anführer des IS)
Abu Dschandal al-Kuwaiti † (leitender IS-Kommandeur für Raqqa)
Abu Dschandal al-Masri (Informationsleiter in Raqqa)
Abu Muhammad al-Dschazrawi (Leiter der al-Hisba-Geheimpolizei)
Mahmoud al-Isawi † (IS-Progangandaleiter)
Abd al-Basit al-Iraqi † (IS-Kommandeur des nahöstlichen externen Netzwerkes)
Zainuri Kamaruddin † (Katiba-Nusantara-Kommandeur)
Abu Luqman


Die Schlacht um ar-Raqqa ist eine unter dem Codenamen Operation Zorn des Euphrats (arabisch عملية غضب الفرات, DMG ʿamalīyat ġaḍab al-Firāt, englisch Operation Wrath of Euphrates) seit 2016 stattfindende militärische Großoffensive zur Rückeroberung der syrischen Stadt ar-Raqqa aus den Händen der terroristisch agierenden sunnitischen Miliz Islamischer Staat (IS), die die Stadt im Syrischen Bürgerkrieg 2013 unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Gegen den IS kämpfen die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die aus kurdischen, assyrisch-christlichen, sunnitischen und schiitischen Milizionären bestehen und von US-amerikanischen Einheiten und Kampfflugzeugen der internationalen Anti-IS-Koalition unterstützt werden.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördliche Raqqa-Offensive

Ar-Raqqa ist eine strategisch bedeutende Stadt im Norden Syriens am Ufer des Euphrat. In der ersten Jahreshälfte 2016 galt die Stadt ar-Raqqa als Hochburg der IS-Terrormiliz. Ende Mai startete eine Großoffensive der unter anderem von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gegen die Terrororganisation.[1] Anfang November 2016 begannen 30.000 Kämpfer der kurdisch-arabischen SDF mit dem direkten Angriff gegen ar-Raqqa.[2] Den Oberbefehl hat die kurdische Kommandeurin Rojda Felat.[3] Im April 2017 hielten sich in Raqqa nach Schätzungen noch etwa 100.000 Zivilisten und 5000 IS-Kämpfer auf, darunter 1500 ausländische Freiwillige.[4]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2017 erreichten die kurdischen Streitkräfte die äußeren Stadtgrenzen von ar-Raqqa im Norden der Stadt.[5] Zur Verteidigung der Stadt fluteten die IS-Kämpfer tiefer gelegene westliche Stadtteile im Außenbezirk, um den Vormarsch kurdischer Verbände zu stoppen.[6] Bis Anfang Juni 2017 flüchteten rund 10.000 Menschen aus der Stadt in ein nördlich gelegenes Lager, das unter anderem von der Organisation Ärzte ohne Grenzen betreut wird.[7] Am Morgen des 6. Juni 2017 begannen die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) mit Luftunterstützung der US-geführten Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat mit der Stürmung der Stadt. Am nördlichen und östlichen Stadtrand setzten laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte heftige Kämpfe ein.[8] Wie ein Sprecher des Rebellenbündnisses berichtete, werde der IS von drei Richtungen aus angegriffen. Die Einheiten rücken vom Norden, Westen und Osten her auf die Stadt vor.[9]

Nach zweitägigen Kämpfen eroberten die SDF am 11. Juni 2017 den Bezirk ar-Rumaniya westlich von ar-Raqqa und eröffneten damit eine zweite Front innerhalb der Stadt. Dabei töteten sie zwölf Kämpfer des IS, während der begleitenden Luftangriffe der US-geführten Koalition starben auch Zivilisten. Die SDF-Kämpfer kontrollierten bereits den Stadtteil al-Mashalab und drangen in das Viertel Sabahiyya ein. Innerhalb von ar-Raqqa hielten sich etwa 4.000 IS-Kämpfer auf, die sich weitestgehend im Norden der Stadt konzentrierten. Die Zugänge im Westen und Osten von ar-Raqqa wurden nur leicht vom IS verteidigt. Über Monate hinweg hatten die SDF ar-Raqqa belagert, um die Offensive vorzubereiten.[10] Die syrische Armee nahm beim Kampf gegen den IS westlich von ar-Raqqa etliche Dörfer und eine wichtige Verbindungsroute ein. Mit der Offensive wurde der IS überrascht. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von entsprechenden Geländegewinnen. Das Gebiet ist für den IS von besonderer Bedeutung, da er von dort aus Ortschaften und Straßen angreifen kann, die sich unter der Kontrolle der syrischen Armee befinden. Zudem erreichten Kämpfer der SDF am 12. Juni vom Osten her die Mauern der Altstadt von ar-Raqqa.[11] In dem Einsatzgebiet verfügt der IS über seine Hauptquartiere und seine Bürokratie. Zudem halten sich dort zwischen 2.500 und 5.000 IS-Kämpfer auf. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in ar-Raqqa etwa 160.000 Menschen eingeschlossen, die zunehmend auch Opfer der US-geführten Luftangriffe werden.[12]

Am 29. Juni hatten SDF-Verbände den Ring um die Stadt komplett geschlossen und kontrollierten bereits etwa 15 % des Stadtgebietes.[13] Am 4. Juli gelang es den Angreifern erstmals, in die Altstadt vorzudringen. Zuvor waren zwei jeweils 25 Meter lange Teile der Stadtmauer durch Bombardements der Koalitionstruppen zerstört worden.[14]

Anfang September 2017 gelang es den SDF, die Altstadt von ar-Raqqa zu befreien.[15] Mitte Oktober 2017 verlassen die meisten der verbliebenen IS-Kämpfer die Stadt nach einer Vereinbarung; einige Kämpfer verbleiben und halten 400 Geiseln in einem Krankenhaus gefangen.[16]

Die letzten syrischstämmigen Kämpfer des IS in der Stadt gaben nach den Verhandlungen auf und wurden kurz vor dem Ende der Kämpfe mit Zivilisten abtransportiert. Von den Resten der IS-Einheiten mit ausländischen Freiwilligen, die von der Vereinbarung ausgeschlossen waren, wurde zunächst angenommen, dass sie in den Kämpfen untergingen. Bei der Stürmung des IS Hauptquartiers im Krankenhaus wurden 22 IS-Kämpfer getötet.[17] Damit waren am 17. Oktober 2017 mit dem Krankenhaus und dem Stadion die letzten Bastionen des IS gefallen.[18] Der SDF gab anschließend das Ende der Kämpfe bekannt.[19]

Später stellte sich heraus, dass fast 3750 Personen die Stadt unter dem Schutz der Vereinbarung verlassen hatten, darunter auch viele ausländische IS-Kämpfer. Während sich viele dieser Kämpfer in die verbliebenen IS-Gebiete im Osten Syriens begaben, hätten sich andere mit Hilfe von Schleusern in die Türkei abgesetzt.[20][21]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlacht um ar-Raqqa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rebellen verstärken Offensive auf IS-Hochburg Rakka. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. Mai 2016, abgerufen am 6. Juni 2017.
  2. Offensive zur Rückeroberung der IS-Hochburg Raqqa. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. November 2016, abgerufen am 6. Juni 2017.
  3. Moritz Baumstieger: Rojsa Felat – Kommandeurin der Offensive gegen den IS in Raqqa und Bismarck-Fan. In: Süddeutsche Zeitung vom 9. November 2016, S. 4.
  4. ‘Hundreds of us will die in Raqqa’: the women fighting Isis. In: The Guardian online. 30. April 2017, abgerufen am 6. Juni 2017 (englisch).
  5. Kurdish forces capture three villages just ten kilometers north of ISIS-held Raqqa. In: almasdarnews.com. 11. Mai 2017, abgerufen am 6. Juni 2017 (englisch).
  6. Christoph Reuter: Provinzstadt Rakka geflutet, Wasser – die neue Waffe des IS. In: Spiegel Online. 24. Mai 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.
  7. Tausende Zivilisten flüchten aus syrischer IS-Hochburg Rakka. In: Reuters.com. 1. Juni 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.
  8. Kurdisch geführte Allianz beginnt mit Sturm auf IS-Hochburg Al-Rakka. In: FAZ.net. 6. Juni 2017.
  9. IS-Hochburg: Syrische Kurden starten Offensive auf Rakka. In: Tagesschau.de. 6. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  10. IS verliert Kontrolle über Stadtviertel von Rakka. In: Die Zeit online. 11. Juni 2017, abgerufen am 12. Juni 2017.
  11. Syrische Armee erzielt im Kampf gegen IS Erfolge. In: Reuters.de. 12. Juni 2017, abgerufen am 13. Juni 2017.
  12. Die Schlacht nach der Schlacht. In: Süddeutsche Zeitung online. 13. Juni 2017, abgerufen am 14. Juni 2017.
  13. Lizzie Dearden: Isis' last escape route from Raqqa 'cut off' by US-backed SDF fighters, says Syrian monitoring group. In: The Independent online. 29. Juni 2017 (englisch).
  14. IS gerät in syrischer Hochburg al-Rakka in Defensive. In: ORF.at. 4. Juli 2017, abgerufen am 4. Juli 2017.
  15. Spiegel.de:Kurden melden Eroberung der Altstadt von Rakka
  16. N-tv:de: IS-Kämpfer fliehen aus früherer Hochburg, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  17. Patrick Cockburn :"Raqqa: Isis 'capital' liberated by US-backed forces - but civilians face months of hardship with city left devastated" The Independent vom 17. Oktober 2017
  18. "'Letzte Bastionen gefallen" ORF online vom 17. Oktober 2017
  19. Welt.de: Anti-IS-Allianz verkündet Eroberung von Rqqa
  20. Thomas Seibert: "USA gestattete IS-Kämpfern Flucht aus Rakka" Tagesspiegel vom 11. November 2017
  21. Quentin Sommerville, Riam Dalati: Raqqa’s dirty secret. BBC, 13. November 2017; abgerufen am 15. November 2017 (englisch).